Der Pflichtcharakter des Lebens reicht zum ethischen Grundprinzip, das erkannt und bejaht sein muss. Die Extrapolation fordert den höheren Grad an Wissenschaft, als er bei der Werksgestaltung zur Anwendung kommt, denn was für die Nähe ausreicht, reicht für die Ferne in ihrer Nichtmessbarkeit nicht mehr aus. Die Sicherheit der einen Extrapolation führt zur Unsicherheit der anderen Extrapolation mit den wartenden Unergründlichkeiten. Die Vorhersage aus der Nähe mag möglich sein, in die Ferne hinein ist solche Vorhersage nicht möglich.
Das Wissen vom Möglichen ist ein Ansatz im Verständnis zur Gewinnung der Erkenntnis. Es sind die Denkversuche von der Annahme der Prämisse bis zum abschließenden Dann. Darin erhellen sich die Prinzipien der Moral in der Reflexion über das eingangs Mögliche hinaus. Ihre Sicherheit ist unabhängig von wissenschaftlichen Analysen und ihren Folgerungen. Diese Sicherheit führt in der Beglaubigung zur Gewissheit der Existenz der Vernunft mit dem über den Gegenstand hinausgehenden Willensentscheid. Die Nützlichkeit der Entdeckung hängt von der Art der Denkprozesse und ihrer Gedankenexperimente ab.
Die Idealsphäre kommt der Wahrheit am nächsten. Die Gefahr liegt im ‘science fiction’, also in jenen Gedankenexperimenten, deren Ergebnisse die heuristische Funktion vortäuschen. Die Gefahr im Allgemeinen ist, dass wir zu wenig wissen, um Bekanntes gegen Unbekanntes einzutauschen. Das führt zu Unsicherheiten und Verzögerungen, wenn Entscheidungen zu treffen sind, dass die praktische Umsetzung im Sinne der Prognose verspätet oder gar nicht stattfindet. Da kommen die Prinzipien der Ethik durch die Verzögerung zu spät oder nicht mehr zur Geltung.
Die Menschheit hat die Pflicht zum Dasein. Diese Pflicht ist für das Große und Ganze unbedingt. Von dem Prinzip der Unbedingtheit im Großen und Ganzen unterscheidet sich die bedingte Pflicht des Einzelnen zum Dasein. Damit erhebt sich das Prinzip, dass Experimente am Menschen verbietet. Der ethische Grundsatz stützt das Verbot, dass dem Menschen in seinem Wesen und in seiner Existenz weder ein Leid noch ein Schaden zugefügt werden darf.
Für das Leben der Menschheit als Ganzes gilt das unbedingte Unverletzlichkeitsgebot, das für den einzelnen Patienten im Fall der bösartigen Erkrankung nur bedingt zutrifft, wenn eine palliative Behandlung der medizinischen Radikalmaßnahme vorgezogen wird, unter der der Patient sterben kann.
Aus der ontologischen Sicht der Verantwortung ist es die Idee des Menschen, die Zeugnis gibt, warum es Menschen geben soll und wie sie sein und sich verhalten sollen. Der religiöse Glaube kann der Ethik die Grundlage zum Warum und Wie des Menschen liefern ( fides quaerens intellectum ), die auf dem Gedankenweg der Philosophie erst mühsam und ohne die endgültige Sicherheit erarbeitet werden muss. Die moderne Technologie mit den apokalyptischen Möglichkeiten lehrt darüber hinaus, dass die anthropozentrische Ausschließlichkeit einer kritischen Prüfung bedarf. Die Rechtfertigung des menschlichen Lebens hat offene Fragen, die mit wachsender Sorge gestellt werden und die sorgfältige und begründbare Antwort verlangen. Die Apokalypse rückt an, und das Dasein der Menschheit steht auf dem Spiel.
Aristoteles beurteilt den lebendigen Körper als organisch (soma organikon) und mit Werkzeugen begabt oder aus Werkzeugen bestehend. Die menschliche Hand nannte er das “Werkzeug der Werkzeuge”, weil sie selber das vorbildliche Werkzeug ist, das die künstlichen Werkzeuge schafft und als Verlängerung der menschlichen Hand gebraucht. In diesem Sinne ist der menschliche Organismus ein Zweckgebilde, da der Begriff ‘Werkzeug’ in der Verbindung des Zweckes gedacht wird.
Die willkürliche Körperbewegung ( bei Mensch und Tier ) wird bestimmt durch Zweck und Ziel, die von Subjekten ausgeführt wird, deren Handlung der Natur entspricht. Es ist anzunehmen, dass beim Tier die Wirksamkeit vom Zweck ohne die dem Menschen zuerkannte Rationalität und freie Wahl gesteuert wird und sich dadurch vom Menschen unterscheidet.
Jedes Organ im Organismus dient dem Zweck, die ihm zukommende Funktion zu ergreifen und zu erfüllen. Damit trägt die Erfüllung der Funktion zur Erhaltung des Organismus bei. In der Biologie trifft auf die Genese das individuelle Wachstum (Ontogenese) und die Entstehung der Art (Phylogenese). Ontogenese ist die keimkausale Bestimmung des Individuums, und Phylogenese ist keimkausale Artenbestimmung. Darüber hinaus gibt es genetische Zufallsänderungen der Plus- und Minusvarianten, deren Ergebnisse die Art und den Grad der natürlichen Auslese bestimmen.
Mit der Evolution der Subjektivität tritt ein neues heterogenes Aktionsprinzip in die Natur, als wäre ein radikaler Unterschied nicht nur unter den Arten, sondern im Grad des Bewusstseins, das dem Prinzip untersteht. Die andere Alternative ist, dass Geist und Seele mit Eintritt der passenden Stoffe aus der Natur selbst hervorgehen. Diese Eigenschaft ist in ihrer Herkunft an die Nichttranszendenz gekoppelt. Was dann das Bewusstsein betrifft, ist es der Versuch, die Vorteile des Dualismus freizulegen.
Was die Emergenzlehre betrifft, da sollte der Unterbau nicht vom Überbau her interpretiert werden; die Erklärungskategorien sollten die neu auftretende Kausalität nicht als schon vorgebildet betrachten. Die Natur gibt Zeugnis von sich in dem, was sie hervorbringt. Doch kann keiner vorhersehen, was im Laufe der weiteren Evolution aus dem Boden hervorgehen wird. In der Selbst- und Körperbestimmung ist das Denken aus der inneren und der äußeren Freiheit unverzichtbar. Letztlich ist der Natur die Erzeugung der Zielkausalität zuzuschreiben. Zur Erkenntnis dessen muss der reduzierten Minimal-Sichtweise widersprochen werden.
Der Begriff ‘Natur’ muss in seiner Ganzheit betrachtet und durchleuchtet werden. Es geht um die Ethik, dass der ontologische Sitz vom Zweck von der Seinsspitze zur Seinsbreite erweitert wird. Die Subjektivität haftet in gewisser Weise der Oberfläche der Natur an. Dagegen spricht die herausragende Spitze ‘des Eisbergs’ für den stummen Inhalt. Es ist der Dreierbezug von Wurzel, Stamm und Frucht. Der Zweck hebt sich wirkstark aus der Subjektivität heraus und verleiht dem stummen Inhalt die Sprache. Da kommt das Wort als der zweckhinweisende Stoff mit dem eingewickelten Gegenstück.
Von großer Bedeutung ist die allgemeine Zweckhaftigkeit in ihrem unverrückbaren und kausal verketteten Getriebe. Die Naturwissenschaft steht da vor einem weiten offenen Feld. Es gibt die Feststellung, dass die Naturwissenschaft selbst im Klärungsprozess, was das Universum ist und beinhaltet, von dem, was sie erklären kann, ausgeschlossen ist.
Das subjektive Streben geht über endlos weite Wege, um das Emportauchende zu erkennen und aus dem Dunkel des Nichtwissens in die Helligkeit der ersten Erfahrung zu heben. Der psychische Blick findet im Verborgenen statt, und der Anblick der Seele ist dem Suchenden versagt. Es liegt im menschlichen Staunen, das bis zur Erschütterung führt, dass ‘Psyche’ und das ‘Selbst im Ich’ zwei unterschiedliche Dinge sind. Das Hervorbringen neuen Lebens gehört der Zweckbestimmung der Natur im Kern der Schöpfung an. Es ist die Natur, die in ihrer end- und grenzenlosen Großzügigkeit und in ihrer mütterlichen ‘Selbstlosigkeit’ kundtut, dass sie Teil des Lebens ist und den Urgrund zum Leben mit ihren fruchtbaren Böden gibt.
Es ist damit zu rechnen, dass neue Gelegenheiten neue Ziele entstehen lassen. Die neuen Positionen verlangen nach einer Neuorientierung im Handlungsbereich. Die neue Situation betrifft zunächst das Einzelne, wo der Anfang im Aufbau der molekularen Organstruktur zu suchen ist. Von da an wird die Sichtbarkeit des Neuen immer deutlicher in der Tendenz, Einfluss auf den Fortgang der Evolution zu nehmen. In dieser Freiheit mit den Zufälligkeiten im Anfang formen sich die Gründe des Schicksals um und weiter auf, worin die Chancen und Gefahren für die Menschheit liegen.
Читать дальше