A. E. Eiserlo - Fanrea Band 3

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Emma und Ben stellen sich erneut dem Kampf gegen Xaria, die zwei ihrer Geschwister entführt. Doch die Krieger des Lichts sind nicht allein, treue Freunde stehen ihnen zur Seite. Der Weg führt in einen unbekannten Teil Fanreas, der die sechs Jugendlichen an ihre Grenzen bringt. Gleichzeitig verfolgen vier Fanreaner einen feigen Mörder und seinen zwielichtigen Gefährten. Die Jagd zwingt sie über reißende Flüsse und endet in einer dramatischen Seeschlacht. Magie und Spannung, Freundschaft und Liebe begleiten die Jäger – sind sie der Herausforderung gewachsen? Band drei der Fanrea-Serie: Ein Buch für junge Leser und junggebliebene Erwachsene!

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Der bemerkte die Neuankömmlinge und vertagte den Angriff. Mit vier Drachen gleichzeitig wollte selbst Red Fire es nicht aufnehmen, sondern lieber dafür sorgen, dass er etwas zu essen bekam. Er änderte die Richtung und verschwand schließlich aus Nijanos Blickfeld hinter einem Berggipfel.

Enttäuscht kehrte der Jungdrache zurück zur Höhle, um auf dem dortigen Absatz zu landen. Drei grimmige Drachinnen starrten ihm entgegen.

»Wie sprichst du mit meiner Mutter?«, fuhr Soraya ihn an.

»Du hast einen unverschämten Ton mir gegenüber!«, schimpfte Jaspis.

Rosenquarz globalisierte wieder einmal: »Alle Drachenmänner spinnen und wollen uns Drachinnen beherrschen.«

»Ich habe euch drei ebenso satt wie euer Genörgel!« Genervt wendete Nijano und flog zur Höhle über dem See, die ebenfalls Bernsteinauge gehörte. Er musste jetzt allein sein. Durch Sorayas verkrampfte Verwandtschaft wäre seine Geduld bald am Ende, sodass er nachher Dinge sagte, die er später bestimmt bereute. Seit Jaspis mit ihrer zweiten Tochter Samira und der eigenen Schwester Rosenquarz in der Nähe lebte, prägten Diskussionen oder Bevormundung das Leben.

Gedanken und Gefühle

Tief atmete Emma die kalte Luft ein, während sie den winterlich kahlen Garten ihres Hauses betrachtete. Einsam wirkte er, zudem wie versunken in einen tiefen Schlaf. Im Kopf des Mädchens schwirrte die Melodie von Ed Sheeran herum und es summte ein paar Takte von Thinking out loud . Plötzlich befand es sich gedanklich am Strand in Frankreich im letzten Sommer, tanzend mit John, barfuß im Sand. Wie von selbst bewegte sich der graziöse Körper, der mit Tanzschritten über die Terrasse schwebte.

Völlig verblüfft beobachtete eine Ratte das Mädchen – Bosrak! Wie hypnotisiert beobachtete er, was die Kriegerin dort trieb. Vor lauter Verwunderung kroch der Nager näher, das anmutige Mädchen nicht aus den Augen verlierend. Tanzte sie etwa? Einfach so? Draußen und allein?

Plötzlich brach Emma ab, fluchte und stapfte in Richtung Haus. Sie wirkte sehr zornig.

Der Gestaltwandler wartete, bis sie nicht mehr zu sehen war. Er konnte ihre Wut bis zu seinem Versteck spüren. Kurz spielte er mit dem Gedanken, ihr ins Haus zu folgen, denn irgendeine Ritze als Durchlass gäbe es bestimmt. Aber was sollte das bringen? Nichts! Bosrak schoss davon, rannte in Richtung Wald.

Die Erinnerungen an John hatten der Tänzerin die Laune gründlich verdorben. Im eigenen Zimmer sitzend, las die Hüterin der Bücher wieder und wieder die alten E-Mails von John. Diese waren ein Gemisch aus Liebesbrief und Reisebericht, die sie fast alle auswendig kannte. Von Frankreich aus ging die Reise zusammen mit Samuel nach Italien, um dort als Zitronenpflücker zu arbeiten. Die nächste Station befand sich in Spanien, wo die Jungen bei einem Pferdezüchter eine Bleibe fanden. Der Inhaber zeigte so große Begeisterung von ihnen, dass er sie am liebsten fest eingestellt hätte, aber es zog die Freunde weiter nach Portugal. Eine Weile kamen die beiden auf einer Korkplantage unter, danach fuhren sie mit Fischern aufs Meer hinaus. Wahllos pickte Emma eine E-Mail heraus: jene, die John in Portugal geschrieben hatte, während seiner Zeit als Fischer.

Meine süße Emma,

der heutige Tag auf dem Meer war ein großer Erfolg. Unsere Netze sind fast geplatzt, so voll waren sie. Auf dem Weg zurück in den Hafen begleitete uns eine Delfinschule. Es sah unglaublich elegant aus, wie die schönen Geschöpfe neben unserem Boot durch die schäumende Gischt glitten. Du wärst begeistert gewesen – du hast ein wunderschönes Krafttier!

Wie immer hätte ich dich gern währenddessen in meinen Armen gehalten und die Delfine mit dir gemeinsam beobachtet. Du fehlst mir sehr! Ich vermisse dein Lachen, die Küsse, den Geruch deiner Haut, ja sogar den trotzigen Gesichtsausdruck, wenn du sauer bist!

Ich muss jetzt los, die Fischer haben uns heute Abend zum Sardinenessen eingeladen. Wir grillen am Strand, Samuel wartet schon draußen auf mich. Wie hat deine Mathearbeit geklappt?

Meine Gedanken sind bei dir,

dein John

PS. Ich denke viel an Soraya. Geht Ben das mit seinem Drachen genauso? Manchmal schmerzt es geradezu!

Emma seufzte. »Ich kann mit dem Schwert kämpfen, aber bei Gefühlen krieg ich nichts gebacken! Wie losermäßig ist das denn?«

Weihnachten und Bens Geburtstagsfeier hatte sie ohne John verbracht. Zu dessen eigenem Geburtstag im Januar waren sie ebenfalls nicht zusammen gewesen. Seine Strategie ging auf: Durch die räumliche Trennung wurde dem störrischen Mädchen klar, dass es viel für ihn empfand und bereit für eine feste Bindung schien. Das Herz sprach eine eigene Sprache, auf John wollte Emma nicht verzichten! Ungeduldig hoffte sie auf seine Rückkehr, mit jedem Tag der Trennung fiel ihr das Warten schwerer. Sie dachte an den Rat von Nala, John zu sagen, dass sie ihn liebte. Warum nur fiel es so schwer auszusprechen, was das Gefühl vorgab? Die mutige Kriegerin litt darunter, dass die Worte nicht flossen, wenn sie das Herz öffnen wollte. Der Mund fühlte sich dann wie zugenäht an, der Magen verkrampfte, der Atem stockte. Weshalb kam das Wort Liebe nicht über ihre Lippen? Hing das mit den Verlustgefühlen zusammen? Leider wusste Emma nicht, wie sie das Verhalten ändern konnte. John legte ihr seine Liebe zu Füßen, sprach offen über Gefühle – sie dagegen blieb ein Stockfisch. Es war zum Heulen!

Der Blick fiel auf die Bücher, die verstreut auf dem Boden lagen. Einige handelten von alternativen Heilmethoden. In den letzten Wochen hatte sie viel über das Thema Heilen gelesen, auch Esthers Buch. Es war wichtig, ein größeres Verständnis dafür zu entwickeln, wie die Fanreaner Krankheit bekämpften und den Körper betrachteten. Immer mehr verstand das Erdenmädchen, welche große Bedeutung die Einheit von Körper, Geist und Seele besaß. Alles hing zusammen! Wer die Verbindung sah, konnte anders an den Heilprozess herangehen.

Das Buch Zweiherz * von Antje Babendererde , das sie gerade las, handelte allerdings von einem anderen Thema. Emma wollte mehr über Indianer wissen, besser verstehen, wie sie dachten und wodurch sie geprägt wurden. In ihr wuchs das starke Bedürfnis, John und seinen Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen näher zu sein. Einige Romane, bei denen die Handlung in den heutigen Indianerreservaten spielte, hatte sie schon verschlungen und tauchte in eine Welt ein, die ihr bis dahin völlig fremd war. Die Gräueltaten der Weißen gegenüber den Indianern in der Vergangenheit wurden ihr bewusst, sie schämte sich für das, was damals passierte. Als Emma las, wie viel Unrecht auch heute noch den Indianern widerfuhr, wuchs die Empörung und das Kämpferherz meldete sich. Am liebsten wäre sie zum Weißen Haus gestürmt, um den Verantwortlichen gewaltig die Meinung zu sagen.

Durch die Geschichten begann das Mädchen, John besser zu verstehen. Seine Worte über Armut, Hoffnungslosigkeit und Alkoholprobleme blieben nicht weiter leere Worthülsen, sondern füllten sich mit Schicksalen von Menschen. Durch die Bücher rückten die Probleme in den Reservaten näher an die Kriegerin des Lichts heran. Sie begriff, was ihr Freund empfand, wenn er an seine Kindheit dachte.

Nachdenklich griff das Mädchen nach Zweiherz , begleitete Kaye auf dem Weg durch die Prärie und bangte um Will, wenn er gegen den zwielichtigen Kojoten kämpfte. Den restlichen Tag wollte Emma mit Lesen verbringen, sie verspürte keine Lust, mit jemandem zu reden.

*

Im Indianerreservat Pine Ridge sprang John von einem klapprigen Transporter und bedankte sich bei den beiden jungen Indianern, die ihn hier netterweise absetzten. Mit lautem Hupen und Gejohle antworteten sie. John kam aus San Francisco, der Stadt, in der er eine Weile als Junge mit seinen Eltern gelebt hatte.

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