Vom Schulsekretariat erhalten Sie einige Tage vor Beginn des Unterrichts die Klassenliste . Sie gibt Ihnen einen ersten Einblick in die Zusammensetzung der Klasse. Sie erhalten Antworten auf folgende Fragen:
• Aus welchem geografischen Einzugsgebiet kommen die Lernenden?
• Welche Lehrbetriebe sind für die Ausbildung verantwortlich?
• Wie alt sind die Lernenden? Sind Einzelne sehr viel älter (oder jünger) als der Durchschnitt?
• Wie groß ist der Anteil der Frauen in der Klasse?
• usw.
Solche Informationen liefern Ihnen wichtige Hinweise auf die Lernvoraussetzungen, die Sie antreffen werden.
Ebenfalls vom Sekretariat erfahren Sie, mit welchen Lehrpersonen Sie die neue Klasse führen werden. Nehmen Sie rechtzeitig Kontakt auf mit diesen Kollegen und Kolleginnen, um Überschneidungen am ersten Schultag zu vermeiden. So ist es beispielsweise nicht notwendig, dass sich alle Lernenden bei jeder Lehrperson ausführlich vorstellen. Dies ist in der ersten Stunde sicherlich sinnvoll. Bei den Lektionen am Nachmittag reicht es durchaus, wenn die Lernenden ihre Namen auf Namenskärtchen schreiben.
Klassenraum und Infrastruktur
Sie haben erfahren, in welchem Raum der Unterricht stattfindet. Es ist ratsam, sich im Vorfeld mit dem Raum und der Infrastruktur vertraut zu machen.
• Wie groß ist der Raum im Vergleich zur Zahl der Lernenden auf meiner Klassenliste?
• Welche Sitzordnung erlaubt das Klassenzimmer?
• Was steht mir an Infrastruktur im Raum und im Gebäude zur Verfügung?
• Was muss ich mir an Unterrichtsmaterial beschaffen, damit der Start gelingt?
An der Einrichtung des Raums lässt sich meist recht gut erkennen, welche Unterrichtsform vorwiegend zur Anwendung kommt. Wenn Ihr Unterricht zur Hauptsache aus einer Kombination von Frontalunterricht und Einzelarbeit besteht, werden die Tische und Stühle in Richtung Lehrerpult ausgerichtet. Wird häufig in Partnerarbeit oder Kleingruppen gearbeitet, so können die Tische zu Gruppenarbeitsplätzen zusammengeführt werden.
Sie überlegen sich genau, welche Ziele in Ihrem Unterricht am ersten Schultag im Vordergrund stehen. Hier eine Auflistung von verschiedenen möglichen Zielsetzungen:
Wenn die Zielsetzungen geklärt sind, erstellen Sie in Form eines Tagesplans ein Drehbuch für den Unterricht. Dafür stehen Ihnen verschiedene Instrumente zur Verfügung. Wichtig ist, dass in Ihrem Plan neben den Zielen auch die Phasen des Unterrichts, die Methoden und Hilfsmittel aufgeführt sind.
Die wichtigsten Inhalte oder Phasen des Unterrichts schreiben Sie an die Wandtafel oder auf ein Flipchartblatt. Dann beginnen Sie mit einem informierenden Unterrichtseinstieg. Die Lernenden wissen so zu Beginn des Tages, welche Arbeiten auf sie warten. Am Schluss des Unterrichts können Sie mithilfe der aufgeführten Punkte zurückblicken und eine erste Auswertung vornehmen.
Es ist nützlich, für die ersten Monate einen Grobplan zu erstellen. Dieser stellt lediglich eine Absichtserklärung dar; es sind darin nur die wichtigsten Inhalte und die geplanten Aktivitäten aufgelistet – ohne didaktische Einzelheiten. Achtung: Freiräume einplanen! Immer wieder fallen wegen Exkursionen, Sitzungen usw. einzelne Schultage aus.
Sie formulieren Ziele, die Sie mit den Lernenden in den ersten Monaten erreichen möchten, zum Beispiel:
• Ich will mit den Lernenden eine tragfähige Basis für die gemeinsame Arbeit schaffen.
• Die Klasse soll als Gruppe arbeitsfähig werden. Die Lernenden erfahren, mit welchen Lernpartnern sie produktiv arbeiten können.
• Ich kann die Lernenden mit ihrem Namen ansprechen. Ich kenne von allen ein paar persönliche Daten und bekomme einen kleinen Einblick in ihre Lebenswelt.
• Ich trage mit dem Unterrichtsgeschehen zur Standortbestimmung der Lernenden in einer neuen Lebens- und Schulumwelt bei.
• Ich kann im Rahmen der Früherfassung die Lernenden bezeichnen, die... im gewählten Beruf möglicherweise unterfordert sind.... die Anforderungen des gewählten Berufes voraussichtlich selbstständig erfüllen können.... Unterstützung benötigen, um die Anforderungen des gewählten Berufes erfüllen zu können.... die Lernvoraussetzungen noch nicht mitbringen, um die Anforderungen des gewählten Berufes zu erfüllen.
Im Zeitplan halten Sie also die wichtigsten Inhalte fest. Das gibt den Lernenden auch eine Orientierung, an welchen Schultagen Notenarbeiten vorgesehen sind. Pläne verändern sich im Laufe des Unterrichts – sobald Sie mit der konkreten Arbeit beginnen. Der Zeitplan muss also immer wieder angepasst werden. Wichtig ist, Planungsänderungen transparent zu kommunizieren und die Planung immer wieder nachzuführen.
Vorbereitung und Einstieg in den Unterricht
Zur Vorbereitung des Unterrichts halten Sie am besten den Ablauf Ihrer Stunde in Skriptform fest. Wer gut vorbereitet ist, kann dem Unterrichtsgeschehen ruhig und gelassen entgegensehen, kann nötigenfalls von seinem Plan abweichen und ist offen für das aktuelle Unterrichtsgeschehen in der Klasse.
Sie treffen mindestens eine Viertelstunde vor der Klasse im Unterrichtsraum ein. Zuweilen ergibt sich in der Zeit vor Unterrichtsbeginn Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch zwischen Lernenden und Lehrperson. Solche Gespräche haben oft nicht nur den Schulstoff zum Inhalt, sondern auch Begebenheiten aus dem Betrieb oder dem Privatbereich. So spüren Sie die Stimmung in der Klasse und geben den Lernenden die Chance, in der Schule und im Unterricht anzukommen. Wahrnehmungsfähigkeit und Offenheit sind beim Empfang der Lernenden besonders wichtig.
Wie ein Musik- oder Theaterstück hat der Unterricht einen eindeutigen Beginn. Dabei geht es darum, dass die Lehrperson einen ausreichenden Grad an Konzentration einfordert. Stehen Sie am Anfang der Stunde auf jeden Fall vor der Klasse. Zeigen Sie auf diese Weise, dass schulisches Lernen nur in einer konzentrierten Atmosphäre stattfinden kann.
Ihre Körpersprache – die Art und Weise, wie Sie vor der Klasse stehen, was Sie mit Ihrer Haltung ausdrücken – prägt den Unterricht oft mehr als Ihre verbalen Äußerungen. Denken Sie daran: Das Paraverbale (Tonfall, Sprechtempo, Pausen) bleibt meist stärker haften als der Inhalt Ihrer Äußerungen. Wenn die verbalen und nonverbalen Botschaften übereinstimmen, entwickeln die Lernenden mit der Zeit die Einsicht: »Sie/Er meint wirklich, was sie/er sagt.« Diese Form von Selbstkongruenz ist ein wesentlicher Faktor, damit Unterricht gelingt. Auch darauf gilt es, von Anfang an besonders zu achten.
Für die Lernenden ist der Unterricht dann angenehm, wenn die Lehrperson in einer mittleren Körperspannung arbeitet. Ist ihr Körpertonus zu hoch, führt dies zu einer unangenehmen Anspannung und Hektik im Unterrichtsgeschehen. Auch für die Lehrperson wird so Unterrichten auf längere Sicht erschöpfend.
Ist der Tonus aber zu niedrig, wirkt dies für viele Lernende wie eine Einladung, selbst in eine entspannte Position zu gehen. Unterricht entwickelt sich dann mit einer gewissen Beliebigkeit und führt oft nicht zum erhofften Ziel.
Читать дальше