Laura Späth - About Shame

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Scham ist tabu, Scham ist schmerzhaft – und trotzdem muss sich jede:r von uns früher oder später mit ihr auseinandersetzen. Doch woher kommt diese Scham, was macht sie mit uns und wie können wir konstruktiv mit ihr umgehen?
Ausgehend von ihrer eigenen Biografie, von schamvollen Momenten in unterschiedlichen Lebensphasen, zeichnet Laura Späth verschiedene Aspekte der Scham nach – Scham für bestimmte sexuelle Erfahrungen, für den Körper oder für das Frausein – und deckt gleichzeitig mit sozialpsychologischen Ansätzen auf, welche Rolle gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse für die eigene Scham spielen.
Es gilt, die individuellen Schamgefühle an den richtigen Stellen zu hinterfragen, der Scham aber trotzdem mehr Raum in unserem Leben zu geben. Denn: Wir müssen uns nicht für unsere Scham schämen.

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Sie hassen mich nicht. Sie verachten nur, was ich bin. Sie wollen auf keinen Fall in Verbindung mit mir gebracht werden. Was tut man, um zu verhindern, dass irgendjemand eine Verbindung zwischen sich und jemandem zieht, mit dem man nicht verbunden sein will?

Man macht die Person lächerlich. Möglichst schmerzhaft. Man stellt sich über sie, indem man sie beschämt. Jemanden zu beschämen, bedeutet auch, ihn zu unterwerfen. Wie gesagt: Scham ist auch ein Machtphänomen, um jemandem zu zeigen: Wir werden nie auf einer Wellenlänge sein. Du wirst nie zu mir gehören und ich erst recht nicht zu dir. Wenn die Person diese Intention nicht versteht, ignoriert man sie. Wie man es eben mit Leuten macht, die man unter sich sieht. Die keine Macht über dich haben und deine Anerkennung nicht verdienen.

So sind diese Mädchen. Sie tun manchmal einfach so, als würden sie mich nicht hören, als wäre ich nicht da. Und wenn ich doch da bin, ist klar: »Eigentlich ist sie fehl am Platz, denn sie gehört nicht zu uns. Sie nicht.« Du. Bist. Niemand.

Ich lerne: »Du bist kein Mensch wie sie. Du bist nicht wertvoll, liebenswert und wichtig. Du verdienst keine Aufmerksamkeit. Du verdienst Ignoranz und Abweisung, weil du ein defizitärer Makel bist. Du bist die Person, die man nicht in der Mannschaft haben will. Alles, was du tust, wird uncool und falsch dadurch, dass du es tust. Dadurch, dass du es verkörperst.«

Das Schlimme daran ist, dass du jetzt um dein Anderssein weißt. Weil es dir unmissverständlich, wieder und wieder, klargemacht wurde. Bis heute scanne ich jede Situation ab, in der ich mich befinde, um jederzeit sicherzustellen, dass mich niemand ausgrenzt.

2019: Meine Therapeutin bezeichnet das, was mir passiert ist, als »Mobbing«. Ich spreche über dieselbe Sache immer nur als »das, was diese Mädchen damals gemacht haben«. Ich weigere mich zuerst, von Mobbing zu sprechen. Man hört wenig von Mobbing, obwohl man weiß, welche Rolle es in Schulen, in der Arbeit, nahezu überall spielt. Eigentlich seltsam, oder? Aber zuzugeben, dass man Opfer davon geworden ist, ist schwierig. Das können die wenigsten, weil es oft so undurchschaubar ist. Mobbing in die eigene Geschichte zu integrieren – wie soll das gehen? Meist kann man sich den Grund dafür nie erklären, weil es eigentlich keinen gibt. Und ohne Grund wird das Erzählen schwierig. Du kannst nur Ereignisse wiedergeben, ohne den nötigen Kontext.

Gleichzeitig kenne ich die Geschichten von Mobbing und finde meine Erfahrungen »zu wenig schlimm«, um sie mit den Erlebnissen anderer auf eine Stufe zu stellen. Der Begriff des Mobbings wird sehr unterschiedlich verwendet, wenngleich er in den allermeisten Fällen eben schmerzhafte Erfahrungen der Ausgrenzung beschreibt. Und in der Ausgrenzung steckt etwas, das ich wichtig finde: Es geht um Gruppendynamiken: »Beschämungen […] sind soziale Techniken, um eigene Vorteile gegenüber fremden Ansprüchen konservieren zu können, um abweichende Lebensformen oder Eigenschaften als minderwertig zu klassifizieren, um die eigene Macht in der Interaktion mit Dritten zu erhöhen.« 24Das Innen der Gruppe kann nicht ohne das Außen. Und damit die Statusansprüche der Gruppe erhalten bleiben, damit jene Macht nicht infrage steht, muss klar sein, dass das Außen minderwertig ist.

Im Begriff des »Mobbings« steckt dein Opferstatus immer schon mit drin. Opfer werden gemobbt. Mobbing transportiert die Demütigung, die du erfahren hast, die Gewalt der Gruppe, den Mob, der dich schikaniert, deine Unterlegenheit gegenüber den anderen, die in der Mehrzahl sind. Es bedeutet, dass dich nicht nur eine Person nicht mag, sondern viele. Dass dein Existenzrecht von mehreren Menschen infrage gestellt wird. Dass du für viele ein Niemand bist. Dass du Opfer eines Kollektivs geworden bist.

Solche Erfahrungen im Kindesalter und in der Jugend werden oft bagatellisiert – es »gehöre dazu«, mache jemanden »stärker« oder »widerstandsfähiger«, und: »So sind Kinder nun einmal«. Michael Schulte-Markwort betont, dass es für Kinder keinen Grund gebe andere zu quälen, wenn sie psychisch ausgeglichen wären und keine eigenen Leiderfahrungen zu verarbeiten hätten. 25Zugleich sind die Folgen für die Betroffenen massiv. Suizidgedanken oder Tabletten- und Alkoholmissbrauch sind nur wenige der möglichen Konsequenzen, die sich im unmittelbaren Verhalten, aber auch im späteren Leben durch psychische Erkrankungen äußern können. 26

Ich will kein passives Opfer gewesen sein. Ich sage »Ausgrenzung«, um die Grenze endlich mal zu wahren. Um klarzumachen, dass sie die Grenze gezogen haben, die mich von ihnen isoliert hat. Vielleicht ist das mein heutiger Versuch, so zu tun, als hätte ich noch körperliche und geistige Integrität besessen, obwohl ich genau das war, zu dem sie mich gemacht hatten: ein Opfer. Ein wehrloses, machtloses Opfer. Das sich angebiedert hat und passen wollte, in das enge Korsett jugendlicher und weiblicher Identität, das mich vor einer Art der Gewalt geschützt hätte, während es andere Gewalt befördert.

Wenn eines der Mädchen aus dem Handballverein und ich zu zweit sind, verhält es sich mir gegenüber freundlich. Wir lachen gemeinsam, wir unterhalten uns viel, es wirkt so, als wären wir Freundinnen. Ich verstehe nicht, dass wir nur Freundinnen sind, wenn uns dabei niemand sieht. Sie lädt mich zu den Treffen mit den anderen Mädchen ein, abseits des Trainings. Sie verabreden sich regelmäßig und laden mich in ihre Welt ein. In ihre Welt, in der Mädchenfreundinnenschaften, ja sogar Mädchengangs existieren, in der sogar Jungs vorkommen. Und ich soll plötzlich Teil davon sein dürfen.

Aber ich weiß um meinen bisherigen Platz, meinen bisherigen Status, daher frage ich mehrmals nach. Ich erinnere mich noch an diese Fragen: »Ist es sicher in Ordnung, wenn ich mitkomme?«, »Wollt ihr wirklich, dass ich Freitagnachmittag dabei bin?« Immer und immer wieder frage ich, weil ich nicht glauben kann, dass diese Mädchen Zeit mit mir verbringen wollen. Vielleicht ist genau das der Fehler? Schon im Vorhinein zu kommunizieren, dass man sich nicht zugehörig fühlt, dass man auf die Erlaubnis einzutreten wartet?

Mein Bauchgefühl warnt mich, aber ich ignoriere es. Vielleicht warnt es mich auch, weil diese Mädchen bereits junge Frauen sind, während ich mich fühle wie ein Kind. Ich weiß doch um die Situationen im Training, bei denen ich dieses eindringliche Gefühl habe, unerwünscht zu sein.

Kurz vor den Sommerferien im Jahr 2009 komme ich mit zu einem der Freitagnachmittag-Events. Es stellt sich heraus, dass man dabei eigentlich nichts macht, außer Insider auszutauschen. Diese unangenehme »Abseits«-Position, in der ich mich in meinem Leben häufig wähne, fühlt sich immer wieder so an, wie jener Nachmittag. Auf der einen Seite die Mädchen, die Späße machen, absolut sicher in ihrer Zugehörigkeit. Und ich, allein, auf der anderen Seite. Ignoriert, abgehängt, ausgegrenzt. An diesem Nachmittag werden alle Zeug*innen davon, dass ich anders bin. In den ersten Minuten versuche ich noch teilzuhaben, merke aber relativ schnell: Hier ist kein Platz für mich. Obwohl alles, was ich will, ist, zu dieser Gruppe zu gehören.

Manchmal kommt dieses Bild wieder, wie ich auf der Mauer sitze und den anderen zusehe. Wenn ich heute mit anderen unterwegs bin, versuche ich immer noch, dieses Bild nicht abzugeben. Weil ich panische Angst davor habe, diese Scham wieder fühlen zu müssen. Laufe ich heute eine Straße mit Freund*innen entlang, gehe ich ungern außen, aus genau diesem Grund. Es sind diese winzigen Details und ich bin mir unsicher, ob sie in den Köpfen anderer eine genauso große Rolle spielen wie in meinem. Aber ich denke genau solche Kleinigkeiten immer mit.

Mit einem der Mädchen teile ich mir meinen Heimweg. Es ermutigt mich aus einem mir absolut unerfindlichen Grund, Anfang der Sommerferien mit in ein Trainingslager zu fahren, bei dem ich noch nie dabei war. Ich lasse es geschehen. Fahre mit. Weil mich vielleicht ein Restglaube oder ein kleines Stück Hoffnung dazu bewegt und ich denke: »Vielleicht nach diesem Trainingslager. Danach, bestimmt werden sie dich danach akzeptieren.«

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