Nasim Khaksar - Zwischen zwei Türen

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Zwischen zwei Türen: краткое содержание, описание и аннотация

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Mit Zwischen zwei Türen präsentiert der Sujet Verlag eine Kurzgeschichtensammlung von dem in der Niederlande im Exil lebenden iranischen Autor Nasmin Khaksar. Thomas Geldner und Gorji Marzban übersetzten die Kurzgeschichten aus dem Persischen ins Deutsche und machen es so interessierten deutschsprachigen Lesern möglich, in die kunstvollen, tiefgründigen und humoristischen Geschichten einzutauchen.
Nasmin Khaksar erzählt in seinen Kurzgeschichten von vielseitigen Schicksalen aus der Fremde. Nachtwandlerisch bewegen sich die Protagonis*innen zwischen den Welten, getrieben vom Wunsch zu verstehen – und verstanden zu werden.

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Marhamats Hauptsorge galt den Mägen ihrer Mitmenschen. Ob die Leute auch andere Probleme hatten, kümmerte sie nicht. Dafür zu sorgen, dass niemand hungers starb, war ihr Lebenszweck. Wenn einer von uns Fieber hatte, sagte sie: „Das Kind braucht was in den Magen.“ Auch wenn wir andere Krankheiten hatten, sah sie im Essensmangel die Ursache. Als mein Bruder schlechtere Schulnoten bekam, kochte sie Suppe. „Dem Kind fehlt doch die Kraft zum Lernen.“

Sie interessierte sich nur fürs Kochen. Wie sie den Tisch deckte und wieder abräumte, musste man gesehen haben. Sie zog die Prozedur dermaßen in die Länge, dass es uns allen auf die Nerven ging. Dabei war sie selbst eine schlechte Esserin. Sie wog ganze neunundvierzig Kilo und war in letzter Zeit so stark abgemagert, dass ihr Kopf viel zu groß wirkte für ihren Körper. Sie machte mich wahnsinnig. Weil sie sich wie ein großer Automat bewegte. Weil sie so wenig Wert auf sich selbst legte. Weil sie sklavisch unterwürfig war. Ich schrie ihr ins Gesicht:

„Was bist du nur für ein Mensch?!“

Sie schwieg mich an.

Sie bückte sich in ihrer weiten Baumwolltunika und las die Brotkrümel auf, die meinem Vater zu Boden gefallen waren. Er hatte meist Freunde und Freizeit im Kopf. Mein Bruder schwänzte ständig die Schule. Meine Schwester hatte sich verliebt. Niemand rief die Familie zur Ordnung. Jeder machte einfach, was er wollte. Ich war mein Leben leid, war die Siedlung leid, die baufälligen Wohnblocks mit ihren schäbigen Hauseingängen und Treppenhäusern. Auch die erst kürzlich in die Stadt gezogenen Landeier von Nachbarn war ich leid. Ich investierte mein gesamtes Gehalt in Kleidung. Ich achtete auf mein Äußeres. Gab gern vor, einen erfolgreichen Geschäftsmann zum Vater und eine pensionierte Lehrerin zur Mutter zu haben. Und dass wir in einem bestimmten Viertel in der Oberstadt wohnten. Ich würde mir beizeiten einen reichen Mann angeln. Unglück, Komplikationen aller Art waren mir verhasst. Ich nutzte jede Gelegenheit, von Zuhause wegzukommen. Fuhr zu meiner Tante nach Isfahan.

Eines Tages rief meine Schwester an.

„Komm schnell heim!“

Am frühen Abend war ich dort.

Zog an der Haustür hastig meine Schuhe aus und ging geradewegs zu meinem Vater ins Zimmer. Die Vorhänge waren zugezogen. Der Raum war finsterer als jede Dunkelkammer. Mein Vater lag im Bett, die weit aufgerissenen Augen gen Zimmerdecke gerichtet, die Pupillen starr, wie vor Schreck. Seine Haare klebten ihm nass und pomadig am Kopf. Im ersten Moment dachte ich: ‚Dieser massige Körper liegt so saft- und kraftlos hingestreckt wie von einem Lkw überrollt.‘ Ringsum im Raum saßen Verwandte, Freunde, Bekannte. Meine Schwester weinte still vor sich hin. Marhamat, eine Hand auf der Brust, ihr krauses Haar wie immer ungekämmt, stand dabei und trat bei jedem Aufschrei meines Vaters zu ihm ans Bett.

Ich setzte mich zu ihm, schob das mit Medikamenten überladene Tablett beiseite. Es stank so stark nach Schweiß und Medizin im Zimmer, dass ich mich fast übergab. Mein Vater hatte trockene Lippen. Marhamat beugte sich zu mir.

„Er hat seit zwei Tagen nichts gegessen. Er brüllt nur rum und schlägt sich.“

Ich wollte seine Hand nehmen. Er wies mich zurück.

„Siehst du, wie viel Pech ich habe?“, stieß er hervor. Noch nie hatte ich ihn so hilflos gesehen. Ich beugte mich über ihn:

„Du hast Glück, dass du noch lebst, Agha.“

Sechs seiner Freunde waren schon gestorben. Ich stand auf, zog die Vorhänge zurück. Es wurde hell im Raum. Mein Vater verzog das Gesicht. ,Das Licht ist ihm wohl zu grell’, dachte ich und lag falsch. Schmerzen hatte ihm das Quietschen beim Zurückziehen der Vorhänge bereitet.

„Schade, dass ich nicht auch gestorben bin“, seufzte er.

Er bewegte seinen Kopf in der feuchten Kuhle seines Kissens hin und her und wälzte sich im Versuch, eine unsichtbare Kette abzuschütteln. Dabei stieß er mit einem Handrücken heftig an die Wand, stöhnte auf und weinte. Ich weinte mit ihm und schrie in die um sein Lager gescharte Runde, ob sie denn gekommen sei, einem Trauerspiel beizuwohnen und den tragischen Helden zu beweinen?

„Macht man einem Kranken so etwa Mut?!“

Mein Vater bedeckte beide Augen mit einer Hand und heulte:

„Welchen Mut denn? Ich bin jetzt blind und Schluss. Meine Freunde sind alle weg.“

Ich klang jetzt genauso gequält wie er.

„Deinen Freunden und ihrem Fusel hast du deine Blindheit zu verdanken, Agha.“

„Geh mir aus den Augen!“, schrie er mich an. „Alle deine Vorfahren waren blind, du Wechselbalg! Was weißt du denn schon?“

Er setzte sich auf. Griff in die Luft, griff sich an die Brust, rief: „Macht die Fenster auf und alle Lichter an!“ Das taten wir. Es half nichts. Er fand das Glas neben seinem Bett und schlug sich damit auf den Kopf. Blut lief ihm übers Gesicht. Es dauerte Monate, bis er sich an sein Blindsein gewöhnt hatte. Meinen Bruder stellte er in den Laden. Obwohl er ihm misstraute.

„Dieser Trottel. Ein Dieb ist er. Er wird den Laden an die Wand fahren.“

Der Laden war ein kleiner Textilhandel im Basar. Mein Vater bestand darauf, Geschäftsführer zu bleiben. Ich sollte die Buchhaltung übernehmen. Und Marhamat brachte ihn morgens hin und holte ihn abends ab. Jeweils eine Stunde Fahrt mit dem Bus. Er brüstete sich immer damit, dass er den Weg kenne, sogar wisse, welchen Bus er zu nehmen hatte, und dass er eines Tages allein in sein Geschäft fahren werde. Zwei Jahre vergingen, ohne dass dieser Tag gekommen wäre.

Binnen weniger Monate bekam er graue Haare. Sehen konnte er das nicht. Er sah sich nicht grau werden und Marhamat nicht altern. Jetzt verbrachte er zwar weniger Zeit mit seinen Freunden. Vom Alkohol aber ließ er nicht ab. Wenn ich abends heimkam, verfiel ich in Trauer. Unsere vier Wände waren rissig und voller Flecken. Der Wasserhahn im Bad tropfte. Der Bodenbelag in der Küche hatte mehrere Brandlöcher. Marhamat war mittlerweile blinder als mein Vater. Und ungestört. Wer hätte sie ihrer zunehmenden Gleichgültigkeit und der Unordnung wegen kritisieren sollen, die immer weiter um sich griff? Wenn ich nach Hause kam, wurde sie noch phlegmatischer. Sie schlich umher wie ihr eigener Schatten. War entweder damit beschäftigt, das ihrer Auslegung nach unreine Geschirr meines Vaters zu spülen. Oder sie kochte Essen. Auf meine Fragen antwortete sie mir immer nur, ohne mich anzuschauen. Ich trat auf sie zu und entdeckte eine blauviolette Schwellung unter einem Auge. Die hatte sie hinter ihrem dichten Haar vor mir verbergen wollen.

„Wer hat dir denn die Aubergine unters Auge gepflanzt?“

Sie verzog den Mund und deutete auf das Zimmer, in dem mein Vater lag. Ich holte tief Luft.

„Na schönen Dank auch. Hoffentlich hat er sich bei der Aktion nicht die Hand verletzt.“

Marhamat wandte sich wieder ab: „Streu du nicht noch Salz in meine Wunde.“

„Was geht mich das überhaupt an?“

In solchen Situationen setzte ich mich zwar vor den Fernseher und schaute eine Telenovela meiner Wahl, war in Gedanken aber weiterhin bei meiner Mutter. Die las gemächlich mit einer Hand Schmutz vom Boden auf, legte die andere auf die Brust und humpelte dann in die Küche.

„Hast du Herzschmerzen?“, fragte ich sie laut.

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