A.E. Eiserlo - Fanrea Band 2

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Endlich – die Fortsetzung der Fanrea-Reihe!
Emma und Ben treffen ihre Freunde aus Fanrea auf Magors Schloss. Dort geniessen sie zunächst ihren Urlaub, doch dann geraten sie in einen Kampf auf Leben und Tod, der sie in einen Strudel reißt aus Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, aber auch Mut, Kraft und Selbstvertrauen.
Spannung und Humor, spirituelle Weisheiten, Drachen, Magie, Liebe und Freundschaft, ein Mix, der junge Leser und junggebliebene Erwachsene fesseln wird!

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„Ich bin David und das ist mein Bruder Simon. Wir kommen von der Erde und sind aus einem Waisenheim abgehauen. Da haben uns die Fänger dieser Hexe erwischt und hierher geschleppt.“

„Für so einen kleinen Hänfling bist du ganz schön mutig“, lobte Hendot und schlug mit seinem schuppigen Schwanz auf den Boden.

„Das muss ich sein, wenn ich uns beide durchbringen soll. Ich werde jedenfalls nicht hier in den Minen verrecken, sondern mit meinem Bruder fliehen, sobald sich wieder eine Gelegenheit bietet.“

„Ich bin dabei. Leicht wird es aber nicht werden.“ Hendots gespaltene Zunge schnellte heraus und seine Eidechsenaugen fixierten David.

Ein schiefes Grinsen breitete sich in dessen Gesicht aus. „Nichts ist leicht, das ganze Leben ist ein einziger Überlebenskampf. Für uns nichts Neues. Aufgeben gibt’s nicht!“

Hendot und David sahen sich verschwörerisch an.

„Aufgeben gibt’s nicht!“, bestätigte Hendot.

Sanfte Flammen hüllten das Ei von Bernsteinauge ein. Die Feuerelfen von Anijala ummantelten es mit ihrer Wärme und wiegten sich im Flammentanz. Sie flüsterten Geschichten aus vergangenen Tagen und wisperten von Heldentaten.

Im Inneren des Eis ruhte der kleine Drache und lauschte gebannt ihren Worten. Er wunderte sich, warum er nicht mehr die Stimme seiner Mutter vernahm und hätte gerne gefragt, wo sie war. Ihre Stimme hatte nach so viel Zärtlichkeit geklungen und ihre Geschichten waren voller Weisheit gewesen. Er vermisste Bernsteinauge und kam sich verlassen vor, auch wenn die geflüsterten Worte der Feuerelfen sein Herz berührten. Wo war seine Mutter?

Jetzt sangen die Feuerelfen wieder sein Lieblingslied, es handelte von einem Drachenreiter, für den es sich zu sterben lohnte. Die Stimmen der Elfen trösteten den Drachen und er ließ sich von ihnen in den Schlaf wiegen.

Der Drache träumte von seinem Reiter, der groß, stark und muskulös war. Mutig kämpften sie gemeinsam gegen Trolle und Achillikrusse, flogen gewagte Flugmanöver und gingen als siegreiche Helden aus jeder Schlacht hervor. Sein Reiter war ein wilder Kerl mit langen, roten Zottelhaaren und einem ungepflegten Bart, er stank und trank gerne Bier. Und er selbst war der schönste und mächtigste Drache weit und breit, keiner konnte ihn besiegen und alle Drachendamen himmelten ihn an. Im Schlaf zuckten seine Krallen vor Aufregung und sein Schwanz peitschte hin und her. Der Drache konnte es kaum erwarten, zu schlüpfen, um endlich all seine geträumten Abenteuer in die Tat umzusetzen.

Durch die Bewegung bebte das Ei leicht. Erschrocken bemerkten die Feuerelfen die Erschütterung. War es etwa schon so weit? Würde der Drache von Bernsteinauge zu früh schlüpfen und ohne seinen Drachenreiter das Licht der Welt erblicken?

Henk van Vaal

Emma war in Ferienstimmung und überlegte schon den ganzen Tag, was sie für ihren geplanten Urlaub in Frankreich einpacken sollte. Berge von Klamotten türmten sich um sie herum, die sie abwechselnd ein- und wieder auspackte. Es war das totale Chaos.

Zum wiederholten Male öffnete ihre Mutter Marlene die Tür und steckte den Kopf in Emmas Zimmer: „Kann ich dir irgendwie helfen?“

„Nee, Mama. Habe ich dir mindestens schon zehn Mal gesagt.“ Genervt verdrehte Emma die Augen, sie wollte nicht abgelenkt werden, damit sie nichts vergaß. Wann wurde sie schon einmal von einem Magier auf sein Schloss in Frankreich eingeladen? Und dann war da ja auch noch John...

Marlene raschelte mit einer Tüte. „Ich habe dir ein Sommerkleid aus der Stadt mitgebracht.“

„Ein Kleid? Du weißt doch, dass ich keine Kleider anziehe.“

„Na ja, es gefiel mir so gut und ich dachte, es wäre schön für deinen Urlaub.“

Kopfschüttelnd zog Emma das Kleid aus der Tüte: „Ach, Mama, Blümchen und Spaghettiträger. Das geht ja gar nicht!“

„Hm, zieh es doch wenigstens mal an.“

„Och, nee.“

„Nur anprobieren, komm, mir zuliebe“, bat Marlene.

„Später, Mama“, stöhnte Emma.

„Na gut, später. Also, ich geh dann mal wieder.“ Seufzend schloss Marlene die Tür hinter sich.

Emma wollte das Kleid wieder in die Tüte stecken, doch dann zögerte sie und sah es sich noch einmal an. Würde es vielleicht nicht doch schön an ihr aussehen? Ihre Hände strichen über den Stoff des Kleides und ihre Gedanken schweiften ab zu John, der sonst in Fanrea lebte. Sie dachte an all die Momente mit dem Indianer und gestand sich ein, dass sie hauptsächlich nach Frankreich fahren wollte, um ihn wiederzusehen. John in der Menschenwelt! Was würde er wohl anziehen? Würde er sich auf der Erde wohlfühlen? Aufregung breitete sich in ihr aus und sie konnte es kaum noch erwarten, ihn endlich zu treffen.

Genug geträumt, sie musste weiter packen. Ihre Hände griffen nach Shorts, Tops und Chucks und sie warf alles in den Koffer. Dann blieb Emma zögernd vor dem Kleiderschrank stehen und starrte auf die anderen Kleider und Röcke, die ihre Mutter ihr aufgeschwatzt hatte und die sie nie trug.

In Shorts würde John ihre langen Beine sehen, aber vielleicht wäre es nicht so falsch, noch mehr Kleider einzustecken. Irgendwie war das doch weiblich. Oder nicht? Zweifelnd griff sie danach und packte mehrere Kleider und Röcke kopfschüttelnd in den Koffer. Sollte sie das wirklich anziehen?

Den Traumfänger und die Kette mit dem geschnitzten Delfinanhänger aus Jade durfte sie auf keinen Fall vergessen, beides hatte John für sie angefertigt. Ihr Herz schlug einen Takt schneller als sie nach dem Traumfänger griff und ihn ebenfalls in den Koffer steckte.

Auch ihre Digitalkamera landete im Koffer, die würde sie in Frankreich bestimmt brauchen. Ihre Mutter, die leidenschaftlich gern fotografierte, hatte ihr gezeigt, worauf sie achten sollte, um schöne Aufnahmen zu schießen. Seither wusste sie, was Lichtverhältnisse, Blickwinkel, Ausschnitt oder Blende bedeuteten.

Zuletzt nahm sie den magischen Wassertropfen von Sorin sowie den kleinen Flakon der Herrin vom See und steckte beide Kostbarkeiten ein.

Nach dem gefährlichen Abenteuer in Fanrea war Emma urlaubsreif, die Angst und die ständige Begegnung mit dem Tod saßen ihr noch tief in den Knochen. Ein paar entspannte Tage auf Magors Schloss im sonnigen Süden waren nun genau das Richtige.

In zehn Minuten hatte Ben seinen Koffer gepackt und ihn danach zufrieden in seinem Zimmer abgestellt. Jetzt begleitete seine Mutter Nora ihn zu einem Augenarzt, einem zweiten Spezialisten. Dort erfuhren sie, dass Bens Augenkrankheit auf wundersame Weise geheilt worden war. Schmunzelnd nahm Ben es zur Kenntnis, er hatte nichts anderes erwartet.

Der Arzt dagegen war völlig perplex. Immer wieder begann er mit der Untersuchung von vorne, murmelte konfus vor sich hin, schaute in die Unterlagen seines Kollegen und rief diesen schließlich an. Am Ende wollte er Ben zu einem dritten Spezialisten schicken, aber Ben lehnte das ab, er wusste ja mit Sicherheit, dass er geheilt war.

In Gedanken versunken gingen Mutter und Sohn zurück zum Auto. Fassungslos fragte Nora: „Wieso freust du dich denn gar nicht? Du müsstest doch vor Glück zerspringen. Das ist quasi eine Wunderheilung!“

Wie sollte Ben ihr erklären, dass er seine Freude schon in Fanrea, am See der Heilung, ausgelebt hatte?

Kopfschüttelnd betrachtete Nora ihn von der Seite: „Du bist sowieso sehr merkwürdig seit ein paar Tagen.“

„Wieso merkwürdig?“

„Das ist ja das Schlimme: Ich weiß es nicht!“

Nachdenklich schwieg seine Mutter. Ben tat, als würde er es nicht bemerken und begann schnell mit einem anderen Thema: „Wann müssen wir in der Psychiatrie bei Henk van Vaal sein?“

„Um vierzehn Uhr, aber lenk nicht vom Thema ab. Was ist los mit dir? Du verheimlichst mir doch etwas. Du bist so, so, ach, ich weiß auch nicht, verändert, erwachsener irgendwie.“

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