Franz Fuhmann - Das Judenauto

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Wie tief hinab reicht das Erinnern?
1962 erschien erstmals »Das Judenauto«. Jener Erzählzyklus, der zum erfolgreichsten Buch Franz Fühmanns werden sollte. »Ich hatte Erfahrungen, existentielle Erfahrungen …, die ich mitteilen wollte.« In 14 Kapiteln widmet sich Fühmann Ereignissen, in denen sich die Brüche und Abgründe in der deutschen und damit
europäischen Geschichte der Jahre 1931 bis 1949 widerspiegeln. »Reportagen durch die Zeit« nannte er seine Erzählungen. Ziel war es, »eine Figur von unten zu zeigen; wie sieht sie sogenannte historische Ereignisse. Wie schaut es zum Beispiel im Alltag aus, wenn ein Weltkrieg ausbricht«. Fühmann erzählt mitreißend, bedrückend, anschaulich. Etwa wie sich Menschen freiwillig in eine Scheinwelt begeben, in der Fakten nur dann stimmen, wenn sie einem passen, eine Scheinwelt, durch die viele offenen, aber oft nicht sehenden Auges in den Untergang marschieren. Ein beklemmend aktuelles Buch.

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Sonst weiß ich vom Jahr 1933 nicht viel; unvergeßlich hingegen wird mir ein Tag aus dem Jahr danach bleiben, ein Februartag mit dicken Eiskrusten auf den Bäumen und harschem Schnee auf den segnenden Händen der Muttergottesstatue im Park. Es war der Nachmittag des Faschingsmontags; am Tag zuvor hatten wir im Schülertheater Raimunds »Bauer als Millionär« gesehen und gerührt Wurzels Preislied der Zufriedenheit angehört und freuten uns nun, morgen ins Kino nach Rodaun gehen zu können, wo wir den Tonfilm »Der Herzog von Reichstadt« sehen sollten, als, es war um die dritte Mittagsstunde und wir hatten gerade Spielpause, plötzlich das Licht ausging und der Spielsaal im Halbdunkel lag. Ich war ärgerlich, daß das Licht ausgegangen war, denn ich spielte gerade Tischtennis und verfehlte einen sicheren Ball; dann aber freute ich mich mit den andern ob des günstigen Zeichens, denn in einer Viertelstunde sollte das dreistündige Nachmittagsstudium beginnen, das, wenn es kein Licht gab, wohl ausfallen mußte. Ich entsinne mich, daß wir wetteten, ob das Licht bis zum Beginn des Studiums wieder brennen würde; ich wettete dagegen und mein Freund, der Graf Staffperg, ein schmaler, zarter Junge, dafür; ich weiß noch, daß ich gewann: Das Licht blieb aus, es war schummrig im Raum, und dann rief jemand im Gang nach dem Pater Präfekten. Der Pater Präfekt, ein kleiner Mann mit verkniffnem Gesicht, stieg von seinem kanzelartigen Pult und ging hinaus. Nach einer kleinen Weile kam er mit einer brennenden Kerze in der Hand zurück und sagte, wir sollten uns setzen, er würde uns aus einem lustigen Buch vorlesen. Dergleichen war noch nie geschehen, und da er das sagte, zitterte, so schien mir wenigstens, seine Stimme, die doch sonst so zischend scharf klang, und plötzlich wurde ich unruhig und die andern auch. War etwas geschehen? Warum brannte das Licht noch nicht? Vorigen Winter war das Licht auch einmal ausgeblieben, doch da war der Schaden in wenigen Minuten behoben gewesen, und nun brannte schon über eine Stunde kein Licht! Der Pater Präfekt las die Geschichte vom Kai aus der Kiste; ich hörte kaum zu, doch ich merkte, daß der Pater Präfekt sich mehrmals verlas. Dann hörte ich plötzlich ein seltsames Knallen, es klang wie Stöße eines trockenen Hustens, und dann schrie auf einmal der kleine Liechtenberg auf: »Sie schießen!«, und dann sprangen wir auf, und plötzlich schrie alles durcheinander, und dann wurde die Tür aufgerissen und der Pater Präfekt von der Nachbarklasse kam hereingestürzt und fragte, ob wir es auch schon gehört hätten, und dann waren es mehrere Hustenstöße, die sich überkreuzten, und plötzlich wirbelten wir alle im Gang durcheinander. Es war unvorstellbar, doch wir schrien durch den Gang, wo doch kein Wort fallen durfte, und es hieß, die Roten hätten das E-Werk besetzt und in Liesing und Hitzing und Mödling würde geschossen, und dann hieß es, Wien brenne, die Roten hätten Wien in Brand gesteckt und marschierten nun auf Kalksburg zu! Dann knieten wir alle in der Kapelle vor dem Bild der Unbefleckten Jungfrau Maria, und der Pater Generalpräfekt kniete vor dem Altar und las das Gebet zum heiligen Erzengel Michael, dem Kämpfer mit dem flammenden Schwert: »Glorreicher Fürst der himmlischen Heerscharen«, so hörten wir, »heiliger Erzengel Michael, beschütze uns in dem Kampfe und dem furchtbaren Streit, den wir gegen die bösen Geister zu bestehen haben, komme zu Hilfe den Menschen, die Gott unsterblich nach seinem Bild und Gleichnis gestaltete, schlage heute mit dem Heere der heiligen Engel die Schlachten, wie du ehedem gegen Luzifer und die abtrünnigen Engel gekämpft hast, für die es keine Stätte mehr gab im Himmel!« Er psalmodierte die heiligen Worte, und das Wort Himmel sang er beinah, und die gedehnten Silben hallten im riesigen Raum, in dem das rote Licht der Ampeln sich verlor. Die Statuen der Heiligen in den Altarnischen rings hoben ihre wachsbleichen Hände, und goldene Gewänder fielen in Falten an ihnen nieder. »Auf denn, o unbesieg-tester Fürst, eile dem Volke Gottes zu Hilfe gegen das Anstürmen der verworfenen Geister«, sang der Pater Generalpräfekt, und ferne tackte ein Maschinengewehr. Dann sprach der Pater Generalpräfekt die Litanei zur Unbefleckten Empfängnis vor, und in höchster Not schrien wir auf Knien das »Bitte für uns« zum Himmel:

»Du Königin aller Engel und Heiligen,

bitte für uns;

du Schrecken und Besiegerin der bösen Geister,

bitte für uns!«,

und ich sah im verfließenden Schein des Öllichts die milden Züge der Heiligen, die ich so oft während der Messe geschaut: die hohe weiße Stirn und das braune Haar und der weiche Mund mit den schmalen, kaum geschwungenen Lippen, und ich sah den rötlichen Schein ihr Gesicht überwallen und flehte: Bitte, o bitte für uns!, und draußen, näher, hämmerte das Maschinengewehr. Dann drängten wir uns in den Schlafsaal, auf den Kabinenwänden standen Kerzen, der Pater Präfekt empfahl uns, noch einmal vor dem Einschlafen ein Stoßgebet zur Heiligen Jungfrau oder zum heiligen Erzengel Michael zu richten, dann wurden die Lichter gelöscht, ich kroch unter die Bettdecke und dachte schauernd an alles, was ich von der Kommune wußte: Sie waren Verbrecher und wollten nicht arbeiten und wollten den ehrlichen Menschen alles wegnehmen weil sie zu faul waren und sie plünderten und mordeten und raubten was sie nur konnten und schrien im Takt und ballten die Fäuste und sie waren mitten in dem herrlichen Saal von Gold und Kristall gestanden und hatten die Fäuste geballt und im Takt geschrien und nun hatten sie Wien in Brand gesteckt und marschierten auf Kalksburg zu, und ich dachte, daß ich als Märtyrer der Jungfrau sterben würde. Nein, ich würde die Heilige Madonna nicht verleugnen, ich würde dem Mob entgegengehn, das Bild meiner Königin im Herzen und das Kreuz des Heilands in Händen, und draußen, näher, hämmerte das Maschinengewehr.

Dann schlief ich ein, und als ich wieder erwachte, dröhnte der dunkle Morgen; es hallte dumpf, die Fenster klirrten; ich fuhr aus dem Bett, da hörte ich die Stimme des Paters Präfekten, der rief, die Heilige Mutter Gottes habe unser Flehen erhört, die Roten müßten zurückweichen, Mödling sei schon befreit und die heldenhaft kämpfende Heimwehr schösse mit Artillerie die roten Viertel in Klumpen. Der Morgen hallte dumpf, die Fenster klirrten; ich wusch mich und zog mich an und wartete dann in meiner Kabine auf das Glockenzeichen, das uns auffordern würde, uns schweigend in Zweierreihen aufzustellen, um zur Kapelle zu marschieren. Ich fieberte vor Ungeduld; auf dem Bord überm Bett lag ein Kalender, aber ich wollte jetzt nicht lesen. Ich fieberte vor Ungeduld und dachte sogar daran, mein Bett zu machen, doch dann ließ ich es sein, denn man hatte uns eingeschärft, das sei Arbeit der Hausdiener, das brauchten wir nicht zu tun. Ich biß mir auf die Zunge, ich wollte gar zu gern den Hans Staffperg, der die Nebenkabine bewohnte, fragen, ob er mit mir auch ein Märtyrer werden wolle, aber ich durfte meine Kabine vor dem Zeichen nicht verlassen, und erst recht nicht durfte ich sprechen, erst beim Frühstück durften wir, wenn alles geklappt hatte, das erste Mal am Tage sprechen, und die drei Stunden bis dahin erschienen mir endlos lang. Der Morgen hallte, die Kerzen auf den Kabinen flackerten, die Handglocke gellte, wir schlugen die Vorhänge zurück und traten aus unsren Kabinen und stellten uns in Zweierreihen auf, gesenkten Haupts, wie es Vorschrift war, dann schritten wir langsam, den Blick auf die Fersen des Vordermanns geheftet, den endlosen Gang zur Kapelle hinunter, die Morgenandacht zu verrichten, und ich sah die Fersen meines Vordermanns, immer die Fersen und den endlosen Gang, durch den wir vieldutzendmal am Tage so schritten, und ich dachte plötzlich mit Erschrecken, daß ich noch sieben Jahre so gehen sollte, den Kopf gesenkt, und plötzlich wurde mir die Brust eng und ich sah auf, da traf mich der Faustschlag des Paters Präfekten im Genick. Es war ein schwacher Schlag und ein flüchtiger Schmerz, der Pater Präfekt hatte nicht mit voller Kraft zugeschlagen; ich senkte wieder den Kopf und sah den endlosen Korridor und plötzlich rauschte eine wilde rote Welle durch mein Blut. Die Schläfen hämmerten; ich preßte die Nägel in die Ballen meiner Hände, und ich wußte jäh etwas, was ich schon lange gewußt hatte, schon vom ersten Tag an, da ich sie gesehen: Ja, dachte ich, sie sollten kommen, die Roten sollten kommen, mit Messern und Äxten und Feuerbränden sollten sie kommen und alles hier umhaun, alles, alles, das Kloster, die Mauern, die Gänge, die Kapelle, die Statuen, die Altäre, alles, alles, und alles sollten sie abschlachten, die Patres, die Diener, die Zöglinge, alles, die Bilder aufschlitzen, Aloysius und Maria und Michael, alles, und die Messer in Wänste unter den Kutten sollten sie rennen und den Pfaffen die Gurgel abschneiden, das sollten sie, ja, und Feuer sollten sie legen, rotes, großes fressendes Feuer, das das alles zerstörte, und wenn sie mir selber den Hals abschnitten, was war schon dabei, wenn hier nur kein Stein auf dem andern blieb! Ich wußte, daß das, was ich da dachte, eine Todsünde war, vielleicht sogar die Sünde wider den Heiligen Geist, die nicht vergeben werden kann, aber auch das war mir egal, dann würde ich eben in die Hölle kommen, was kümmerte das mich! Während der Messe wurde mir kalt und Frost schüttelte mich und dann bekam ich Fieber, der Pater Präfekt führte mich in den Krankentrakt, und dann lag ich im Bett und phantasierte und träumte von Feuern und Madonnen und bocksbeinigen Teufeln, denen Schweiß vom Bauch troff, und nachts dann wachte ich auf und war ganz naß und dachte, daß ich jetzt wohl sterben müßte. Am nächsten Morgen schrieb ich Pater Kornelius, der mein Beichtvater geworden war, einen Zettel und bat ihn, mir die Beichte abzunehmen, und dann beichtete ich ihm in der wachstuchverhangenen Zelle meine sündhaften Gedanken der Rebellion, und Pater Kornelius fragte mich lange aus, ob ich mit anderen Zöglingen darüber gesprochen hätte oder ob auch ein anderer der Ansicht wäre, die Kommune sollte kommen, und ich schüttelte den Kopf und sagte, ich allein nur trüge die Schuld. Dann legte mir Pater Kornelius als Buße auf, einen Monat lang jeden Morgen den heiligen Aloysius um die Gnade der Demut, die mir mangle, zu bitten, dann schlug er das Kreuz über mich und sprach mich frei. Ich tat, genesen, wie er geboten und versuchte zwei Jahre lang, die Gnade der Demut zu erwerben, dann kletterte ich eines Abends über die Parkmauer und floh nach Hause und dachte, daß ich niemals wieder ins Kloster zurückgehen würde, mochte mein Vater auch toben und schrein. Mein Vater aber tobte nicht, ja er schimpfte mich nicht einmal aus; er drückte mich an sich und gestand mir, daß er sich schon manchmal Gedanken über meine Zukunft gemacht habe und daß er mich Ende dieses Jahres sowieso aus dem Konvikt genommen hätte, denn die Weltgeschichte habe, so sagte er, und seine Augen strahlten, ehernen Schritts zu marschieren begonnen, und es sei ganz klar, daß nicht der reaktionäre Klerus die Zukunft für sich haben werde, sondern das Deutschland Adolf Hitlers, zu dem eines Tags auch das Sudetengebiet gehören werde. Ich fiel ihm in die Arme und konnte vor Freude nicht reden, und am nächsten Tag dann trat ich in den Deutschen Turnverein, die Jugendorganisation der Sudetenfaschisten, ein; meine früheren Schulkameraden beglückwünschten mich, daß ich nicht mehr ins Kloster zu gehen brauchte, und als ich die graue Kluft des Turnvereins am Leib trug, atmete ich auf und wußte erlöst, daß nun die Welt für immer im richtigen Lot war!

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