Götzl Was war mit Herrn Eminger?
Rocco R. Er war nicht geladen, er war einfach da. Er sagte, sie kümmerten sich um die Wohnung des Herrn Matthias Dienelt, weil er Fernfahrer war. Sie kümmerten sich um die Katzen.
(Als nächste Zeugin spricht Christine L., Kriminaloberkommissarin beim BKA. Sie hat ermittelt, wo sich Zschäpe zwischen dem Brand in der Frühlingsstraße in Zwickau am 4. November 2011 und ihrer Festnahme am 8. November 2011 in Jena aufhielt.)
Götzl Was können Sie uns über mögliche Aufenthaltsorte von Frau Zschäpe zwischen dem 4. und 8. November 2011 sagen?
Christine L. Am 4. November 2011 gab es gegen 9.30 Uhr den Banküberfall in Eisenach. Gegen 12.30 Uhr brannte das Wohnmobil. Um 15.08 Uhr ging ein Notrufein, dass das Haus in der Frühlingsstraße brannte. Zeugen berichteten, dass Frau Zschäpe mit zwei Katzenkörben das Haus verließ, die Körbe abstellte, und sich dann entfernte. Im Bereich Wohngebiet hat sie mehrfach versucht, André Eminger anzurufen. Am Platz der Völkerfreundschaft kam eine Verbindung zustande. Danach wurde das Handy nicht mehr benutzt. Gegen 3 Uhr nachts gab es mehrere Anrufe aus Glauchau auf dem Festnetzanschluss von André Eminger. Ob die Anrufe von Frau Zschäpe kamen, wissen wir nicht.
Am Morgen des 5. November hat Frau Zschäpe um 7.09 Uhr von einer Telefonzelle in Chemnitz bei Familie Böhnhardt angerufen, vorher wurde die Nummer der Auskunft gewählt. Danach wurde Familie Mundlos angerufen, das ist zweimal fehlgeschlagen und eine Dreiviertelstunde später geglückt. Sie hat die Eltern über den Tod ihrer Söhne informiert. Dann ist Frau Zschäpe von Chemnitz nach Leipzig gereist, wo sie sich bei Burger King ein Internetticket gekauft hat. Sie hatte das Ticket dabei, als sie sich später der Polizei stellte. Um 10.40 Uhr hat sie sich bei Burger King ins Internet eingewählt. Sie blieb eine Stunde und 15 Minuten online. Welche Seiten sie besucht hat, wissen wir nicht. In ihrer Handtasche fanden wir auch die Telefonnummer ihrer Oma in Jena und auf einer Tablettenpackung die Nummer ihrer Tante. Auch abgestempelte Bahnfahrkarten hatte sie dabei. Von Leipzig ist Frau Zschäpe dann weiter nach Eisenach gefahren. Eine Zeugin glaubt, sie bei Tageslicht gesehen zu haben. Das muss vor 17 Uhr gewesen sein, weil um 17 Uhr die Sonne unterging. Spürhunde haben die Spur bestätigt. Dann ist sie weiter nach Bremen gereist, wo sie am 6. November gegen vier Uhr ankam. Von dort fuhr sie nach Hannover. Der Zug sollte um 5.55 Uhr ankommen, hatte aber leicht Verspätung. In Hannover hatte sie neun Stunden Aufenthalt. Es ist unbekannt, was sie dort tat. Über Uelzen, Magdeburg, Halle an der Saale reiste sie wieder nach Eisenach. Dort kam sie um 21.48 Uhr an. Was in Eisenach geschah, ist ebenfalls unklar.
Am 7. November war sie um kurz vor vier Uhr in Weimar, dann fuhr sie erneut nach Halle, wo sie um 5.50 Uhr ankam und einen ganzen Tag verbrachte. Dafür gibt es zwei Zeugen. In Halle/Saale war sie bis etwa 22 Uhr. Am Folgetag, dem 8. November, fuhr sie über Dresden nach Jena. Dort wurde sie gegen 8.30 Uhr von einer Nachbarin in der Nähe der Wohnung ihrer Tante gesehen. Das Haus, in dem ihre Oma mit ihrer Mutter lebt, ist von dort etwa 500 Meter entfernt. An einer Straßenbahnhaltestelle hat sie eine Schülerin um ihr Handy gebeten. Frau Zschäpe soll stark gezittert haben. Von dem Handy aus hat sie einen Notruf abgesetzt. Der Notruf wurde um 8.49 Uhr registriert. Sie sagte, dass sie Beate Zschäpe sei und sich gerne stellen wolle. Sie habe größere Absperrmaßnahmen wahrgenommen, die sie auf sich bezog. Der Beamte konnte das aber wohl nicht zuordnen, sodass das Gespräch wieder beendet wurde. Mit der Schülerin ist sie dann mit der Straßenbahn stadteinwärts gefahren. Gegen 11 Uhr erschien sie in der Kanzlei von Rechtsanwalt Liebtrau. Gegen 13 Uhr hat sie sich in Begleitung des Anwalts bei der Polizei gestellt. Und um 13.09 Uhr wurde sie festgenommen.
Götzl Was können Sie zum Stichwort Zeugnisse der Frau Zschäpe sagen?
Christine L. Nach der Aussage des Angeklagten Schultze hier vor Gericht, dass er hinter einer sogenannten Fliegerscheune bei Jena Dokumente vergraben habe, haben wir am 3. Mai 2012 eine Grabung veranlasst. In einer braunen Plastikmappe haben wir Zeugnisse von Frau Zschäpe aus der ersten bis neunten Klasse gefunden. Von der ersten bis zur fünften Klasse hatte Frau Zschäpe einen Notendurchschnitt von 2. In der Klasse sechs bis neun einen Durchschnitt von 3. In den Grundschulzeugnissen hatte die Lehrerin Notizen über den Charakter von Frau Zschäpe gemacht. Sie sei eine sehr lebhafte, aufgeschlossene und interessierte Schülerin, müsse aber sorgfältiger und sauberer arbeiten. Sie habe sich sehr schnell ins Klassenkollektiv eingelebt. Herausragende Leistungen, benotet mit 1, zeigte sie im Schulgartenunterricht, in Heimatkunde, in Musik und Sport und gelegentlich in Deutsch. Eine 4 hatte sie in Russisch, Mathematik, Chemie, Physik und Biologie. In der fünften Klasse hatte sie in Deutsch, mündlichem Ausdruck und Fleiß eine 1.
Verteidigerin Sturm Wissen Sie, ob bei der Verbindung, die mit dem Anschluss von Herrn Eminger zustande gekommen ist, auch ein Gespräch mit Herrn Eminger geführt wurde?
Christine L. Ob Herr Eminger selbst abgehoben hat oder jemand anderes, das weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass wir eine Verbindung zu einem Handy festgestellt haben, das auf Herrn Eminger registriert war.
10. Dezember 2013
Manfred Götzl, Richter. Heike K., 46, ehemalige Nachbarin von Beate Zschäpe in der Polenzstraße in Zwickau. Sie kannte sie damals nur unter dem Namen Susann Dienelt, die im Haus alle nur Lisa nannten. Patrick K., 22, Sohn von Heike K. Mehmet Daimagüler, Eberhard Reinecke, Anwälte der Nebenklage.
Götzl Waren Sie mal in der Wohnung der Frau Dienelt?
Heike K. Nein.
Götzl Kein einziges Mal?
Heike K. Nee. Wenn mich jemand von alleine einlädt, dann ist das okay. Wenn nicht, dann stört mich das auch nicht.
Götzl Was wussten Sie über Susann Dienelt?
Heike K. Nichts weiter.
Götzl Wie oft haben Sie sich gesehen?
Heike K. Regelmäßig. So alle drei Wochen ein, zwei Stunden, auch als sie schon weggezogen war. Aber da ging es hauptsächlich um mich. Sie war damals die Hauptperson in meinem Leben, der ich alles anvertraut habe.
Götzl Erzählen Sie uns von Ihrem letzten Treffen.
Heike K. Das letzte Mal war sie am 1. November 2011 bei mir. An unserem letzten Abend war alles ein bisschen komisch. Sie war unruhig und blieb auch nicht lang. Sie hat nicht viel geredet. Sie war auch nicht mit dem Fahrrad da, sondern hat sich ein Taxi genommen. Normalerweise verabschiedete sich die Lisa mit einem kurzen Drücker und einem Küsschen auf die Wange. Aber an diesem Abend hat sie mich richtig festgehalten und ihr standen die Tränen in den Augen. Sonst war das nie so! Ich habe sie gefragt, was los ist, aber sie sagte, dass nichts ist. Ich hatte das Gefühl, dass sie eigentlich was sagen wollte. Es war so eine Situation, man möchte reden und macht es dann doch nicht.
Götzl Haben Sie sich mit Frau Zschäpe auch über Politik unterhalten?
Heike K. Einmal kam ein Beitrag über rechte Ausschreitungen im Fernsehen, da sagte mein Sohn so sinngemäß und aus Spaß: »Und ich war nicht dabei.« Da sagte Lisa: »Lass die Finger davon, das bringt nur Unglück, ich weiß wovon ich rede, ich stand schon mit halbem Bein im Knast.« Das war das einzige Mal, dass wir über was Politisches geredet haben.
Anwalt Reinecke Sie sind am 5. November 2011 an der Brandstelle in der Frühlingsstraße gewesen, aber hier haben Sie gesagt, sie wussten gar nicht, wo Frau Zschäpe hingezogen ist.
Heike K. Ich habe vermutet, dass die Susann Dienelt da im Haus liegt. Und zwar tot. Die Polizisten waren bei mir und sagten, die Frau Dienelt sei verschwunden. Da habe ich den Fernseher angemacht und gesehen, dass die Polizei mit Spürhunden durch dieses Haus geht. Ich habe halt vermutet, dass Lisa sich im Haus befindet. (Sie kämpft mit den Tränen.) Was ist denn da so schwer zu verstehen? Es ging ja schließlich um meine Freundin. Lisa war zu diesem Zeitpunkt meine beste Freundin.
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