Auf der Zielgeraden der Menschheit stehen Gesundheit, Wohlfahrt, Bildung und Rechtschaffenheit nebeneinander, um den Menschen die Grundlage zu geben, die Hoffnungen und Erwartungen auf ein Leben in gegenseitiger Achtung, Gerechtigkeit und Würde mit dem Glück der Liebe in der umfassenden Mitmenschlichkeit zu erfüllen.
Die Grenze zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen verschwimmt. Der Spalt zwischen beiden wird enger, dass es eine Frage der Zeit ist, dass es diesen Spalt nicht mehr gibt. Die zur Welt gewordenen künstlichen und künstlerischen Werke wirken auf den Menschen ein, als sei die Natur nun technisch erneuerbar. Dieser Aspekt der Erneuerung des Seins ist mit der technisch verstandenen Freiheit erst kürzlich in das Leben der Menschen getreten.
Mensch und Gesellschaft fühlen sich durch diese Technik durch die fehlenden und mangelhaften Erfahrungswerte existenziell und menschlich durch den Verlust der Mitmenschlichkeit bedroht. Die abnehmende Gesprächsbereitschaft und die zunehmende Vereinsamung, die schon im Kindesalter einsetzt, geben Grund zu größter Sorge, da Seinsängste und seelisch-körperliche Störungen in zunehmendem Maße zu Erkrankungen führen, die medizinisch behandelt werden müssen.
Die Annahme der Gegenwart dient auch als Einleitung der gedachten Vorbereitung auf die Zukunft. Aus religiöser Sicht richtet sich das jetzige Handeln auf den Zustand nach dem Tod. Der Mensch bittet (im Gebet) um den Gnadenschild Gottes und auf das Weiterleben seiner Seele nach Sündenvergebung. Dabei weiß der Mensch um seine Verfehlungen, dass er die Seligkeit nicht verdient. Es ist Gott in seiner Barmherzigkeit, der dem Menschen die Seligkeit schenkt. Diese Erwartung übersteigt um vieles die Vorstellung, was Ethik ist und zum Inhalt hat, und was sie trägt und gebietet. Mit dem göttlichen Geschenk der ewigen Seligkeit verliert jede Art menschlicher Vorbereitung auf das Weiterleben nach dem Tode an Bedeutung.
Denn was das diesseitige Leben betrifft, sind es die Begriffe der Gerechtigkeit, Achtung, Rechtschaffenheit, Menschlichkeit und Nächstenliebe, die im Wort zusammengefasst und vom Inhalt her gehoben und in dieser Bündelung festgehalten und ethisch ‘eingelagert’werden. Eine Vollendung kennt die Ethik nicht, solange der Mensch auf dem Planeten lebt, denkt und abeitet. Denn in der gedachten Selbstvollendung gibt es zu viele Egoismen, die als Störfaktoren die wahre Vollendung mit der Erfüllung der ethischen Pflichten und Prinzipien blockieren.
Menschliches Handeln geschieht letztlich um der Zukunft willen, was dem Täter erst in der zweiten oder dritten Gedankenreihe in den Sinn kommt. Von dort geht die Verpflichtung an das Jetzt aus, die zeitgebunden und darum auch vorläufig ist. Da unterscheiden sich die Ethik des Vorläufigen von der Ethik des Endgültigen, dass man auf dem Zwischenstück von ‘vorläufig’ nach ‘endgültig’ von einer ‘Übergangs-‘ oder ‘Zwischenethik’ sprechen kann.
Im Zeitalter der modernen Technik kommuniziert das Tun im Sinngehalt, der Wertigkeit und seinen Weiten und Folgen mit dem Kontroll- und Warnzentrum der Ethik. Der Mensch müht sich in der Adaptation gegen die sich ändernden Fakten des äußeren Lebens, um das ‘Augenmaß’ zwischen ‘gut’ und ‘schlecht’ auf den Stand seiner Zeit zu bringen, dass er die Tat ins Licht der Wahrheit setzen kann. Der Mensch versucht sein Glück im Bewusstsein und Wissen, dass er bezüglich der ethischen Auflagen unvollendet und so im Leben unvollkommen ist.
Philosophisch ist es weniger die Gültigkeit als mehr die Genügsamkeit, um als Mensch mit den gigantischen Aufgaben Schritt zu halten und fertigzuwerden. Es ist die Unverträglichkeit mit der Ethik, die das Leben von Generation zu Generation schwerer macht, ob in der Wertigkeit des menschlichen Lebens oder im umfassendsten Sinne des Zusammenlebens von Mensch und Natur und weiter noch unter den Gesichtspunkten von Frieden und Friedfertigkeit.
Die Verantwortung wird größer und ist in zunehmendem Maße gefordert, je höher die Maßstäbe von Technologie und Technik gehen und je enger das soziale Leben in der modernen Zivilisation mit seinen schmerzhaften Kerben wird. Zu oft setzt Technik menschenfeindliche Akzente, als lege der Homo faber sich mächtig ins Zeug, um die obersten Stockwerke über die Wolken hinaus in den Himmel zu setzen.
Die Sterblichkeit gehört zur Natur des Menschen, bei der die Jahre des Lebens aufgrund der Lebensbedingungen mit seinen Höhen und Tiefen den Zeitpunkt des Sterbens festlegen. Der Zeitpunkt des letzten Atemzuges ist Gegenstand von Klage, Trauer und Ergebung. Die Furcht vor dem Tod mit der Angst vor dem Sterben liegt darin, dass der Mensch die für das Sterben erforderliche Weisheit nicht erlangt hat und sich für den Tod unvorbereitet und unreif fühlt.
Mensch und Menschlichkeit sind in Gefahr, zu vereinsamen und sich zur verlieren. Damit steht die Dauerhaftigkeit des Lebens auf dem Spiel mit dem Absturz ohne Rückkehr. Das Leben auf dem Planeten hat einen Anfang und ein Ende, damit das Gleichgewicht, auf dem die ewige Harmonie des Lebens beruht, die tief in die Medizin hineinreicht, erhalten bleibt.Nichts und niemand kann aus der Rolle des großen Lebenszyklus fallen, ohne dafür gestraft zu werden. So sieht es auch die Ethik, die mit der ‘Weltenvernunft’ enger verbunden ist, als es der Mensch zu Lebzeiten geglaubt und erwartet hat.
Wissen ist ein Teil der Wahrheit, auch was die Dinge der künftigen Zustände des Menschen und der Welt betrifft. Es ist das geradlinig kausale Denken in die Zukunft hinein, bei dem wahrscheinliche und mögliche Folgen aufgezeigt und zum Teil extrapoliert werden. Es ist das ‘vorstufige’ Wissen ( aus Realität und Möglichkeit ), das sich einfügt zwischen dem Idealwissen der Ethik und dem angewandten Wissen des praktischen Lebens.
Aus dem Wissen kommt der Unterschied von Gesundheit und Krankheit. Die Besonderheit der Beobachtung ist, dass das Wissen im Fokussieren auf das Objekt das Vergleichsobjekt nicht aus dem Auge verliert, um die Kraft der Dialektik im Seinsbezug zu erhalten. Es geht um das Erkennen der Stärke des Gegensatzes im Gegenteil, weil Teil und Gegenteil das Ganze bedingen. Das Wissen strebt aus der Vorläufigkeit zur Endgültigkeit, ohne jemals endgültig zu werden, weil es kein Ding im kosmischen Sinne gibt, das endgültig und ohne Veränderung ist.
Ob Absicht, Vorsicht oder Rücksicht: Die Gewissheit der Vorläufigkeit trägt den Menschen weiter, und wenn es der Natur entsprechen soll, dann stromabwärts, weil dem Menschen auf Dauer die Kraft genommen wird, gegen den Strom der Wahrheit und der ihr innewohnenden Ethik zu schwimmen. Der Mensch ist im Zweifel an sich selbst, wenn er sich der Pflicht zur Verantwortung in der Erweiterung und Vertiefung der Ethik unterwirft. Die Angst ist begründet im Verlorengehen des Selbstwertes und der Selbsterneuerung.
Das Problem ist die Balancierung in der Neuorientierung, weil ohne sie der richtige Weg in die Zukunft nicht gefunden wird und auf den Irrwegen sich die Fallsucht ausbreitet. Der Mensch braucht die führende Hand, so wie der Erwachsene das staunende Kind in die Welt führt und ihm die Dinge erklärt und im Weitergehen ihm die Furcht vor der Welt des Unbekannten nimmt beziehungsweise zu nehmen versucht. Das Wissen allein löst die Probleme der Furcht nicht. Die führende Hand ist vonnöten, solange das Bekannte kurz und das Unbekannte lang ist.
In der größten Gefahr steht die Angst vor dem gewaltsamen Tod ganz vorn. Der Tod erregt das Äußerste der Furcht als die zwingende Reaktion des Ringens, das eigene Leben zu retten. Das Gefühl mit den Ängsten ist stärker als das Mitgefühl zum anderen Menschen mit der Ausnahme, was das Leben des eigenen Kindes betrifft. Wir heben das Gefühl der Furcht über unsere Köpfe und führen es tief in die Sprache der Poesie, die Musik und die visuellen Künste hinein. Diese Führung ist die individuelle Vorbereitung zur Überwindung der vielen Hürden bis zur endgültigen Bereitschaft, den Weg über die letzte Brücke aus der Zeitlichkeit heraus und allein zu gehen. Es ist die letzte Pflichtübung, die wir in der Verantwortung vor der Ethik zu erfüllen haben.
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