Die Denkasymptoten auf dem Wege der Ethik tangieren das Sein des Menschen in der Frage, warum es Menschen auf dem Planeten gibt. Mit dem Anlegen der Asymptote an den heutigen Daseinskreis ergibt sich die zweite Frage nach der Existenz des Menschen für die Zukunft. Die Teilfrage schließt die Sicherung dieser Existenz ein. Die Zukunft mit ihren Detailverzweigungen gewinnt an Bedeutung, weil das Leben mit dem Überleben dem größer werdenden Wagnis entspricht.
Sicht und Wissen um den Menschen beziehen holistisch die planetaren Weiten in das Bewusstsein der personalen Kausalität ein. Da zentriert sich die Ethik auf den Grad der Sittlichkeit in der Sichtweise und Sichtanalyse in der Einbeziehung des Mitmenschen.
Im Denken, Tun und in der Gesellschaft befasst sich die Ethik mit den Handlungen großer Reichweiten, was über die Vorurteile, das Vorwissen und die Mutmaßungen hinausgeht. All das ruft die Verantwortung in das Zentrum der Ethik in den berührten Dimensionen von Raum und Zeit. Es wird die Verantwortung sein, die im Denken und menschlichen Handeln erneut und immer wieder auf den Prüfstand kommt, weil es der Mensch ist, der sich in seinen Fehlern verrennt, verhakt und hängenbleibt.
Der Fortschritt in seiner globalen Dynamik übersteigt in der denkerischen Reflexion die Grenzen der Realität, dass es seelisch wie physisch in zunehmendem Maße zu Störungen im Befinden durch Vereinsamung mit dem Gefühl der Verlorenheit und zu schweren psychisch-körperlichen Erkrankungen kommt, die das individuelle Dasein sozial marginalisieren und in die Tiefen des Elends reißen.
Der äußere Fortschritt geht mit der inneren Depression einher, wo die Hoffnung auf das Leben in menschlicher Würde oft in die Hoffnungslosigkeit umschlägt und auf dem Boden der Verzweiflung und Zerrüttung liegenbleibt. In der Zielsetzung kommt die menschliche Unbescheidenheit hinzu, dass der eingschlagene Weg der falsche ist und nicht zum Ziel führt.
Deshalb schließt die Verantwortung die Axiome ‘Furcht’ und ‘Ehrfurcht’ ein, um sich als Mensch in der oft zweifelhaften Freiheit gegen die willkürlichen Übergriffe von Macht und Unrecht zu schützen. Utopie ist die eine Seite und Realität die andere Seite des Daseins, dazwischen gibt es keine durchgezogene Grenze.
Der Zustand des Menschen wird durch seine Natur und die Natur der Dinge um ihn herum bestimmt. Dadurch wird auch das Gute am Menschen erkennbar. Das menschliche Handeln in seiner Weite und die Verantwortung seines Tuns werden dabei eingefasst. Der Mensch hat es gelernt, dass er trotz seiner erfinderischen Größe klein gegenüber den natürlichen Elementen geblieben ist, was in den Wissenslücken und den Forschungsfehlern zum Ausdruck kommt.
Die Freiheiten, die sich der Mensch herausnimmt, haben zwar die Wesensgröße der Natur verwundet, aber geschmälert hat der Mensch das Wesen der Natur in ihrer Größe und Weite, ihrer Mannigfaltigkeit und Großartigkeit nicht. Vielmehr steht der Mensch sprachlos staunend vor ihrer stillen Duldsamkeit und zwingt sich in der gedanklichen Reflexion zur Achtung des fruchtbringenden Bodens und des Lebens auf ihm mit der Maßgabe der persönlichen Bescheidung und Bescheidenheit.
Auch wenn der Mensch für viele Krankheiten bedeutsame diagnostische Fortschritte gemacht und Wege der Heilung gefunden hat, die Sterblichkeit beugt sich vor ihm nicht. Das lehrt ihn, die Natur zu achten und sie nicht in profitgieriger Weise weiter auszubeuten, wenn er die Apokalypse mit dem Menschheitsuntergang vermeiden will.
Die Eingriffe in die Natur zum Fortbestand des Lebens müssen daher kritischer überlegt, durchdacht und enger begrenzt gehandhabt werden, wenn sich der Planet von den Eingriffen des Menschen erholen und es mit dem Leben weitergehen soll. Wissenschaft und Kunst können weiter Großes leisten, wenn der Mensch sich diszipliniert, gebildeter und naturfreundlicher verhält. Er muss die Grenzen der von ihm geplanten und gemachten Eroberungen erkennen. Jede Art der Übertreibung ist schädlich und vernichtet, was zum großen Teil nicht wiederherstellbar ist.
Aus der Selbstbestimmung kommt die Willkür, die in der Lage ist, die Grundlage mit ihren Prinzipien für das menschliche Dasein zu zerstören, dass sie praktisch außer Kraft gesetzt wird. Das ist die Ursache für die sozialen Entzündungen und gesellschaftlichen Reibungen. Die notwendigen Kräfte zur Herstellung der Balance für mehr Gerechtigkeit wirken in Richtung der Entropie. Im Ausgleich der Abweichungen ist das Ziel jener Zustand, wie er vor den Eruptionen der menschlichen Willkür mit der für sich herausgenommenen Freiheit war.
Das heißt: Die Kontrolle des Menschen in seinen Handlungen ist lücken- und mangelhaft, gegen die sich die menschliche Natur erhebt. Die Natur des Menschen liegt über der von ihm zu tragenden Verantwortung. Menschlicher Wille und seine Klugheit müssen sich mit der Sittlichkeit vertragen. Die Kräfte der Vernunft müssen gestärkt und konkordant in der Sittlichkeit aufgehen, ihre Prinzipien verteidigen und festigen und sie der nächsten Generation verständlich übergeben. Damit wird die Ethik ‘reformiert’ und auf den neuesten Stand von Inhalt und Sprache gebracht Rechtschaffenheit der jungen Generation erklärt und ihr ‘zu treuen Händen’ übergeben.
Die Prinzipien und Gebote der Ethik müssen dem menschlichen Leben erhalten bleiben und von den Menschen eingehalten werden. Das bedeutet, dass die Ethik selbst zu leben, zu überleben und in den Folgegenerationen weiterzuleben hat. Ihr Tod wäre nicht weniger als der Tod der Menschheit. So sind Arzt und Patient die Teilhaber der gemeinsamen Gegenwart, wo der Patient den Anspruch auf das menschlich gute Verhalten des Arztes hat. Das ist dann die Sittlichkeit im Für- und Zueinander.
Es gibt die kritische Verletzbarkeit der Natur, was die Natur des Menschen bis hin zum Patienten einschließt, die durch eine Vielzahl technischer Interventionen des Menschen verursacht wird. Die gesetzten Verletzungen sind meist ungewollt, geben sich aber im angerichteten Schaden zweifelsfrei zu erkennen. So geht die Erkenntnis nicht selten mit dem Schock der Erschrockenheit einher, was Wissenschaft angerichtet und geschadet hat. Es ist der kausale Faktor, der aus den Fugen der Logik herausgefallen ist oder ‘ post rerum’ ( post tot discrimina rerum = nach so vielen Krisen der Dinge ) aus den Fugen herausgerissen worden ist.
Tatsache ist, dass sich das menschliche Handeln permanent verändert ( Heraklit: ‘Panta rhei’ = alles fließt ) und an völlig neuartigen Objekten unbekannter Größen- und Schwierigkeitsordnungen probiert und die neue Geschicklichkeit in der Hantierung und Gestaltung dieser Objekte entwickelt. Der Wissens- und Hantierungsdrang des Menschen geht in die Biosphäre hinein und von dort in die Atmosphäre um den Planeten hinauf. Es gibt Forschungsobjekte, zu deren Bewältigung der Forscher die Verantwortungskapazität zu erweitern, anzugleichen und genauer zu fokussieren hat, was die Begrenzung des Forschungsauftrags gegenüber angrenzenden Gegenständen betrifft.
Da die Gegenstände des visuellen wie des geistigen Blickfeldes größer werden, schließt sich die Frage an, ob nun die Natur als Ganzes und alles durchsetzende gleich einer neuen π-Größe in die menschliche Verantwortung fällt und dort einzuordnen ist. In diesem Zusammenhang muss über die Größenordnung der Ethik und die aus ihr abzuleitenden Pflichten nachgedacht und angeglichen werden.
Das ‘Interesse’ in der Verantwortung ist bilateral beziehungsweise multilateral, was der Mensch nicht unilateral verbiegen kann, weil es in der Gegenwart der Schöpfungsmacht der Natur mitgegeben wurde und für die Zukunft weiter mitgegeben wird. Der Mensch ist abhängig vom Zustand der Natur. Da ist die Ethik auf den Menschen gerichtet in der Weiterung der Kausalreihen in der Gleichzeitigkeit und Raumdehnung, wenn die Technik in Gang gesetzt und die Gangrichtung mit der neuen Größenordnung und dem neuen Sein als Faktor in die Gleichung der erweiterten Ethik gesetzt wird.
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