Michael Roes - Der Traum vom Fremden

Здесь есть возможность читать онлайн «Michael Roes - Der Traum vom Fremden» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Der Traum vom Fremden: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Der Traum vom Fremden»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Ostafrika 1883: Arthur Rimbaud, der große Poet der Dritten Französischen Republik, hat dem Dichterleben abgeschworen und arbeitet als Kaffee- und Waffenhändler in der legendären Stadt Harar. Als sein Geschäftspartner Sotiro von einer Erkundungsreise in den Ogaden nicht mehr zurückkehrt, startet Rimbaud eine Rettungsmission. Mit einer kleinen Mannschaft vertrauter Einheimischer dringt er vor in die noch unerforschte Wildnis des Ogaden, wo ihn unerwartet die Poesie einholt. Während der Dichter, der keiner mehr sein will, die gefahrvolle Expedition möglichst nüchtern und wissenschaftlich zu protokollieren versucht, drängen immer öfter die längst vergessen oder überwunden geglaubten Dämonen der Vergangenheit zurück in sein Bewusstsein.
Als Grundlage für «Der Traum vom Fremden» dient ein authentischer Bericht, den Rimbaud 1883 über den Ogaden verfasste. Ausgehend von diesem ungewohnt sachlichen Rimbaud-Text taucht Michael Roes ein in die Gedankenwelt des französischen Poeten und lässt ihn Bilanz ziehen. Philosophische Reflexionen über das Reisen, das Dasein und das Schreiben wechseln sich ab mit fiebrigen Erinnerungen an die Amour fou mit Paul Verlaine, Rimbauds kaum erforschte Zeit bei der Fremdenlegion und seinen Neuanfang in Afrika. So ist «Der Traum vom Fremden» Entdeckerroman und
poetisches Experiment zugleich.

Der Traum vom Fremden — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Der Traum vom Fremden», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Wir reiten durch unbewohnte Erde, eine Totenlandschaft, aber die Toten schlafen noch. Sie zeigen sich erst, wenn die Sonne im Mittag steht.

Hin und wieder stoßen wir auf die verlassenen Hütten der Hirten, vom Licht ausgelaugt, das umliegende Gras verdorrt, das Gebüsch laublos. Also sind sie mit ihrem Vieh weitergezogen. Manchmal wohnen sie mit ihren Schafen und Ziegen zusammen auch in Höhlen: außer dem Licht muß man sich in dieser Jahreszeit auch vor dem Regen schützen. Der Wind weht unregelmäßig, aber gelegentlich heftig, ein eigensinniger, mal kalter, dann wieder heißer und staubiger Wind aus dem Innern des Kontinents. Mit seinen haarfeinen Geißeln peitscht er die Menschen wie die Tiere.

Pater Etienne, des jungen Mauricens Confrater, ist ein weitaus älterer, ungemein zarter und zerbrechlicher Landsmann aus Lyon. Seine Kutte hängt wie ein Sack um seine ausgezehrte Gestalt. Er hat ein stilles und gleichermaßen asketisches Gesicht. Unter der trotz der sengenden Sonne fahlen, pergamentnen Haut zeichnen sich die dunklen Linien der Adern, Sehnen und Knochen ab wie eine verwitterte Keilschrift. Ich kann nicht behaupten, ich hätte es vorhergesehen; aber es wundert mich nicht: als Pater Etienne während des unsicheren, suchenden Gangs seines Maultiers auf dem unebenen Pfad plötzlich aus dem Sattel kippt und unabgestützt auf den steinigen Boden stürzt. Von Anbeginn wirkte er wie einer, der bereits vom Tod in die Arme geschlossen ward und die letzte Ölung erhalten hatte, dann aber noch einmal, womöglich gegen seinen Willen, ins Leben zurückgeschickt wurde: Hier ficht er nun einen andauernden nervösen Kampf gegen seine Hinfälligkeit aus, der seinem verhärmten Antlitz eine angespannte Schönheit verleiht.

Es ist ein heißer Tag: Ich benetze das Gesicht des Gestürzten mit Wasser aus meinem Ledersack und untersuche den Schädel, dann die weiteren Knochen, ob irgendeiner gebrochen. Pater Maurice steht betend neben uns. Seitdem wir unterwegs sind, und vermutlich schon Tage davor, hat der alte Kapuzinermönch kaum Nahrung zu sich genommen und sich vom Morgen bis zum Abend gerade einmal mit ausreichend Wasser begnügt, um noch nicht verdurstet zu sein. Nur nach mohammedanischem Kalender, doch durchaus nicht nach christlichem, befinden wir uns gerade in der Fastenzeit: und als ich Pater Maurice auf dieses unnötige, ja gefährliche Exerzitium seines gebrechlichen Confraters anspreche, gibt er bloß Auskunft: es handle sich um ein ganz persönliches Gelübde, eine unverbrüchliche Abmachung zwischen Etienne und Gott. Was für eine unverzeihliche Tat kann der Grund sein, hier in der Einöde unter Lebensgefahr dafür Buße zu tun?

Ich fordere Pater Etienne auf: seine Glieder zu bewegen, eines nach dem anderen. Noch sind seine Bewegungen hilflos wie die eines Gefangenen, den man vom Streckbett befreit. Gebt mir einen Augenblick Zeit: flüstert er. Auch zuvor klang in seiner Stimme – wenn er überhaupt einmal sprach – immer schon das unausweichliche Märtyrertum mit. Dann wurden seine dunkelbraunen Augen schwarz, als falle bereits (und diesmal endgültig) der Schatten des Todesengels auf sein Antlitz. (Werfen Engel denn Schatten?) Sei’s drum, ihm gegenüber fühlt sich ein jeder schmutzig und schämt sich seiner brennenden Augen. Denn alles an ihm – selbst hier im Dreck – ist äußerst reinlich, seine Hände sind makellos wie die des Herrn, der den Kelch mit seinem eigenen Blute seinem unbarmherzigen Vater entgegenstreckt und dann den töricht dreinblickenden Aposteln reicht: Wie sollen diese einfältigen Fischer und Ziegenhirten auch verstehen, was jetzt gerade geschieht?

Ich bestimme, daß wir hier, mitten auf dem Pfad und während der größten Tageshitze, Rast machen. M. Brémond folgt nur mürrisch meinen Anweisungen; sieht aber ein, daß jeder laut vorgebrachte Protest ihn nur als Unmensch erscheinen ließe. Djami und ich spannen ein Tuch über den gestürzten Mann Gottes, damit er im Schatten liege und sich nicht bewegen muß. Dann entzündet Djami ein Feuer, um Pater Etienne eine warme Mahlzeit zu kochen. Wenn der ausgezehrte Mönch nicht wieder ein wenig zu Kräften kommt, können wir unseren Weg nicht fortsetzen; zumindest nicht gemeinsam.

Nur langsam kehrt das Leben in seine müden Augen zurück. Djami füttert ihn wie ein Kind. Alle (selbst Pater Maurice) sind verärgert über diese Unvernunft und die daraus resultierende Verzögerung. Wir werden eine Weile hier rasten müssen und mindestens einen halben Tag verlieren. Brémonds Leute sollen die Tiere von ihrer Last befreien und sie hinunter zum Fluß zu einer Wasserstelle führen. Dann bereiten wir Pater Etienne ein frühes Nachtlager: und die wechselnden Krankenwärter sorgen dafür, daß der Geschwächte in jedem wachen Augenblick ein wenig esse oder zumindest ausreichend trinke.

Als die Wache wieder an mir ist und ich ihm etwas von meinem Dörrfleisch in den Mund zwinge, laufen ihm Tränen über das vom Sturz geschwollene Gesicht. Laßt mich einfach hier liegen, und Gottes Wille geschehe: jammert er. Gottes Wille? Die Hyänen werden Sie holen; werden über Sie herfallen, noch ehe Sie überhaupt tot sind!

Gott wird mich schützen.

Gott hat Sie ja nicht mal auf Ihrem verdammten Maultier halten können! Sind Sie nur deshalb in dieses gottverlassene Land gekommen, um anderen Leuten Scherereien zu bereiten? Sich geißeln und Buße tun hätten Sie doch auch in Frankreich können.

Sie verstehen nicht.

Das ist wahr. Reißen Sie sich zusammen, wenigstens so lange, wie wir gemeinsam unterwegs sind. Dann schaffen wir es in zwei Tagen nach Bubassa.

Nach diesen durchaus ernstgemeinten Grobheiten gieße ich ein wenig Wasser aus dem Fellsack über mein Halstuch und wische dem zerknirschten Mönch das Elend und die Tränen aus dem hungerblassen Gesicht.

Nun sitze ich in meinem Zelt – im Licht der Petroleumlampe –, vor mir das aufgeschlagene Feldtagebuch, die leere Seite, das Datum, der genaue Ort (unbekannt), und nichts vom heutigen Tag, das mir im Gedächtnis geblieben, scheint mir wert, aufgezeichnet zu werden: kein unvergessliches Ereignis, keine Heldentat, kein Abenteuer, nur dieser Unfall, nur ein ermüdeter Mönch, nur diese notgedrungene Unterbrechung. Wann will ich mit meinem Bericht beginnen? Ich beobachte: wie die Moskitos und andere Nachtschwärmer ihren Weg in den Glaszylinder finden und in der gelbblauen Flamme verglühen; ich beobachte es mit unleugbarer Genugtuung. Ach, die Wildnis in mir; das Barbarentum; und der fatale Mangel an überraschenden Gedanken Einsichten Verzauberungen Räuschen (das abendliche Opium zaubert mich schon lange nicht mehr fort).

Bin ich denn immer noch oder schon wieder ein Zögling: ein Zögling des seiltänzerischen Daseins, ein Akrobat, der den Absturz liebt, ein Leben lang nichts anderes geübt hat? Die Wildnis, dachte ich wohl, werde mich retten (habe ich denn auf Java nichts gelernt?), und nun sitze ich inmitten dieser verdorbenen Natur, gefangen wie einer, dem man die Kleider fortgenommen hat und der sich nun nicht traut, nackt nach Hause zurückzukehren. Doch die Wildnis schert sich einen Dreck um meine Nacktheit! Was war es noch einmal, das Bardey mich zu erforschen bat? Immerhin ist es seine Reputation, die hier auf dem Spiel steht. Noch habe ich keines meiner Instrumente und Bücher ausgepackt.

Ach, die Dichtkunst: was ist sie wert, wenn sie nicht in Wissenschaft mündet! einer universellen, praktischen Wissenschaft, die den Menschen zu überleben hilft; einer klaren, nüchternen Sprache, die nicht nur der Träumer versteht?

Hier ist mein Versuchsfeld, mein Laboratorium, hier: wo die Menschheit begann; wo das Paradies und die Hölle so nah beieinander liegen. Bin ich nicht gut gerüstet mit meinen Büchern und Geräten: der Leitfaden der Metallverarbeitung , die Hydraulische Technik für Stadt und Land , das Taschenbuch des Zimmermanns und die Anleitung zur Errichtung von Sägewerken sind mir schon vor geraumer Zeit ins Adener Bureau geschickt und in den unzähligen zähen Mußestunden durchgearbeitet worden; und endlich hat der gute Delahaye mir auch den Reise-Theodolit, das Taschen-Aneroidbarometer, den Sextanten, das Jahrbuch des Bureau des Longitudes für 1882 und die Topographie und Geodäsie von Commandant Salneuve zugesandt; und das alles befindet sich mit dem photographischen Apparat, dem modernsten seiner Art, und den Gerätschaften für die naturkundlichen Präparationen wohlverstaut in den festen, mit Holzwolle ausgepolsterten und weitestgehend wasserdichten Kisten, die wir auf einem Packesel mit uns führen. Meine Studien über den Harar und die Gallas werden nicht nur die Geographische Gesellschaft überraschen, es wird auch ein Werk mit einer ganz neuen Sprache, einer ganz neuen Art der Poesie daraus entstehen!

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Der Traum vom Fremden»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Der Traum vom Fremden» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Der Traum vom Fremden»

Обсуждение, отзывы о книге «Der Traum vom Fremden» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x