Volkmar Mühleis - Das Begräbnis des Philosophen

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"Das Begräbnis des Philosophen" ist eine erzählerische Meditation über das letzte Jahr im Leben eines Philosophen, seine Zeit am Husserl-Archiv in Leuven, den Austausch mit Emmanuel Levinas, Maurice Merleau-Ponty oder Martin Heidegger, seinen eigenen Werdegang und Abschied. Wie die Philosophie nicht von ihren Protagonisten zu trennen ist, so steht hier beispielhaft der Philosoph für ein Leben, das ganz in der eigenen Profession auf- und vergeht. Zugleich ist diese Person des Philosophen 'nach dem Leben' gezeichnet, als eine Hommage an den 2019 gestorbenen Philosophen Rudolf Boehm.

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Schon länger schien eine Studentin mit ihrer Frage gewartet zu haben, schaute sie unruhig in die Runde, suchte den passenden Moment, als wolle sie den Gesprächsfaden kreuzen, mit einem Stich ins Gewebe.

»Warum glauben Sie, abstrakte Kunst sei Dekoration?«

Der Philosoph hielt kurz inne und schaute sie freundlich an. Dann erzählte er von den Kunstwerken in seinem Haus, zumeist Gemälde. Er liebte die Malerei wie die Musik und Literatur. Film, Photographie, die Medien der Moderne und Digitalität schienen ihn kaum zu beschäftigen. Die Studierenden hatten anderes in seinem Buch gefunden, als was sie im Alltag suchten. Ein Student sprach von der unglaublichen Dichte der Sätze, Überlegungen, die Klarheit dabei. Ob ihn die Gedankengänge überzeugten, ließ er offen. Darum ging es ihm nicht. Er las in dem Buch wie in einer Kugel, die man dreht und wendet, in deren Spiegelungen man sich und die Welt um einen erkundet, ein abstrahlender Globus, der sein Geheimnis nicht preisgibt.

»Viele meiner Gemälde zuhause sind abstrakt. Sie zeigen nichts als sich selbst. Und sie verbergen, was immer hinter ihnen liegen mag – die Tapete, die Wand, die Straße draußen, Natur. Wie Dekoration. Bilder zeigen etwas. Dekorationen verbergen, auf schönste Weise! Durch Farbe, Form, befreit von jedem Inhalt. Sie bewegen sich auf dem schmalen Grad zwischen bloß dekorativer Übermalung sonst schmutziger Stellen und Form- und Farbspielen, die unsere Einbildung anregen, kurz gesagt: zwischen Kitsch und Kunst, zwischen Dekorationen die zu etwas dienen und solchen, die nur sich selbst genügen. Ich zähle sie deshalb zu den Künsten der Umbildung von Natur.«

Für einen Augenblick war sie sprachlos, auch wenn sie die Antwort nach unseren Diskussionen bereits hätte vorhersehen können. Aber sie hatte es wohl von ihm selbst hören wollen, dem alten Mann, leicht in den Stuhl gesunken, ein lebendiges Fossil vergangener Zeiten oder jemand, der ganz anders und viel weiter sah? Ihn kümmerte nicht, wie Kunsthistoriker abstrakte Kunst darstellten, welche Manifeste und Zeugnisse die Künstler und Künstlerinnen selbst vorgebracht hatten. Er folgte seinen Gedanken. Und er hatte anderes vor Augen. Nicht die Geschichte der Kunst oder die Selbstzuschreibungen ihrer Hauptfiguren – die Zerbrechlichkeit von Natur und Mensch. Wie gehen wir mit der Natur um? Wir beackern sie, verdrängen sie und verbergen noch die Spuren davon, im schönen Schein. Handwerk, Baukunst und Dekoration bildeten um , und alle ihre Mittel und Geräte dazu stellten nichts anderes dar als sich selbst. Ein Pflug ist ein Pflug ist ein Pflug . Abstrakte Kunstfertigkeit, wenn man so will, nützlich. Abstrakte Kunst unterschied sich nur darin, vom Nutzen befreit zu sein, den Künsten der Einbildung verwandt. Die ganze Schwierigkeit bestand darin, ob man selbst seinen Gedanken folgen wollte; und er musste diese Schwierigkeit selbst in den Gesichtern der jungen Künstlerinnen und Künstler gesehen haben. Entschied sich denn wirklich der Blick auf bestimmte, abstrakte Bilder zwischen zwei Seiten, verbergen und zeigen ? Während Kunstkritiker die Abstraktion einst als die reinste Beschränkung auf eigene Mittel der Malerei gefeiert hatten, galt sie dem Philosophen als nur eine Seite der Medaille bildender Kunst, vom Nutzen der Dekoration zwar befreit, doch ohne die Kraft des für ihn immer figürlichen Zeigens.

»Wie denkt Ihr denn selbst über das Verhältnis von Verbergen und Zeigen?«

»Bei Ausstellungen ist es immer die Frage, was aus dem Atelier sollte man zeigen, was besser nicht.«

»Aber heißt Nicht-zeigen denn schon Verbergen?«

»Wer seine Scham nicht zeigen will und doch errötet, kann sie nicht verbergen.«

»Ich denke, das Verbergen macht anderes vergessen, indem es einen auf sich selbst zurückführt. Es weist nicht über sich hinaus. Und das will, wie alles, gestaltet sein. Ich sehe zwar die Tapete in meinem Haus, aber ihre dekorative Gestaltung macht sie als Bedeckung der Wand vergessen. Wenn ich will, kann ich mich daran erinnern. Im Alltag aber reicht die Form, um nicht daran zu denken. Abstrakte Kunst ist keine Tapete. Doch sie bewirkt das Vergessen alles anderen, ohne auf anderes zu verweisen. Es sei denn, eine Form verweist deutlich auf eine andere, wie ein Zitat. Fällt Ihnen dazu vielleicht ein Beispiel ein?«

»Nur innerhalb eines Stils. Bei Mondriaan etwa.«

»Das Kreuz, bei Malewitsch.«

»Das Kreuz?«

Ich musste selbst kurz überlegen, worauf der Student im Werk des russischen Malers hinwies. Ein Kreuz? Er meinte doch nicht das Schwarze Quadrat oder Bilder von anderen Avantgardisten, El Lissitzky, Moholy-Nagy? Wir ließen es dabei. Der Philosoph nahm einen Schluck Wasser und wandte sich an seine Frau. Es hatte geschneit, die Straße war vereist, sie waren gemeinsam mit dem Taxi gekommen. Sie sagte kein Wort, schaute wohlwollend in die Runde, unscheinbar fast, wäre sie nicht größer gewesen als ihr Mann, der in den Stuhl gesunken umso kleiner wirkte, aber mit durchdringender Stimme, klarem Ton sprach, den Raum sogleich füllte, den Halbraum hier oben auf der Empore des Ateliers. Der Philosoph hörte genau zu, schien die Fragen und Bemerkungen bedachtsam abzuwägen, bevor er so deutlich wie möglich antwortete; es war ihm anzusehen, wie er jedes spontane Drauflosreden vermied, jede Impulsivität, nie überrascht schien, auch wenn er es im Inneren vielleicht war. Ein sehr bestimmtes Auftreten, in aller Bescheidenheit, Blitzgescheitheit, nach Erfahrungen auch von Blitzgescheitertheit, in der Jugend vielleicht, im jungen Erwachsensein, wer weiß. Ein auch altbekannt männliches Auftreten. Wie mochten die Studierenden ihn und seine Frau erfahren haben? Werden die Studentinnen sie mehr im Blick gehabt haben als die Studenten? Sich gefragt haben, wie man einen Philosophen nur lieben kann (geschweige denn die Philosophie oder gar Weisheit), ob sie selbst einmal so ruhig an der Seite eines alten Mannes sitzen wollen würden, ihn begleiten, seine Hilfe zu sein? Und käme es umgekehrt den Studenten in den Sinn? Der arme Karl August Varnhagen wird bis heute als untalentierter Steigbügelhalter seiner Frau Rahel dargestellt, nur weil es offenbar als unmännlich gilt, die Rollen zwischen Vorder- und Hintergrund derart zu vertauschen (unmenschlich dagegen durfte die Männlichkeit durchaus sein, aber das ist eine andere Seite der Geschichte). Der strenge, konzentrierte Stil des Philosophen, er setzte sich bis in sein Reden und Antworten fort; doch nicht in seiner Gestalt. Die kannte eine nonchalante Sympathie, für die anderen, ihre Umgebung, sich selbst. Sie war der Körper seiner Freiheit, die Seele seiner Freude am Denken, am Spiel mit den Möglichkeiten, das Offene zu durchwandern, Wege einzuschätzen, wohin einen dieser Abzweig wohl führen wird, dieser, oder dieser? Die Zerbrechlichkeit jeden schmalen Pfads verlangte eine Umsicht, die dazu zwang, den Weg zu überprüfen, umzuschauen, worauf man sich verlassen kann, eine Einstellung, Position zu finden, um Abstände überhaupt einschätzen zu können, sich neu zu orientieren, vergewissern. Der Körper einer Freiheit, die geistige Verlässlichkeit – ein Wechselspiel auch der Anziehungskraft …

Im Atelier war es still geworden. Vielleicht hatten manche Studierende Unterricht, vielleicht legten sie auch nur eine Pause ein. Wir mussten weniger angestrengt sprechen, zuhören, einem Studenten fiel jetzt erst das leise Quietschen seines Stuhls auf, wie angewurzelt versuchte er plötzlich zu sitzen und lächelte verlegen. Der Philosoph saß mit dem Rücken zum Geländer des Mezzanin, ich hatte das Treiben unten mit im Blick. In den Werkstätten der Schönheit war von ihr selbst wenig zu sehen. Ging es denn überhaupt um sie? Wie konnte sie dem Philosophen so wichtig sein? Die Generation der Dadaisten, die jedes Sinnversprechen im Ersten Weltkrieg vernichtet sahen, hatten die Schönheit längst verabschiedet, die Schönheit idealistischer Philosophen genauso wie die Schönheit geschwungener Linien, floraler Motive, jugendstillhaltender Dekoration für die geldadeligen Ingenieure militaristischer Imperialisten. ›Um einen Feuerball rast eine Kotkugel, auf der Damenseidenstrümpfe verkauft und Gauguins besprochen werden.‹ So sah es aus. ›Man muß weder Kant gelesen haben noch Nietzsche: es genügt, sich an einem Satz das Kotzen geholt zu haben …‹ Sprach der einzige Dadaist, den alle respektvoll den ›Doktor‹ nannten: Herr Dr. Serner, auch wenn Sie Jurist sind, verschreiben Sie uns die Welt in den kleinen Dosierungen ihrer Sätze, Anweisungen, lockern Sie den Verstand, auf dass ihm der Sinn vor die Füße fällt, die Welt steht Kopf, drehen Sie uns den Spieß um, den Vorgesetzten, lassen wir uns alle auf der Anklagebank nieder und picknicken wir bis der Abend glüht, auf den Feldern von Verdun, haben Sie uns im Wahnsinn gesehen, im Albtraum daran gedacht? Die Schönheit der blauen Blume, die dem Schuldigen nur dazu dient, sich ein Trugbild der Unschuld zu bewahren, der Schuld dazu dient, mit sich nicht allein zu sein. Doch sie blieb allein. Und wie haben Künstler darum gekämpft, diesen Zwiespalt mit ins Bewusstsein der Kunst zu nehmen, kritisch zu werden, modern. Der Augenschein trügt. Vorbei die Ästhetik der Salons, der feinen Gesellschaft. Vorbei die Moral der angesehenen Leute. Die Halbwelt hielt der Welt den Spiegel vor. Wenn schon ein Trugbild, dann dieses.

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