G2 |
APPLE VS. BANKENTechnologie schlägt Finanzbranche |
Börsenwert in US-Dollar. QUELLE: companiesmarketcap.com
G3 |
AMAZON VS. PHARMAEin Gigant im Detailhandel |
Börsenwert in US-Dollar. QUELLE: companiesmarketcap.com
G4 |
TESLA VS. AUTOFIRMENElektromobilität überstrahlt alles |
Börsenwert in US-Dollar. QUELLE: companiesmarketcap.com
Die Luftfahrt ist zwar noch immer ein wichtiger Wirtschaftszweig. Trotz teilweisem Grounding gaben Konsumentinnen zuletzt bei den zehn grössten Airlines bei Weitem mehr Geld aus als bei Zoom. Aber eben: Die Gewinn- und Wachstumschancen werden komplett anders eingestuft. Southwest Airlines, die wertvollste Luftfahrtgesellschaft der Welt, dürfte erst 2022 wieder profitabel sein. Zoom dagegen ist eine Techfirma. Sie erzielt mit wenig Mitarbeitenden viel Gewinn – und steigert diesen von Quartal zu Quartal. Das mögen Investoren, wie sich auch an anderen Unternehmen des Technologiebereichs zeigt.
Das Paradebeispiel dafür ist Apple (G2). Auch hier lässt sich ein passender Vergleich aufstellen: Die Herstellerin von Computern, Tablets und Smartphones ist etwa gleich viel wert wie die zehn grössten Banken der Welt. Anders als im Fall von Zoom beruht der Marktwert hier aber nicht auf dem Prinzip Hoffnung. Apple ist bereits heute ein Unternehmen der Superlative:
—Unter allen Firmen, die an der Börse gehandelt werden, erwirtschaftet Apple den zweithöchsten Gewinn.
—Apple erzielt zudem den sechsthöchsten Umsatz.
—Und Apple ist schon seit geraumer Zeit die wertvollste aller Firmen.
Seit fünfzehn Jahren legt der Aktienkurs von Apple kontinuierlich zu. Die Vergangenheit spricht also ebenso für das Unternehmen wie die Zukunft. Dies reflektiert sich auch in der Bewertung. Das Verhältnis von Börsenwert zu Betriebsgewinn beträgt bei Apple ungefähr 1 zu 30. Das ist ein Wert, den man bei einer gesunden Firma mit guten Aussichten etwa erwarten würde. Ganz anders als die von Apple sind die Aktien der grossen Banken gelaufen. Egal, ob sie aus den USA, aus China oder aus Europa stammen: Ihre Kurse treten seit der Finanzkrise an Ort und Stelle. Einzig die Royal Bank of Canada oder die amerikanische J. P. Morgan Chase haben an der Börse etwas an Wert zugelegt.
Ein weiterer Riese der Technologiewelt ist Amazon (G3). Die Firma, die 1994 als Onlinebuchhändlerin gestartet ist und inzwischen ein ganzes Retail-Imperium betreibt, ist gemessen am Börsenwert heute das viertgrösste Unternehmen. Sie wird ähnlich hoch gehandelt wie die zehn weltgrössten Pharmahersteller.
Die von Jeff Bezos geleitete Firma ist eine Mischform. Einerseits ist sie ein Onlineunternehmen: Sie betreibt Serverfarmen und eine Marktplattform, über die Drittanbieter ihre Produkte verkaufen können. Diese Bereiche sind sehr profitabel, wodurch Amazon in gewisser Weise wie ein Tech-Start-up bewertet wird: Das Verhältnis zwischen Betriebsgewinn und Börsenwert liegt bei rund 1 zu 70, was für gewöhnliche Firmen undenkbar ist.
Andererseits ist Amazon ein klassischer, aber sehr grosser Detailhändler. Über eine Million Menschen arbeiten für Amazon, sei es als Programmiererin oder als Lagerist in den gigantischen Verteilzentren. Unter allen börsengehandelten Firmen beschäftigt nur Walmart noch mehr Personal. Das verleiht Amazon ein reales Gewicht. Die Firma erzielt Milliardengewinne und ist auch umsatzmässig ein Riese: Sie wiegt die zehn grössten Pharmafirmen der Welt fast im Alleingang auf.
Zwar sind die Pharmafirmen keinesfalls Zwerge. Firmen wie Roche oder Novartis dominieren den Swiss Market Index: Wer in die zwanzig grössten Firmen der Schweiz investiert, dessen Geld geht zu einem Drittel an die beiden Pharmaunternehmen. Doch kein Bereich hat in der Pandemie so zugelegt wie die Technologie.
Besonders krass zeigt sich dies am Beispiel von Tesla (G4). Für ihre Fans war die E-Auto-Fabrikantin schon immer ein Börsentipp. Nun erhielten sie endlich recht: Unter Anlegerinnen brach eine regelrechte Tesla-Euphorie aus. 2020 hat sich der Aktienkurs verzehnfacht. Damit ist Tesla beinahe so wertvoll wie die zehn anderen weltgrössten Autohersteller zusammen. Ob das gerechtfertigt ist, wird intensiv diskutiert. Dafür spricht unter anderem:
—Der Boom der Elektromobilität: Über kurz oder lang werden auf unseren Strassen nur noch E-Autos fahren. Hier ist Tesla führend. Auch BYD und NIO, zwei chinesische E-Auto-Hersteller, werden zu sehr hohen Kursen gehandelt.
—Die Batterietechnologie: Tesla produziert Batterien mit hoher Kapazität, die sehr langlebig sind. Im Kampf um Marktanteile könnte dies ein entscheidender Vorteil sein.
—Tesla sei mehr als ein Autohersteller: Einige glauben, die Firma könnte ein Netzwerk von selbstfahrenden Taxis betreiben und ihre Software, die dies ermöglicht, an andere Firmen lizenzieren. Ähnlich wie Apple über das iPhone könnte Tesla über den eigenen Bordcomputer ein Geschäft mit Apps lancieren.
Dagegen wird ins Feld geführt:
—Die Angebotspalette von Tesla beschränkt sich bisher auf wenige Modelle: hochpreisige Limousinen. Um weiter zu wachsen, wird das Unternehmen in neue Segmente vorstossen müssen, wie Kleinwagen, Jeeps oder Nutzfahrzeuge. Das wird kostspielig und schwierig.
—Der Börsenwert von Tesla übersteigt den Betriebsgewinn um Welten – das Verhältnis liegt aktuell bei 1 zu 480. Das ist exorbitant: Tesla wird ein Wahnsinnswachstum hinlegen müssen, um die Erwartungen der Aktionärinnen zu erfüllen.
2020 dürfte Tesla zum ersten Mal einen Gewinn erzielen: vermutlich rund 2 Milliarden Dollar. Das ist aber immer noch ein Bruchteil dessen, was die zehn wertvollsten Vertreter der Autoindustrie insgesamt, von Toyota über BMW bis Hyundai, verdienen.
Verrückte neue Aktienwelt? Wie es mit den Börsenwerten von Tesla und Co. weitergeht, ist schwer zu sagen. Denn wenn die «New Economy» bereits in den Nuller- und Zehnerjahren für Furore gesorgt hat, so ist die digitale Wirtschaft im Corona-Zeitalter – die «New Coronomy», wenn man so will – noch mal eine ganz neue Nummer.
Vielleicht nur so viel: Ich habe meinen Pro-Account bereits wieder gelöscht. Fortan nutze ich Zoom wieder gratis – bis zu einer Zeitlimite von 45 Minuten. Für länger dauernde Videokonferenzen habe ich inzwischen keine Nerven mehr.
DIE DATEN
Die Angaben zum Börsenwert wurden am 19. Januar 2021 beim Portal companiesmarketcap.comeingesehen. Dort werden separate Ranglisten zu den börsenstärksten Unternehmen je nach Branchen geführt. Fürs Verhältnis zwischen Börsenwert und Betriebsgewinn haben wir uns (sofern nicht anders angegeben) auf dem Ebit-Gewinn der vergangenen vier Quartale abgestützt.
Was, wenn nur Frauen abstimmten?
Marie-José Kolly, Olivia Kühni
Publiziert am 08.02.2021
6 Minuten
Frauen stimmen anders als Männer. Das ist einer der Gründe, weshalb man sie möglichst lange von der Urne fernhielt.
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