Laura Späth - About Shame

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Scham ist tabu, Scham ist schmerzhaft – und trotzdem muss sich jede:r von uns früher oder später mit ihr auseinandersetzen. Doch woher kommt diese Scham, was macht sie mit uns und wie können wir konstruktiv mit ihr umgehen?
Ausgehend von ihrer eigenen Biografie, von schamvollen Momenten in unterschiedlichen Lebensphasen, zeichnet Laura Späth verschiedene Aspekte der Scham nach – Scham für bestimmte sexuelle Erfahrungen, für den Körper oder für das Frausein – und deckt gleichzeitig mit sozialpsychologischen Ansätzen auf, welche Rolle gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse für die eigene Scham spielen.
Es gilt, die individuellen Schamgefühle an den richtigen Stellen zu hinterfragen, der Scham aber trotzdem mehr Raum in unserem Leben zu geben. Denn: Wir müssen uns nicht für unsere Scham schämen.

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In der vierten Klasse beschließe ich, dass die Zugehörigkeitsfragen endgültig geklärt werden müssen. Und dass ich diejenige bin, die zu entscheiden hat, wer zu wem gehört. Ich bilde Fronten, wiederhole das, was ich von den anderen schon kenne. Ich suche mir die Leute aus, die um mich sein sollen, und ich binde sie an mich, indem ich ihnen das Gefühl gebe, sie zu verstehen, als Einzige. Ich gebe ihnen das Gefühl von Exklusivität, weil ich verstanden habe, dass viele Menschen genau das suchen. Ich mache mir die Gruppendynamik unbewusst zunutze, die mir die ersten beiden Jahre meiner Schulzeit so zugesetzt hat. Ich bestimme das Innen, das Außen und die Grenze. Beschämen, um nicht beschämt zu werden . Die Scham abwehren, von der eigenen Scham ablenken, indem man sie anderswo produziert. Es bilden sich zwei Gruppen unter den Mädchen der Klasse, maßgeblich vorangetrieben durch mich. Kinder, die sich vorher den Heimweg geteilt haben, gehen nun getrennte Wege, weil sie nicht in derselben Gruppe sind. Wir versuchen die Willkür hinter der Gruppenbildung zu verbergen und tun so, als gäbe es wirklich Eigenschaften, die die Mitglieder der einen Gruppe gravierend von der anderen unterscheiden.

Unser mit aller Mühe inszenierter »Bandenkrieg« dauert vielleicht ein paar Wochen und findet jäh sein Ende, als meine Klassenleitung uns alle zu einem klärenden Gespräch vor die Klassenzimmertür ruft. Ein Junge aus meiner Klasse hatte ihr gesagt, dass sich die Mädchen der Klasse in Cliquen aufgeteilt haben, einander ignorieren und ausschließen. Diese Erfahrung ist für mich die erste und einzige, bei der ich mich aktiv an Ausgrenzungsprozessen beteilige. Mein Versuch, mich zur Wehr zu setzen gegen Menschen, die mir zuvor das Gefühl gegeben hatten, nicht dazugehören zu können.

Die beiden Cliquen vertragen sich noch am selben Tag und ich gehe wieder mit meiner Nachbarin nach Hause. Über diese ganze Bandensache verlieren wir nie wieder ein Wort. Die eigens ausgedachten Geheimschriften, das inszenierte Selbstverständnis und diese kleinen Objekte, die die Zugehörigkeiten festlegen sollten, verschwinden in einer Kiste, die wiederum irgendwann im Müll landet. Eigentlich faszinierend, wie wenig nachtragend Kinder manchmal sind. Und wie willkürlich ihre Grenzziehung funktioniert, fast schon banal. Trotzdem ist sie nicht folgenlos, sie macht etwas mit denen, die ins Abseits verfrachtet werden. Jahre später schreibe ich in ein Notizbuch, dass man eine Person dann kontrolliert, wenn man ihre Scham kontrolliert.

Fast wünsche ich mir, es hätte weiterhin genügt, das coolere Pausenbrot dabeizuhaben. Oder sich mittels einer Geheimsprache zu verständigen, in der man sich doch letztendlich nichts zu sagen hat; die man nur verwendet, um Zugehörigkeit zur Schau zu stellen.

Aber aus der Geheimsprache wird Alltagssprache. Und aus den kleinen Objekten werden körperliche Merkmale, Verhaltensweisen, Besitztümer, Markenklamotten, Statussymbole. Über all diese Dinge verhandeln wir tagtäglich Zugehörigkeit. Für all diese Dinge bekommen wir Anerkennung – oder eben nicht.

Die jüngere Version meines Selbst kommt ins Gymnasium. In der fünften und sechsten Klasse denke ich nicht über Zugehörigkeiten nach. In diesem Zeitraum schäme ich mich nicht, weil mich meine Naivität weiterhin schützt. In dieser Zeit bemerke ich vielleicht erneut, dass ich anders bin, aber ich hadere deshalb nicht mit mir selbst und wünsche mir auch nicht, eine andere zu sein.

Am ersten Schultag im Gymnasium bin ich eines der wenigen Mädchen, die sich absichtlich neben eine Unbekannte setzen. Ich nehme mir vor, direkt neue Freundinnen finden zu wollen, Kontakte zu knüpfen, mich nicht nur mit den Mädchen zu umgeben, die ich sowieso schon aus meiner Grundschule, meinem Ort kenne.

Und es funktioniert. Ich finde Freundinnen. Ich finde sogar Freundinnen, die mich am liebsten für sich allein hätten. Ich halte mich an die Mädchen, die mich als ihre »beste Freundin« bezeichnen. Sie schützen mich vor Scham, indem sie mir Zugehörigkeit signalisieren. Ich werde für kurze Zeit eines dieser Mädchen vom Typ »Doppelpack«.

Den Ausdruck nehme ich wörtlich: Eine »beste Freundin« zu sein heißt, die Beste in etwas zu sein, perfekt, unfehlbar. Es heißt, dass Menschen zufrieden mit mir sind, mich gerne bei sich haben. Man wird gemocht. Man passt .

Eine »beste Freundin« ist auch diejenige, die verlässlich ist und Verantwortung trägt. Spannenderweise sucht sie sich ihre Position nicht aus: Die Rolle der »besten Freundin« ist ein Zuschreibungsphänomen. Und diese Rolle kann sie nicht verneinen ohne einen Konflikt, Streit oder den Bruch der Beziehung heraufzubeschwören. Ich war nie die Richtige für ein Doppelpack – so sehr ich sie sein wollte.

Scham ist also anerzogen, für jüngere Kinder ist sie unbekannt. Man könnte sich nun zurücksehnen zu dieser »Zeit der Schamlosigkeit«, um es mal so pathetisch auszudrücken. In dieser Zeit sind sie aber nur vermeintlich unschuldig: Genau aufgrund ihrer Schamlosigkeit sind Kinder so grausam. Die Scham, die auf meiner Seite vorhanden war, ist die Scham, die andere leider nicht hatten.

Scham ist nicht nur ein Gefühl, eine ganz individuelle Emotion. Es ist auch ein Macht- und Herrschaftsphänomen, ein soziales Phänomen, eine Sache, die nur im Austausch und in der Interaktion funktioniert: »Ein Individuum zur Scham zu veranlassen, heißt, Macht auf es auszuüben: Beschämungen erlauben Machtgewinn. Sich selbst zur Scham zu bewegen, heißt, sich seiner selbst zu bemächtigen. Scham ist Selbstzwang.« 18Ich begebe mich hier auf eine neue Ebene in der Auseinandersetzung: die von Macht- und Herrschaftsverhältnissen. Diese Ebene zu analysieren, ist nicht einfach. Man denkt oft, dass Macht einfach von außen auf eine*n wirkt, dass man sie immer unmittelbar sehen und spüren kann. Aber die Scham ist ein ganz gutes Beispiel dafür, dass es nicht immer so sein muss.

Jemanden beschämen zu können, zeugt oft von einer Macht, an der die beschämte Person sich »beteiligt«, wenn auch unter anderen Vorzeichen: »Beschämen kann uns nur, wessen Anerkennung wir überhaupt Bedeutung zuschreiben. Und umgekehrt gilt: Sobald wir einem Menschen unsere Anerkennung entziehen, sobald wir einer Person absprechen, anerkennenswert zu sein, verliert diese damit die Macht, uns zu beschämen«, 19schreibt Rita Werden. Macht baut auf wechselseitiger Anerkennung 20auf, also darauf, dass ich die anderen Kinder anerkenne als Personen, die mich beschämen können und damit Macht auf mich ausüben. Dann haben die Mädchen die Möglichkeit, mich nicht anzuerkennen und dadurch Scham in mir hervorzurufen.

Wir machen einen Zeitsprung in das Jahr 2009, in dem ich in der siebten Klasse bin. Ein Jahr, in dem ich, ausgelöst durch den Tod meiner Oma, etwas bekommen habe, was man Jugenddepression nennt. Und wenn eine depressive Phase zu Ende geht, dann fühlt es sich manchmal ein bisschen so an, als wäre man stehen geblieben. Alle Entwicklungen, die andere in der Zeit gemacht haben, sind einfach an einem*r vorbeigezogen und man fühlt, dass man im Vergleich zur Peergroup woanders steht.

Im Sommer will ich etwas, das Stephen Chbosky »teilnehmen« nennt, und dieser Begriff könnte nicht perfekter passen. Es geht nach einer Depression, nach einer Psychose und im Übrigen auch sonst im Leben sehr oft darum, (wieder) am Leben teilzunehmen. Ohne Chbosky damals gelesen zu haben, versuche ich dasselbe. Aber für die Teilnahme braucht es zwei Dinge: erstens etwas, woran man teilnimmt, und zweitens ein Umfeld, das eine*n teilnehmen lässt. Das Erste ist relativ leicht zu bekommen, weil es immer schon da ist. Egal, an was, an irgendetwas kann man immer teilnehmen. Aber das Zweite ist wesentlich schwerer zu organisieren.

Mir fällt auf, dass ich mich schon wieder darum herumwinde, diese Geschichte zu erzählen. Ich will aufstehen, meinen Tee austrinken und den Raum verlassen. Weil es wehtut, mich an Folgendes zu erinnern:

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