sich doch. Da es nämlich wunderschönes Wetter war
und er glaubte, Alle seien auf dem Felde, holte er den
Dudelsack herbei und musizirte nach Herzenslust.
Seine Verwandten aber standen nebst einem Teufelsaustreiber
und dessen Frau in der Küche und hörten
dies Alles mit an.
»Was sollen wir mit diesem Hallunken anfangen?«
fragte die Frau.
»Wir nehmen ihn am Kragen und halten ihn mit
dem Kopfe so lange in's Wasser, bis er das Athmen
vergißt!« erwiderte der Zauberer.
»Das wäre eine zu leichte Strafe. Ich will eine
große eiserne Schaufel heiß machen und ihn darauf
setzen!«
»Ich will lieber die Zange in's Feuer legen und ihm,
wenn sie heiß ist, die Nase damit zwicken!«
»Halt! Ich weiß etwas Besseres! Ich gebe ihm
einen Schluck aus meiner Medizinflasche und er wird
bald den Winter und die Hölle abwechselnd in seinem
Magen spüren!«
»Gut; laß uns hineingehen!«
Doch als sie in die Stube traten, war der Wechselbalg
verschwunden und nirgends mehr zu sehen.
Dafür aber sah der Teufel zum Fenster herein und als
der Zauberer mit der glühenden Zange nach ihm
schlug, verschwand auch er unter gräßlichem Lachen.
Am nächsten Morgen fand man Richard gesund
und munter in seinem Bette. Aber ein Taugenichts
war er nicht mehr; denn Keiner arbeitete jetzt fleißiger
und las eifriger im Gebetbuche als er.
3.
Die Geschichte von zwei Buckligen.
Am Coolgarrow-Berge wohnte ein armer, ehrlicher
Mann, der sich, da ihm sein verwachsener Körper
keine schweren Arbeiten erlaubte, mit dem Flechten
von Stühlen und Bienenkörben ernährte. Als er eines
Abends vom Markte in Enniscorthy nach Hause ging
und, um den Weg abzukürzen, einen Fußpfad durch
den Wiesengrund einschlug, fühlte er sich auf einmal
so müde, daß er sich niedersetzen mußte. Nach kurzer
Zeit schlief er ein und sah im Traum eine große Abtheilung
Soldaten an sich vorbeimarschiren und hörte
einen Marsch dazu spielen. Plötzlich aber stieß der
Hornist so laut in's Horn, daß er aufwachte. Er saß
am Rande eines rauschenden Flusses, und neben sich
sah er den Eingang zu einem mit tausenden von Lampen
erhellten Gemache, in dem sich unzählige Herren
und Damen von winziger Gestalt in grasgrünen Kleidern
bewegten. Sie tanzten und sangen und thaten, als
bemerkten sie den armen Buckligen gar nicht. Dieser
faßte daher Muth, schlich sich in ihr Gemach und
setzte sich still in eine Ecke. Die elfenähnlichen Zwerge
schienen nur ein Lied zu kennen und das bestand
aus den Worten:
»Yae Luan, yae Morth –
Yae Luan, yae Morth,«
was dem armen Fremdling zuletzt so zuwider wurde,
daß er plötzlich noch die Worte
»Agus Dha Haedyeen«
dazufügte. Dies freute die kleinen Leute so sehr, daß
sie diese Zeile ihrem Liede einverleibten und nun
»Yae Luan, yae Morth,
Yae Luan, yae Morth,
Agus Dha Haedyeen«1
an einem fort sangen. Nach einer Weile sprachen sie
zu ihm: »Wir danken dir sehr für die Verbesserung
unseres Liedes und wenn wir Etwas für dich thun
können, so sage es!«
»Ich danke euch, meine Damen und Herren!« erwiederte
er; »wenn ihr mir meinen Buckel abnehmen
könnt, so macht ihr mich zum glücklichsten Manne in
Irland.«
»Das soll gleich geschehen!« antworteten sie und
ein Zwerg ergriff ihn bei den Beinen und warf ihn bis
an die Decke ihres Gemaches. Als er herunterkam,
fing ihn ein anderer auf und schleuderte ihn wieder in
die Höhe, so daß es ihm zuletzt vorkam, als habe er
Flügel. Endlich warf ihn einer etwas unsanft gegen
das Gewölbe und es kam ihm vor, als sei sein Buckel
daran hängen geblieben. Als er wieder unten ankam,
verlor er das Bewußtsein.
Am nächsten Morgen erwachte er auf der Wiese
und fühlte sich so leicht und so frisch und gesund wie
noch nie in seinem Leben. Gleich eilte er nach Hause
und erzählte seinen Nachbarn sein Abenteuer.
Bald sprach ganz Irland von dieser Wunderkur und
mancher Bucklige dachte, er könne seine überflüssige
Bürde jetzt ebenso bequem und angenehm los werden.
Darunter war auch ein alter zänkischer Geselle,
der in Ballynocrish wohnte. Dieser beschloß dann
eines Tages, mit seiner alten Tante und deren Freundin
nach der besagten Zauberwiese zu gehen und sich
dort schlafen zu legen. Die beiden Frauen begleiteten
ihn dorthin; er legte sich nieder und träumte von
einem großen Löwen, der ihn am Buckel gepackt
habe und fortschleppe. Endlich hörte auch er den Elfengesang,
»Yae Luan, yae Morth,
Yae Luan, yae Morth,
Agus Dha Haedyeen«
Dies gefiel ihm nun ganz und gar nicht und als die
Kleinen ihr Lied zum zweiten Male gesungen hatten,
schrie er mit rauher Stimme
»Agus Dha Jaerdyeen,
Agus Dha Haenya!«2
was jene so sehr ärgerte, daß sie sich augenblicklich
um ihn stellten und ihn fragten, was er hier suche. Als
er sein Anliegen vorgebracht hatte, rief der König:
»Bringt mir den andern Buckel her!« Als er gebracht
wurde, legte er ihm denselben noch auf den seinigen,
wo er auch gleich wie festgewachsen hängen blieb.
Am andern Morgen fanden ihn die Frauen mehr
todt als lebendig auf der Zauberwiese liegen und führten
ihn traurig nach Hause.
Moral: Gegen die Bitten zanksüchtiger Menschen
sind die Geister taub.
Fußnoten
1 Montag, Dienstag,
Montag, Dienstag,
Und Mittwoch auch.
2 Donnerstag – Freitag.
4.
Die Elfen-Amme.
In der Nähe von Coolgarrow wohnte ein armes Ehepaar,
das drei Kinder hatte. Die Frau war zwar eine
sehr tüchtige Hausfrau und scheute vor keiner Arbeit
zurück, aber vom Kirchengehen war sie keine besondere
Freundin und die langen Predigten ihres Priesters
hielt sie für unverzeihliche Zeitverschwendung. Während
nun eines Tages ihr Mann nebst den beiden ältesten
Söhnen der Messe beiwohnte, ließ sie ihr jüngstes
Kind zu Hause und ging zu einem alten Wahrsager
und Wunderdoktor, um ihn wegen einer kranken
Kuh um Rath zu fragen. Als nun ihr Mann wieder
nach Hause zurückgekehrt war und sie wegen der
Vernachlässigung ihrer religiösen Pflichten ernstlich
zur Rede stellte, versprach sie ihm, noch an demselben
Abend in die Kirche zu gehen. Und sie hielt auch
Wort.
In der Nacht wurde der Mann plötzlich durch den
Ruf »Mutter! Mutter!« geweckt und als er sich nach
seiner Frau um sah, war sie Verschwunden. Er fragte
seinen ältesten Sohn, wo seine Mutter hin sei.
»Vor einer Stunde,« antwortete er, »sah ich das
Zimmer voller grün-, gelb- und weiß-gekleideter
Zwerge, die um die Mutter einen Tanz aufführten und
sie dann mit fort nahmen.«
Augenblicklich stand er auf und suchte überall im
ganzen Hause und Hofe nach ihr, aber nirgends war
eine Spur von ihr zu finden. Er weinte bitterlich, aber
seine Thränen waren vergeblich.
Da kam nun eine Woche darnach eine Hebamme zu
ihm und erzählte ihm Folgendes:
»Als ich mich gestern Abend in's Bett legen wollte,
hörte ich auf einmal Pferdegetrampel im Hofe und
gleich darauf klopfte es an der Thüre. Ich ging augenblicklich
hinaus und sah einen schönen schwarzen
Mann auf einem Rappen vor mir, der mir sagte, ich
solle augenblicklich mit ihm zu seiner Frau gehen.«
Ehe ich ihm Antwort geben konnte, hatte er mich auf
sein Pferd gehoben und fort ging's in sausendem Galoppe.
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