Nasim Khaksar - Zwischen zwei Türen

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Mit Zwischen zwei Türen präsentiert der Sujet Verlag eine Kurzgeschichtensammlung von dem in der Niederlande im Exil lebenden iranischen Autor Nasmin Khaksar. Thomas Geldner und Gorji Marzban übersetzten die Kurzgeschichten aus dem Persischen ins Deutsche und machen es so interessierten deutschsprachigen Lesern möglich, in die kunstvollen, tiefgründigen und humoristischen Geschichten einzutauchen.
Nasmin Khaksar erzählt in seinen Kurzgeschichten von vielseitigen Schicksalen aus der Fremde. Nachtwandlerisch bewegen sich die Protagonis*innen zwischen den Welten, getrieben vom Wunsch zu verstehen – und verstanden zu werden.

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„Warum warst du so blöd, einen Mann, den du nicht geliebt hast, erst zu heiraten und dich dann von ihm zu trennen?!“

Wenige Jahre später war die Tochter eigene Wege gegangen, hatte ihre Fragen aber nicht mitgenommen.

Parinusch hatte sich an einen Psychologen gewandt. Seit ihre Tochter aus dem Haus war, fühlte sie sich wie zum zweiten Mal ins Exil verbannt. So fremd, dass ihr sogar entfallen war, woher es sie in diese kalte Stadt und in eine Wohnung verschlagen hatte, in der ihre Tochter sie am Ende hasste. Parinusch hatte Urlaub genommen, war tagelang nicht aus dem Haus gegangen und bald so schlapp und antriebslos geworden, dass sie keinen Fuß mehr vor die Tür hatte setzen wollen. Sie, die einst Jahre ihres Lebens dafür gegeben hätte, wenigstens kurz auf die Straße zu dürfen, raus ins Freie, frische Luft schnappen, fand diesen Gedanken jetzt unerträglich. Sie saß meist in ihrer düsteren Küche, schaute durchs Fenster, auf die rasch dahinziehenden Wolken.

Eines Abends bekam sie Angst vor ihrer Einsamkeit. Die sich durch nichts vertreiben ließ. Also hatte sie Schal und Mütze angezogen, war in die Metro gestiegen und in den berühmten Stadtpark gefahren.

„Ich hab mir den ältesten Baum gesucht, mit vielen Ästen. Zwischen denen hab ich meine Schachtel Zigaretten versteckt und bin schnell zurück nach Hause. Am nächsten Tag, vor lauter Lust auf die paar Kippen, bin ich wieder in den Park. Und weil ich zu Hause nichts zu essen hatte, hab ich unterwegs Brot und Joghurt gekauft. Für jede gerauchte Zigarette hab ich eine neue im Baum versteckt. So oft, bis ich wusste, ich will weiterleben.“

Ihr Schwedisch war inzwischen so gut, dass sie dem Psychologen Einzelheiten aus ihrem Leben schildern konnte. Im Wartezimmer hatte sie ein paar Zeitschriften durchgeblättert. „Mir war einfach langweilig. Ich bin aufgestanden, zu der Topfpflanze hin, die im Wartezimmer stand, hab vorsichtig die vertrockneten Blätter abgezupft und sie weggeworfen. Dann hab ich mich wieder hingesetzt und mich in die Zeitschriften vertieft.“

Der Arzt hatte ihr sehr aufmerksam zugehört und ihr dann erklärt, sie würde mehrere Sitzungen bei ihm absolvieren müssen, weil die Flucht nicht die einzige Ursache ihrer Probleme sei. Man müsse etwas weiter zurückgehen und auch ihr Leben in Iran mit einbeziehen. Dann hatte er freundlich gelächelt.

„Parinusch, die Topfpflanze im Wartezimmer gehört uns. Niemand erwartet von dir, dass du die trockenen Blätter abzupfst.“

Parinusch hatte zwar wortlos genickt, den Arzt aber wohl nicht genau verstanden, denn ein paar Monate später war sie beim Spazierengehen einem Mann begegnet.

„Er kam mir entgegen, bergab. Er war ungefähr sechzig, trug in jeder Hand eine Einkaufstüte. Ich musste lachen. Er sah lustig aus, eine Tüte links, eine rechts, und sein Mantel war falsch geknöpft. Er hat mich angelächelt. Ich hab das so ausgelegt: ,Bitte knöpfen Sie mir den Mantel richtig zu. Sehen Sie nicht, dass ich beide Hände voll habe?’ Ich bin ihm entgegengegangen, bin vor ihm stehengeblieben und hab den Mantel aufgeknöpft, von oben bis unten. Sechs oder sieben Knöpfe, genau weiß ich’s nicht mehr. Als ich sie richtig knöpfen wollte, hat der Mann plötzlich losgebrüllt. Ich bin erschrocken, kann ich dir sagen, aber ich hab ihm den Mantel trotzdem schnell korrekt geknöpft, hab die Schulterstücke zurechtgezogen und mich entschuldigt. Leider zu spät, es standen schon ein paar Leute um uns rum. Denen musste ich erklären, was passiert war. Der Schwede hat sich zum Glück beruhigt und hat ,Tut mir leid.’ gesagt.“

Hamid hatte den Kopf geschüttelt.

„Wie kann jemandem, der schon seit Jahren dort lebt, solch ein Fehler unterlaufen?“

Alle anderen Abenteuer von Parinusch behielt Negar für sich. Sie ließ Hamid weiter über das Gespür für kulturelle Befindlichkeiten dozieren und spielte die Fortsetzung der Geschichte im Stillen ohne ihn durch.

„Irgendwann war ich bei Leuten eingeladen, und plötzlich fiel mir mein Therapeut ein, der mir ja in jeder Sitzung rät, nicht allein zu bleiben, mir einen Freund zu suchen. Also hab ich mich neben einen Schweden gesetzt und hab ihn angesprochen. Aber als unser Gespräch in Gang kam, hat’s mich auf einmal gejuckt, im Nacken, an den Händen, an Armen und Beinen, überall dieser Juckreiz, am ganzen Körper. Erst hab ich mir nichts anmerken lassen. Der Schwede hatte sich warm geredet, mochte gar nicht mehr aufhören. Irgendwann hab ich’s nicht mehr ausgehalten und hab mir fest an die Kehle gefasst. Sein Gesicht hättest du sehen sollen.“

Wie sollte sie Hamid beschreiben, was für ein Mensch Parinusch war? Ganz anders als alle anderen Frauen aus Negars Bekanntenkreis. Schon als sie sie zum ersten Mal gesehen hatte, war Parinusch ihr wie ein Vogel vorgekommen. Sie flatterte auf einen Ast, zwitscherte ein paar Takte, hüpfte dann auf den nächsten Ast und visierte den übernächsten schon an. Mit ihren fünfzig Jahren war sie rastlos, ständig aktiv. Während der zwei, drei Tage im Hotel hatte sie sich mehrfach an den Geschäftsführer gewandt. Einmal war sie in der Metro mit einem Schnauzbartträger aneinandergeraten. Die enge Beziehung einer Ehe hatte ihr keine Ruhe verschafft. Sie war zu einer gefährlichen Verabredung gegangen. Anstelle einer Freundin, die an dem Tag verhindert war. Nie hätte sie gedacht, dass diese Verabredung auffliegen und man sie für Jahre in noch engere vier Wände pferchen würde, deren Tür sich nicht öffnen oder schließen ließ, wie es ihr gefiel.

Hamid horchte auf. Er saß am Steuer, Negar erzählte von Parinuschs Disput mit einem türkischen Taxifahrer. Sie hatten einander angeschrien, der Fahrer hatte schließlich eingelenkt.

„Und immer ging’s um Nebensächliches.“

„Das sind keine Nebensächlichkeiten“, fand Hamid.

Negar lachte: „Das hat Parinusch auch gesagt.“

„Ich versteh gar nicht, wie du solche Sachen unwichtig finden kannst. Ich lass mich auch nicht gern für dumm verkaufen.“

Dann fragte er: „Hast du rausgefunden, warum sie sie von den anderen getrennt haben?“

Negar wusste es nicht. Zu gefesselt von Parinuschs Geschichten, hatte sie nicht danach gefragt. Parinusch erzählte so, als seien ihr Dinge erst gestern passiert, nicht schon vor vierundzwanzig Jahren.

„Die Einzelzelle war furchtbar eng und dunkel. Ich hab mich so allein gefühlt, dass ich fast wahnsinnig geworden bin. Irgendwann hab ich angefangen zu lesen. Die verzauberte Seele. Auswendig. An viele Textstellen konnte ich mich noch erinnern. Danach hab ich mich auf andere Bücher konzentriert, Bücher, die mein Mann zu Hause hatte, und die ich gelesen habe, ohne dass es ihm auffiel. Damals war ich sechsundzwanzig, ganz klar im Kopf, und ich konnte mir Sachen gut merken. Ich dachte, wenn ich Revue passieren lasse, was ich erlebt habe, und mir jedes gelesene Buch in Erinnerung rufe, eins nach dem andern, dann ertrag ich die Einzelhaft.“

Hamid seufzte: „Klug gedacht.“

Und weil die Einsamkeit so lange anhielt, merkte sie eines Tages: Sie kann nicht mehr lesen. Weder Die verzauberte Seele noch andere Bücher. Und sie hatte auch andere Sachen vergessen. Das Gesicht ihrer Mutter, das ihres Vaters, und wie ihre Brüder aussahen, wusste sie auch nicht mehr.

„In meinem Kopf war ein weißes Blatt, nein, sogar noch weniger, er war leer, leergefegt. Kein Gedanke mehr drin. Alles war weg. Ich war so gut wie tot und sollte das auf diese Weise feststellen. In dieser stockfinsteren Stille hatte ich plötzlich das Gefühl, ein Wurm frisst sich durch mein Hirn, ganz langsam, Schicht für Schicht, wie durch einen Apfel. Ich konnte ihn sogar kauen hören. Ich wollte schreien, um ihn zu übertönen. Und dann dachte ich, ich sei taub geworden. Ich hab mit der Faust gegen die Wand geschlagen, hab das leise Geräusch gedämpft gehört, wie in einem Vakuum. Ich hab meinen Kopf in beide Hände genommen, hab mich in mich verkrochen und mich am Boden gekrümmt. Jetzt war ich ganz sicher: Ich hatte durchgedreht. Ich würde nie wieder normal werden. Noch nie in meinem Leben hatte ich so riesige Angst. Und plötzlich sind meine Ohren aufgegangen. Ich hab einen Lautsprecher gehört. Jemand hat von Hasrat Zeynab erzählt, davon, wie heldenhaft Imam Hosseins Schwester seinen Sohn aus der Schlacht bei Kerbala rettet, in der er selbst fällt. So traurig, dass es mir das Herz zerrissen hat. Ich hab Tränen vergossen, für sie und für mich.“

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