Werner Heinemann - Spuren von Gestern

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Diese ausgewählten 30 Kurzgeschichten erzählen vom Alltag, der durch vielfältige Begebenheiten zum besonderen Alltag wird. Da taucht der Juden Max auf, wir treffen eine bügelnde Nazi Schlampe, erleben eine verliebte Zweisamkeit auf dem Balkon, erfahren von teuflischen Morden, hören den ewigen Gesang der Nachtigall, spüren den Lebenshunger vor schwerer Operation, werden zu Janik in ein Problemviertel versetzt, beobachten alte Männer im Park, besuchen Erik am Sonntagvormittag, vernehmen ein Wort zu Elisabeth Ritter und noch vieles mehr. Alles Geschichten, die für Frauen und Männer gleichermaßen interessant sein dürften.

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Doch ihre eigenwillige Argumentation wurde unter anderem auch behördlicherseits angefochten. Die Systeme der Stadtverwaltung sahen das Fräulein auch im Schriftverkehr nicht mehr vor. Stefanie Bogert monierte dies und machte den Fehler, darauf hinzuweisen, dass es ihr nicht um ihre ohnehin nicht mehr vorhandene Jungfräulichkeit zu tun sei, sondern um ihre Freiheit als Fräulein. Die Verwaltung stellte daraufhin neben Paragrafen zusätzlich klar, dass sie nach den veralteten, unzeitgemäßen Vorstellungen ohne nachweisbare Jungfernschaft eher als gefallenes Mädchen als ein Fräulein gegolten hätte. Auch insofern bliebe es in jedem Fall bei der korrekten Ansprache Frau, hieß es.

Beim Finanzamt hatte Stefanie Bogert mit ihrem Protest mehr Erfolg; der Beamte strich die Anrede Frau im Steuerbescheid und ersetzte sie handschriftlich durch Fräulein. „Hoffentlich kann er dadurch keinen Ärger bekommen“, befürchtete Fräulein Bogert nachträglich.

Kinder wohnten in dem Haus schon lange nicht mehr. Und die Kellerwohnung gegenüber den Versorgungsräumen wurde von Niels Blumenstiel bewohnt. Die Betonung liegt auf wurde, denn Blumenstiel war verschwunden.

Heinz Goldmann hatte als Vermieter schon einiges erlebt. Messie und Mietnomade waren ihm keine Unbekannten. Und bei allem Verständnis für krankhafte Neigungen und Nachsicht gegenüber ausgelebter krimineller Energie, fühlte Goldmann sich doch angesichts des Schadens, den solche Leute ihm zufügten, mitunter ziemlich allein gelassen.

Niels Blumenstiel blieb Goldmann zwar mit seinem Verschwinden vier Monatsmieten schuldig, die aber nach einer verrechneten Mietskaution in Höhe von zwei Mieten einen ertragbaren Verlust darstellten. Hinzu kamen allerdings unter anderem noch Kosten durch die Räumung und Entsorgung des überschaubaren und minderwertigen Mobiliars. Blumenstiel hatte die Wohnung, nachdem er den Personal Computer, die Stereoanlage und den 58 Zoll Flachbildfernseher irgendwie nach irgendwohin sichergestellt hatte, besenrein zurückgelassen.

„Naja, wenn der Blumenstiel auch nicht mehr der Jüngste war, war er doch eigentlich ein dummer Hanswurst“, urteilte Goldmann und ließ damit durchblicken, dass er härteren Tobak, dem ihm Mieter mitunter bereiteten, schon erdulden musste.

Polizeihauptkommissar Fred Engel bewertete Niels Blumenstiel ähnlich: „Schon die Tatsache, dass er sich nicht nur auf seinem Briefkasten als von Blumenstiel tituliert, beweist mir nicht den abgebrühten Hochstapler, der sich gesellschaftliche und finanzielle Vorteile durch seinen Selbstadel verspricht, sondern eher einen alten Mann, der akzeptiert und geachtet sein möchte.“

Eine nicht so wohlwollende Meinung über Niels Blumenstiel vertrat der Küchenmeister Hubert Nagel und begründete dies mit der Unterstellung, dass er, Nagel, sich tagtäglich abarbeiten müsse, während Parasit Blumenstiel nur sporadisch für den eigenen Lebensunterhalt sorge. Ganz von der Hand konnte man das nicht weisen, es war aber doch stark übertrieben.

Laut Bruder Holger hatte Blumenstiel bis zu seinem Abgang sogar ein Girokonto unterhalten, auf dessen vorgefundenen Kontoauszügen das Bemühen abzulesen war, genügend Guthaben vorzuhalten, um die laufenden Kosten bestreiten zu können. Niels Blumenstiel betätigte sich als Gelegenheitsarbeiter mit ständig wechselnden Arbeitsstellen. Beispielsweise konnte man ihn als Mitarbeiter eines Hausmeisterservice einen Rasen mähen, in der Garderobe des Theaters die Mäntel in Empfang nehmen oder auch schon mal im Advent einen Weihnachtsbaum verkaufen sehen.

Ein Auto besaß Niels Blumenstiel, der sich so gerne ganz ernsthaft von Blumenstiel nannte, nicht. Er legte in der Regel auch längere Strecken zu Fuß zurück. Den Stadtbus nutzte er lediglich, wenn er ausnahmsweise eine sperrige oder schwere Last zu transportieren hatte.

Rosa Nagel pflegte zu Blumenstiel ein gutnachbarschaftliches Verhältnis und hatte von ihm eine wesentlich bessere Meinung als ihr Gatte Hubert. „Herr von Blumenstiel hat so etwas Visionäres“, versuchte sie ihre Einschätzung zu erläutern.

Und Stefanie Bogert machte keinen Hehl daraus, dass sie Blumenstiel mochte. „Der alte Knabe wird früher sicher die Mädchen angezogen haben, wie das Gute und Schöne einen Ästheten“, vermutete sie und machte dabei ein Kussmündchen.

Feindselige Missachtung trifft als Beschreibung die gegenseitigen Abneigungen Niels Blumenstiels versus Frau Doktor Mona Lisa Pechstein-Schwefels wohl am besten. Das kam nicht von ungefähr, man kannte sich aus der Jugendzeit.

Als Frau Doktor Mona Lisa Pechstein-Schwefel in Goldmanns Haus eingezogen war, hoffte Niels Blumenstiel, dass sie ihn nicht wiedererkannte. Doch sie sprach ihn direkt auf ihre eher flüchtige Bekanntschaft an und bemerkte abschließend: „Ich bin außerordentlich erleichtert, dass Sie sich nicht auch noch übermütig Doktor von Blumenstiel nennen.“

Blumenstiel hatte geantwortet: „In Ihren Kreisen kennt man sich ja auch diesbezüglich bestens aus; wohl die wenigsten von euch dürften so wirklich lauter sein.“

Frau Doktor Mona Lisa Pechstein-Schwefel war eine renommierte Konfliktforscherin und wusste mit der Situation umzugehen, indem sie süffisant lächelnd Niels Blumenstiel stehen ließ und ihn fortan ignorierte.

Blumenstiels Bruder Holger war Frau Doktor Mona Lisa Pechstein-Schwefel zwar persönlich nicht bekannt, er erinnerte sich aber, dass vor Jahrzehnten sein jugendlicher Bruder Niels berichtete, dass ihm Leonardo da Vincis Mona Lisa Leid täte, weil die Eltern einer Revolutionärin vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund keine größere Geschmacklosigkeit unter Beweis hätten stellen können, als ihre hässliche Tochter auf den Namen Mona Lisa taufen zu lassen.

„Mein Bruder Niels trieb sich damals mit seinen sechzehn, siebzehn Jahren unter den Studenten herum“, berichtete Bruder Holger und fuhr in der maschinenschriftlichen Biographie ausführlich fort:

„Wir, mein Bruder und ich, kamen zwar nicht aus der Gosse, aber nicht weit davon entfernt. Wir hungerten auch nicht, wurden aber lediglich kostengünstig und obendrein falsch ernährt. Naja, wir entstammten unterstem Proletariat. Unser Vater leitete seine schier endlosen politischen Reden stets klassenbewusst mit den Worten ein: ‚Ich als Prolet sage …‘.

Eine Kommilitonin und Genossin der Studentin Mona Lisa Pechstein hieß Lorena und war von der Natur mit ganz besonderer Schönheit bedacht worden. Mit ihren Genossinnen und Genossen hatten sie gemeinsam gegen den Vietnamkrieg demonstriert, Häuser besetzt, die Polizei mit Steinen beworfen, Schaufensterscheiben demoliert, die Meinungen anderer niedergeschrien, gegen das Establishment randaliert und sonstige revolutionäre Gedanken in die Tat umgesetzt.

Lorena und Niels hatten etwas Gemeinsames, nämlich ihren Geburtstag am gleichen Tag, wobei Lorena wohl vier bis fünf Jahre älter gewesen sein dürfte. Mein Bruder Niels sagte damals, dass Lorena in zweierlei Hinsicht Interesse an ihm gehabt habe.

Erstens sei er ihr Studienobjekt aus sozial schwachem Umfeld gewesen, das es galt radikal im sozialistischen Geiste zu revolutionieren. Niels gab zwar zu, dass er von der klugen Lorena viel Brauchbares gelernt hätte, aber er fragte sich auch ungläubig, warum er, wie Che Guevara im afrikanischen und bolivianischen Urwald, eine Arbeiterklasse befreien sollte, die sich weder für den Sozialismus begeistern wollte, noch besonders unfrei wähnte.

Und zweitens gab es in der revolutionären Epoche natürlich auch eine sexuelle Revolution. Niels gestand auch diesbezüglich ein, dass er von der schönen Lorena viel Brauchbares gelernt hätte. Gerne erinnerte er sich später an die gemütliche Matratzenecke in der Wohngemeinschaft. Allerdings hatte er stets das ungute Gefühl, zusammen mit Lorena von mehr oder weniger zugekifften Kommunardinnen und Kommunarden überrascht zu werden. Deren hemmungsloser Begierde nach Gruppensex stand Lorena zum Glück ablehnend gegenüber.

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