Als ich im Mai 1966 meine Karriere als ein Marineoffizier aufgab, um in den christlichen Vollzeitdienst einzutreten, hatte ich die Vorstellung, dass jeder, der im christlichen Werk beschäftigt ist, eine himmlisch gesinnte, geisterfüllte Person sei. Aber innerhalb weniger Jahre wurde mir klar, dass ich falsch lag.
Ich fand sehr wenige christliche Arbeiter, die wie der Apostel Paulus arbeiteten – der sich selbst finanziell versorgte, der örtliche Gemeinden gründete und aufbaute und nichts für sich selbst begehrte. Was ich stattdessen sah waren Prediger, die nach Geld, Ehre und Ruhm trachteten. Die meisten von ihnen trachteten nach ihrem eigenen Gewinn – genauso wie Demas zu Paulus‘ Zeiten (2. Timotheus 4,10). Selbstlose Männer wie Timotheus waren zu Paulus‘ Zeiten rar (Philipper 2,19-21); und sie sind auch heute rar.
Im Januar 1975 begegnete mir Gott und erfüllte mich erneut mit dem Heiligen Geist. Das brachte mich dazu, ihn ernsthaft zu suchen, um das Leben des Triumphes zu leben, das Paulus erlebte und wovon er in Abschnitten wie diesen spricht: „Allezeit in Christus triumphierend“ und „in Christus sind wir mehr als Überwinder“ (2. Korinther 2,14; Römer 8,37).
Sieben Monate später (im August 1975) begannen wir mit einer Versammlung in unserem Haus, die für alle offen war, die an Gemeinschaft interessiert waren und die Gott suchten, um Kraft zu erhalten, ein Leben des Überwindens zu führen. In den Folgejahren kamen einige dazu und einige gingen wieder weg. Aber ein paar Wenige blieben. Wir wurden von anderen Christen ‚Separatisten‘ und ‚Irrlehrer‘ genannt. Aber diese Bezeichnungen störten uns nicht, weil wir wussten, dass Jesus und Paulus auch als Separatisten und Irrlehrer betrachtet wurden. In der Tat, viele von Gottes größten Dienern, die wir heute als Propheten und Reformer anerkennen, wurden zu ihren Lebzeiten als Separatisten und Irrlehrer betrachtet.
Wir trafen uns jede Woche öfters bei mir zuhause. Der Herr verwandelte uns nach und nach von einer bloßen „Gemeinschaft von Gläubigen“ und formte uns zu einer Gemeinde des neuen Bundes. Der Herr hielt uns sieben Jahre lang in einer Ecke in Bangalore versteckt und gab uns Zeit, die Wirklichkeit des neutestamentlichen Christentums zu erfahren.
Von 1983 an begann der Herr dann eine Anzahl von Gemeinden des neuen Bundes quer durch Indien zu gründen – in seinen ärmsten Dörfern und reichsten Städten. Einige Jahre später führte er uns auch in andere Länder, wo er ähnliche Gemeinden gründete.
Die Mächte der Finsternis haben uns auf zahlreiche Weise angegriffen. Aber sie waren nie in der Lage, die Gemeinde, die der Herr in unserer Mitte gebaut hatte, zu überwältigen.
Ich habe 43 Jahre gewartet, um dieses Buch zu schreiben – weil ich nicht wollte, dass ich über unbewiesene Theorien schreibe. Der Segen des Herrn auf unserem Dienst, die erstaunlichen Offenbarungen, die er mir aus seinem Wort gegeben hat und die vielen Gemeinden, die er auf wunderbare Weise gegründet hat, haben mich zu einem Schuldner gegenüber allen Gläubigen gemacht, um mit ihnen zu teilen, was ich über Gottes Wege in Bezug auf den Bau von neutestamentlichen Gemeinden gelernt habe.
Dieses Buch ist ein Versuch, diese Schuld zu begleichen.
Dieses Buch wurde für jene geschrieben, die ein leidenschaftliches Verlangen haben, dem Beispiel Jesu in ihrem täglichen Leben und dem Beispiel der Apostel beim Bau der neutestamentlichen Gemeinden zur Ehre Gottes zu folgen.
Kapitel 2
Das neutestamentliche Muster des Dienstes
„Jesus TAT zuerst und dann LEHRTE er (Apostelgeschichte 1,1)
Unter dem alten Bund war die Botschaft, welche die Propheten predigten viel wichtiger als das Leben, das sie privat führten. Aber als Jesus kam, lebte er zuerst das Leben und dann predigte er nur, was er getan hatte.
Die Einladung der alttestamentlichen Propheten, „Kommt und hört die Botschaft des Herrn“, wurde jetzt durch die Einladung von neutestamentlichen Christen ersetzt, die da lautet, „Kommt und seht, wie der Herr unser Leben verändert hat“.
Im neuen Bund müssen wir zuerst Gottes Wirken in unserem Leben erfahren, bevor wir anderen seine Wege lehren können. Dies gilt sowohl für das Leben des Überwindens als auch dafür, dem Herrn beim Bau von örtlichen Gemeinden zu dienen.
Jesus sagte, dass die Gemeinde, die er baut, die Mächte der Finsternis überwältigen würde (Matthäus 16,18). Paulus gab sein Leben hin, um Gläubige in ein Leben des Überwindens zu führen und um diese Gemeinde zu bauen. So wie es auch Timotheus tat.
Es gibt zwei Teile des großen Auftrags, den der Herr seinen Aposteln gab:
1 Verkündigt das Evangelium allen Menschen (Markus 16,15-16).
2 Macht zu Jüngern und lehrt sie alles halten, was Jesus gelehrt hat (Matthäus 28,18-20).
Jesus sagte, dass der erste Teil (Evangelisation) von übernatürlichen Zeichen begleitet sein würde (Markus 16,17-18). Der zweite Teil (Menschen zu Jüngern zu machen), so sagte er, würde nicht von übernatürlichen Zeichen begleitet sein, sondern indem die Jünger gelehrt werden, all seinen Geboten zu gehorchen (Matthäus 28,20). Evangelisation (Menschen zu bekehren) wird von vielen Gläubigen überall auf der Welt durchgeführt. Aber der zweite Teil (Menschen zu Jüngern zu machen) wird weitgehend ignoriert.
Viele Evangelisten und Missionare gehen den verlorenen Schafen nach, um sie wieder zurück zur Herde zu bringen – was gut ist. Aber leider besteht die Herde, in die das verlorene Schaf gebracht wird, gewöhnlich nicht aus „99 Gerechten, die der Buße nicht bedürfen“ (wie Jesus in Lukas 15,7 sagte). Viele christliche „Schafställe“ sind voller Menschen, die von Zorn, sexueller Begierde, der Liebe zum Geld und vielen anderen Formen der Fleischlichkeit besiegt sind, die oft mehr Buße brauchen als dieses eine verlorene Schaf!
So gibt es eine große Notwendigkeit, die 99 Schafe in der Herde zur Buße und zu einem gerechten Leben zu führen, damit dieses verlorene Schaf in eine göttliche Herde kommen kann. Sonst kann diese eine Schaf mit den Krankheiten, die die 99 Schafe in dieser Herde haben, angesteckt werden!
Daher berief uns der Herr in unserer Gemeinde (Christian Fellowship Church, CFC Bangalore, Indien), um Jüngerschaft und Gehorsam gegenüber allen Geboten Jesu zu betonen. Wir haben weiterhin evangelisiert – und unsere Zahlen wuchsen von weniger als 10 Personen in einer Gemeinde im Jahr 1975, zu vielen Tausenden von Gläubigen in einer Anzahl von Gemeinden heute. Aber nachdem wir ihnen das Evangelium verkündet haben, führen wir die Bekehrten weiter zur Jüngerschaft [Nachfolge]. Und dann lehren wir die Jünger, allen Geboten Jesu zu folgen.
Im zweiten Teil des großen Auftrags, der uns in Matthäus 28,18-20 gegeben wird, gibt es sieben wichtige Wahrheiten:
1 „Alle Macht im Himmel und auf Erden gehört unserem Herrn.“ Auf Basis dieser Aussage sollen wir hingehen und Jünger machen. Wir sollen nicht zu allen Völkern gehen, weil wir irgendwo unter den Menschen eine Not sehen. Nein. Wir sollen gehen, weil Jesus alle Macht im Himmel und auf Erden hat; und wir, die wir allein unter seiner Autorität sind, gehen dorthin, wo immer er uns hinzugehen befiehlt. Seine Macht wird uns dann beschützen und bewahren, wo immer wir hingehen. Wenn wir das nicht glauben, sollten wir nicht gehen, weil wir nicht in der Lage sein werden, Gottes Willen zu erfüllen.
2 „Macht zu Jüngern.“ Wir dürfen bei der Verkündigung der drei Bedingungen der Jüngerschaft (die Jesus in Lukas 14,26-27.33 darlegte) keine Kompromisse machen. Es sind dies: Jesus zu lieben – mehr als seine Verwandten, mehr als sein eigenes Leben und mehr als seine Besitztümer.
3 „In allen Völkern.“ Wir müssen so viele Teile der Welt wie möglich, auf jede mögliche Weise, mit dieser Botschaft der Jüngerschaft erreichen. Wir dürfen nicht damit zufrieden sein, dass wir bloß in unserer Heimatstadt ein paar Menschen zu Jüngern gemacht haben.
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