Feucht- und Nasswiesen: Im Bereich von Mooren und Feuchtgebieten oder entlang von Gewässern.
Watt- und Salzwiesen: In Meeresnähe. Die vorkommenden Arten sind salztolerant und ertragen auch Überflutungen durch Salzwasser.
Steppenrasen: In Trockengebieten mit weniger als 500 mm Niederschlag pro Jahr.
Sandfluren: Auf Sand von Küsten- oder Binnendünen, die nur noch wenig verweht werden.
Alpine Rasen: Oberhalb der Waldgrenze.
Wachsen und kämpfen
Zwar hört man keine Geräusche und sieht auch keine Bewegungen, doch unter den Wiesenpflanzen herrscht starke Konkurrenz. Zusätzlich beeinflusst die Bewirtschaftung die Artenzusammensetzung in einer Wiese.
In einer dicht bewachsenen Wiese gibt es kaum Bestandeslücken, und kaum ein Flecken Erde bleibt ungenutzt. Entstehen durch Scharrspuren von einem größeren Tier, durch Erdhaufen von Maulwurf oder Schermaus vegetationslose Stellen, so beginnt sogleich der Kampf darum. Sofort versuchen verschiedene Pflanzen entweder mit Samen oder mit der Bildung von Ausläufern diese noch unbewachsene Fläche zu besiedeln.
Winter: «Wer hat hier gegraben?»
Schermaus
Die Konkurrenz zwischen Pflanzen beginnt schon im Wurzelraum um Wasser und Nährstoffe. Einige Arten kämpfen dabei mit chemischen Mitteln, indem sie über ihre Wurzeln für andere Arten wachstumshemmende Substanzen ausscheiden (Nussbaum). Augentrost-, Zahntrost- und Klappertopf-Arten zapfen mit speziellen Saugwurzeln (Haustorien) die Wurzeln anderer Pflanzen an und saugen ihnen Wasser und Nährstoffe ab.
Unter den Wiesenpflanzen herrscht starke Konkurrenz.
Entscheidend für das Wachstum und die Entwicklung einer Pflanze ist auch das Licht. Schneller wachsende Arten können andere überholen und sind dadurch im Vorteil; dies gilt besonders dann, wenn sie wie Wiesen-Bärenklau oder Wiesen-Storchenschnabel große Blätter besitzen und damit kleinwüchsigere Konkurrenten beschatten. Arten, die kleine Blattranken besitzen wie die Wiesen-Platterbse oder die Vogelwicke, winden sich um höher wachsende Pflanzen und hangeln sich an fremden Stängeln und Halmen in die Höhe ans Licht.
Selektion der Arten durch den Menschen
Mehr noch als die zwischenartliche Konkurrenz der Pflanzen hat die Bewirtschaftung einen entscheidenden Einfluss auf die Artenzusammensetzung in einer Wiese. Abgesehen von der Nutzungsform und -häufigkeit der Schnitte spielen auch die Bodenverhältnisse, das Nährstoffangebot sowie die klimatischen Einflüsse (Licht, Temperatur, Niederschläge, Wind, Meereshöhe usw.) eine wichtige Rolle.
Einleitung: «Wiese ist nicht gleich Wiese»
Meist noch bevor die meisten Wiesenpflanzen verblüht sind, werden sie gemäht. Als Folge davon bleibt für sie keine Zeit, Samen ausreifen zu lassen und abzusamen. Würde der erste Schnitt später erfolgen, so wären Futterwiesen artenreicher. Ein früherer Schnitt begünstigt Arten mit großer Regenerationsfähigkeit oder tief liegenden Erneuerungsteilen wie Blattrosetten oder Kriechtrieben (z. B. Löwenzahn und Kriechender Günsel). Auf Wiesen oder Weiden bevorzugen Tiere die wohlschmeckenden, zarten Arten und verschmähen solche mit Stacheln oder Bitterstoffen. Gewisse Arten (z. B. Disteln) werden stehengelassen und können sich ausbreiten. Wenn eine Wiese nicht mehr beweidet oder gemäht wird, so verbuscht sie, und nach einigen Jahren wächst wieder Wald darauf.
Der Löwenzahn ist eine der wenigen Wiesenpflanzen, dem die kurze Zeit bis zum Schnitt reicht, um Samen ausreifen zu lassen. Die meisten anderen Pflanzen werden gemäht, bevor sie verblüht sind und abgesamt haben.
Was uns diese Pflanzen zeigen
Einige Pflanzen geben uns Hinweise auf die Beschaffenheit des Bodens, auf dem sie wachsen. Man nennt sie daher «Indikatorpflanzen» (oder «Zeigerpflanzen»). Folgende Arten sind Indikatoren für bestimmte Eigenschaften des Bodens:
Der Schlangen-Knöterich (Persicaria bistorta) zeigt feuchte Bodenverhältnisse an.
Wiesen mit so üppigem Bewuchs von Scharfem Hahnenfuß (Ranunculus acris) sind reichlich gedüngt.
Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) wächst nur auf nährstoffarmen Wiesen und Weiden.
Nährstoffreiche Wiese mit dominierendem Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris) im Unterland.
Wiese auf feuchtem, relativ nährstoffreichem Boden in den Voralpen. Wald-Storchenschnabel (Geranium sylvaticum) und Rote Waldnelke (Silene dioica) fallen durch ihre Farben auf.
Wiese mit Margeritten (Leucanthemum vulgare) und Glockenblumen (Campanula sp.) an einem sonnigen, eher trockenen Standort in den Alpen.
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