Die Schwächung der Kolonialmacht SpanienSpanienKolonien durch Revolten und Unabhängigkeitsbewegungen in LateinamerikaLateinamerika nutzte John Quincy AdamsAdams, John Quincy, um mit dem Erwerb von FloridaFlorida einen Präzedenzfall zu schaffen. Das seit dem Louisiana Purchase FrankreichLouisiana PurchaseLouisiana Purchase zwischen Spanien und den USA umstrittene West-Florida war schon 1810 von Präsident MadisonMadison, James annektiert worden. Der Druck auf Ost-Florida wuchs durch das Vordringen amerikanischer Siedler und durch militärische Strafexpeditionen, die General Andrew JacksonJackson, Andrew 1818 ohne Rücksicht auf die spanische Souveränität gegen SeminolenSeminolen-Indianer und geflohene Sklaven unternahm. Bei den Grenzverhandlungen, die AdamsAdams, John Quincy seit 1817 mit dem spanischenSpanien Gesandten Luis de OnísOnís, Luis de führte, nutzte er diese Konstellation geschickt aus. 1819 erreichte er einen Vertragsabschluss, der den USA gegen die Übernahme von 5 Millionen Dollar spanischer Schuldverpflichtungen endgültig ganz Florida sicherte. Dieser Adams-Onís-VertragAußenpolitikAdams-Onís-Vertrag (1918)Adams-Onís-Vertrag (1819) (oder Transcontinental Treaty ) reichte aber noch weiter, denn erstmals wurde die gesamte spanischSpanienKolonien-amerikanische Grenze vom Golf von MexikoGolf v.Mexiko bis zum Pazifik fixiert. Während die USA ihren Anspruch auf TexasMexikoTexasTexas fallen ließen, verzichtete SpanienSpanienKolonien auf alle Gebiete jenseits der Rocky MountainsRocky Mountains, die nördlich des 42. Breitengrades, d. h. nördlich von KalifornienKalifornien lagen. Diesen Erfolg sicherte Adams durch Verhandlungen mit EnglandGroßbritannienOregon-Gebiet ab, die er schon als Gesandter in LondonLondon begonnen hatte. Nachdem 1817 die beiderseitigen Flottenstärken auf den Großen Seen begrenzt worden waren, einigte man sich in der KonventionAußenpolitikKonvention von 1818AußenpolitikAntebellum von 1818 darauf, dass von den Seen zu den Rocky Mountains der 49. Breitengrad die amerikanisch-kanadischeKanadaGrenzvereinbarungen Grenze bilden sollte. Im riesigen OregonOregon-Gebiet jenseits der Rocky Mountains überschnitten sich die Souveränitätsansprüche von Spanien, RusslandRussland, GroßbritannienGroßbritannien und den USA. Während die Präsenz der kanadischen Northwest Company für London sprach, berief sich Washington auf die Expedition von Lewis und ClarkLewis u. Clark-Expedition sowie auf die Gründung der PelzhandelsstationPelzhandel AstoriaAstoria, die allerdings 1813 an die BritenGroßbritannienOregon-Gebiet gefallen war. 1818 vereinbarte man nun, das gesamte Territorium für zehn Jahre unter gemeinsame englisch-amerikanische Verwaltung zu stellen – eine Regelung, die 1827 auf unbegrenzte Zeit verlängert wurde.
Von diesen Abmachungen und dem Adams-Onís-VertragAdams-Onís-Vertrag (1819) führte eine gerade Linie zu der außenpolitischen Botschaft, die Präsident James MonroeMonroe, James am 2. Dezember 1823 an den Kongress richtete und die später als Monroe-DoktrinAußenpolitikMonroe-DoktrinMonroe-Doktrin bekannt wurde. Den Hintergrund bildete AdamsAdams, John Quincy’ Sorge vor einer Intervention der Heiligen AllianzHeilige Allianz gegen die südamerikanischen Staaten, insbesondere MexikoMexiko, deren Unabhängigkeit die USA gerade anerkannt hatten. Darüber hinaus galt es, ein russisches Vordringen im pazifischen WestenPazifischer Westen zu verhindern, nachdem ZarRusslandZarenreich Alexander I.Alexander I. von Russland exklusive Handelsrechte für die Russian American Company von AlaskaAlaska bis KalifornienKalifornien reklamiert hatte. Im Kern enthielt MonroesMonroe, James Botschaft eine Warnung an die Adresse der europäischen Mächte und RusslandsRussland, dass die Vereinigten Staaten jegliche Rekolonisierung oder den Erwerb neuer Kolonien in Amerika als Gefahr für ihre eigene Sicherheit betrachten würden. Im Gegenzug sagten die USA zu, sich aus den europäischen Angelegenheiten einschließlich der existierenden Kolonien in KanadaKanada, der KaribikKaribik und SüdamerikaLateinamerika herauszuhalten. Den europäischen Regierungen blieb natürlich die Diskrepanz zwischen dem rhetorischen Anspruch und dem tatsächlichen politisch-militärischen Durchsetzungsvermögen der Amerikaner nicht verborgen. Konservative Staatsmänner wie MetternichMetternich, Klemens, Fürst v. verstanden MonroesMonroe, James Konzept der „westlichen Hemisphäre“, in der die europäischen Gesetze der balance of power nicht gelten sollten, dennoch als unerhörte Herausforderung und bestritten die völkerrechtliche Grundlage des Kolonisierungsverbots. In der Praxis wurde die Freiheit der südamerikanischen Staaten vorerst weniger durch die Vereinigten Staaten als durch EnglandGroßbritannienLateinamerika garantiert, das den Kontinent als seine vorrangige wirtschaftliche Interessensphäre betrachtete. Die Rivalitäten und ideologischen Gegensätze der europäischen Mächte, die John Quincy AdamsAdams, John Quincy in sein Kalkül einbezog, minderten die Kriegsgefahr und verschafften den USA eine für die innere Konsolidierung dringend benötigte, mehr als zwanzigjährige außenpolitischeAußenpolitikAntebellum Ruhephase. Sie ließ sich auch zur Steigerung des Handels und zur Suche nach neuen Märkten nutzen, was die Bundesregierung nach Kräften durch Handelsverträge, den Ausbau des Konsulardienstes und die Verstärkung der Kriegsflotte förderte.
Der Missouri-KompromissMissouri-Kompromiss
Vom Beginn des Jahrhunderts bis 1819 waren drei Sklavenstaaten (LouisianaLouisiana, MississippiMississippi (Staat), AlabamaAlabama) und drei „freie“ Staaten (OhioOhio, IndianaIndiana, IllinoisIllinois) neu in die Union aufgenommen worden, die nun 22 Mitglieder zählte. 1819 beantragten auch die Siedler von MissouriMissouri (Staat) beim Kongress die Aufnahme, da die Bevölkerung des Territoriums die erforderliche Zahl von 60.000 erreicht hatte, 10.000 von ihnen Sklaven. Während die früheren Beitritte eher routinemäßig abgewickelt worden waren, entbrannte im Kongress über diesen Antrag erstmals ein heftiger Streit, der die politische Sprengkraft der Sklavereifrage schlaglichtartig deutlich machte. Die Vertreter der Nordstaaten, die im Repräsentantenhaus auf Grund ihrer Bevölkerungsstärke die Mehrheit hatten, wollten eine Klausel in die von MissouriMissouri (Staat) vorgelegte VerfassungVerfassung einfügen, die den Staat auf eine graduelle Emanzipation der Sklaven verpflichtet hätte. Der Senat, in dem sich Sklavenstaaten und freie Staaten genau die Waage hielten, lehnte jedoch eine solche Bedingung ab. Daraufhin verweigerte das Repräsentantenhaus dem Aufnahmeantrag von MissouriMissouri (Staat) die Zustimmung, und im Gegenzug blockierte der Senat den Beitritt von MaineMaine, das bislang zu MassachusettsMassachusetts gehört hatte, nun aber ein eigener Staat werden wollte. In monatelangen, äußerst mühsamen Beratungen, die dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Henry ClayClay, Henry, den Beinamen des Great Pacificator eintrugen, fand der Kongress aber doch noch einen Ausweg aus dem Dilemma: Maine wurde 1820 als freier Staat aufgenommen, und MissouriMissouri (Staat) durfte im folgenden Jahr ohne Bedingungen, d. h. als Sklavenstaat beitreten, wodurch das Nord-Süd-Gleichgewicht im Senat erhalten blieb; dafür akzeptierten die Südstaatler das permanente Verbot der SklavereiSklaverei (s.a. Afroamerikaner) im Rest des 1803 erworbenen Louisiana-Territoriums oberhalb einer Linie (36 Grad 30 Minuten nördlicher Breite), die von der Südwestecke MissourisMissouri (Staat) bis zu den Rocky MountainsRocky Mountains gezogen wurde. Wie schon im Verfassungskonvent von PhiladelphiaPhiladelphia, so hatte auch diesmal wieder die Furcht vor dem Auseinanderfallen der Union einen Kompromiss erzwungen, der die Sklavereifrage eine weitere Generation lang politisch neutralisierte. Allen Beteiligten war aber schmerzhaft bewusstgeworden, dass das Schicksal der Westgebiete, der schwarzen Bevölkerung und der Union auch in Zukunft untrennbar miteinander verbunden sein würde.
Читать дальше