Franz Fuhmann - Das Judenauto

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Wie tief hinab reicht das Erinnern?
1962 erschien erstmals »Das Judenauto«. Jener Erzählzyklus, der zum erfolgreichsten Buch Franz Fühmanns werden sollte. »Ich hatte Erfahrungen, existentielle Erfahrungen …, die ich mitteilen wollte.« In 14 Kapiteln widmet sich Fühmann Ereignissen, in denen sich die Brüche und Abgründe in der deutschen und damit
europäischen Geschichte der Jahre 1931 bis 1949 widerspiegeln. »Reportagen durch die Zeit« nannte er seine Erzählungen. Ziel war es, »eine Figur von unten zu zeigen; wie sieht sie sogenannte historische Ereignisse. Wie schaut es zum Beispiel im Alltag aus, wenn ein Weltkrieg ausbricht«. Fühmann erzählt mitreißend, bedrückend, anschaulich. Etwa wie sich Menschen freiwillig in eine Scheinwelt begeben, in der Fakten nur dann stimmen, wenn sie einem passen, eine Scheinwelt, durch die viele offenen, aber oft nicht sehenden Auges in den Untergang marschieren. Ein beklemmend aktuelles Buch.

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Die Verteidigung der Reichenberger Turnhalle

Die Turnhalle in Reichenberg, der etwa vierzig Kilometer von meinem Heimatort gelegenen einstigen Hauptstadt des Sudetenfaschismus, wo ich nach meinem Abgang aus Kalksburg nun das Reform-Realgymnasium besuchte, lebt in meiner Erinnerung als ein olivschwarzer Klotz am Rand einer steil steigenden schmalen Straße, und ihre Verteidigung muß sich um den 15. September 1938 herum zugetragen haben, zu einer Zeit, da wir im Deutschlandsender dreimal täglich die grauenvollsten Meldungen über den Blutterror des tschechisch-jüdisch-marxistischen Mordgesindels an der friedlichen sudetendeutschen Bevölkerung zugleich mit der Versicherung des Führers vernahmen, daß eine Großmacht wie das Deutsche Reich nicht länger mehr gewillt sei, untätig die Leiden der deutschen Brüder und Schwestern, die jenseits der Grenzen einem Untermenschenvolk wehrlos ausgeliefert seien, mit anzusehen, und daß die sudetendeutsche Frage gelöst werden müsse, so oder so. In Reichenberg zwar war kein Deutscher bislang auch nur verletzt worden, und auch aus meinem Heimatstädtchen hatte ich nichts dergleichen vernommen, hingegen war dort das tschechische Grenzwachhaus überfallen und in Brand gesteckt worden, allein in allen anderen sudetendeutschen Städten sollten, wie wir hörten, schon die schrecklichsten Greuel an Deutschen stattgefunden und die tollsten Kämpfe getobt haben, und als dann eines Morgens am Reichenberger Markt Straßensperren aus Stacheldraht standen und bewaffnete Polizisten patrouillierten und mein Riegenführer Karli mir keuchend zuschrie, die Tschechen wollten die Turnhalle angreifen, da wußte ich, daß es nun auch in Reichenberg losgehen werde und daß die Stunde der Bewährung für mich gekommen sei.

Ich war dazu bereit. Vor einem Monat erst hatte ich dem Führer selbst ins Angesicht gesehen und ihm dabei ewige Treue geschworen: Ich hatte mit Tausenden Kameraden des Turnvereins am Großdeutschen Turn- und Sportfest 1938 in Breslau teilgenommen; in Achterreihen waren wir ins Stadion eingezogen und hatten im Sprechchor »Wir wollen heim ins Reich« gerufen, die neue Losung, die für uns Inbegriff allen Seins und Sehnens geworden war, und rings auf den Rängen die Menschen hatten uns zugejubelt und geklatscht und getrampelt und Hände und Tücher und Fahnen geschwungen und Lieder gesungen und alles war wie ein Traum gewesen, ein wehender jubelnder brausender Traum, aber es war ja auch in Deutschland gewesen, im Reich deutscher Freiheit und deutschen Glücks! So waren wir die Bahn des Stadions hinuntergezogen, und ich hatte verstohlen um mich gespäht, ob ich den Führer nicht sähe, der doch sicher irgendwo hier stehn müsse in der jubelnden Masse, doch ich hatte nur die Stadionbahn und drüber die brausenden Ränge gesehn, ohne die Gesichter unterscheiden zu können, rechts und links der Bahn war eine Mauer SS gestanden und wir waren die ganze Länge der Bahn hinuntermarschiert und ich war traurig gewesen, den Führer übersehen zu haben, da waren wir plötzlich in eine Kurve eingebogen, eine Gegenkolonne war zu der unsern gestoßen, ein Marsch war aufgeschmettert und hatte unsern Chor überdröhnt, und da war auf der Tribüne der Führer gestanden, ganz nah vor uns im gleißenden Scheinwerferlicht, ganz nah und groß und allein, ein Gott der Geschichte, und er hatte die Hand über uns erhoben und sein Blick war unsre Reihen entlanggeglitten und ich hatte geglaubt, mein Herz würde stillstehen, wenn der Führer mich ansehn würde, und da hatte ich jäh gewußt, daß mein Leben dem Führer geweiht war für immerdar.

Dann waren wir in dem Auto, das Vater voriges Jahr erworben hatte, wieder über die Grenze zurückgefahren; der tschechische Grenzer hatte unsern Koffer durchsucht, und dann hatte es einen langen Streit zwischen ihm und meinem Vater gegeben, denn der Grenzer hatte zwischen der Unterwäsche im Koffer zehn Päckchen Zigaretten gefunden und gesagt, daß wir sie verzollen müßten, und mein Vater hatte geschrien, es sei eine Unverschämtheit, daß man als Deutscher in diesem Land nicht einmal mehr deutsche Zigaretten rauchen dürfe, ohne daß die Prager Juden daran verdienten, und dann hatte der Grenzer die Zigarettenpäckchen einfach weggenommen und aufgebrochen und in eine Grube geworfen, wo schon ein Haufen aufgebrochener deutscher Zigarettenpäckchen lag, und ich hatte vor Wut gebebt, wehrlos vor diesem Raub stehen zu müssen, und hatte die Fäuste geballt und gedacht, daß die Stunde der Freiheit bald schlagen müsse. Drei Wochen später war dann durch den Deutschlandsender die Nachricht gekommen, der Führer habe eine Million Reservisten zu den Waffen gerufen, und kurz darauf hatte ich eine heftige Auseinandersetzung mit meinem Vater gehabt, der mich mit meiner Mutter und Schwester für die kritische Zeit zu Wiener Geschäftsleuten bringen wollte. Ich hatte mich aufs heftigste geweigert, jetzt wegzugehn; jetzt würden historische Tage kommen, hatte ich gesagt, und ich wollte sie miterleben und kämpfen, wenn es not sein würde; mein Vater hatte schließlich nachgegeben, und so war ich wieder nach Reichenberg gefahren, und eines Septembermorgens dann, in der Früh eines grauen, nebligen Tages, hatte mein Freund Karli an das Fenster meiner ebenerdig gelegenen Studentenbude bei Frau Waclawek in der Gablonzer Straße gepocht und mir keuchend zugeschrien, ich solle schnell zur Turnhalle kommen, es sei Alarmstufe zwei, die Tschechen griffen heute die Turnhalle an! Dann war er weitergelaufen, um die anderen zu verständigen, und ich hatte mich auf den Weg zur Turnhalle gemacht und lief nun die Gablonzer Straße hinunter. Es war ein kalter Morgen, und ich dachte, daß nun also die Stunde der Bewährung gekommen war.

Ich war aufgeregt: Ich hatte noch nie in einem solchen Kampf gestanden; ein paar Schulraufereien und Geländespiele und die dummen Provokationen der Polizei, die ich mir wie jeder andre hatte leisten können, zählten ja nicht; nun aber sollte es ernst werden, ein richtiger Kampf mit richtigen Waffen, und ich fühlte mein Herz klopfen, und plötzlich mußte ich denken, was man wohl fühlen möge, wenn einem ein Messer durch die Rippen fuhr. Mein Schritt wurde zögernder; ich dachte jetzt nicht mehr an das Messer, ich sah es, es blitzte, und als ich kurz vor der Turnhalle bei Ferdl, einem ambulanten Wursthändler, vorbeikam, dachte ich sogar daran, mich still in eine Nebengasse zu verdrücken, doch dann schalt ich mich aus und lief schnell in die Halle hinein.

Zwei Posten vorm Tor, im Korridor Wachen; Parole: Deutschland; die Posten traten zur Seite, das Tor schlug hinter mir zu. Nun gab es kein Zurück mehr, und hier, unter den Kameraden, verwandelte sich meine Angst jäh in Gier, bald im Kampf zu stehn. Es war düster in der Halle: Die Fenster waren vom Boden bis zum Giebel mit Sandsäcken und Sprungmatten verbarrikadiert, und nur durch ein Oberfenster im flachen Dach fiel ein Streifen Lichts in den riesigen Raum. Ich sah mich nach einem Führer um, bei dem ich mich melden könnte, und an Führern, so sah ich, war kein Mangel; sie trugen Armbinden mit der Siegrune und eilten geschäftig hin und her, schickten Spähposten auf das flache Dach, stellten Gruppen, Züge und Kompanien zusammen und gaben Keulen und Eisenhanteln und andre Gymnastikgeräte als Waffen aus. Ich empfing eine Keule aus schwerem braunem Eichenholz, eine lange gezogne Keule mit griffigem Kopf und wuchtigem Rumpf: Ich sehe sie noch genau vor mir und weiß, daß ich sie zur Probe wirbelnd aus dem Handgelenk schwang. »Die haben auch Revolver!« flüsterte mein Nebenmann und deutete mit dem Kinn nach den Führern. »Stillgestanden!« schrie ein stämmiger Mann. Unsre Hacken knallten zusammen. Es wird ernst; jetzt wird es ernst, dachte ich und stand still und dachte, wie der Feind bald zur Türe hereinstürmen würde, der furchtbare Feind, der bolschewistische Mob: Er würde zur Türe hereinstürmen, und dann würde das Alarmkommando gellen und der Kampf beginnen, ein richtiger Kampf, kein Kriegsspiel mehr, ein richtiger Kampf für Deutschland, und ich wog die Keule in der Hand, und die Kameraden standen neben mir in Tuchfühlung. Der stämmige Mann sprach von unserer Treue zum Führer und vom Recht der Deutschen auf Selbstbestimmung, und dann rief er: »Sieg oder Tod!«, und wir riefen das im Sprechchor nach. Dann traten wir weg; die Kompanie, zu der ich gehörte, alles junge Burschen meines Alters, hatte die Anweisung bekommen, als Reserve in den Geräteraum zu gehen und dort auf Befehle zu warten. Wir gingen in den Geräteraum und setzten uns hin, die Waffen griffbereit neben uns; eine Weile herrschte ratloses Schweigen, dann sagte einer, daß die Roten nur kommen sollten, wir wollten es ihnen aber schon tüchtig zeigen, und dann überschrien wir einander, daß wir es ihnen aber schon tüchtig zeigen würden, wenn die Roten kämen, und einer schrie schrill, sie würden sich gar nicht getraun zu kommen, die Roten, und wir schrien, und dann begann einer einen Witz zu erzählen, und wir erzählten einander alle Zoten und Witze, die wir schon längst kannten, und wir lachten auch darüber, und das Lachen klang, wie das Schreien vorhin, über die Maßen laut. Dann waren alle Witze erzählt, und dann saßen wir wieder stumm da und warteten auf den Feind, doch der Feind kam nicht: wir saßen und warteten; der Feind kam nicht; die Gespräche zerbröckelten, aus dem Lachen wurde Gemurr. Die Zeit stand still; der Feind kam und kam nicht. An seiner Stelle kam etwas Entsetzliches: die Langeweile.

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