Jetzt, wo uns das Corona-Virus fest im Griff hat und Reisen unmöglich macht, bin ich unendlich froh, mich energisch für diese Reise entschieden zu haben – gegen alle Vorbehalte und Unsicherheiten.
Ich musste mich vielen Ängsten und Sorgen stellen wie etwa, was ich in einem Verletzungsfall/Krankheitsfall tun würde. Würde mich ein Taxifahrer ausrauben? Was, wenn ich einen Autounfall wegen des ungewohnten Linksverkehrs hätte? Würde ich die anstrengenden Wanderungen im australischen Outback aushalten?
Meine beiden größte Sorgen während der ganzen Reise jedoch galten, so schräg das klingen mag, meinem Gepäck und meinem Smartphone – nach jeder Landung zitterte ich, ob mein Koffer wohl angekommen sei, denn ohne diesen wäre ich aufgeschmissen gewesen. Die Angst um den Verlust meines Smartphones ließ mich dieses streng bewachen, denn ohne das Handy hätte ich meine Reise nicht auf diese Art und Weise durchführen können. Der Verlust meines Reisepasses hätte mich nicht so getroffen wie der Verlust meines Smartphones.
Meine Weltreise war auch eine Reise zu mir, denn ich musste feststellen, dass ich mir viel zu viele Sorgen gemacht hatte. Das meiste ging glatt, ein paar Hoppalas waren wohl dabei und den größten Stress hatte ich mir selbst gemacht. Aber im Nachhinein denke ich, dass es besser war, sich auf alle Eventualitäten geistig einzustellen, als unvorbereitet in eine brenzlige Situation hineinzuschlittern.
Um es kurz zu machen: Es ist nichts passiert. Bei der nächsten Reise gehe ich es lockerer an – vielleicht. Die peniblen Vorbereitungen jedoch werde ich beibehalten, denn diese waren die Voraussetzung für das Gelingen der Reise. Wie lautet der schlaue Spruch? „90 Prozent des Erfolges liegen in einer guten Vorbereitung.“ Genau.
Die Reise war wie ein wunderbarer Traum, erfüllt von großartigen Begegnungen und unglaublichen landschaftlichen Schönheiten sowie von interessanten Einblicken in die Kulturen meiner ausgewählten Länder, und sie war auch geprägt durch meine ganz persönlichen Beobachtungen und Eindrücke.
Mein Anliegen ist es, mit diesem Buch jeder Frau, jedem Mann Mut zu machen, sich auf den Weg zu machen, um sich langgehegten Wünsche zu erfüllen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man diese immer wieder aufschiebt – oder aufschieben muss –, weil es äußere Umstände verlangen oder man einfach nicht die Courage hat, sie in die Tat umzusetzen, weil es zu viel an innerer und äußerer Veränderung erfordern würde.
Und je älter man wird, desto schwieriger wird es, den nötigen Schwung aufzubringen. Viel zu viele Ausreden bieten sich an – man ist nicht mehr so belastbar, der Körper ist nicht mehr so fit, man ist nicht vertraut mit den neuen Kommunikationssystemen, auf den Flughäfen ist alles automatisiert, es gibt keine persönliche Betreuung mehr, man könnte krank werden, eine so große Reise ist viel zu teuer und so weiter und so fort. Und daher spricht man zwar immer wieder mit Bedauern von seinen Reiseträumen, die sich leider nicht verwirklichen ließen. Wie schade! Denn mit der nötigen umsichtigen Vorbereitung ist alles möglich und machbar – vielleicht nicht auf meine Art und Weise – und das Leben erfährt eine ungeheure Bereicherung, von der man unendlich lange zehren kann.
Mit diesem Buch möchte ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, dazu inspirieren, sich Reisen zuzutrauen, die nicht schablonenhaft über einen Reiseanbieter ablaufen, sondern die Möglichkeit bieten, selbstbestimmt Wunschziele auszuwählen und diese in einem ebenfalls selbstbestimmten Zeitraum zu bereisen.
Natürlich spricht nichts gegen vorgefertigte Reisen, die meist als Gruppenreisen angeboten werden. Auch hier sieht man viel von der Welt, allerdings nur das, was der Reiseanbieter vorgibt, und nur in der Zeit, die für gewisse Ziele vorgesehen ist. Man reist nicht, man wird gereist.
Auch auf meiner Weltreise hatte ich eine solche einwöchige Bus-Gruppenreise in Thailand zugebucht; sie war überladen mit Eindrücken und eine ziemliche Hetzerei. Aber sie war auch sehr bequem – ich musste mich um nichts kümmern, um keine Verpflegung, keine Übernachtungsmöglichkeit, keine Transportmittel, ja nicht einmal um eine Toilette, denn auch diese Stopps waren vorgegeben und man ging eben auf die Toilette, ob man nun musste oder nicht. Aber richtig eintauchen konnte ich nicht, ich besichtigte nur – im Vorbeifahren sozusagen. Dies zwar ausgiebig, aber immer in Eile und mit so viel Informationsüberflutung, dass ich am Ende nicht mehr wusste, welche Tempel ich wo gesehen hatte und wie all die Orte geheißen hatten, durch die wir gefahren waren. Aber ich hatte sehr viel gesehen; so viel, dass ich wahrscheinlich bis zum Ende meines Lebens keine Märkte und keine goldenen Tempel mehr zu besichtigen brauche. Wie praktisch! Und immer wieder war da das Antreiben durch die Reiseleitung – das Restaurant musste rechtzeitig erreicht werden, das Hotel wartete schon, die Märkte schlossen bald, schnell, schnell … Man ist zwar vor Ort, aber nicht wirklich dort und es ist nicht möglich, sich auf Land und Leute einzulassen. Und man hat immer die Gruppe um sich – wenn man Glück hat, ist es eine angenehme.
Viele Menschen reisen gerne so, weil es bequem ist, sich um nichts kümmern zu müssen. Das kann ich verstehen, mir jedoch liegt diese Art nicht unbedingt.
Ich brauche die Möglichkeit, Dinge in meinem eigenen Tempo und mit Muße zu tun, Orte und Gebäude mehrfach und zu unterschiedlichen Tageszeiten anzuschauen, Museen mehrmals zu besuchen, zum Fotografieren anzuhalten, wann immer sich ein großartiges Fotomotiv zeigt, sich unvorhergesehenen Situationen zu stellen und flexibel reagieren zu müssen. Sich auf eine zufällige Begegnung mit einem anderen einlassen und so lange plaudern zu können, wie man Lust hat, ohne dass ein nächster Besichtigungstermin oder eine Abfahrtszeit wie ein Damoklesschwert über einem schwebt. Und es ist diese gewisse Spannung, die eine solche Reise in sich birgt, das Meistern der vielfältigen täglichen Herausforderungen und Überraschungen, die sie zu einem großartigen persönlichen Erlebnis macht und jeden Reisetag mit einem Gefühl tiefer Befriedigung enden lässt.
Dieses Buch richtet sich nicht an ganz junge Traveller, die die Welt unbekümmert und viele Monate lang bereisen und über meine kleine, bescheidene Reise vielleicht milde lächeln werden. Es richtet sich an diejenigen, die ein bisschen ängstlicher und vorsichtiger sind, weil sie in ihrem Leben bereits viele – oft zu viele – unangenehme Erfahrungen machen mussten. Mit zunehmendem Alter werden wir vielleicht weiser, in jedem Fall jedoch vorsichtiger und weniger unbekümmert.
Dieses Buch soll Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, Lust und Mut machen, sich auf Reiseabenteuer zu begeben, von denen Sie vielleicht schon sehr lange träumen, jedoch nie den Mut hatten, sie zu verwirklichen.
Von mir bekommen Sie in diesem Buch einen ungeschönten Reisebericht, meine Reisevorbereitung, meine Packliste, meine verwendeten Buchungsplattformen, meine Tipps für umsichtiges Verhalten und meine ganz persönlichen Eindrücke und Beobachtungen, die großartigen sowie die frustrierenden.
Mit allen Produkten, die ich namentlich nenne, war ich außerordentlich zufrieden; ich bekomme keinen Cent dafür, dass ich sie hier anführe.
Indem ich dieses Buch für Sie schreibe, komme ich in den Hochgenuss, meine Reise sozusagen noch einmal zu machen – und diesmal nehme ich Sie mit, verehrte Leserin, verehrter Leser, und wünsche uns allen viel Spaß auf der Reise.
Möge die Übung gelingen!
1. Eine irreale Freiheit
„Aber warum denn allein?“
Diese Frage musste ich mir sehr oft anhören.
Ja, warum denn?
Nun, einen Partner/eine Partnerin für eine mehrmonatige Weltreise findet man nicht im Handumdrehen. Vielen ist die Reise schlicht zu teuer, viele haben keine Zeit, andere haben Versorgungspflichten. Selbst wenn ich einen festen Partner hätte, wäre ich nicht sicher, dass er mit mir gekommen wäre.
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