Ein toter Mann steht nicht für seine Rechte auf. Er schlägt nicht zurück. Er sorgt sich nicht um seinen Ruf. Er wird sich nicht rächen. Er kann niemanden hassen oder gegen jemand bitter sein.
Das bedeutet es, dem eigenen Ich zu sterben.
Dieser Weg des Kreuzes, wie all die anderen Vorkehrungen, die Gott für unser geistliches Wachstum getroffen hat (die wir vorhin betrachtet haben), ist ebenfalls etwas, was wir TÄGLICH benötigen, wenn wir geistlichen Fortschritt machen wollen.
5. Der Leib Christi
Unter dem neuen Bund hat Gott nicht beabsichtigt, dass wir einsame Christen, die für sich selbst leben, sein sollen – sogar wenn wir im Sieg über die Sünde leben. Gottes Wille ist es, dass es einen Leib von Jüngern Jesu geben sollte, die zusammen seine Herrlichkeit offenbaren.
Es gibt einen Unterschied zwischen einem Leib und einer Versammlung. Eine Versammlung ist nicht besser wie ein weltlicher Verein (Club). Der Verein mag ein guter Verein sein, wo Menschen füreinander Sorge tragen und einander helfen. Aber ein Leib ist mehr als das. Im Leib Christi ist jedes Mitglied zuallererst innerlich mit dem Haupt und dann innerlich und untrennbar mit den anderen Mitgliedern verbunden. Diese Mitglieder müssen in Einheit wachsen, bis ihre Einheit der Einheit zwischen dem Vater und dem Sohn entspricht (Johannes 17,21-23).
Satan widersetzt sich überall auf der Welt dem Bau eines solchen Leibes, denn er weiß, dass ein solcher Leib ihn besiegen, in die Flucht schlagen und sein Reich zerstören kann. Jesus sagte, dass die Pforten der Hölle die Gemeinde nicht überwältigen würden (Matthäus 16,18). Die Pforten der Hölle mögen einen einsamen Einzelchristen überwinden. Aber sie können die Gemeinde nicht überwältigen. Das ist der Grund, warum Satans Angriffe auf die geistliche Einheit unter Christen viel stärker sind als seine Angriffe auf die Reinheit.
Wo immer zwei Jünger Jesu fest in der Einheit des Sinnes und des Geistes verbunden sind, wird ihnen alles, worum sie bitten, gewährt werden, denn in solchen zwei Jüngern findet man einen Ausdruck des Leibes Christi (Matthäus 18,18-20).
In der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen werden wir die Selbstsucht und die äußerste Verdorbenheit unseres Fleisches viel schneller und tiefer erkennen als wenn wir für uns allein lebten. Nur durch Gemeinschaft mit anderen, die ein Fleisch haben, können unsere rauen Ecken abgeschliffen werden.
Viele Gläubige spinnen lediglich Theorien über die Gemeinde und den Leib Christi. Aber wir müssen zu denen gehören, die die Wirklichkeit suchen. Es gibt in der Christenheit genug Theorien über die Gemeinde. Wir müssen dieser Anzahl keine weitere Theorie oder Doktrin über den Leib Christi hinzufügen. Lasst uns die Realität des Leibes in unseren gegenseitigen Beziehungen in unserer örtlichen Gemeinde demonstrieren und der Welt und dem Satan auf diese Weise zeigen, dass der Leib Christi auf Erden eine Realität ist.
Alle Gaben Gottes empfangen
Wir können mit einem Finger viele Dinge tun, mehr mit zwei Fingern, noch mehr mit drei Fingern, und noch viel mehr mit vier Fingern. Aber Gott hat uns in seiner Weisheit mit fünf Fingern geschaffen – für einen Zweck. Wenn wir an die Finger an unseren Händen denken, sollten wir niemals mit dem bloßen Minimum von zwei Fingern zufrieden sein.
Warum sollten wir dann mit dem bloßen Minimum im christlichen Leben zufrieden sein? Lasst uns ALLE Gaben, die Gott uns gegeben hat, nutzen, um das christliche Leben fest im Griff zu haben.
4. Der dreifache Austausch am Kreuz
Alles, was Gott für uns tut basiert auf Gnade durch Glauben (Epheser 2,8). Gnade ist Gottes Hand, die vom Himmel herabreicht und uns jeden geistlichen Segen im Himmel anbietet (Epheser 1,3). Glaube ist unsere Hand, die nach oben reicht und diese Segnungen aus Gottes Hand entgegennimmt.
Es gibt mindestens vier Gründe, warum Gläubige besiegt und arm bleiben, obgleich sie nach Gottes Willen Überwinder und geistlich reich sein sollten:
1. Sie wissen nichts von den Segnungen, die Gott ihnen in Christus gegeben hat.
2. Obwohl sie davon wissen, bitten sie Gott nicht darum.
3. Obwohl sie darum bitten, bitten sie im Unglauben.
4. Obwohl sie im Glauben bitten, bitten sie mit selbstsüchtigen Motiven (Johannes 8,32; Römer 10,14; Jakobus 4,2; Johannes 16,24; Matthäus 13,58; Jakobus 1,7; 4,3).
Die Bibel beginnt mit den Worten „Am Anfang schuf Gott… (1. Mose 1,1). Das ist das Hauptmerkmal eines wirklich göttlichen Werkes: Es hat seinen Ursprung in Gott selbst. Andererseits hat ein menschliches Werk – sogar wenn es ein „christliches Werk“ genannt wird – seinen Ursprung im Verstand des Menschen.
Jesus sagte: „Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen“ (Matthäus 15,13). Die Pflanze (Idee, Werk, Dienst usw.) selbst mag eine gute Pflanze sein. Aber das macht keinen Unterschied aus. Wenn sie nicht von Gott gepflanzt war, dann wird sie eines Tages ausgerissen und verbrannt werden.
Es gibt im heutigen Christentum viele gute Dinge, die ihren Ursprung nicht in Gott haben. Aber wenn Gott Himmel und Erde erschüttert, wird all das von Gott selbst zerstört werden. Nur das, was unerschütterlich ist – was seinen Ursprung in Gott hat – wird an diesem Tag bleiben (Hebräer 12,26-28).
Es gibt im Fleisch des Menschen einen starken Drang, Dinge für Gott tun zu wollen. Alle falschen Religionen gedeihen, indem sie auf diesen Drang abzielen. Der Mensch fühlt sich groß und wichtig, wenn er meint, dass er etwas für Gott getan hat – sei es nun der Bau eines Tempels oder einer Moschee oder indem er Geld für die Armen spendet oder Gerechtigkeit praktiziert oder predigt oder Gutes tut.
Im wahren Christentum beginnt jedoch alles mit Gott.
„ In Christus“
Unser Heil fing in Gottes Gedanken an. Er war es, der „uns in Christus erwählt hat, ehe der Welt Grund gelegt war“ (Epheser 1,4). Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19). Im Epheserbrief beschreibt Paulus zuerst, was Gott für uns getan hat (Kapitel 1 bis 3). Erst dann fährt er fort und beschreibt, was wir für Gott tun müssen (Kapitel 4 bis 6).
In evangelikalen Kreisen wird der Ausdruck „ Christus annehmen“ sehr häufig benutzt. Obwohl das Neue Testament über „Christus IN uns“ spricht (Kolosser 1,27; Epheser 3,17) , spricht es viel mehr darüber, dass WIR IN CHRISTUS SIND.
Christus annehmen ist das, was WIR tun, wohingegen GOTT uns in Christus hineinversetzt. Es ist daher nicht überraschend, dass eine menschenzentrierte Theologie viel mehr Betonung auf das, was wir tun, legt, statt auf das, was Gott tut. Wenn wir möchten, dass unser christliches Leben stark ist, müssen wir zuerst in dem, was Gott für uns IN CHRISTUS getan hat, gegründet und verwurzelt sein.
Um zu veranschaulichen, was es bedeutet, „in Christus“ zu sein, denke an ein Stück Papier, das sich im Inneren eines Buches befindet. Wenn das Buch mit der Post nach Bombay geschickt wird, geht das Papier auch mit nach Bombay. In ähnlicher Weise, da wir vor Grundlegung der Welt in Christus hineinversetzt wurden, wurden wir auch mit ihm gekreuzigt, als er auf dem Hügel von Golgatha gekreuzigt wurde. Als er begraben wurde, wurden wir mit ihm begraben. Und als er auferweckt wurde, wurden wir mit ihm auferweckt. Als er in den Himmel auffuhr, sind wir mit ihm aufgefahren. Und dort wo er jetzt ist, sind auch wir – IN IHM.
Nur wenn wir diese Wahrheit aus Gottes Wort glauben, können wir sie erfahren – sonst nicht. „Euch geschehe nach eurem Glauben“ ist ein Gesetz Gottes.
Es ist etwa so, als ob Gott Millionen von Rupien auf unser Bankkonto einzahlt und uns dann Blankoschecks mit Jesu Namen darauf hinterlässt (2. Korinther 1,20). Alles was wir tun müssen besteht nun darin, den Betrag einzusetzen, zur Bank zu gehen und dann unser Erbe – in Jesu Namen – in Anspruch zu nehmen.
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