Sie verließen den Hauptruheraum und die Generalkreis-Sitzung wurde fortgesetzt. Der Raum war rund mit einem Stuhl in der Mitte, ohne Rednerpult. Die Zuhörer saßen im gesamten Umkreis, während der Sprecher sich in der Mitte befand und auf einem Stuhl saß, der sich langsam drehte. An der Decke des Raumes befand sich ein Hologramm des Sprechers und alle hörten aufmerksam zu. Wer reden wollte, musste nur einen Knopf drücken und der Mediator des Generalkreises vergab in der richtigen Reihenfolge das Wort.
»Sehr geehrte Damen und Herren des Kreises«, Eilon war nicht mehr nervös; sie hatten jetzt schon zwei Tage über dieses Thema gesprochen und es schien nicht so, als würde er sie jetzt überzeugen: »Die Wahrheit ist, dass ich aufgebe.« Der ganze Raum begann zu murmeln, aber der Mediator rief sofort zur Ordnung auf und es wurde wieder still im Raum. »Ja, wundern Sie sich nicht, Sie sollten froh sein, dass ich mich auf Ihre Seite begebe, auf die Seite derer, die aufgeben.« In diesem Moment ging eine Vielzahl von Lichtern an und das Gemurmel wurde etwas lauter.
»Ruhe im Saal!« Der Mediator sagte diese Worte und wartete einige Sekunden, bis das laute Murmeln verstummte. Je stiller es wurde, desto mehr Lichter gingen an. »Ich verstehe, dass alle Eilon antworten möchte, aber da er nichts Wichtiges gesagt hat, verstehe ich, dass die mehr als fünfzig kleinen roten Lichter, die reden möchten, nur seinen Kommentar kritisieren möchten. Ich werde alle Lichter ausschalten und für alle gemeinsam reden.« Dann sah er den Redner an. »Eilon, wären Sie so freundlich und könnten Sie bitte nicht zu sehr ironisch sein und klare und nützliche Argumente verwenden? Bitte, fahren Sie fort.«
»Okay, okay, tut mir leid«, sagte Eilon resigniert, aber nachdenklich. »Ich werde die Strategie ändern.«
Dann wandte er sich an den Mediator, was für solch eine Sitzung nicht als angemessen betrachtet wurde.
»Herr Mediator...« Das Murmeln wurde wieder lauter. »Um Himmels willen! Könnten Sie aufhören zu murmeln und hören, was ich zu sagen habe? So kann man ja nicht arbeiten!«
Der Raum versank in Stille. Dieses Verhalten überschritt die Grenzen alles Unangemessenen. Es war nicht erlaubt dem gesamten Generalkreis einen Befehl zu erteilen, es sei denn, der Mediator befahl Ruhe im Saal und um das Gespräch zu leiten. Das könnte ihn den Ausschluss aus der Sitzung für den ganzen Tag kosten.
»Ähm... ähm!« Nun sprach der Mediator, der Eilon sehr ähnlich sah. »Sie werden verstehen, wie widersprüchlich es ist, zu hören, dass Sie nicht mit dem extrem nervigen Geflüster« und damit wandte er sich an den ganzen Saal »arbeiten können, während Sie sich gleichzeitig in meine eigene Arbeit einmischen«, sagte er. »Ich bitte Sie, mir sehr genau zuzuhören.« In seinem Gesicht war Wut zu erkennen. »Wenn Sie noch einmal respektlos gegenüber dieser Versammlung, ironisch oder dreist sprechen, werde ich gezwungen sein, Sie für den Rest dieser Sitzung aus dem Saal zu verweisen. Und jetzt erzählen Sie uns von Ihrer Strategie.«
Der Saal war in absoluter Stille versunken, die Teilnehmer sahen den Redner und den Mediator abwechselnd an. Dann begann Eilon zu reden.
»Ich werde etwas beantragen, was hier noch nie gemacht wurde«, sagte er vorsichtig. »Bitte, fühlen Sie sich nicht angegriffen.«
»Seien Sie vorsichtig, Eilon«, warnte der Mediator. »Keine Sorge«, antwortete er. Dann wandte er sich wieder an das Publikum: »Ich möchte das System zur Wortmeldung statistisch nutzen.« Dann sah er den Mediator an.
»Nun«, sagte dieser etwas überrascht, »ich weiß nicht genau, was Sie meinen, aber ich wiederhole: Seien Sie vorsichtig.«
»Eigentlich ist es sehr einfach.« Eilon richtete seinen Blick auf alle Zuhörer. »Ich werde einige Fragen stellen und Sie werden nur durch Drücken des Knopfes, der normalerweise zur Wortmeldung genutzt wird, antworten.« Dann sah er den Mediator an.
»Ich wüsste nicht, was daran falsch sein könnte.« Der Mediator war von der Bitte etwas perplex, fand daran aber nichts Negatives. »Es ist nicht, als ob das sehr geläufig wäre, aber es gibt diesbezüglich kein Verbot.«
»Wie viele von Ihnen sind gegen eine Expedition, um zu sehen, wer und wie diese intelligenten Wesen auf diesem Planeten sind?« Es gingen nur sehr wenige Lichter an, was offensichtlich darauf zurückzuführen war, dass sie nicht sicher waren, ob sie das Meldesystem dafür verwenden durften.
»Sie können jetzt antworten«, sagte der Mediator und sofort leuchteten eine große Menge roter Lichter auf. Dann verkündete der Mediator den Prozentsatz: »Siebenundsiebzig Prozent. Das ist zu viel, Eilon.«
»Ja, das ist zu viel«, bestätigte Eilon, »aber lassen Sie die Lichter an.« Die Teilnehmer konnten das Licht ausschalten, wann immer sie wollten, was dazu führte, dass keine Zeit verschwendet wurde, wenn ihre Frage bereits beantwortet worden war. »Schalten Sie jetzt Ihr Licht aus, wenn Sie glauben, dass es positive Aspekte hat, wenn wir die Expedition durchführen.«
»Nun denn!«, sagte der Mediator. »Nur noch zweiundvierzig Prozent! Wirklich, jetzt haben Sie etwas.«
»Ja, ja, sehr gut, Mediator, danke«, erwiderte Eilon mit interessierter Miene. »Es ist jedoch immer noch mehr als ein Drittel. Ich weiß nicht, ob es noch etwas zu fragen gibt, aber lassen Sie die Lichter an.«
»Ich weiß nicht, worauf Sie hinauswollen, Eilon.« Der Mediator war ebenso fasziniert wie alle Zuhörer. »Aber es ist offensichtlich, dass alle es wissen möchten. Ich kann nicht mehr tun, als darauf zu bestehen, dass Sie vorsichtig sein sollten. Das hier ist kein Tischspiel, wo Sie mit Würfeln spielen können.«
»Sie haben Recht, ich hatte nie vor zu spielen«, erwiderte Eilon. »Aber bitte lassen Sie mich das Protokoll noch einmal durchgehen«. Und dann stellte er dem Mediator eine Frage: »Darf ich die Teilnehmer direkt ansprechen und einige Fragen stellen?«
»Ähm... Na ja, ...« Der Mediator zögerte. »Die Wahrheit ist, dass mich noch nie jemand so etwas gefragt hat.« Der ganze Raum war fassungslos. Bei den Generalkreis-Treffen fragten die Zuhörer und die Redner antworteten, aber niemals umgekehrt. »Jedoch, um auf die Vorschriften zurückzukommen, finde ich darin nichts, was das verbietet, um das Sie gerade gebeten haben.«
»Gut«, sagte Eilon zufrieden, »dann hätte ich gerne, dass nun einige der Leute aufstehen, die den Knopf gedrückt haben, als ich die erste Frage gestellt habe und die ihn nach meiner zweiten Frage deaktiviert haben.«
Es wurde wieder gemurmelt, der Mediator beruhigte den Raum wieder, aber diesmal wurde Eilon nicht zurechtgewiesen. Zweifellos hatte er es geschafft, das Interesse des Mediators zu wecken. Einige Leute standen auf, so tat das auch Eilon und ging auf einen von ihnen zu.
»Wie heißen Sie?«, fragte er.
»Hiflint Hane, erster Vertreter des Nordostbezirks sieben seit zwei Legislaturperioden«, antwortete er überzeugt.
»Warum haben Sie das Licht ausgeschaltet?«, fragte Eilon. »Nun, weil ich erkenne, dass es auch positive Aspekte geben kann, wenn die Expedition ausgesandt wird«, sagte Hiflint. »Können Sie uns einen von diesen erläutern?« Eilon hatte bemerkt, dass die Teilnehmer ihn nach seiner Frage mit noch größerem Interesse ansahen.
»Äh...« Hiflint war ein wenig nervös, er sah den Mediator an und nickte, als Zeichen, dass er antworten konnte. Zweiundvierzig Prozent der Lichter waren noch an. »Ähm... nun, ich denke, dieser bestimmte Planet hat eine strategische Lage, von der wir profitieren könnten, wenn wir sie zu unseren Verbündeten machen können«, Eilon konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, » weil, wie Sie wissen, dieser Planet größtenteils von einem Asteroidengürtel und drei weiteren Planeten verborgen ist. Ein Asteroidengürtel, der einen Planeten mit Leben umgibt, würde uns aufgrund unseres Tarnsystems zwischen Weltraummüll einen taktischen Vorteil verschaffen.«
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