„Bei uns im Wald haben Weiber, wie Ihr Euch selbst bezeichnet den gleichen Stellenwert, wie unsereins. Wenn ich so denken würde wie Ihr, hätte ich Euch den Schergen überlassen und zugleich keinesfalls meine eigene Haut riskiert. Ich weiß wahrhaftig nicht im Geringsten, wieso Ihr so negativ über einen von uns denkt. - Die Männer, die Euch verfolgt haben, werden Euch hier gewiss keineswegs finden. Ihr seid an diesem Ort gänzlich in Sicherheit. Darum werden wir uns schon kümmern. Warum glaubt Ihr dies mitnichten?“
Mittlerweile stand ich neben ihrer Schlafstätte und schaute ihr tief in die Augen. Abgebracht zog ich die Luft tief in mich ein und atmete ein wenig wütend aus. Worauf sie hörbar schluckte. „Uns? Wer ist uns?“, fragte sie mich mit weitaufgerissenen und angsterfüllten Augen.
„Wir sind Sieben. - Wir kämpfen gegen die Erniedrigung sowie die Unterdrückung der Bauern, Leibeigenen oder Untertanen. Wie Ihr es wahrhaftig auch immerfort nennen möchtet, durch die sogenannte Obrigkeit.“ Ich schaute sie von der Seite an und wartete auf eine verräterische Reaktion von ihr.
„Kämpft Ihr wahrhaftig gegen alle Adligen?“ Sie schluckte hörbar und starrte mich mit großen Augen an.
„Nein! Lediglich gegen diejenigen die Ihre Untertanen schlecht behandeln. Allerdings im Großen und Ganzen sind dies sowieso beinahe alle Adligen. Ich für meinen Teil habe noch keinerlei Ausnahmen gesehen. - Warum, empfindet Ihr dies keinesfalls so? Ich meine, umsonst waren die Männer ja keineswegs hinter Euch her. Was habt Ihr ausgefressen, dass sie vier bewaffnete Männer brauchten um Euch wiederum einzufangen?“
Amüsiert grinste ich sie an, jedoch sie schaute verlegen zur Seite und erwiderte kein einziges Wort. Stille breitete sich wiederum aus. Laut hustete ich und meinte: „Ich würde gerne nach Eurer Wunde sehen. Falls Ihr nichts dagegen einzuwenden habt? Ihr könntet dies wahrhaftig auch von Bruder Matthias durchführen lassen. Ich dachte da er, nun… nun ja… er ist ein Geistlicher.“ Ich musterte sie und erblickte sogleich Furcht in ihren Augen.
„Wenn ich es mir recht überlege ist Bruder Matthias im Moment unabkömmlich. Ich meine, es wird noch eine gewisse Zeit dauern, bis er wiederum hierselbst erscheinen wird.“ Fragend blickte ich sie jetzig an und wusste nicht im Entferntesten, was ich mit ihr anfangen sollte. Sie sagte wiederum kein einziges Wort. Dies war wahrhaftig zum verrückt werden!
Abwartend schaute ich sie an und endlich antwortete sie mir: „Ich werde auf den Geistlichen waren. Jedoch danke ich Euch, für Eure Frage diesbezüglich. - Ich werde versuchen mich ein klein wenig auszuruhen, um die verbleibende Zeit sinnvoll zu überwinden. Es wäre ausgesprochen zuvorkommend, wenn Ihr vor der Höhle warten würdet.“ Sie blickte mich äußerst bestimmend an. Fassungslos starrte ich sie an und hatte erheblich Mühe, meine Beherrschung keinesfalls zu verlieren. Was bildete sie sich eigentlich ein? Sie wollte über mich bestimmen? Sie wollte mir Befehle erteilen? Ich bin doch keinesfalls einer ihrer Lakaien!
Ungläubig schaute ich sie ihr und schüttelte den Kopf. „Mitnichten werde ich dieses tun! Ich werde diese Höhle keinesfalls verlassen, so ist meine Order. Wenngleich Euch dieses auch missfallen sollte.“ Sie schnaufte vor Wut, gleichzeitig drehte sie ihren Kopf in die entgegengesetzte Richtung. Indessen konnte ich mein Schmunzeln schwerlich verbergen. Dies war eine überaus arrogante und dreiste Forderung von ihr. Was dachte sie denn, wo sie in diesem Augenblick wäre? Wahrscheinlich in ihren Gemächern und ich wäre ihr Lakai?
Nachdenklich setzte ich mich auf den Baumstumpf, den wir als Schemel benutzten und betrachtete sie. Anscheinend war sie diese besagte Adlige, die Erwählte von Gundsrad von Hereford. Niemand konnte so arrogant sein als die Adligen. - Eigentlich bedauernswert, denn sie war genauso oberflächlich, eingebildet und überheblich, wie alle anderen Adligen ebenfalls. Was hatte mich gänzlich dazu veranlasst, mich so in ihr zu täuschen? Mir eine Rüge wegen dieser Adligen einzuholen und an sie immerfort zudenken. Was hatte ich mir dabei gedacht? Jetzig erschien mir alles ausgesprochen lächerlich und dumm dazu.
***
Wütend schaute ich in Richtung Ausgang. Ich konnte lediglich hoffen, dass Bruder Matthias keinesfalls solange sich ausruhte, als ich dachte. Ich nahm meinen Wetzstein aus dem Beutel und begann extrem langsam sowie gemächlich eins meiner Kurzschwerter zu schleifen.
Erbost drehte sie ihren Kopf in meine Richtung, wobei ihre Augen mich äußerst wütend anfunkelten. „Könntet Ihr dieses unterlassen? Ich möchte mich wahrhaftig ausruhen. Dieses Geräusch stört mich gänzlich in meiner Ruhe.“, zischte sie ungehalten und schnaufte wiederum vor Wut.
„Nein! Dies kann ich keinesfalls. Ich muss ständig kampfbereit sein, dazu gehört, dass ich mich um meine Waffen kümmere.“ Belustigend blickte ich sie an und fuhr gemächlich mit meinen Tuen fort.
„Könntet Ihr sodann die Güte besitzen, Eure Waffen vor der Höhle zu schleifen?“ Jetzig klang sie bereits ein wenig gereizter, sogar mehr als wütend.
„Nein, keineswegs. Ich hatte Euch vor geraumer Zeit bereits mitgeteilt, dass ich die Höhle keinesfalls verlassen werde“, wiederum grinste ich sie an. Oh… sie hatte so ein geheimnisvolles Funkeln in ihren Augen, wenn sie wütend war. Was mich auf eine gewisse Weise faszinierte sowie gleichermaßen reizte. Mit einem lauten Zischen durch ihre Zähne und der abrupten Wendung ihres Kopfes, in die andere Richtung wusste ich, dass ich gewonnen hatte.
Indessen konnte ich mir mein Lachen beinahe keinesfalls mehr verbergen. Demzufolge widmete ich mich wiederum der Waffe und dies erheblich langsamer. Das brachte sie abermals so in Verstimmung, dass sie versuchte ihre Ohren zuzuhalten. Was ihr jedoch keineswegs gelang. Dies brachte abermals ein Grinsen auf mein Gesicht. Natürlich nahm sie dies wahr und machte sie noch wütender. Es verging eine geraume Zeit, bis endlich Bruder Matthias erschien. Er blickte mich erstaunt an und schaute zu ihr. Der Mönch runzelte die Stirn und sah mich fragend an.
„Bruder Matthias, endlich. Mylady ist erwacht, wie du schwerlich erkennen kannst. Ihr widerstrebt allerdings die Vorstellung, dass ich ihre Wunde versorge. So musst du dieses jetzig wohl oder übel für mich übernehmen. Außerdem kann sie jemanden ganz und gar, in kürzester Zeit einen auf zermürbende Weise zusetzen.“
Schelmisch grinste ich ihn an und blickte verstohlen in ihre Richtung, wohl wissend, dass sie keinesfalls mehr schlief. „Ich hoffe lediglich, du bist wahrlich gut ausgeruht. Da ich gewissermaßen eine geraume Zeit diese Höhle meiden werde.“ Unzufrieden schaute ich den Mönch an und seufzte daraufhin schwer.
„Wann ist sie erwacht? Wenn ich wahrhaftig keineswegs so gänzlich verstehe, weshalb du so aufgebracht bist. - Samuel ist irgendetwas vorgefallen?“ Er blickte erst ihr sodann mich argwöhnisch an. Wie auch immer. Ich beabsichtigte, ihm dies keinesfalls mitzuteilen, wie enttäuscht ich gleichwohl von ihr war. Geradewegs wütend auf mich selbst.
Wie lange hatte ich mir den Kopf über sie zerbrochen? Alle verschwendete Mühe. Sie zeigte mir lediglich wie selbstgefällig sie war. Wie alle, wahrlich alle Adlige dies im Grunde waren. Ich hatte mir etwas vorgemacht und dennoch ging mir dieses arrogante Weibsstück keinesfalls mehr aus dem Kopf. Ich musste hierselbst sofortig fort… so schnell als möglich diese verdammte Höhle verlassen.
Bruder Matt schaute mich immer noch missbilligend sowie fragend an. Ich seufzte auf seinen Blick resigniert. Ich wusste, dass der Mönch in dieser Hinsicht hartnäckig war und mich keineswegs gehenlassen würde, bevor er eine Antwort erhalten hatte.
„Sie ist vor einigen Stunden erwacht. Sie war nicht geradewegs gesprächig, obendrein äußerst launisch sowie weibisch, wie auch immer. Wenn du mich keineswegs mehr benötigst Bruder Matthias würde ich gerne unverzüglich auf die Jagd gehen. Hierselbst ist mir die Luft gänzlich zu eisig. Wenn du verstehst?!“ Äußerst genervt blickte ich den Mönch an.
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