Im Jahre 1769 gründeten spanische Franziskaner San Diego de Alcalä, die erste Mission in Oberkalifornien. Insgesamt wurden in den folgenden fünf Jahrzehnten entlang der Küste 21 Missionsstationen errichtet, vier davon mit einem Presidio, einer Garnison mit einer kleinen Besatzungstruppe. Die Beziehung zwischen den Soldaten und den Padres war nie besonders gut, doch waren sie aufeinander angewiesen. Die Mission bestand nicht nur aus einer Kirche, sondern war auch ein landwirtschaftliches Pueblo, in welchem hunderte oder sogar tausende von Indianern zusammengezogen wurden und sämtliche Arbeiten verrichteten.
Theoretisch waren die Missionen Institutionen auf Zeit. Demgemäss hätte jede Mission zehn Jahre nach ihrer Gründung säkularisiert werden müssen. In Wirklichkeit dauerte es jedoch über sechzig Jahre bis zur Säkularisierung. In der Meinung der Missionare waren die Indianer Kinder, deren Geist nicht fähig sei, sich über dieses Niveau zu entwickeln. Sie machten sie in den Missionen zu hilflosen Abhängigen und behielten sie in diesem Zustand, indem sie jedes Detail streng kontrollierten. Kontakte mit Europäern ausserhalb der Missionen wurden unterbunden, kurz, die Missionare vermieden alles, was die getauften Indianer darauf vorbereitet hätte, die Mission je wieder zu verlassen.
Die Register der Missionen zeigen eine erschreckend hohe Sterberate. Eine grosse Zahl von Indianern starb an Krankheiten, gegen die sie nicht immun waren. Ihr Leben beschränkte sich auf die Räume der Mission, wodurch ihnen ihre traditionelle Gesundheitspflege, die sie in ihren Dörfern befolgt hatten – Schwitzhaus, Bad im Fluss, gelegentliches Abbrennen und Erneuern ihrer Wohnstätte etc. –, verwehrt war. Während der Missionsperiode sank die Zahl der einheimischen Bevölkerung zwischen der Bucht von San Francisco und San Diego von 72 000 auf 18 000, was einer Abnahme von über 75 Prozent entsprach.
Die spanische Besiedlung Oberkaliforniens beschränkte sich auf einen schmalen Küstenstreifen. Nur am Colorado River gab es zwei Missionen, die von den Yuma aber nach kurzer Zeit beseitigt wurden. Die einzigen Expeditionen ins Central Valley galten der Rückschaffung geflohener Missionsindianer oder waren reine Strafexpeditionen oder Versuche, gestohlene Pferde und gestohlenes Vieh zur Mission zurückzutreiben. Die häufigen Streifzüge zu den Viehherden der Küstensiedlungen unternahmen vor allem Indianer, die von dorther stammten, aber ins Landesinnere geflüchtet waren, um der Missionierung zu entgehen.
1812 baute die Russian-American Fur Company nördlich von Bodega Bay ein befestigtes Dorf, das sie Fort Ross nannte. Es belieferte die russische Kolonie Sitka in Alaska mit Nahrungsmitteln und bildete das Hauptquartier für die Seeotterjagd in Nordkalifornien. Es diente auch als Zentrum für den Handel zwischen den Russen und Spaniern, den die Regierung zwar verboten hatte, der aber für beide Seiten nötig war und unter freundschaftlichen Beziehungen stattfand.
Mexiko hatte sich 1821 die Unabhängigkeit von Spanien erkämpft und erhielt 1824 eine liberale Verfassung. Die Regierung in Mexico City bestimmte von nun an einen Gouverneur, der «jefe político superior» und «comandante general militar» in einem war. Es gab auch eine Art Legislative, die gewählte «diputación», die aber nur auf Einberufung durch den Gouverneur tagte und auch dann hauptsächlich in beratender Funktion.
Die Gouverneure waren unter anderem befugt, Land an künftige Rancheros zu vergeben, auch an Ausländer, sofern diese bereit waren, sich nach Ablauf eines Jahres einbürgern zu lassen und zum römisch-katholischen Glauben überzutreten. In der Folge verschob sich die eigentliche Macht in Kalifornien nach und nach von den Gouverneuren und Missionaren auf eine kleine Gruppe von Ranchero-Familien, deren Mitglieder in Kalifornien geboren und die verwandtschaftlich verbunden waren.
Gouverneur José Figueroa verkündete 1834 die allgemeinen Bedingungen für die Säkularisierung der Missionen, die unter anderem festlegten, dass die Hälfte des Missionslandes an die Indianer übergehen müsse. Seine Massnahmen wurden aber nicht wirksam durchgeführt. Einige Indianer versuchten zwar, auf dem ihnen zugeteilten kleinen Stück Land zu bleiben, doch keiner behielt es länger als ein paar Jahre. Viele wussten gar nicht, dass sie Anrecht auf Land hatten, und verliessen die Küstenregion, um Anschluss bei indianischen Gemeinschaften im Innern des Landes zu suchen. Diejenigen, die als Vaqueros geübt waren, fanden Arbeit auf privaten Ranchos, in welche das Missionsland nach und nach unterteilt wurde, andere in Dörfern.
1836 gelang es dem jungen Kalifornier und Präsidenten der Diputación, Juan Bautista Alvarado, die Macht über Monterey zu ergreifen und die meisten mexikanischen Beamten abzuschieben. Die Kalifornier riefen ihr Land zum freien und souveränen Staat aus, und zwar für so lange, bis Mexiko dem Zentralismus abschwören würde. Alvarado wurde provisorischer Gouverneur, sein Onkel Mariano Guadalupe Vallejo Militärkommandant. Nach ein paar Jahren waren beide angesichts der anarchischen Zustände in ihrem Land so desillusioniert, dass sie 1842 dem letzten Gouverneur von Kalifornien, General Manuel Micheltorena, ihr Amt zurückgaben. 1843 kam es zu einem erfolgreichen Aufstand gegen Micheltorena, der daraufhin nach Mexiko zurückkehrte. Es war der letzte Versuch Mexikos gewesen, mehr als nominelle Kontrolle über Kalifornien herzustellen. Letzter Gouverneur wurde der Kalifornier Pío Pico, der sein Amt von März 1845 bis Juli 1846 innehatte.
Unter mexikanischer Herrschaft erhöhte sich die Zahl der Ranchos von 20 auf rund 500. Mexikos liberale Landvergabe-Bestimmungen von 1824 und 1828 erlaubten 11 spanische Quadratmeilen 1 für einen Rancho (198 Quadratkilometer). Doch selbst diese grosszügige Limitierung wurde nicht immer eingehalten, da ein Ranchero oft mehrere Landzuweisungen erhielt. Auf den Ranchos arbeiteten zwischen zwanzig und mehrere hundert indianische Arbeiter, entweder ehemalige Missionsindianer oder neu aus den indianischen Dörfern rekrutierte Leute. Sie erhielten als Lohn in der Regel nur Essen, dürftige Kleidung und einen einfachen Platz zum Schlafen. Obwohl theoretisch frei, befanden sie sich in Wirklichkeit in einem Zustand der Leibeigenschaft an den Ranchero gebunden, solange dieser es wünschte.
Amerikanische Unterwanderung
Das amerikanische Interesse an Kalifornien begann im späten 18. Jahrhundert, als Händler der Ostküste entdeckten, dass in China ein grosser Markt für Seeotterfelle bestand. Obwohl Spanien Ausländern die Jagd auf die Tiere verbot, besass es nicht die Mittel, sie zu verhindern. Als die spanische Herrschaft in Kalifornien zu Ende ging, waren die Seeotter und Seehunde entlang der Küste beinahe ausgerottet. Das Hauptinteresse der Neuengländer wandte sich nun dem Export von Rinderhäuten und Talg zu. Zu Beginn der 1820er-Jahre liessen sich die ersten englischen und amerikanischen Händler in Monterey nieder. Trotz hoher Importzölle für Fertigwaren machten sie gute Geschäfte: Eine Rundreise mit Waren aus Neuengland nach Kalifornien und mit Häuten und Talg zurück nach Neuengland brachte bis zu 300 Prozent Gewinn. Neben dem wirtschaftlichen Faktor war der Handel auch deshalb bedeutend, weil er über viele Jahre die einzige Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und Kalifornien bildete.
Zusätzlich zum Seehandel begann in den 1820er-Jahren auch der Handel mit Biberpelzen. Die erste Expedition nach Kalifornien unternahm der junge Biberjäger Jedediah Strong Smith im Jahre 1826 mit 17 Leuten. Sie erreichten im November die Mission San Gabriel, die den Amerikanern über mehrere Wochen Gastfreundschaft gewährte. Als Smith im Jahr darauf nach Kalifornien zurückkehrte, verlor er 16 seiner 18 Begleiter bei Auseinandersetzungen mit Mohave-Indianern am Colorado und mit Umpquas in Oregon. Er selbst wurde drei Jahre später auf dem Santa Fé Trail von Comanche-Kämpfern umgebracht.
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