Laura Späth - About Shame

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Scham ist tabu, Scham ist schmerzhaft – und trotzdem muss sich jede:r von uns früher oder später mit ihr auseinandersetzen. Doch woher kommt diese Scham, was macht sie mit uns und wie können wir konstruktiv mit ihr umgehen?
Ausgehend von ihrer eigenen Biografie, von schamvollen Momenten in unterschiedlichen Lebensphasen, zeichnet Laura Späth verschiedene Aspekte der Scham nach – Scham für bestimmte sexuelle Erfahrungen, für den Körper oder für das Frausein – und deckt gleichzeitig mit sozialpsychologischen Ansätzen auf, welche Rolle gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse für die eigene Scham spielen.
Es gilt, die individuellen Schamgefühle an den richtigen Stellen zu hinterfragen, der Scham aber trotzdem mehr Raum in unserem Leben zu geben. Denn: Wir müssen uns nicht für unsere Scham schämen.

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In meinem Umfeld gibt es einige Mädchen, die mit mir zum Handball gehen. Und schon hier weigert sich alles in mir »Wir« zu schreiben, denn dieses »Wir« gab es nie. Es gibt ein »Ich« und ein »die Anderen«. Diese Trennung hat nicht nur damit zu tun, dass ich in meinem 13. Lebensjahr eben ausschließlich physisch anwesend war, ständig über den Tod nachgedacht und mich nicht an Entwicklungsprozessen beteiligt habe. Dass ich die erste Bravo nicht mit den anderen gelesen habe. Sondern auch damit, dass die Mädchen es so wollten.

Im Handballtraining sehe ich diese Mädchen ständig und sie haben etwas, um was ich sie damals beneide: zum einen eine Unbeschwertheit, die fremd ist, sobald man auch nur einmal depressiv war. Zum anderen Zusammenhalt, der bei jeder Einzelnen für ein Gefühl von gesunder Zugehörigkeit führt. Und diese Zugehörigkeit ist es, die ich will. Dafür brauche ich die Anerkennung der Mädchen.

Zugehörigkeit erwirken die meisten Menschen mithilfe der Konstruktion von Ähnlichkeit. Wenn ich zu jemandem gehören will, versuche ich ein »Wir-Gefühl« zu erschaffen, Verbindungslinien zu ziehen und mich darauf zu berufen, dass es etwas gibt, in dem wir zueinander passen, zueinander gehören. Scham tritt dort auf, wo Menschen die Rolle des »Anderen« einnehmen müssen. Wo sie keine Wahl haben, dazuzugehören oder nicht. Wo Menschen, Verhältnisse und Normen ein Abseits bestimmen, in das man gezwungen wird.

Zugehörigkeit muss nicht unbedingt verbal verweigert werden. Es gibt subtilere Mittel, einer Person Anerkennung und Zugehörigkeit zu entziehen und sich dadurch der Situation zu bemächtigen: Wie man auf Wortbeiträge von einer Person reagiert, wie man sie ins Gespräch mit einbezieht. Wie man in einer Gruppe zusammensteht. Wird jemand konsequent abgedrängt? Wird jemand durchgehend ignoriert? Bekommt er*sie nur dann Aufmerksamkeit, wenn seine*ihre Worte belächelt werden sollen?

Nur schwer lässt sich rekonstruieren, wie diese Ausgrenzung damals funktioniert. Das alles ist begraben unter 100 anderen Erinnerungen, 200 Versprechungen, das niemals an die Oberfläche dringen zu lassen, und 300 Versuchen die Situation zu beschönigen, sie anders abzuspeichern. Aber die Scham ist erbarmungslos, weiß Ernaux, weiß ich, weißt du, und sie lässt die schlimmsten Erinnerungen glasklar aufblitzen.

Ich sage etwas und werde ausgelacht. Was ich sage, ist eigentlich egal; es geht darum, dass ich es bin, die spricht. Oder dass ich es bin, die etwas macht oder sich verhält oder auch nur etwas (an sich) hat. Diese Mädchen lachen und grenzen mich für das aus, was ich bin. Ich werde wegen vollkommen willkürlicher Sachen ausgelacht: meiner Gangart beispielsweise. Eines dieser Dinge, die nur im Leben von Kindern so eine große Rolle spielen können. Meine Gangart ist für die Mädchen ein ganz großes Thema, weil ich federnd gehe. Mehr nicht. Es ist einfach nur die Art und Weise, wie ich meinen Fuß beim Auftreten abrolle und dass ich manchmal ein wenig auf Zehenspitzen gehe. Absurd, oder?

Natürlich ging es nie wirklich um die Gangart. Sie ist einfach nur irgendein Merkmal, das sich die Mädchen gesucht haben, um ihre Abneigung an mir auslassen zu können. Und ich? Denke, ich bin der einzige Mensch auf der Welt, der so geht. Dabei treffe ich tagtäglich Menschen, die so laufen. Ich weiß nicht, ob die alle dafür ausgelacht wurden, aber ich hoffe nicht.

Wenn es nicht meine Gangart ist, über die sie sich lustig machen, sind es meine Klamotten: Ich trage ganz selbstverständlich die alte, aber noch – phänomenaler Ausdruck von Mama – »pfenniggute« Kleidung meiner Schwestern. Meine Mutter lebt in der festen Überzeugung, dass die anderen Kinder ihre Tochter mögen, egal was sie trägt; dass ich außerdem im Zweifel genügend Durchsetzungsfähigkeit besitzen würde. Ich erzähle ihr nie, wie die anderen Kinder zu mir sind. Und wenn es nicht meine Klamotten sind, ist es das, was ich denke und ausspreche, weil ich in so vielerlei Hinsicht eine andere Vorstellung vom Leben habe als sie. Ich weiß vieles noch nicht, was für sie bereits Thema ist, vielleicht sogar ihr Lebensmittelpunkt. Ich komme immerhin frisch aus einer Depression, was weder sie wissen noch ich.

Norbert Elias und John L. Scotson widmen sich in ihrer Untersuchung Etablierte und Außenseiter unter anderem der Rolle von Klatsch innerhalb eines Dorfes. Dabei bemerken sie: »Er hatte zugleich die Funktion, Menschen auszuschließen und Beziehungen zu trennen. Er konnte als ein überaus wirksames Instrument der Ablehnung dienen. Wenn beispielsweise ein Zuzügler als ›nicht so nett‹ empfunden wurde, brachte man in den Klatschkanälen – oft sehr tendenziös gefärbte – Geschichten über Normverstöße in Umlauf« 21mit dem Ziel, die Betroffenen zu beschämen, zu demütigen und dabei gleichzeitig Normen zu manifestieren, aber auch die eigenen Machtansprüche zu konservieren; die eigene Überlegenheit zur Schau zu stellen und abzusichern. 22Der Inhalt des Gesagten ist keine Nebensache: Mit der Betonung von Normverstößen soll die Ablehnung auch vor anderen gerechtfertigt werden können.

Wo liegt der Fehler? Das kommt darauf an, wie man soziale Interaktion versteht. Aber ein Erklärungsansatz besteht darin zu sagen: Der Fehler ist, dass ich dennoch versuche mich für sie als Personen zu interessieren. Dass ich dennoch Begeisterung zeige für das, was sie lieben.

Die Machtverhältnisse sind in meinem Fall asymmetrisch: Ich habe keine Möglichkeit, mich zu behaupten, gleichzeitig gebe ich den anderen Mädchen die Macht, mir Wertschätzung zu verweigern. Mal außen vor gelassen, dass diese Ausgrenzung durch nichts zu rechtfertigen und nicht legitim ist, hätte ich mich früher dazu entscheiden können, ihnen diese Möglichkeit zu entziehen. Dann hätten sie mich nicht mehr beschämen können – zumindest in der Theorie.

Keine Erklärung für das Verhalten der Mädchen zu haben, nagt noch immer an mir. Ich lese Artikel, in denen Leute sich als Mobber outen, 23um es vielleicht doch zu verstehen. Aber immer und immer wieder komme ich nur darauf, dass ich nichts dafür konnte. Nachträglich kann ich nur versuchen, meine Schlüsse daraus zu ziehen oder zu untersuchen, was ich aus der Situation gemacht habe. Ich weiß, dass ich mit dieser Erfahrung eine Art Urvertrauen in die Welt verloren habe: nämlich das Vertrauen hinausgehen zu können und von anderen erst mal nichts Böses erwarten zu müssen. Das sorgt dafür, dass ich hin und wieder Maßnahmen des Selbstschutzes ergreife, die auf andere übertrieben wirken. Manchmal erscheine ich Unbekannten gegenüber abgeklärt, nüchtern, vielleicht kalt. Freundinnen nennen es »unabhängig«, aber auch »unnahbar« und beschreiben damit das, was ich als grenzenloses Bedürfnis nach Selbstständigkeit empfinde. Bloß nichts auf die Meinung anderer über mich geben, denn sie wird nie positiv sein – und auch wenn ich seitdem unzählige Male das Gegenteil erfahren habe, nämlich, dass mich mein Umfeld wertschätzt, gernhat, mich anerkennt, bleibt die Angst vor Wiederholung.

Die subtilen Angriffe der Mädchen treffen mich hart, auch weil sie immer kollektiv agieren. Jeden Tag wird alles destruiert, was ich denke. Jeden Tag wird viel Zeit darauf verwendet, mir das Gefühl zu geben: Mit dir stimmt was nicht.

Und jeden Tag versuche ich, noch besser zu passen. Noch weniger anzuecken. Noch vorsichtiger zu formulieren, um Angriffsflächen zu minimieren. Noch mehr das zu wiederholen, was diese Mädchen sagen. Noch mehr zu sein wie sie. Das wenige Taschengeld, das ich habe, ausschließlich in Klamotten zu investieren, die mir eigentlich gar nicht gefallen. Aber ich habe keinen Geschmack, deshalb ist das egal. Mein Geschmack ist deren Geschmack. Irgendwann schweige ich einfach nur noch.

Das verstärkt ihre Wut auf mich. Das Bedürfnis, sich von mir abzugrenzen. Ich, der Schwamm, den man ausdrückt. Um mich ungeschehen zu machen. Ich, das Chamäleon, das nicht ohne Umwelt funktioniert. Das ohne Umfeld in der Identitätslosigkeit verloren geht.

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