Tonia sah von einem zum anderen. Vinz‘ Haut leuchtete, wie immer, wenn er Feuer und Flamme für eine Idee war, Berts Blick schien wieder fester geworden zu sein und er sah sie freimütig an, was er sonst nur äußerst selten vermochte und Falco machte ein Gesicht, als wäre Widerstand höchstens eine Option für Idioten. Sie liebte diese Burschen und sie brachte es nicht übers Herz, ihnen etwas abzuschlagen, das sie alle drei so dringend wollten. Sie seufzte. Tief und lang anhaltend. Und die Jungs wussten, sie hatten gewonnen.
„Ok, versuchen wir es, aber nicht vor nächster Woche. Sonst ist es echt zu pietätlos."
„Also ich finde, drei Tage nach der Beerdigung ist in Ordnung. Warum sollen wir eine ganze Woche warten?" fragte Bert.
„Zumal sie ja schon sechs Tage gewartet haben, bevor sie sie überhaupt beerdigt haben", warf Falco ein.
„Warum haben sie überhaupt so lange gewartet?" fragte Vinz und sah Bert an.
„Irgendwie war wohl nicht klar, wer die Kosten übernimmt. Mehr weiß ich auch nicht."
„Ah, das ist interessant", warf Falco ein. „Wäre gut zu wissen, ob Montanus die Beerdigung bezahlt hat. Kannst du das rausfinden, Bert?"
Bert zucke die Schultern. „Ich denke schon."
„Wieso sollte das wichtig sein?" fragte Tonia.
„Wenn er bezahlt hat, dann heißt das, dass er immer noch was für sie empfindet und dann sollten wir noch ein bisschen länger warten, bis wir ihn aufsuchen. Wenn er die Kosten allerdings nicht übernommen hat, dann können wir ruhig morgen da auftauchen, denn dann ist es ihm völlig egal, dass sie tot ist. Wer weiß, vielleicht ist er sogar froh darüber und wir erwischen ihn genau im richtigen Moment", antwortete Falco.
„Ich weiß nicht, ob das so einfach ist. Auch wenn er nicht bezahlt hat, heißt das vielleicht nur, dass er so verletzt ist, dass er sich irgendwie an ihr rächen will. Trotzdem kann es sein, dass er sie immer noch liebt und wahnsinnig traurig ist, dass sie tot ist", gab Tonia zu bedenken.
„Stimmt", sagte Vinz. „Immerhin war Helen jahrelang ein Teil seines Lebens."
Eine ratlose Weile sagte niemand etwas.
„Also soll ich jetzt rausfinden, ob Montanus bezahlt hat, oder was?" fragte Bert.
„Lass mal!" sagte Falco. „Es stimmt schon, im Grunde sagt das gar nichts aus. Bleibt die Frage, wann wir ihn jetzt aufsuchen sollen."
„Ich finde, eine Woche ist das Minimum", sagte Tonia.
„Fünf Tage. Das reicht, denke ich", kam es von Vinz.
Falco sah Bert fragend an, der blickte erstaunt zurück.
„Was?"
„Naja, du hast doch mit diesem Geschäft zu tun, was sagen die Anstandsregeln in so einem Fall?" fragte Falco.
„Mein Vater ist Totengräber, Mann. Er hebt Gräber aus und schüttet sie wieder zu, wenn der Sarg drin ist. Keine Ahnung, was die Regeln sagen. Aber wenn du mich fragst, drei Tage. So lange wartet man ja auch mit dem Anruf, wenn man die Telefonnummer von einem Mädchen bekommen hat."
„Wo hast du den Schwachsinn denn her? Du guckst zu viele amerikanische Teenie-Filme. Du rufst das Mädchen direkt am nächsten Tag an, oder sie ist stinksauer. Es sei denn, du bist nicht interessiert", sagte Vinz.
„Ach, echt? Ich dachte immer, die Drei-Tage-Regel wäre eine todsichere Sache?" sagte Bert.
„Hast du jemals die Telefonnummer eines Mädchen bekommen?" fragte Vinz.
„Nein", grinste Bert freimütig.
„Dann hast du ja Glück gehabt", sagte Vinz.
„Tonia, wann erwartest du den Anruf, wenn du einem Typen die Nummer gegeben hast?"
„Ich lasse mir meistens seine Nummer geben. Man weiß ja nie, ob man am nächsten Tag überhaupt noch will, dass er anruft. Wenn nämlich nicht, kann das ganz schön unangenehm werden." Sie sah unwillkürlich auf ihr Handy-Display.
„Wenn ihr fertig seid mit euren Dating-Regeln, können wir vielleicht wieder zum eigentlichen Thema zurückkehren", unterbrach Falco sie. „Also wenn Tonia eine Woche sagt, Bert drei Tage, Vinz fünf und ich vier - dann würde ich sagen, wir versuchen es in vier oder fünf Tagen."
„Dann in fünf - das ist ein Samstag", sagte Tonia schnell.
Auch wenn die Jungs nicht so recht wussten, wieso das ein Argument sein sollte, stimmten sie alle zu. Fünf Tage, die Sache war abgemacht. Tonia atmete tief ein und Bert ließ den Motor an, noch bevor sich Tonias Ausatmer mit der stickigen Luft des Wagens vermischt hatte.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.