Franz Fuhmann - Das Judenauto

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Wie tief hinab reicht das Erinnern?
1962 erschien erstmals »Das Judenauto«. Jener Erzählzyklus, der zum erfolgreichsten Buch Franz Fühmanns werden sollte. »Ich hatte Erfahrungen, existentielle Erfahrungen …, die ich mitteilen wollte.« In 14 Kapiteln widmet sich Fühmann Ereignissen, in denen sich die Brüche und Abgründe in der deutschen und damit
europäischen Geschichte der Jahre 1931 bis 1949 widerspiegeln. »Reportagen durch die Zeit« nannte er seine Erzählungen. Ziel war es, »eine Figur von unten zu zeigen; wie sieht sie sogenannte historische Ereignisse. Wie schaut es zum Beispiel im Alltag aus, wenn ein Weltkrieg ausbricht«. Fühmann erzählt mitreißend, bedrückend, anschaulich. Etwa wie sich Menschen freiwillig in eine Scheinwelt begeben, in der Fakten nur dann stimmen, wenn sie einem passen, eine Scheinwelt, durch die viele offenen, aber oft nicht sehenden Auges in den Untergang marschieren. Ein beklemmend aktuelles Buch.

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Wie spät es schon war, als die Langeweile kam, das weiß ich jetzt nicht mehr, doch glaube ich, daß seit meinem Eintreffen in der Turnhalle bis zum Einbruch der Langeweile nicht viel Zeit verstrichen war. Es war sicher noch früh am Tag, als die Langeweile in den düstren, kaum erhellten Geräteraum kam, und sie kam körperlich greifbar, ein muffiger, langsam dahinwallender Brodem, der uns umkroch und träg sich lagerte: Sie war kein psychisches, sie war ein rein physisches Produkt, von einem vielköpfigen Menschenhaufen abgesondert wie Schweiß oder verbrauchte Luft. Wir warteten, und dieses Warten brütete die Langeweile aus: Wir hatten den Auftrag zu warten, und so warteten wir, ohne etwas andres zu tun, und es wäre mir unvorstellbar gewesen, jetzt etwa ein Buch aus der Tasche zu nehmen und zu lesen oder ein Kreuzworträtsel zu raten oder mit einem Freund ein Gespräch über ein geistiges Thema zu beginnen oder zu dösen oder gar zu schlafen: All dies wäre mir irgendwie zersetzend vorgekommen, unernst und unheldisch, dem Pathos unsres Einsatzes nicht angemessen, und so wie ich mußten wohl die andern auch empfinden, denn alle saßen wir so und warteten, und die Langeweile wogte träg um uns her. Die Lider wurden mir schwer, und mein Kopf sackte vornüber; einen Augenblick lang nickte ich ein, dann riß ich mich, beschämt, wieder hoch, und da und dort fiel ein Kopf vornüber und fuhr wieder hoch, und so saßen wir und lauschten in wachsender Verzweiflung, ob nicht endlich der Alarmruf käme, der erlösende Alarmruf, der uns in den Kampf schleudern würde, doch der Alarmruf kam nicht. Verdösenden Augs stierten wir einander an. Es war düster im Raum, und die Luft war stickig. Der Feind kam nicht. Dann aber kam, langsam, doch mit wachsender Wucht, der Hunger.

Wir pflegten uns sonst immer in der großen Pause beim Schuldiener warme Würstel und Salzstangen zu kaufen, und so hatte kaum einer Brote bei sich, und die hatte er bald verzehrt. Uns andern knurrte der Magen. Schließlich machte sich der Kompanieführer auf den Weg zum Stab, um das Proviantproblem vorzutragen. Er kam bald wieder zurück und berichtete, die Kompanie solle einen Stoßtrupp aus Freiwilligen bilden, welcher sich bis zum Wurst-Ferdl am Ende der Straße durchzuschlagen, dort Krenwürstel, Semmeln und Bier einzukaufen und die Beute zur Turnhalle zurückzutransportieren habe. Die anderen Kompanien, so sagte der Kompanieführer und schritt dabei auf und ab, würden ähnliche Stoßtrupps ausschicken; diese Truppenbewegung müsse jedoch schnell vor sich gehn, um die Verteidigungskraft der Turnhallenbesatzung nicht zu lange zu schwächen; es sei sehr wohl möglich, sagte der Kompanieführer, daß der Feind die vorübergehende Schwächung, falls er sie erkenne, ausnützen würde, um die Turnhalle anzugreifen; die einzelnen Stoßtrupps sollten daher, um keinen Verdacht zu erregen, sich in größeren Abständen voneinander bewegen, auch dürften sie nicht erkennen lassen, daß sie einander kannten. Wir fragten, ob Waffen mitgenommen werden sollten, und der Kompanieführer verneinte: Waffen sollten nicht mitgenommen werden, sagte er, zum Schutz vor plötzlichen Angriffen der Roten seien jedoch zwei Sicherungsflügel zu bilden, die aber aus Tarngründen ebenfalls keine Waffen tragen sollten. »Wer meldet sich freiwillig?« fragte der Kompanieführer, und ich sprang auf und meldete mich ungestüm; viele sprangen gleich mir auf und meldeten sich, doch ich hatte Glück, ich stand in der Nähe des Kompanieführers und wurde dem rechten Sicherungsflügel des Stoßtrupps zugeteilt. Führer des Stoßtrupps und des ganzen Unternehmens war mein Freund Karli. Wir versammelten uns in der Halle, und Karli gab uns die letzten Instruktionen: Wir würden, um den Feind zu täuschen, nicht direkt zum Wurst-Ferdl hinunter, sondern zunächst die Straße in entgegengesetzter Richtung hinaufgehn, dann in eine Quergasse einbiegen, die Parallelstraße wieder hinuntergehn und schließlich durch eine Passage den Wagen Wurst-Ferdls erreichen, in unauffälligen Abständen hintereinander einkaufen und auf dem gleichen Weg zur Turnhalle zurückkehren. »Alles klar?« fragte Karli. Wir nickten. Wir gingen durch die Halle; Posten an der Tür, Wachen im Korridor, Posten am Tor, Knüppel und Eisenschlegel, Parole: Deutschland. Das Tor öffnete sich einen Spalt. Wir huschten hinaus. Das Licht des Mittags machte uns blinzeln. Vor uns lag, im Licht des Mittags, die Stadt, die wir seit Jahren kannten. Wir blinzelten. So hatten wir die Stadt noch nie gesehn.

So hatten wir die Stadt noch nie gesehn, und sie sah doch aus wie immer: Die Laubengänge mit den Gemüseständen, um die sich nun, zur Mittagszeit, nicht mehr der Schwarm der Hausfraun mit Taschen und Körben drängte; Kinder schleppten Bierkrüge aus dem Wirtshaus, Katzen sonnten sich im Rinnstein, der Bettler am Straßeneck sang seine Litanei, im Café die Männer umstanden die Billard und Tarockpartien, ein Tageshürchen schminkte sich die Lippen, Zeitungshändler schrien ihre Ware aus, die Glasscheiben des Bat’a-Geschäfts, hinter denen der elegante bürstenblonde Verkäufer auf und ab ging, glitzerten in der Sonne, Reklamen für Shell-Oil und Stollwerckbonbons schrien von der Fassade: Die Stadt lag im milden Licht des Mittags, der Nebel war verflogen, die Stadt sah aus wie immer, auch die Barrikade am Marktplatz änderte wenig an ihrem vertrauten Bild, und doch war sie nicht mehr die Stadt, die wir kannten: Sie war Feindgebiet, grau, in den Häusern Schießscharten und Heckenschützen dahinter, irgendwo lauernd der Feind, die Lauben gespenstisch, das Niemandsland! Wir huschten, Sicherungsflügel und Stoßtrupp, die Straße hinauf, und alles kam mir schemenhaft vor; wir waren im Krieg, wir waren im Einsatz, ich war kein Gymnasiast mehr, ich war zweiter Mann im rechten Sicherungsflügel des Proviantbeschaffungsstoßtrupps der Reservekompanie, und es wäre, hätte ich einen Revolver besessen, mein gutes Recht gewesen, jeden Feind abzuknallen, jeden Roten, jeden Bolschewiken wie dort den jungen Mann, der ein Extrablatt der Roten Fahne ausrief; wir waren im Kampf, und wir huschten, Schemen, durch die Straßen; es war ein läppisches Spiel, und das Schauerliche war, daß aus diesem läppischen Spiel jederzeit ein Mord herausschlagen konnte wie eine Kugel aus einer scharf geladenen Operettenpistole. Es war ein läppisches Spiel, das wir da trieben, eine Kinderei, und sie war doch mörderisch, und es war das Entsetzliche, daß wir beides nicht spürten: nicht das Läppische und auch das Mördrische nicht. Wir waren im Einsatz, wir handelten auf Befehl, wir stießen durchs Feindgebiet vor, und so gingen wir, das fünfköpfige Einkaufskommando in der Mitte, die dreiköpfigen Sicherungsflügel links und rechts, ganz unauffällig die Straße hinauf, bogen ohne besondere Vorkommnisse ab, drängten uns durch den Strom der Arbeiter, die, Deutsche wie Tschechen, von der Frühschicht kamen, die Parallelstraße wieder hinunter, durchquerten, Mann an Mann, die Passage und kauften in unauffälligem Abstand je zwanzig Paar Würstel mit Semmeln und Bier. »Habt ihr heut Übung, ihr seid’s schon die dritten, die nach Würsteln kommen?« fragte Wurst-Ferdl und strahlte uns an. Wir verzogen keine Miene. »Die andern, die gekommen sind, die sind nicht von uns«, sagte Karli, der Stoßtruppführer, geistesgegenwärtig. Die Straße herab kam der vierte Trupp. »Versteh schon!« sagte Wurst-Ferdl und zwinkerte mit den Augenlidern. Der vierte Stoßtrupp hatte den Stand erreicht. Wir kannten einander nicht. »Zwanzig Paar Würstel mit Semmeln und Bier«, sagte der Truppführer des vierten Stoßtrupps. Wurst-Ferdl grinste. Unser Stoßtrupp nahm Würstel, Semmeln und Bier und schritt mit undurchdringlicher Miene der Passage zu, durchquerte sie, ging, nun im Strom der Arbeiter, die Parallelstraße hinauf, bog ab, schritt die Hauptstraße hinunter, vorbei an den Buden am Markt und dem Café mit seinen Tarockspielern und Tageshürchen und der Reklame für Shell-Oil, und Karli, der Stoßtruppführer, pochte dreimal kurz und einmal lang mit der Faust gegen das Tor; das Tor tat sich einen Spalt breit auf; Doppelposten, Parole: Deutschland!, wir huschten hinein, Wachen im Korridor, Posten an der Tür, Knüppel und Keulen; die Halle; Düsternis, wir waren zurückgekehrt. Im Geräteraum setzte der Stoßtrupp die Krenwürstel ab, und Karli meldete dem Kompanieführer die Ausführung des Befehls. »Keine besonderen Vorkommnisse!« so schloß Karli seine Meldung. »Alles antreten zum Essenempfang!« befahl der Kompanieführer. Dann kauten wir. Und dann kam wieder die Langeweile.

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