Franz Fuhmann - Das Judenauto

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Wie tief hinab reicht das Erinnern?
1962 erschien erstmals »Das Judenauto«. Jener Erzählzyklus, der zum erfolgreichsten Buch Franz Fühmanns werden sollte. »Ich hatte Erfahrungen, existentielle Erfahrungen …, die ich mitteilen wollte.« In 14 Kapiteln widmet sich Fühmann Ereignissen, in denen sich die Brüche und Abgründe in der deutschen und damit
europäischen Geschichte der Jahre 1931 bis 1949 widerspiegeln. »Reportagen durch die Zeit« nannte er seine Erzählungen. Ziel war es, »eine Figur von unten zu zeigen; wie sieht sie sogenannte historische Ereignisse. Wie schaut es zum Beispiel im Alltag aus, wenn ein Weltkrieg ausbricht«. Fühmann erzählt mitreißend, bedrückend, anschaulich. Etwa wie sich Menschen freiwillig in eine Scheinwelt begeben, in der Fakten nur dann stimmen, wenn sie einem passen, eine Scheinwelt, durch die viele offenen, aber oft nicht sehenden Auges in den Untergang marschieren. Ein beklemmend aktuelles Buch.

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Dann fuhren wir mit einer Taxe nach Wien; es war das erste Mal, daß ich in einem richtigen Auto fuhr, und ich erinnere mich, daß es herrlich nach Benzin stank, ich wurde ganz schwindlig im Kopf, so herrlich stank es, und ich saß neben dem Fahrer und schaute hinaus in das Hügelland, das grün vorbeiflog, und ich war John Dillinger, der Gangsterkönig, der wieder einmal aus dem Zuchthaus entsprungen war und nun zu seiner Bande eilte, hinter sich die Polizei, die wie rasend aus ihren Pistolen schoß, doch Dillingers Wagen war der schnellste und das Glas seiner Fenster war kugelfest. Dann hielt der Wagen und Vater zahlte, und dann saßen wir in einem Märchensaal aus Gold und Kristall, das in allen Farben des Regenbogens spielte; ein Kellner, auf dessen schwarzem Frack kein einziger Flecken war, präsentierte mir, sich verneigend, auf dem ausgestreckten Arm eine Silberplatte, in deren sechsunddreißig Mulden sechsunddreißig köstliche Bissen lagen: Sardinen und Lachs und Sardellen und rosa Fleischkringlein und Tütchen aus Schinken, mit hauchdünnen Scheibchen von Gurken verziert und mit Kräutern umlegt, die ich nicht einmal dem Namen nach kannte, und auf einem runden Stückchen gerösteten Brots waren schwarze Eilein von Fischen gehäuft, und mein Vater sagte, das solle ich essen, das sei echter russischer Kaviar. Der Kellner hielt die riesige Platte ruhig auf dem gestreckten Arm und sagte: »Belieben S’ nur anzuschaffen, junger Herr!«; ich schaute schüchtern auf einen Sardinenrücken, an den ein Scheibchen Zitronenfleisch zärtlich sich schmiegte, und mein Vater lachte und füllte meinen Teller mit zwölf der köstlichen Bissen und leerte selbst dann zwölf Mulden aus. Ich erschrak, was mochte das kosten, doch mein Vater sagte, das sei das Ohrdöfer, die Vorspeisenplatte, die berühmte Ohrdöferplatte des berühmten Hotels Sacher, in dem wir nun speisten, und er sagte, es sei ganz egal, ob man ein Ohrdöfer nehme oder die ganze Platte, das koste alles dasselbe Geld, das eben sei das erstklassig Vornehme daran. Ich fragte, warum wir uns den Rest nicht einpackten und mitnähmen, aber Vater sagte, das sei gar nicht vornehm, das könnten wir zu Haus im Gasthaus Zum Rübezahl machen, aber doch nicht hier im Hotel Sacher in Wien, wo Grafen, Fürsten und Minister speisten, die Creme der Gesellschaft, und ich sah mich verstohlen um und sah plaudernde Herren im Smoking und Damen in seidenen Kleidern mit blitzenden Ringen und Spangen und Ketten, und eine gar trug einen Goldreif in der hohen Frisur, und ich nahm mich zusammen, um Vater nicht zu blamieren, und gab höllisch acht, daß mir kein Bissen von der Gabel rutschte. Der Kaviar schmeckte mir gar nicht, er war ölig und salzig, aber ich aß ihn hinunter, weil er das Vornehmste war, und mein Vater sagte, es sei ja hier sündhaft teuer, das stimme schon, doch heute sei ihm für mich das Beste grad gut genug. Dabei legte er einen Arm um meine Schulter und sagte, ich hätte die Prüfung mit Auszeichnung bestanden, summa cum laude, mit höchstem Lob, so eine Begabung sei noch nicht dagewesen, habe Pater Schmid gesagt, und dann tranken wir Gespritzten und in den Gläsern brach sich das Licht der Lüster und die Geigen sangen leise ihr himmlisches Lied. Ich war vollkommen glücklich; ich saß wie berauscht zwischen Gold und Kristall, und mein Vater sagte, ich könne mir gar nicht vorstellen, was es bedeute, ein Kalksburger Zögling geworden zu sein: die Tür, die zur großen Welt führe, hätte ich mit der bestandenen Prüfung durchschritten, und er zählte mir auf, was ich alles werden könnte, wenn ich Kalksburg absolviert hätte: Bürgermeister, Gesandter, Professor, Regierungsrat, Abgeordneter, Staatssekretär, ja so gar Minister, Vertrauter im Kreise der Exzellenzen, Auserwählter unter Auserwählten, und ich sah Gold und Kristall und Silberterrinen und dachte, daß ich mir als erstes Visitenkarten drucken lassen würde, wenn ich ein berühmter Mann wäre, denn Graf H. hatte auch Visitenkarten, goldgepreßte, mit einer Krone darauf und dem Grafentitel, und die ließ er immer durchs Dienstmädchen zu meinem Vater bringen, wenn er uns besuchte, und das schien mir das Feinste und Vornehmste von der ganzen Welt. Die Kalksburger wären eine verschworene Gemeinschaft, in der einer den andern stütze und voranbrächte, sagte mein Vater, und der Kellner mit dem Frack ohne Flecken legte mir eine Scheibe goldbraun gebratenen Mastochsenfleisches auf den Teller und wünschte mit gedämpfter Stimme einen gesegneten Appetit; da ging eine seltsame Veränderung vor.

Bislang war alles so wunderbar leise gewesen, nun wurde es plötzlich laut, Lärm brach polternd ins Plaudern der Gäste und ins Singen der Geigen, der goldene Raum hallte wider von Schritten und Rufen, im Takt scholl Geschrei, ein heiseres Schrein. Ich schrak zusammen; Messer und Gabel klirrten aufs Porzellan, doch die Gäste rings plauderten, als ob nichts geschähe, und der Kellner beugte sich lächelnd zu mir nieder und sagte, ich möge nicht erschrecken, das sein nur die Hallodris, die schlamperten, die würden wieder mal demonstrieren. »Ekelhaftes Gesindel«, sagte mein Vater unwillig, und der Takt der Stimme draußen schlug plötzlich um in einen Aufschrei der Wut, und dann hörte ich scharfe Kommandos und Trappen und Krachen; ich fuhr herum und sah entsetzt, daß sie mitten im Saal standen, mitten im Gold und Kristall standen drei mit verzerrten Gesichtern und stoppligem Kinn und geballten Fäusten, die sie drohend schwangen, und ich starrte in den bronzeumrahmten Spiegel gegenüber dem Fenster und begriff sofort, daß das die Kommune war. Ich hatte die Kommune noch nie gesehen, bei uns daheim gab es keine Kommune, da gab es nur brave, ehrliche Arbeiter, die grüßten, wie es sich gehörte, wenn sie meinem Vater begegneten, und die zur Seite traten, wenn er oder einer seines Standes an ihnen vorüberging! Die Fäuste fuhren hoch; ich dachte an die Arbeiter im Pharmaziebetrieb meines Vaters: an den Vojtek-Anton und den Heller-Fritzl und die Maschke-Anna und die andern sechs: undenkbar, daß sie die Fäuste ballten und auf der Straße schrien und aufbegehrten wie diese da, der Abschaum, die Kommune, die man an den Füßen aufhängen sollte, wie mein Vater immer sagte, wenn er beim Mittagessen uns die politische Lage erläuterte, und ich dachte empört, warum die das überhaupt dürften, dies Fäusteballen und Schrein, und warum die Polizei, die jetzt endlich auftauchte, nicht alle einsperrte, und dann plötzlich war alles wieder vorbei, es war wieder still, die Gespräche rauschten leise wie immer, die Frau mit dem goldenen Reif im Haar lächelte einem Herrn zu, und im bronzeumrahmten Glas gegenüber dem Fenster lag ruhig die Straße im milden Licht. Mein Vater stieß mich an: Ich solle essen, sagte er, der Rostbraten auf dem Teller würde kalt. Ich aß, doch es schmeckte mir nicht mehr recht, und ich lauschte, da ich aß, ob die Schreie nicht wiederkämen, und dann tat es mir plötzlich leid, daß ich versäumt hatte, auf die Straße oder wenigstens ans Fenster zu treten und Aug in Aug mit der Kommune zu stehen, und ich sagte mechanisch die Worte, die mein Vater immer an den Schluß seiner Mittagsbetrachtung zu setzen pflegte: »Der Führer wird ja bald Ordnung schaffen im Reich!« Ich dachte, daß mein Vater mir beipflichten würde, aber der trat mir auf den Fuß und zischte, ich solle in Kalksburg ja nicht von Hitler sprechen, man sei hier für Doll-fuß, und außerdem, so sagte mein Vater, würde der Führer wohl nicht durchkommen im Reich, und als ich verwundert fragte: »Warum?«, sagte mein Vater, das hänge mit den Wahlen zusammen und das verstünde ich noch nicht, das würde ich erst später verstehen. Dann stießen wir ein zweites und ein drittes Mal auf eine glückliche Zukunft und auf Kalksburg und auf mein Studium an, und ich dachte dabei trotzig, daß der Führer eines Tages doch siegen werde.

Doch an den Tag, an dem der Führer dann siegte, erinnere ich mich überhaupt nicht mehr. Ich hatte andre Sorgen; es machte mir große Müh, mich in die spartanische Disziplin des Klosterlebens zu fügen, in den immer gleichen Takt jener grauen Tage, die mit der heiligen Messe begannen und mit der Abendandacht endeten und deren unerbittlich genau eingeteilte Stunden zumeist, mit Ausnahme der Schulpausen, der Mahlzeiten und zweier Spielstunden, schweigend zugebracht werden mußten. Schweigend, in Doppelreihen und den Kopf, wie es Vorschrift war, gesenkt, so daß der Blick demütig an die Fersen des Vordermanns, der seinerseits wieder auf die Fersen seines Vordermanns sah, sich heftete, schritten wir durch die endlosen Korridore zur Kapelle und zum Studiensaal und zum Klassenzimmer, schweigend knieten wir auf der Fußraste der Kirchbank, schweigend saßen wir über Bücher und Hefte gebeugt, und schweigend mußten wir die Strafen entgegennehmen: die Haselrohrhiebe der Patres Professoren und die Kopfnüsse und Nackenschläge des Paters Präfekten, unsres Aufsehers außerhalb der Unterrichtszeit, und so waren im gleichen Takt die Tage seit meiner Aufnahme grau hingeronnen, und nur ein Tag steht heller in meinem Gedächtnis: der 15. Januar 1933, mein elfter Geburtstag. Es durfte uns zum Geburts- und Namenstag nämlich ein Fünf-Kilo-Paket mit Lebensmitteln gesandt werden, das wir zwar nicht ausgehändigt bekamen, aber dessen Inhalt der Küchenpräfekt in vierzehn Tagesportionen aufteilte, die dem glücklichen Empfänger zum Frühstück auf seinen Platz an der gemeinsamen Tafel gelegt wurden, eine hochwillkommene Ergänzung des immer gleichen Frühstücksgedecks, das aus Malzkaffee, einer Semmel und einem Löffel Marmelade bestand. Am Abend des Vortags, als um acht Uhr das Licht unsres Schlafsaals, in dem wir in kleinen, vorn durch einen Vorhang verhängten Holzkabinen lagen, gelöscht wurde, hatte ich schon sehnsüchtig an den gefüllten Teller gedacht, der, hoffentlich, morgen neben meiner Kaffeetasse stehen würde, und ich hatte schnell zum heiligen Aloysius, dem Schutzpatron des Konvikts, gebetet, daß sich das Paket auch ja nicht verspäte; mein erster Gedanke um fünf Uhr morgens, als die Glocke des Paters Präfekten uns gellend weckte, war nicht, wie empfohlen, ein Stoßgebet zur Heiligen Mutter Gottes, sondern eine sündhafte Vorfreude auf Sardinen und Keks, und sogar bei der heiligen Messe ertappte ich mich bei lüsternen Gedanken an Leckeres. Dann schritten wir, schweigend, den Kopf gesenkt und den Blick auf die Fersen des Vordermannes gerichtet, den endlosen Gang zum Studienraum hinüber und absolvierten dort schweigend unser einstündiges Morgenstudium, dann, nach dem Klingel-signal, erhoben wir uns und formten uns wieder zu Doppelreihen und schritten, schweigend und mit gesenktem Kopf, den endlosen Gang zurück und die Treppe zum Speisesaal hinunter, und da schlug ich, der Vorschrift zum Trotz, die Augen hoch, und da, wahrhaftig, prangte an meinem Platz ein gefüllter Teller. Ich erkannte ein Stück Rosinenstollen und eine Büchse Sardinen und einen Schokoladenriegel und Obst und einen – wie immer geöffneten – Brief. Dann stand ich schweigend vor den Herrlichkeiten und hatte die Hände gefaltet und betete das Tischgebet, das der diensthabende Pater Präfekt uns vorsprach, und dann endlich wurde das Zeichen zum Hinsetzen gegeben und, da keiner im Gang den Kopf gehoben und keiner dem andern etwas zugeflüstert hatte, auch das Zeichen zur Sprecherlaubnis. Die Stimmen schwirrten jäh auf wie ein Spatzenschwarm, der vom Baum braust; die Teller meiner Tischnachbarn streckten sich meinen Schätzen entgegen und ich teilte Sardinen und Kekse und Äpfel aus, nur der Schiller Friedrich, der Tscheche, der links neben mir saß, bekam nichts, er hatte mir ja auch nichts von seinem Paket abgegeben. Diese Frühstücksfreuden währten zwei volle Wochen, das weiß ich genau, dann wurden die Tage wieder öd wie immer, und einer jener öden Tage muß auch der Tag gewesen sein, da im fernen Reich Adolf Hitler die Macht ergriff, um die Kommune auszurotten, doch ich erinnere mich daran nicht mehr. Ich weiß nur, daß wir von Hitler im Kloster nicht sprechen durften und daß es einmal eine ungeheure Untersuchung gab, weil an einer Tafel ein Hakenkreuz gemalt war, und daß eine Gruppe von Quintanern dann ausgeschlossen wurde, und ich weiß, daß ich diese Quintaner bewunderte.

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