A.E. Eiserlo - Fanrea Band 2

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Endlich – die Fortsetzung der Fanrea-Reihe!
Emma und Ben treffen ihre Freunde aus Fanrea auf Magors Schloss. Dort geniessen sie zunächst ihren Urlaub, doch dann geraten sie in einen Kampf auf Leben und Tod, der sie in einen Strudel reißt aus Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, aber auch Mut, Kraft und Selbstvertrauen.
Spannung und Humor, spirituelle Weisheiten, Drachen, Magie, Liebe und Freundschaft, ein Mix, der junge Leser und junggebliebene Erwachsene fesseln wird!

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Henk unterbrach sich, massierte mit seinen Fingern kurz seine Schläfen, so als ob er sich dadurch besser konzentrieren könnte. Gequält schaute er Ben mit einem langen, schmerzerfüllten Blick an und eine einzelne Träne stahl sich aus seinem Auge.

In einer beruhigenden Geste legte Ben eine Hand auf Henks Schulter. „Sie werden Ihren Frieden wiederfinden und die Bilder in Ihrem Kopf verblassen irgendwann. Ich kenne jemanden, der ihnen dabei helfen wird.“ Er dachte an die Elfe Osane und ihre Fähigkeiten, Körper, Geist und Seele zu heilen.

Dankbar sah Henk ihn an und redete schließlich leise weiter: „Du musst wissen, wie ich geflohen bin. In Xarias Schlafzimmer befand sich ein großer Spiegel, der in andere Welten führt und durch ihn konnte ich fliehen. Überall in ihrem Schloss waren Wächter und steinerne Monster, die die Hexe beschützten und auf die Gefangenen aufpassten. Es gab Fallgruben und versteckte Waffen, die einen plötzlich attackierten, Giftspeier und andere Widerlichkeiten. Deshalb war es äußerst schwierig, von dort fortzukommen. Und ins Schloss einzudringen wird genauso schwer werden.“

Mit einer müden Geste strich Henk sich die Haare aus der Stirn und trat zu dem vergitterten Fenster, um hinauszusehen. Seufzend erzählte er: „Die meisten Gefangenen befanden sich damals im Südturm und ich wünschte, ich hätte sie befreien können. Aber meine Flucht ergab sich durch einen Zufall, als ich mich in ihrem Schlafzimmer befand, um eine Partie Schach zu spielen. Ich glaube, es hat mir das Leben gerettet, dass ich als Einziger Schach spielen konnte und auch ein ernst zu nehmender Gegner war, denn sie hasste nichts mehr als Langeweile.“

Mit einem Mal wurde die Tür geöffnet und die beiden wurden mitten in ihrem Gespräch unterbrochen. Bens Mutter betrat das Zimmer und sah erschöpft aus. Innerlich fluchte Ben, er hatte auf mehr Zeit mit Henk gehofft.

„Na, ihr zwei! Alles okay? Worüber habt ihr gesprochen?“, fragte sie gespielt heiter.

„Sie haben einen äußerst netten Sohn, Frau Doktor. Er hat mir von der Schule erzählt und ich ihm einiges vom Klinikalltag. Ich hoffe, ich habe ihn nicht gelangweilt“, antwortete Henk. Dann stand er auf und sagte höflich: „Ich danke Ihnen für den Besuch Ihres Sohnes, er hat mir etwas Freude und Hoffnung in mein Leben gebracht und mich daran erinnert, wer ich wieder sein will.“

Zu Ben gewandt fügte er hinzu: „Danke für das, was du mir geschenkt hast. Du hast mir den Glauben an eine Zukunft wiedergegeben.“

Verwirrt schaute Bens Mutter zwischen den beiden hin und her. Ihr Sohn ergriff Henks Hand, schüttelte sie zum Abschied und meinte: „Verlieren Sie die Hoffnung nicht wieder und vertrauen Sie mir. Die Hoffnung stirbt zuletzt*.

Die zwei lächelten sich verschwörerisch an, dann verließ Ben mit Nora das Zimmer. Vor der Klinik standen Mutter und Sohn sich etwas unsicher gegenüber, bis sie vorschlug: „Ich habe meinen Dienst getauscht, ich finde, heute ist ein ganz besonderer Tag, wir sollten deine Wunderheilung feiern. Was meinst du?“

Ben versuchte, fröhlich auszusehen, aber das fiel ihm sehr schwer, weil er dauernd an den armen Henk und das ihm gegebene Versprechen denken musste. „Das finde ich toll“, brachte er wenigstens zustande und sie machten sich auf den Weg zurück zum Auto.

Als sie auf dem Heimweg waren, konnte Ben sich nicht länger zusammen reißen und platzte heraus: „Mama, ich finde, du solltest deinen Beruf wechseln! In diesem Beklopptenheim wird jeder auf Dauer selbst verrückt, der dort zu lange arbeitet. Du bist immer müde und siehst total ausgelaugt aus. Du lachst kaum noch.“

Er erwartete Widerspruch und Zurechtweisungen, doch seine Mutter schwieg und starrte nur stur geradeaus. Nach endlosen Sekunden meinte sie dann zaghaft: „Ich denke seit Längerem über einen Ausstieg nach, aber ich habe mich nie getraut, darüber zu sprechen.“

Plötzlich trat sie auf die Bremse, setzte verspätet den Blinker und fuhr schnell rechts in eine Haltebucht. Tränen liefen ihre blassen Wangen hinunter und sie schluchzte laut auf: „Ich kann so nicht mehr weitermachen. Ich bin überrascht, dass du damit angefangen hast, aber alles, was du gesagt hast, stimmt. Die Patienten werden nicht gut behandelt und ich habe das Gefühl, selber durchzudrehen.“

Mit dieser Reaktion hatte Ben überhaupt nicht gerechnet, dieser Tag war echt anstrengend. Verlegen kramte er nach einem Taschentuch und reichte es seiner Mutter, die es dankbar annahm.

Sie schnäuzte sich die Nase und wischte ihre Tränen weg. „So, jetzt ist es heraus und das ist auch gut so. Ich habe schon einen Plan, ich mache meine eigene Praxis auf. Was hältst du davon?“

Erleichtert stimmte Ben ihr zu: „Alles ist besser, als dieser Irrsinn da. Wenn du noch lange so weitermachst, dann wirst du selber krank werden. Du kannst nicht gegen deine Überzeugungen leben, dein Körper zwingt dich sonst in die Knie.“

„Wie kommst du denn zu solchen Gedanken? Du hörst dich fast wie Esther an.“

Ben grinste verhalten: „Mag sein, aber es ist doch tatsächlich so. Unter allen Leidenschaften der Seele bringt die Traurigkeit am meisten Schaden für die Seele.*

Stirnrunzelnd musterte Nora ihren Sohn, dann wurde ihr Gesichtsausdruck ganz weich: „Weißt du, dass ich das erste Mal seit langer Zeit das Gefühl habe, dass wir uns wirklich nah sind? Danke für deine ehrlichen Worte und dass du überhaupt bemerkt hast, dass es mir nicht gut geht. Schön, dass du dir Gedanken über mich machst.“

Tief berührt ergriff Ben die Hand seiner Mutter und drückte sie. „Mama, ich hab dich lieb“, flüsterte er, obwohl ihm das ein bisschen schwerfiel, aber er spürte, dass genau jetzt der richtige Moment dafür war.

Gerührt schaute sie ihn an: „Ich dich auch.“

Schloss d‘Aigle

In Frankreich, auf Magors Schloss, befand sich hinter einer Hochsicherheitstür aus Titan ein großer Raum, der mit technischen Geräten vollgestopft war. Überall blinkte und piepte es, immer wieder legte ein Drucker los und auf einer überdimensionalen Weltkarte leuchteten verschiedenfarbige Lichtpunkte. Drei Personen saßen dicht beieinander an einem Schreibtisch und schauten hochkonzentriert auf einen Bildschirm.

Mit seiner pfotenähnlichen Hand rollte Ronaldo, der Fuchsmann mit dem orangen Fell, eine Computermaus hin und her und erklärte mit heiserer Stimme: „Das ist der Sicherheitscode, um an die Informationen der Satelliten zu gelangen. Damit können wir dann überall auf der Welt sehen, was los ist und bei Bedarf eingreifen.“

Die beiden anderen waren die Fanreaner Nala und John, die seit ein paar Tagen von Ronaldo, dem Computerspezialisten, Nachhilfeunterricht erhielten, was moderne Technik, Internet, Tablets und vieles mehr betraf. Ronaldo war ein echter Nerd* und hatte die Gabe, sein Wissen leicht nachvollziehbar zu vermitteln.

Gegen Mittag stöhnte Nala: „Ich kann nicht mehr, mir raucht der Kopf. Ich muss mal an die frische Luft und auch etwas essen.“

„Ich habe etwas Leckeres für euch“, bot Ronaldo an und griff hinter sich in einen Karton. Es raschelte, dann hielt er etwas in der Hand. „Mäusespeck und Schaumküsse, probiert mal.“

Zögernd griffen die beiden Freunde zu und bissen jeder in einen Mohrenkopf. Angeekelt verzogen Nala und John das Gesicht.

„Bäh, wie süß ist das denn?“, fragte Nala und spuckte den Mohrenkopf in den Mülleimer. Mühsam würgte John seinen Bissen hinunter.

„Das ist doch lecker. Ich mag den Geschmack, testet mal den Mäusespeck.“ Verständnislos schüttelte Ronaldo den Kopf.

„Wir teilen uns eine Maus“, schlug Nala vor und steckte John ein Stück in den Mund.

Der kostete und schüttelte den Kopf. „Das schmeckt doch nur nach Chemie. Mein Ding ist es nicht.“

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