Eine Stadt ist eine auf einem Zeitpfeil angesiedelte Gemeinschaft, ein nach oben weisender Zeitpfeil, der ständiges Wachstum verlangt. Wachstum ist die Maschine der Stadt: Wenn der Zuwachs aufhört, geht die Stadt unter. Aus diesem Grund sind die lokalen Ressourcen schnell verbraucht, und das Land in der Umgebung der Stadt stirbt. Erst wird es aller Biota beraubt, dann verschwindet der Mutterboden, dann das Wasser. Es ist kein Zufall, dass heute die Ruinen der ältesten Zivilisationen meistens in Wüsten liegen. Zuvor gab es dort keine Wüste. Die Stadt sagt sich, sie sei ein geschlossenes System, das ewiges Wachstum verlangt und zugleich zerfallen muss, damit die Zeit geradlinig verläuft. Das bedeutet, sie muss ihren Zerfall so lange wie möglich nach außen verlagern.
Deshalb ist eine Stadt darauf angewiesen, Ressourcen aus miteinander verflochtenen Systemen jenseits ihrer Grenzen zu importieren. Die Stadt platziert sich selbst in der Mitte dieser Systeme und plündert sie aus, um ihr Wachstum zu füttern, wobei sie die Kreisläufe der Zeit, des Landes, des Wetters, des Wassers und des ökologischen Austauschs zwischen den Systemen unterbricht. Der Austausch erfolgt jetzt nur noch in einer Richtung. Materie und Energie werden auch in dieser Reaktion nicht geschaffen oder zerstört; anstatt den Systemen wieder zugeführt zu werden und sie zu durchlaufen, werden sie zu stationären Massen aufgehäuft.
Die von den Städten ausgehende exponentielle Zerstörung speist das exponentielle Wachstum von Infrastruktur und Bevölkerung. Damit dies geschehen kann, werden Gesetze wie das von Angebot und Nachfrage falsch angewendet: Damit Wirtschaftswachstum stattfinden kann, muss es mehr Nachfrage als Angebot geben. Grob übersetzt heißt dies, es muss mehr Menschen geben, die Grundgüter und lebenswichtige Dienstleistungen benötigen, als es an Gütern und Dienstleistungen gibt. Anders formuliert: Damit die Wirtschaft wachsen kann oder damit etwas einen Wert bekommt, müssen viele Menschen auf eigentlich überlebenswichtige Dinge verzichten. Da das Wachstum exponentiell zunimmt, nimmt auch die Zahl der Menschen exponentiell zu, denen etwas fehlt. So kann sich kein Gleichgewicht einstellen.
Die von diesen elenden Massen ausgehenden Störungen gilt es, mit Brot und Spielen, Fußball und Facebook abzuwehren. Man muss sie fragmentieren, damit sie sich nicht in Gemeinschaften oder erweiterten Familien gegenseitig unterstützen, denn sonst wird die Nachfrage sinken. Vor allem muss man sie sich wie die Karnickel vermehren lassen, denn so stellt man sicher, dass ihr einziges Gut das energetische Potenzial ihrer Kinder ist.
Ich glaube nicht, dass viele Menschen meiner Definition der Nachhaltigkeit zustimmen. Ich höre sie über nachhaltiges exponentielles Wachstum reden, wobei sie außer Acht lassen, dass ein Großteil des Mutterbodens mittlerweile auf dem Boden der Ozeane angekommen ist. Es ist schwierig, mit den Leuten über die unmögliche Physik der Zivilisation zu sprechen, besonders wenn man Aborigine ist: Du führst die Farben und Federn vor, die hübschen Dinge deiner Kultur und sprichst über deine einzigartige Verbindung mit dem Land, während die Leute in Vitrinen blicken und dir zuschauen, aber dass du in ihre Richtung blickst oder beschreibst, was du siehst, ist nicht vorgesehen.
Aber es gibt es noch das Erste Gesetz. Wir müssen mutig genug sein, es auf unsere Realität unendlich miteinander verflochtener, selbst organisierender, selbst erneuernder Systeme anzuwenden. Wir sind die Hüter dieser Realität, und für eine Hüterspezies ist der Zeitpfeil kein angemessenes Modell, von dem aus sich operieren ließe. Wenn ich jetzt über all die Großmütter und Nichten und Schwestern nachdenke, frage ich mich, ob ich nicht den falschen Weg gegangen bin, indem ich all die Wurmlöcher der Physik abgefangen und jedes negative Teilchen angestupst habe. Diese Frauen machen in aller Ruhe weiter und halten die Schöpfungssysteme durch verwandtschaftliche Beziehungen in Gang; sie machen sich keine großen Gedanken, fragen sich höchstens, welches Chaos ich als Nächstes anrichten werde. Vielleicht haben sie es kapiert. In einer Lebenswelt, in der deine Urenkel deine Eltern werden, hat man ein berechtigtes Interesse daran, an der Erschaffung eines stabilen Systems mitzuwirken, in dem diese agieren können, und auch, für ein bisschen Gerechtigkeit zwischen den Generationen zu sorgen. In ruhigen Momenten sitze ich daher gerne auf dem Land in der wohligen Umarmung dieses weiblichen Schöpfergeistes. Ich höre noch, wie die Bulldozer kommen und höre keine Frösche mehr. Aber ich sehe die Blumen.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.