Volkmar Mühleis - Das Begräbnis des Philosophen

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"Das Begräbnis des Philosophen" ist eine erzählerische Meditation über das letzte Jahr im Leben eines Philosophen, seine Zeit am Husserl-Archiv in Leuven, den Austausch mit Emmanuel Levinas, Maurice Merleau-Ponty oder Martin Heidegger, seinen eigenen Werdegang und Abschied. Wie die Philosophie nicht von ihren Protagonisten zu trennen ist, so steht hier beispielhaft der Philosoph für ein Leben, das ganz in der eigenen Profession auf- und vergeht. Zugleich ist diese Person des Philosophen 'nach dem Leben' gezeichnet, als eine Hommage an den 2019 gestorbenen Philosophen Rudolf Boehm.

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Ich blieb noch einen Augenblick im Sessel sitzen. Acht, neun Jahre wird es her gewesen sein, seit wir uns das letzte Mal sahen. Und auch davor waren wir uns nur einmal begegnet. Ein Student unserer Hochschule hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass an der Universität jemand wie Sie – sprich ein Deutscher, der in seinem besten Bemühen ums Niederländische Philosophie unterrichtete – Vorlesungen halte. Einen Kollegen mochte ich ihn nicht nennen, denn ein Blick in meinen Bücherschrank verriet mir, dass ich ihn bereits über 518 Seiten lang kennengelernt hatte, in seinen Worten einer Übersetzung aus dem Französischen, mit eigenen Bemerkungen vorab, geschrieben im Mai 1965 in Leuven. Der Mai steht als Blüte dem Tod entgegen, verbindet sich mit ihm, wenn er im letzten Satz dem Autor dankt, der kurz vor seinem Tode noch die Arbeit an dieser Übersetzung auf den Weg hat bringen können . Ein plötzlicher Tod damals, im Mai 1961. Der französische Philosoph war einer der ersten gewesen, die das Archiv in Leuven besucht hatten, um die vor den Nazis geretteten Manuskripte von Edmund Husserl, dem Begründer einer der einflussreichsten philosophischen Richtungen des 20. Jahrhunderts, einzusehen – Phänomenologie war denn auch das Stichwort seines Buches, das im Original bereits 1945 erschienen war und zwanzig Jahre später dann auf Deutsch. Mein vermeintlicher Kollege war längst selbst Teil dieser Geschichte geworden, jemand, der im Archiv die Manuskripte Husserls entziffert hatte, zu druckreifen Texten geformt, hauptverantwortlich oder mit anderen herausgegeben. Mein neuer Dutzfreund stand längst in meinem Bücherschrank und grüßte mich jetzt auch übers Telefon.

Wir saßen im Kreis. Ein Semester lang hatten wir über das Buch des Philosophen gesprochen, sein letztes. Nun war er da. Entspannt lehnte er in seinem Stuhl, kleiner als die meisten Studierenden, die in ihrer körperlichen Frische und offenkundigen Unsicherheit warteten, wer denn nun den Anfang machen würde, eine Frage zu stellen wagte. Die intime Runde erleichterte und erschwerte das Gespräch zugleich. Es sollte kein bühnenreifer Auftritt sein, bei dem der Gast souverän interviewt wird. Doch die Nähe der Person vermischte sich mit dem Abstand, den sein Buch geschaffen, vergrößert oder vermindert hatte, nach dem jeweiligen Eindruck seiner Leserinnen und Leser hier; junge Künstlerinnen und Künstler, die seit Herbstbeginn am Freitagmorgen die Woche mit der Lektüre dieses Buches ausklingen ließen, rückblickend, erwartungsvoll, auf sich selbst zurückgeworfen. Ein Student hatte stets seinen Tee aufgesetzt, so kunstvoll wie er es im Atelier tat, und wie es später Teil seiner szenischen Improvisationen werden sollte. Wie alle anderen blickte er gespannt in die Runde und sagte kein Wort. Ich würde wohl das Eis brechen müssen, auch wenn es in der entspannten Haltung des alten Mannes längst geschmolzen war und sein Lächeln verriet, wie sehr er es genoss, noch einmal in kleiner Zahl über sein Buch sprechen zu können, ein Buch, das überhaupt nur ein aufmerksames Publikum kennt, Kollegen, philosophisch Interessierte, Studierende wie an diesem Tag, wer sonst hätte es nicht weggelegt. Dabei war die Lektüre nicht nur aufgrund der Gedankengänge oder der Schreibweise den meisten in meiner Gruppe schwergefallen; auch die Welt der Kunst, um die es ging, hatte sich längst gewandelt. 1927 war unser Gast geboren worden, am Heiligmorgen, in Berlin. Ein inzwischen Achtzigjähriger, der über die Kunst im Allgemeinen zu denken versucht hatte, weit über die Entwicklungen der letzten fünfzig Jahre hinaus, so dass ihre Eigenheiten kaum noch erwähnt wurden, die ganze popkulturelle Lebenswelt meiner Studierenden. Nicht nur jetzt, im Gespräch, musste ich das Eis brechen, zumindest auf ihrer Seite – schon von den ersten Seiten unserer Lektüre an. Der Philosoph aber kam von weit her. Und der Augenblick war ihm zu kostbar, um ihn mit Eitelkeiten zu vertun. Er war schon lange emeritiert, aus dem Tagesgeschäft allen akademischen Betriebs, und hatte ebenso Zeit für sein Denken und Schreiben wie gleichermaßen weniger Kontakt. In den flämischen Medien tauchte er ab und an auf, in Deutschland schien er selbst bei Fachkollegen nahezu vergessen – wie, er ist noch aktiv, ich habe zuletzt in den siebziger Jahren von ihm gelesen . Wie das öffentliche Interesse sich wendet, es einen trifft, auf dem eigenen Weg, und wieder verlässt; auch das hatte der Philosoph hinter sich. Und so lauschte er meiner kurzen Einleitung, bevor er selbst die Studierenden mit einer Frage überraschte.

»Was denkt Ihr, müssen wir wissen?«

Die Anspannung in den Gesichtern wich dem Nachdenken, nicht angeschaut werden wollen, Verblüfftsein, Stirnrunzeln – was hätten wir wissen müssen, in jenem Dezember 2009? Die Frage war so allgemein gestellt, dass der Zeitpunkt wohl kaum von Belang war ( belangrijk , wie es auf Niederländisch heißt). Was sollte man überhaupt wissen? Und ging es denn um ein Wissen, wenn die Philosophie schon mit der Infragestellung jeglicher Kenntnis ansetzte, wenn Philosophen meinten, die Orientierung beginne damit, sich nicht auszukennen, die Fliege im Glas zu beobachten, wie sie wohl den Ausweg findet (oder nicht), man selbst allegorisch in eine Höhle versetzt wurde, aus der man zum Quell allen Lichts aufsteigen müsse, den Bedingungen unseres und allen Daseins? Der Philosoph schaute amüsiert, freundlich, abwartend in die Runde. Er selbst hatte seine Antwort bereits gegeben, auf den ersten Seiten des Buches, das wir alle in Händen hielten – ein jedes Exemplar mit anderen Anmerkungen, Notizen, Unterstreichungen und Zeichnungen versehen (Portraits aus der Gruppe, dem Blick aus dem Fenster?). Seine Frage war aber nicht rhetorisch gestellt, als wolle er uns nur prüfen, ob wir sein Buch denn auch gründlich gelesen hätten. Sie war ehrlich gemeint, das verriet seine Geduld, auf unsere Antwort zu warten. In den Gesichtern zeichnete sich das Denken ab, und wenn es nur die Suche danach war, zu denken auf dass man dachte, was immer sich damit zeigte, auftat, und war es die eigene Leere, Unbeholfenheit. Im Hintergrund hörte man die Arbeiten im Atelier, Glas wurde geblasen, Skulpturen aus Ton geformt. Wir waren in einer Werkstatt, im offenen Zwischengeschoss, dem Mezzanin, wie man die Plattform aus Beton liebevoll nannte, als böte sie Aussicht auf eine italienische Piazza. Sie bot zumindest Ausblick auf Kunst im Entstehen, halbfertige Entwürfe und Modelle, Regale voller Materialien und Instrumente, Staub und Belag wie er von jahrelangem, alltäglichem Gebrauch zeugte. Unten schien man sich nicht für unsere Diskussion zu interessieren, die Produktion ging weiter, Gebranntes musste abkühlen, Gestaltetes trocknen, das Wissen war dort sehr konkret und jedes Müssen davon bestimmt. Wie oft hatte sich der Glasbläser bei den Studierenden beschwert, er brauche genaue Zeichnungen, wenn er ihre Vorhaben umsetzen solle! Experimente mochten bei glücklichen Zufällen enden, sie allein dem Zufall zu überlassen, dafür war der Aufwand zu teuer, die Stoffe, Zutaten, die Zeit, die man anderen stahl, wenn man sich nicht an den vereinbarten Plan für alle hielt. Die Kunst entstand hier mit dem Handwerk, in all seiner gedanklichen Durchdringung, Befreiung, es blieb stets ein Arbeiten damit, ein Abarbeiten daran. Ich kannte die Leiterin des Ateliers gut, und wir durften hier zu Gast sein. Ich wollte es dem alten Herrn nicht zumuten, über steile Treppen bis unters Dach steigen zu müssen, wo unser Seminarraum lag, einen Fahrstuhl gab es in dem Trakt des alten, verwinkelten Gebäudes nicht, die letzte Treppe war noch aus Holz, der Duft gestauter, warmer Luft drang einem mit jedem Schritt unters Dach entgegen, erst einmal lüften , so lief ich zu den schrägen Dachluken und öffnete sie mit einem Holzstab. Für unser Leseseminar war der Raum ein verstaubtes Paradies gewesen. Man konnte alle Tische und Stühle frei bewegen, einen Kreis bilden, schien abgeschieden von der Welt, keinerlei Geräusche hörte man, die Welt der Ateliers lag weit entfernt, zwei Treppenhäuser weit, hierhin verirrte sich niemand, der nicht genau wusste, wann und warum er in Raum 22 sein musste. Das Müssen schien immer konkret zu sein, das Wissen zugleich auch praktisch.

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