Schielen kommt bei den Siamkatzen jedoch noch heute gelegentlich vor, ebenso wie bei anderen Pointkatzen. Dies hängt damit zusammen, dass die Siamkatze ein Teilalbino ist.
In den 80er und 90er Jahren kam es zu der Unterscheidung des „modernen Typs“ der Siamkatze und dem „traditionellen Typ“, der Thaikatze. Die Thaikatze ist etwas rundlicher, sowohl vom Körperbau als auch vom Kopf her.
Die Siamkatze hat einen langen, schlanken, muskulösen und eleganten Körper und leuchtend blaue, sehr intensive Augen. Die Ohren sind groß und haben eine spitze Form. Besonders bei den jungen Kätzchen wirken die Ohren im Gegensatz zu dem Rest des Körpers riesig. Das Fell ist kurz, seidig und glänzend. Sie hat keine Unterwolle, daher braucht sie diesbezüglich kaum Pflege und muss nur selten gebürstet werden.
Das Fell weist Abzeichen (Points) auf. Points bedeuten, dass die „Maske“ (Gesicht), die Ohren, die Beine, die Füße und der Schwanz eine andere, dunklere Farbe haben als der Rest des Körpers. Die Lilac-Point-Siamkatze hat als Körperfarbe ein gebrochenes Weiß, die Abzeichen sind hellgrau, die Nasen- und Pfotenfarbe ist blasslila/-grau.
Die Standardfarben teilen sich in viele Farb- und Musterungsvarianten. Es gibt Tortie- und Tabby-Musterungen. Die „Torties“ sind bekannt als besonders heikle und pingelige Katzen, die recht zickig und eigen sein können. Sie sind schnell beleidigt. Der Spitzname für sie ist „Torte“.
Je jünger die Siamkatze ist, desto heller ist das Fell. Die Abzeichen und Farben bilden sich erst nach und nach, etwa bis zum ersten Lebensjahr, aus. Danach dunkeln die Katzen noch nach, meistens am Rücken. Der Schwanz ist lang und dünn. Die Pfoten sind klein und zart.
Die weiblichen Katzen wiegen etwa zwischen drei und vier Kilogramm. Es kann noch schmalere Vertreterinnen geben. Die Kater wiegen zwischen vier und fünf Kilogramm.
Die Siamkatze gilt als sehr menschenbezogen, hochintelligent und als sehr dickköpfig. Sie kann sehr dominant und fordernd sein. Sie hat, oft bis ins hohe Alter, einen hohen Spieltrieb und eine recht laute Stimme. Sie erzählt sehr viel, sie ist äußerst kommunikativ. Sie kann eine richtige Plaudertasche sein, das begleitet das Heranschleppen von Spielzeug. Siamkatzen apportieren häufig und gurren dabei. Sie folgen ihrem Menschen auf Schritt und Tritt und kuscheln sehr gerne.
Die Siamkatze will überall dabei sein und braucht Beschäftigung. Der Großteil dieser Katzen ist für das Clickertraining zu begeistern. Beschäftigungs- und Intelligenzspielzeug begreifen die Tiere äußerst schnell und lieben diese Möglichkeiten.
Siamkatzen können einen Menschen auf eine besondere Art und Weise für sich erobern. Vielleicht liegt es an ihrem tiefgründigen und intelligenten Blick aus den strahlend blauen Augen, dass viele Menschen ihrem Charme sofort erliegen.
Sie sollten nicht als Einzelkatze gehalten werden, sie sind absolut sozial veranlagt. Sie spielen gerne mit ihren Artgenossen und lieben es, sich gegenseitig zu putzen. Oft sind Siamkatzen auf „einem Haufen“ zu finden. Sie sind es von klein auf gewohnt, von Artgenossen umgeben zu sein, mit denen sie ihren Spiel- und Jagdtrieb ausleben können. Nur Orientalen zeigen dieses Gruppenverhalten. Das ähnelt einem Löwenrudel.
Das ausgeprägte Sozialverhalten erklärt sich auch durch die hohen Wurfzahlen. Siamkatzen gebären durchschnittlich vier bis sechs Katzen. Es können gelegentlich deutlich mehr sein. Diese werden gemeinsam in der Katzen-Familie großgezogen.
Siamkatzen gelten als Hunde unter den Rassekatzen. Viele lassen sich bereitwillig an der Leine ausführen. Sie brauchen viel Bewegung.
Vor dem Einzug sollten sich potenzielle Tierhalter genau überlegen, ob sie Katzen Freigang oder zumindest einen gesicherten Balkon oder gesicherten Garten bieten können.
Viele Siamkatzen lieben es, zu klettern und im Freien ihren Beobachtungen nachzugehen.
Im Rahmen der tiergestützten Therapie wird die Siamkatze sehr gerne eingesetzt, um das Leben von behinderten Kindern zu verbessern. Dazu zählen besonders hyperaktive oder autistische Kinder. Durch ihre Lebhaftigkeit werden die Kinder durch die Siamkatzen animiert.
Laut Untersuchungen leiden viele Siamkatzen am Pica-Syndrom.
Meistens gilt: Einmal Siamkatze, immer Siamkatze.
Kapitel 6
Katzen werden ohne Zähne geboren. Erst in der dritten bis achten Lebenswoche entwickeln sich die Milchzähne in dem zarten kleinen Kiefer. Milchzähne haben Wurzeln. Meistens haben Katzen im Alter von drei bis vier Monaten bereits ihr Milchgebiss aus 26 Zähnen.
Zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat fallen die Milchzähne aus. Die bleibenden Zähne kommen jetzt nach und nach durch.
Meistens bemerkt der Halter den Zahnwechsel nicht, da Katzen ihre Milchzähne oft verschlucken, ausspucken oder beim Fressen im Futter verlieren.
Die Katze kaut jetzt gerne auf etwas herum. Damit das nicht die Schuhe des Besitzers oder splitternde Holzmöbel sind, können der Katze spezielle Zahn-Spielzeuge angeboten werden. Kausnacks bieten sich ebenfalls an. Am besten eignen sich getrocknete Fleischstreifen oder auch rohes Fleisch.
Während des Zahnwechsels hat die Katze fast immer Schmerzen. Sie frisst weniger oder speichelt. Durchfall oder Fieber können hinzukommen. Katzen sind oft schlechter Laune und miauen oft. Sie riechen häufig aus dem Mäulchen, weil das Zahnfleisch entzündet ist. Naturheilkundliche Mittel, die individuell analysiert werden, können helfen.
Wenn die Katze unter starken Schmerzen leidet, sollte sie unbedingt einem Tierarzt vorgestellt werden. Zu empfehlen sind diesbezüglich auf Zahnheilkunde spezialisierte Tierärzte. Der Spezialist setzt die schonende Intubationsnarkose ein und verfügt über ein digitales Dentalröntgengerät, welches eine korrekte Zahnbefundung ermöglicht.
Wenn ein Milchzahn nicht ausfallen will, muss dieser vom Tierarzt gezogen werden. Ansonsten kann es später zu Fehlstellungen des Kiefers kommen.
Im Normalfall verläuft der Zahnwechsel bei Katzen problemlos. In den meisten Fällen hat die Katze mit sieben Monaten ihr bleibendes Gebiss, das insgesamt aus 30 Zähnen besteht.
In jeder Kieferhälfte (= ein Viertel des Gebisses) hat sie:
3 Schneidezähne
1 Eckzahn
im Oberkiefer 3 vordere Backenzähne
im Unterkiefer jedoch nur 2 vordere Backenzähne
1 hinteren Backenzahn
Dieses Gebiss braucht die Katze zum Überleben, vor allem, wenn sie draußen lebt. Sie fängt damit ihre Beute, tötet diese und frisst sie anschließend.
Mit den Eckzähnen setzt die Katze den Todesbiss an. Mit den Backenzähnen wird das Fressen in Stücke geschnitten und dann heruntergeschluckt – gekaut wird dabei kaum. Die kleinen Schneidezähne kommen zum Einsatz, um Vögeln die Federn auszurupfen.
Das Gebiss der Katze ist nicht zum Kauen ausgelegt. Sie zerteilt das Fleisch und schluckt größere Stücke.
Wie kann die Zahngesundheit lange erhalten bleiben?
Am optimalsten ist es, der Katze bereits in jungen Jahren rohes Fleisch anzubieten, zu Beginn gewolft. Danach sollten es immer größere Stücke werden, etwa in Gulasch-Größe.
Viele Katzen mögen sehr gerne Hühnerherzen in roher Form. Rohe Geflügelknochen eignen sich für die Säuberung der Zähne. Es dürfen jedoch nur rohe Knochen sein, keine gekochten! Letztere können splittern und gefährliche Verletzungen verursachen! Gute Bio-Qualität ist zu empfehlen. Das Fleisch sollte schnellstens verfüttert werden, um die Keimbelastung so gering wie möglich zu halten.
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