A. E. Eiserlo - Fanrea Band 3

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Emma und Ben stellen sich erneut dem Kampf gegen Xaria, die zwei ihrer Geschwister entführt. Doch die Krieger des Lichts sind nicht allein, treue Freunde stehen ihnen zur Seite. Der Weg führt in einen unbekannten Teil Fanreas, der die sechs Jugendlichen an ihre Grenzen bringt. Gleichzeitig verfolgen vier Fanreaner einen feigen Mörder und seinen zwielichtigen Gefährten. Die Jagd zwingt sie über reißende Flüsse und endet in einer dramatischen Seeschlacht. Magie und Spannung, Freundschaft und Liebe begleiten die Jäger – sind sie der Herausforderung gewachsen? Band drei der Fanrea-Serie: Ein Buch für junge Leser und junggebliebene Erwachsene!

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»Mag ich mich denn?« Samuel seufzte.

»Dann mag ich dich für zwei.«

»Das ist süß von dir. Aber ich muss trotzdem mit mir klarkommen.«

Währenddessen wurde erneut der Drachenkopfklopfer an der Haustür betätigt. Emma traf ein.

Mit großem Hallo wurde sie begrüßt und von Esther mit Apfelkuchen samt Sahne versorgt, während Henk mit Fips einen Spaziergang durch den Wald machte.

Das Mädchen protestierte: »Esther, nicht so viel Sahne! Ich passe demnächst nicht mehr in mein Balletttrikot rein. Wo sind denn Leni und Sam?«

»Sie hat ihren üblichen Schulfrust. Sam tröstet sie«, kommentierte Ben und verdrehte die Augen.

»Sei nicht so herzlos! Ich kann meine Cousine verstehen.« Mit funkelndem Blick musterte Emma den Freund.

»Ich ja auch! Schon gut, du kleine Wildkatze, reg dich nicht so auf! Aber diese ewigen Szenen wegen der Schule finde ich nervig.« Ben zuckte mit den Schultern. »Hast du was von John gehört? Wann kommt er denn endlich?«

Missmutig runzelte sie die Stirn. »Hm! Weiß nicht.«

Esther legte eine Hand auf ihre Schulter. »Bestimmt bald! Du zweifelst nicht an seiner Liebe oder etwa doch?«

»Warum bleibt er dann so lang weg?« Niedergeschlagen senkte Emma den Blick. Zurzeit befand John sich in San Francisco, um von dort aus irgendwann seinen Onkel Telling Bear im Indianerreservat zu besuchen.

Ben grinste. »Hast du ihm geschrieben, dass er kommen soll, weil du es nicht mehr ohne ihn aushältst?«

»Natürlich nicht so direkt … Also, ich …« Das Mädchen verstummte.

»Du lernst es nie!«, mischte Nala sich ein. »Sag John endlich, was du für ihn empfindest! Klar und deutlich!«

»Hm!«

»Komm, wir gehen in mein Zimmer und quatschen ’ne Runde!«, schlug Nala vor.

Fragend hob Ben die Augenbrauen. »Oh, jetzt wird es interessant! Worüber redet ihr denn so?«

»Geht dich nichts an! Sei nicht so neugierig!«, kicherte Emma.

»Genau!«, stimmte das dunkelhäutige Mädchen zu.

Obwohl Ben brummig guckte, standen die beiden auf und schlenderten unbeeindruckt in Nalas Zimmer, das Esther hergerichtet hatte.

Die Fanreanerin strich ein paar seidig glänzende Haarsträhnen aus dem Gesicht. »Wir haben noch kein einziges Mal allein miteinander geredet. Was hast du getrieben in den letzten Wochen? Hast du meinen Rat befolgt und bist mit anderen Jungen ausgegangen?«

Glucksend ließ Emma sich auf dem Bett nieder und nickte.

»Und? Wie war es?«

»Grottig! Total daneben!«

»Erzähl!«

»Mit einem bin ich ins Kino gegangen. Der wollte direkt an mir rumfummeln …«

»Weiß Ben davon?«

Emma schüttelte wild den Kopf, sodass ihre Locken hin und her flogen. »Nein! Er hätte bestimmt was gegen unser Experiment! Nichts erzählen!«

»Weiter!«

»Den Kinotypen habe ich dann sogar geküsst, aber er war so ein ekliger Feuchtküsser …«

»Och, nee!«

»Einen fand ich eigentlich nett. Der hat sich aber ’ne andere geschnappt und mich einfach abblitzen lassen.«

Nalas Augen funkelten belustigt. »Ups! Sind viele abers in deinen Sätzen.«

»Stimmt! Außerdem langweilen mich die Jungen, die in Frage kommen, fast alle irgendwie …«

»Sehr gut!«

»Wieso sehr gut?«

»Damit du endlich begreifst, was du an John hast! Weiter!«

»Mit einem war ich auf einer Geburtstagsparty. Der konnte nicht tanzen und hat sich volllaufen lassen, bis er alles vollgekotzt hat.«

Jetzt konnte Nala sich das Lachen nicht mehr verkneifen. »Super! Ist ja spitzenmäßig gelaufen!«

»Ja, ziemlich!« Die Freundin zog eine Schnute. »So viel zu: Tob dich mal aus!«

»Toll! Genauso, wie ich es mir ausgemalt habe. Wen willst du jetzt?«

»Natürlich John!« Emma zog eine Grimasse.

»Dann sag es ihm! Er kommt zurück, wenn du ihm deine Gefühle mitteilst. Aber nicht nur so ein Wischiwaschi-Drumherum-Emma-Gelaber. Klar?«

Drachen

Dem roten Drachen Red Fire war zu Ohren gekommen, dass die Höhle von Bernsteinauge leer stand. Schon immer begehrte er deren Schätze. Den Tod von ihr hatte der große Rote damals nicht mitbekommen, da er selbst so angeschlagen war, dass er Schutz in seiner Höhle suchen musste. Es dauerte eine Weile, bis die Wunden verheilten. Er lebte stets als absoluter Einzelgänger, der niemandem vertraute und die Gesellschaft anderer verabscheute. Deshalb erhielt er wenig Informationen von außerhalb. Allerdings Gerüchten zufolge, die er dem dummen Geschwätz vorbeifliegender Vögel entnehmen konnte, erlag Bernsteinauge den Verletzungen noch auf dem Kampfplatz. Somit gehörte ihre Höhle mit den Schätzen darin ihm, Red Fire, dem Sieger des Kampfes! Endlich sah seine Chance gekommen, sich diese unter den Nagel zu reißen.

Die gewaltigen Schwingen schlugen gleichmäßig auf und ab, während Wind über die empfindlichen Flügelhäute strich. Das Licht der Sonne fiel auf die schimmernden Schuppen und rief unzählige Schattierungen von Rot hervor. Tief atmete Red Fire die kühle Luft ein. Mit scharfen Augen die Umgebung musternd, nahm er jede noch so kleine Bewegung wahr. Der Hunger rumorte in den Eingeweiden. Seitdem der Drache die eigene Höhle in den Rough Mountains verlassen hatte, war kein Wild zu sehen. Zudem verspürte er das dringende Bedürfnis zu töten. Den Tod zu bringen, bereitete ihm Vergnügen. Der rote Gigant genoss es, wenn sich das Feuer im Inneren aufbaute, in der Kehle brannte, bis es schließlich herausschoss, um Zerstörung zu bringen. Wenn er die Krallen in die weiche Haut eines Opfers schlug, sodass Blut herausspritzte, hatte er das Gefühl, Herrscher über Leben und Tod zu sein.

Unter dem Drachen befand sich eine wilde Berglandschaft, die von einem reißenden Fluss zerschnitten wurde, an dessen Ufer kaum Vegetation wuchs. Es regte sich kein Tier, doch der Hunger wurde quälender.

Endlich erspähte der Drache Beute: einen Monolan, der sorglos am Fluss entlang trabte. Red Fire legte die Flügel an, schoss im pfeilschnellen Sturzflug hinab, mit dem Gefühl, eine sichere Mahlzeit vor Augen zu haben.

Im letzten Moment schien der Monolan den Schatten des Drachen zu bemerken, denn er rettete sein Leben mit einem waghalsigen Sprung in den tosenden Fluss. Unter Wasser verwandelte das Tier sich sofort in ein Walross, tauchte tief hinab bis zum Grund und fand dort ein Versteck unter Felsen. Es war Bogidahab, der für seine Familie jagte, während Wanda die Babys hütete. Nur knapp konnte er dem Tod entrinnen, aber noch bestand Gefahr. Bogidahab sah den mächtigen Schatten des Drachen, der über die Wasseroberfläche huschte. Das dunkle Fell des Walrosses verschmolz mit den Felsen, deshalb hoffte er inständig, von oben nicht gesehen zu werden. Regungslos verharrte er, denn jede kleinste Bewegung wurde von den scharfen Drachenaugen registriert.

Da Red Fire nicht wusste, wie tief das Wasser an dieser Stelle war, unterließ er es, Bogidahab hinterher zu tauchen. Vor Jahren zog der Drache sich in einem flachen Flussbett eine tiefe Verletzung zu. Seither verhielt er sich vorsichtig an solchen Stellen. Verärgert schwenkte er ab, seine Laune sank auf den Tiefpunkt. Der rote Riese musste etwas zu Fressen finden. Als er den Blick schweifen ließ, stellte er enttäuscht fest, dass sich ansonsten nichts unter ihm bewegte, so als ob alle Lebewesen vor ihm geflüchtet wären. Er empfing nicht einmal eine Schwingung von Leben.

Der Drache beschloss, zunächst die Schatzhöhle aufzusuchen, um dort die Bestände zu prüfen. Schon sah er sich in einem Meer aus Gold und Diamanten baden. Er liebte es, wenn das Licht in den Diamanten brach, darin funkelnd schimmerte und das Gold leise klimperte, wenn es bewegt wurde. Nach dem Bad in den Kostbarkeiten würde er im nahen See Lorells fangen. Dort, wo auch Bernsteinauge gern gejagt hatte. Besser fette Fische als gar nichts im Bauch.

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