A.E. Eiserlo - Fanrea Band 2

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Endlich – die Fortsetzung der Fanrea-Reihe!
Emma und Ben treffen ihre Freunde aus Fanrea auf Magors Schloss. Dort geniessen sie zunächst ihren Urlaub, doch dann geraten sie in einen Kampf auf Leben und Tod, der sie in einen Strudel reißt aus Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, aber auch Mut, Kraft und Selbstvertrauen.
Spannung und Humor, spirituelle Weisheiten, Drachen, Magie, Liebe und Freundschaft, ein Mix, der junge Leser und junggebliebene Erwachsene fesseln wird!

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Langsam wusste Ben nicht mehr, wie er sich aus der Affäre ziehen sollte und starrte grübelnd aus dem Autofenster. Natürlich war er verändert, er war durch ein Weltentor in eine fremde Welt gereist, wo er von Zwergen und Elfen zu einem Krieger des Lichts ausgebildet worden war. Dort hatte er mit seinem Schwert töten müssen, konnte inzwischen ein wenig Magie anwenden und war von seiner Augenkrankheit geheilt worden. Doch wie sollte er das seiner Mutter erklären, die in der Psychiatrie arbeitete? Wenn er ihr die Wahrheit erzählte, würde sie ihn sofort zu ihrem Patienten, Henk van Vaal, einweisen lassen.

Ein Stück weit war Ben tatsächlich erwachsen geworden. Die Begegnung mit dem Tod, grenzenloser Angst, körperlichen Schmerzen, aber auch tiefer Freundschaft und die Bereitschaft, sein Leben für andere zu riskieren, hatten ihn reifen lassen. Auch sein Äußeres hatte sich verändert, sein Gesicht war kantiger geworden, sein Körper muskulöser.

Verlegen schaute er zu seiner Mutter: „Mama, alles ist wie immer, mach dir keine Sorgen. Nimm meine Heilung doch einfach als Geschenk Gottes an und versuch nicht immer alles zu erklären. Es ist, wie es ist.“

Das mit dem Geschenk entsprach nur indirekt der Wahrheit, denn seine Heilung war harte Arbeit gewesen. Die Elfe Osane hatte ihn gelehrt, dass jedes Leben aus Lernaufgaben besteht. Alle gelösten Probleme bringen einen weiter auf dem persönlichen Weg der Entwicklung. Ben fand, er war ein gelehriger Schüler gewesen und am Ende für seine tiefen Einsichten mit der Heilung belohnt worden.

Völlig entgeistert starrte seine Mutter ihn an, erwiderte aber nichts. Fast bekam Ben einen Lachflash, weil die Situation völlig absurd war, verkniff es sich jedoch. Nora und er waren nach dem Arztbesuch nun auf dem Weg in die Psychiatrie. Ben hatte darum gebeten, seine Mutter noch einmal dorthin begleiten zu dürfen, weil er sich angeblich für ihre Arbeit interessierte. Tatsächlich wollte er unbedingt mit Henk van Vaal sprechen.

Es hatte einige Überredungskünste gebraucht, aber schließlich stimmte seine Mutter zu. Ben hatte sich in die Idee verrannt, dass dieser Henk gar nicht verrückt, sondern, wie er selbst, in einer anderen Welt gelandet war. Seine irren Geschichten waren keine Hirngespinste, sondern Wirklichkeit. Henks Beschreibung der eiskalten, aber wunderschönen Hexe konnte nur auf eine passen: Xaria!

„Wie ist Henk denn drauf zur Zeit?“, bemühte sich Ben, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken.

„Es läuft langsam besser mit ihm, wir konnten die Medikamente reduzieren und er ist viel ruhiger geworden. Vergangene Woche hatte ich ein längeres Gespräch mit ihm, in dem er mich bat, ihm weniger Pillen zu geben, weil er nicht daran kaputt gehen wollte. Und weißt du was? Ich habe mich tatsächlich darauf eingelassen und seither wirkt er auf mich fast normal. Nur deshalb konnte ich deiner Bitte nachkommen und dich zu ihm lassen, was grundsätzlich verboten ist. Damit du Bescheid weißt: Ich habe gesagt, dass du ein Referat für die Schule schreibst und eventuell bei uns ein Praktikum machen möchtest.“

Entsetzt verdrehte Ben die Augen und meuterte: „Das werde ich ganz bestimmt niemals machen. Den ganzen Tag mit irgendwelchen Bekloppten.“

„Ben!“, stieß seine Mutter entsetzt hervor. „Das sind keine Bekloppten! Ich verbiete dir diese Ausdrucksweise.“

„Entschuldige, tut mir leid“, nuschelte ihr Sohn. Seine Bezeichnung war tatsächlich mies gewesen, aber es war ihm einfach so herausgerutscht.

Nach der Ankunft in der Klinik musste Ben die übliche Prozedur an der Pforte über sich ergehen lassen. Seine Mutter hatte ihn inständig gebeten, Henk nicht nach seinen Wahnvorstellungen zu fragen, aber genau das war der Grund, weshalb Ben mit ihm sprechen musste.

Ein langer, trostloser Gang erwartete sie, Ben hörte irgendwann auf, die Zimmertüren zu zählen, an denen sie vorbei kamen. Aus einigen Zimmern drangen Schreie, Stöhnen oder unartikulierte Laute und Ben schüttelte sich. Der sterile Geruch nach Desinfektionsmitteln war so intensiv, dass Ben durch den Mund atmete.

Schließlich standen sie vor Henks Zimmertür, automatisch schaute Nora durch das kleine, runde Fenster und murmelte: „Ach, er sitzt am Fenster.“

Nora klopfte an, öffnete die Tür und trat ein. Angespannt folgte Ben ihr und atmete tief ein und aus, um seine Anspannung zu lösen. Während seine Mutter Henk begrüßte, betrachtete Ben das karge Zimmer. Er war auf einiges gefasst gewesen, doch das hier war noch trostloser als in seiner Vorstellung: Ein Krankenhausstahlbett, ein Stuhl mit einem kleinen Tisch, ein Schrank, das war`s.

Verschreckt musterte Henk die Neuankömmlinge und wagte dann ein zögerliches Lächeln als er Nora erkannte, die nur kurz bei ihnen blieb, da sie zu einem anderen Patienten gerufen wurde. Endlich war Ben mit Henk van Vaal allein.

„Deine Mutter ist die Einzige, der ich hier halbwegs vertraue“, murmelte Henk.

„Ich denke, ich würde in dieser Anstalt auch niemandem vertrauen. Aber meine Mutter ist schon okay“, antwortete Ben vorsichtig. Wie sollte er ihm nur klar machen, warum er eigentlich hier war?

„Warum wolltest du mit mir sprechen?“, fragte Henk ganz unverblümt. Verunsichert überlegte Ben, ob er einfach mit der Wahrheit herausplatzen durfte oder ob er damit eine monatelange Therapie kaputt machte.

„Komm, sag schon. Weshalb bist du hier? Ich bin nicht so verrückt, wie alle meinen. Du kannst ganz offen mit mir reden. Oder ist das nur ein verdeckter Test deiner Mutter, ob ich wirklich geheilt bin?“

Ben fühlte sich immer unwohler, es war dumm gewesen, ohne Plan hierhin zu kommen und er wünschte, Emma wäre bei ihm. Er entschloss sich, bei der Wahrheit zu bleiben und sein Anliegen offen vorzutragen.

Mit gemischten Gefühlen betrachtete Ben sein Gegenüber und sah diesen Mann im mittleren Alter vor sich, dessen Leben von einer durchtriebenen Hexe zerstört worden war. Henk hatte ein nettes Gesicht mit lieben Augen, in denen aber auch tiefer Schmerz eingegraben war und Ben wollte ihm gern helfen. Er gab sich einen Ruck: „Henk, ich weiß nicht, ob es gut ist, dass ich mit diesem Thema anfange und meine Mutter würde ausrasten, wenn sie wüsste, worüber ich mit Ihnen rede, aber ich muss es einfach tun. Ich glaube Ihnen ihre Geschichte.“

In grenzenloser Panik weiteten sich Henks Augen, er knetete nervös seine Hände und Schweiß trat auf seine Stirn. Gequält stöhnte er: „Nein, bitte nicht darüber reden. Ich möchte das abschließen, wieder ein normales Leben führen, ich will mein Leben zurück.“ Seine Stimme erstarb, seine Hände verkrampften sich ineinander und er wiegte den Oberkörper vor und zurück.

Schließlich schluchzte er: „Ich muss hier raus, ich ertrage diese nächtelangen Schreie nicht mehr, die Zwangsjacken und Gummizellen* , die vielen Pillen und die Gewaltanwendung. Ich kann nicht mehr, sonst werde ich wirklich irgendwann wahnsinnig.“ Mit glasigem Blick starrte er geradeaus und schwieg.

Ben war völlig überfordert und bereute, dass er hierhin gekommen war. Er hatte alles vermasselt.

Plötzlich packte Henk wütend Bens Hand und drückte schmerzhaft zu: „Wer bist du und was willst du von mir? Lüg nicht herum! Der Leiter hat dich mir auf den Hals gehetzt oder diese Hexe! Was will sie von mir?“ Sein Griff verstärkte sich.

Zunächst saß Ben wie erstarrt da, aber dann wurde er wütend. Hitze schoss in seinen Bauch und flutete von dort aus seinen gesamten Körper, er schüttelte die Hand ab, sprang auf und rief energisch: „Sie tun mir weh!“

Erschrocken ließ Henk von ihm ab und begann zu zittern. „Bitte tu mir nichts, ich will keine Medikamente und ich will keine Angst mehr haben.“ Er schluchzte und Tränen strömten seine Wangen entlang.

Ben verzweifelte, alles lief falsch. In diesem Augenblick öffnete sich die Tür und ein muskelbepackter Wärter mit Gummiknüppel kam herein. Aus eiskalten Augen musterte er Henk und spielte nervös mit seinem Schlagstock:

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