„Oh, tut mir leid. Als du mir gerade erzählt hast, dass du für ein Jahr in Österreich warst, musste ich an meine zwei besten Freundinnen denken. Die sind auch erst vor kurzem ausgewandert, leider nicht nur nach Österreich, sondern an das andere Ende der Welt, nach Australien“, erzählte sie ihm. Sam lächelte sie an.
„Oje, die zwei fehlen dir, oder? Du siehst traurig aus, wenn du über sie sprichst“, meinte er.
„Ja, da hast du recht, sie fehlen mir total. Also irgendwie kommt es mir so vor, wie wenn wir uns schon ewig kennen“, sagte sie, und er sah sie etwas verwirrt an.
„Wie kommst du denn darauf?“, meinte er mit einem schrägen Lächeln.
„Ach, vergiss es, keine Ahnung.“ Anne föhnte und stylte ihm noch seine Haare und sagte in den letzten Minuten nichts mehr.
Als er aufstand und mit ihr zur Kasse ging, sagte er:
„Heute Abend um acht Uhr, in der Pizzeria Bella Napoli? Soll ich dich von zuhause abholen?“, fragte er sie freundlich. Doch Anne fand, es wäre anfangs noch besser, wenn er nicht wüsste, wo sie wohnte und antwortete ihm rasch.
„Nein danke, du brauchst mich nicht abholen, ich komme selber zur Pizzeria“, meinte sie und fuhr fort.
„Also sehen wir uns später um acht Uhr.“ Er nahm ihre Hand und küsste sie. Anne spürte, wie ihr heiß wurde und lächelte ihn an.
„Bis später, ich freue mich auf den Abend mit dir.“
Der sexy Typ verließ den Frisörladen, und Annes Kolleginnen begannen zu tratschen und zu lachen.
Annes Tag verlief schnell und die Nervosität stieg an, je näher der Abend heran rückte.
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Anne stand nun schon eine gefühlte Ewigkeit vor ihrem Kleiderschrank und wusste einfach nicht, was sie anziehen sollte.
„Verdammt, ich habe nichts Passendes zum Anziehen“, jammerte sie vor sich hin und setzte sich verzweifelt aufs Bett.
„Tja, wer rechnet auch damit einfach mal so von einem hübschen Mann zum Essen eingeladen zu werden?“ Sie sah in den großen Schrankspiegel und sprach mit ihrem Spiegelbild.
Anne stand auf und nahm einen schwarzen Rock und eine helltürkise Bluse aus dem Schrank. Sie zog beides an und begutachtete sich im Spiegel, drehte sich ein paarmal im Kreis und musste lachen.
„Ha, ich habe das richtige Outfit gefunden, das lasse ich jetzt an“, sagte sie und ging schnurstracks in das Badezimmer, um sich hübsch zu machen.
Kurze Zeit später saß sie im Auto und machte sich auf den Weg zur Pizzeria. Anne drehte das Radio etwas lauter und sang zu dem Hit von Michel Telo – Ai Se Eu Te Pego mit, das tat ihr gut und so ließ ihre Anspannung etwas nach.
Sie merkte nach einigen Fahrminuten, dass dieser schwarze Van schon wieder hinter ihr fuhr. Anne wusste nicht, was das sollte und wollte dem Fahrer deutlich machen, dass ihr das langsam zu blöd wurde. Sie stieg einmal fest auf die Bremse und der Van kam näher. Einige Sekunden später stieg sie nochmal heftig auf die Bremse, und nun blendete der schwarze Van auf.
Anne reichte es, und sie begann zu hupen. Somit erreichte sie, dass das Auto bei der nächsten Kreuzung abbog.
„Vollidiot“, schimpfte sie. Sie parkte vor der Pizzeria, sah nochmal in den kleinen Spiegel und puderte sich erneut die Nase.
„Na dann schauen wir mal, was uns der Abend so bringt“, sagte sie, stieg aus und betrat wenig später die Pizzeria.
Anne hielt Ausschau nach Sam, doch sie konnte ihn noch nirgends entdecken. Sie sah auf die Uhr und merkte, dass es zehn Minuten vor acht Uhr war.
Der Kellner kam auf sie zu.
„Guten Abend. Für wie viele Personen brauchen sie einen Tisch?“, fragte er freundlich und Anne lächelte ihn an.
„Für zwei.“ Er führte sie in ein ruhiges Eckchen, wo ein Tisch für zwei Personen stand, und sie setzte sich. Anne bestellte sich ein Gläschen Wein und hoffte, dass Sam bald hereinkommen würde.
Irgendwie hatte sie plötzlich ein komisches Gefühl. Was war. wenn er sie nur verascht hatte und er nun zuhause saß und sich über sie lustig machte?
Doch als der Kellner ihr den Wein brachte und sie einen Schluck davon nahm, ging die Tür auf, und da stand er. Ihre Blicke trafen sich, und beiden zauberte es ein Lächeln ins Gesicht. Er ging auf den Tisch zu und Anne stand auf. Er legte eine Hand auf ihre Taille und gab ihr links rechts ein Begrüßungsküssen.
„Hallo Anne, oje, ich bin zu spät, es tut mir leid. Eine hübsche Dame sollte man auf keinen Fall warten lassen“, sagte er liebevoll und mit so einer anziehenden Stimme, dass Anne etwas heiß wurde.
„Hi Sam, ach, macht doch nichts, ich hab mir in der Zwischenzeit schon mal ein Gläschen Wein bestellt“, gab sie ihm zur Antwort. Die zwei setzten sich, und der Kellner brachte die Speisekarten und nahm die Getränkebestellung entgegen.
„Ich hoffe, du hattest noch einen angenehmen Arbeitstag und deine Kolleginnen waren nicht zu neugierig“, meinte er und sah ihr tief in die Augen. Anne war so hibbelig, dass sie den Blick zuerst abwenden musste, bevor sie ihm eine Antwort geben konnte. Denn sie wollte nicht stottern, sonst könnte er merken, wie nervös sie war.
„Nein, war noch recht okay. Klar, dass sie etwas getratscht haben, kommt ja nicht jeden Tag vor, dass ich von einem gutaussehenden Mann zum Essen eingeladen werde“, erklärte sie ihm, und es war ihr danach doch etwas peinlich, das nun gesagt zu haben.
Der Abend war lustig und sie sprachen über vieles. Über Annes Freundinnen in Australien, darüber dass ihr Vater vor einigen Tagen verstorben war und auch über seinen Österreichaufenthalt.
Die Stunden vergingen schnell, doch als es ein Uhr morgens war und der Kellner den beiden sagte, er würde jetzt schließen, machten sie sich auf den Weg nach draußen.
Sie standen vor Annes Auto und wussten nicht, wie sie sich am besten voneinander verabschieden sollten. Sam ging einen Schritt auf sie zu und nahm ihre Hände.
„Es war ein wundervoller Abend mit dir, ich bin glücklich, dich heute besser kennen gelernt zu haben“, sagte er etwas zurückhaltend, und Anne schenkte ihm ein Lächeln.
„Ich fand es auch schön, hat mich sehr gefreut“, meinte sie, und beide sahen sich an. Sam hob ihr Kinn etwas an und gab ihr einen vorsichtigen zärtlichen Kuss auf den Mund.
„Mich würde es noch mehr freuen, wenn wir uns bald wiedersehen würden“, sagte er zu ihr und hielt den Blick intensiv auf ihre Augen gerichtet. Anne war ganz schön hibbelig und musste sich zusammenreißen, dass sie nicht zu stottern begann.
„Sehr gerne“, meinte sie kurz angebunden, und Sam holte sein Handy aus der Hosentasche.
„Bekomm ich denn deine Nummer, damit wir uns mal schreiben können?“, fragte er schüchtern, und Anne verfiel ihm erneut. Sie sagte ihm ihre Nummer und dann küssten sie sich noch mal kurz zur Verabschiedung.
Er ging ein paar Meter weiter weg zu seinem Auto. Als Anne seinen Wagen sah, musste sie sich ein Lachen verkneifen. Sam sah das und rief ihr zu:
„Ja ja, ich hab nicht so einen tollen Neuwagen wie du, aber er fährt schon noch. Und nein, er fällt nicht auseinander, noch nicht“, sagte er und sprach weiter.
„Ich melde mich bei dir in den nächsten Tagen, komm gut heim.“
Sam stieg in sein Auto und fuhr geräuschvoll davon. Anne lachte lauthals.
„Ach herrje, dieser Schrottwagen wird bald keinen Meter mehr fahren, der ist doch mindestens schon zwanzig Jahre alt“, meinte sie belustigt, stieg ebenfalls in ihren Wagen und machte sich auf den Heimweg.
Als Anne nicht mal eine Stunde später zu Bett ging, piepste ihr Telefon. Sie öffnete die Nachricht und las:
Hallo. Ja, ich schon wieder. :-) Wollte mich nur noch mal für den tollen Abend bedanken.
Bin jetzt zu Bett gegangen und dachte mir, ich schreibe dir noch schnell, damit du auch meine Nummer hast.
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