Tatsächlich versuchte Amanoue kurze Zeit später wieder aufzustehen und Henry erwachte augenblicklich, als er den heftigen Ruck an seinem Arm verspürte. Sein Sklave stand vor ihm und zerrte vergeblich an seiner „Fessel“, Henry stand vorsichtig auf, näherte sich ihm langsam und führte ihn behutsam zurück zum Bett. Mit beruhigenden Worten drückte er ihn sanft nieder, legte sich zu ihm und deckte sie wieder zu. Amanoue kuschelte sich an ihn und schien augenblicklich weiter zu schlafen.
An den nächsten Tagen war er wie ausgewechselt. Er frühstückte mit gutem Appetit und redete den ganzen Tag lang wie ein Wasserfall. Lachte und neckte sich mit den Soldaten, besonders mit Lucius, dem er einen Regenwurm in den Hemdkragen steckte und der sich daraufhin so gar nicht männlich stark verhielt. Kreischend und zappelnd fuhr der aus seiner Gewandung und riss sich fast das Hemd vom Leib, was seine Kameraden, die Amanoue zuvor dazu angestachelt hatten, grölend lachen ließ. Immer mehr Soldaten, schlossen sich nun mittags ihrer lustigen Runde an, deren Mittelpunkt meistens Amanoue war, was der auch in vollen Zügen genoss.
Nur nachts, wenn Henry mit ihm schlief, schaffte er es nicht, sich zu entspannen, sondern ließ alles nur verkrampft über sich ergehen, da Henry es mittlerweile aufgegeben hatte, sich abzumühen und sich nur noch an ihm befriedigte. Nach draußen, klang dabei nicht ein einziger Ton.
So vergingen die Tage, sie kamen weiterhin gut voran und die Sache mit dem Band klappte hervorragend. Amanoue hatte es noch einige Male versucht, nachts aufzustehen, doch Henry drückte ihn jedes Mal sanft wieder zurück in die Kissen und schließlich schlief Amanoue einfach wieder durch. Alles schien bestens zu laufen, bis auf eine einzige Sache, im Bett klappte es gar nicht mehr.
Sobald Henry zärtlich wurde, verkrampfte sich Amanoues Leib und er lag da wie ein Toter, bis Henry es schließlich endgültig aufgab und sich nur noch mürrisch zu ihm ins Bett legte. Er wünschte ihm eine gute Nacht und Amanoue schmiegte sich seufzend an ihn, so als wäre alles in bester Ordnung.
Zwei Wochen später, als sie wie gewöhnlich zur Mittagszeit anhielten, ließ Henry Gregorius zu sich rufen. Wie immer war für den König ein kleiner Tisch aufgestellt worden, an dem er gemeinsam mit Falco sein Mittagsmahl einnahm. Der Tisch stand im lichten Schatten einiger mit jungem Grün überzogener Bäume, die Sonne schien bereits ungewöhnlich warm für die Jahreszeit und nur an der nächtlichen Abkühlung merkte man, dass es eigentlich erst Anfang April war.
Das Wetter war gut, genau wie die Laune der Soldaten um sie herum, was auch daran lag, dass sie immer öfter an Siedlungen und kleineren Städten vorbeikamen und sie jedes Mal von deren Bevölkerungen jubelnd begrüßt wurden. Dabei geizten die Bewohner auch nicht und versorgten ihren geliebten König und seine Truppen großzügig mit Speis und Trank. Auch mit Bier, was die Stimmung der Gardisten noch zusätzlich steigerte, nur Henry saß mit grübelnder Miene still vor seinem Teller und stocherte griesgrämig darin herum, als sein Heiler besorgt auf ihn zukam.
„Eure Majestät, fehlt Euch etwas?“, fragte der sogleich und verbeugte sich erst danach.
Henry sah ihn mürrisch an. „Nein, macht Euch keine Sorgen! Es geht nicht, um mich“, raunte er. Er machte eine kleine Pause und holte plötzlich tief Luft, wobei er seltsam betreten wirkte. „Setzt Euch bitte, Gregorius, hier, neben mich“, sagte er und deutete auf einen freien, dritten Stuhl, der direkt neben ihm stand.
Gregorius trat verwundert näher und setzte sich mit besorgter Miene. „Eure Majestät?“
Jetzt runzelte auch Falco die Stirn und hielt bei seinem Mahl inne. „Seid Ihr hungrig?“, fragte Henry und zeigte mit seinem Speisemesser auf die Speisen vor ihnen.
„Danke sehr, Eure Majestät, aber ich habe schon etwas zu mir genommen“, lehnte Gregorius höflich ab und sah ihn abwartend an. „Was fehlt Euch?“, fragte er geradezu sanft.
„Nichts!“ Kam die prompte Antwort, doch der König schien alles andere als glücklich und schnaufte erneut schwer durch. „Es, naja, also“, raunte er, die Stimme senkend und lehnte sich zurück. „Es geht nicht, um mich“, er schluckte nervös, „wie ich schon sagte, also, es betrifft eher, Amanoue.“
Wieder entstand eine kleine Pause. „Ist er krank?“, hakte Gregorius nach, wobei er ziemlich überrascht wirkte. „Verzeiht, aber vorhin machte er nicht den Eindruck, als ich ihn auf dem Weg hierher sah. Ganz im Gegenteil sogar, er wirkte mir putzmunter, er sieht wieder sehr gut aus und scheint auch endlich etwas zugenommen zu haben! Das Soldatenleben, scheint ihm außerordentlich gut zu bekommen“, meinte er recht verwundert.
Henry nickte knapp und räusperte sich geradezu verlegen. „Ja, es ist alles wunderbar! Er hat einen guten Appetit und auch so, kann ich nicht klagen, alles läuft bestens, zwischen uns. Auch das mit dem Band, scheint zu funktionieren, denn seit einigen Nächten schläft er wieder friedlich wie ein Säugling an der Mutterbrust, durch. Aber…“
„Aber?“ Gregorius sah ihn gespannt an, genau wie Falco auf der anderen Seite.
„Naja, wie soll ich es sagen, es gibt da ein Problem, was unser, naja, Ihr wisst schon, nachts, es klappt irgendwie nicht mehr, egal, was ich auch mache“, stammelte Henry und schnaufte fast erleichtert durch, als es heraus war.
Falco zog ein verdutztes Gesicht und Gregorius nickte wohlweißlich. „Ah ja“, machte er, immer noch nickend, „Eure Majestät haben Potenzprobleme!“
Falco hätte sich beinahe verschluckt und Henry hob sofort abwehrend die Hände. „Aber nein! Nein!“, rief er beinahe laut aus, bevor er die Stimme fast wieder zum Flüsterton senkte. „Nicht ich, er!“
„Wer?“
„Na, er, Amanoue“, flüsterte Henry raunend.
Falco ließ sein Messer fallen, entschuldigte sich beklommen und hob es verlegen vom Boden auf, während Gregorius sich ungläubig zurücklehnte. „Ja“, sagte Henry gedehnt, „es geht irgendwie, gar nichts mehr!“ Wieder räusperte er sich und hob fragend die Hände. „Ich mache wirklich alles, was ich kann! Liebkose ihn, genau da, wo er es sonst immer gerne hatte, bin zärtlich und gebe mir alle Mühe und trotzdem, es funktioniert nicht! Gar nichts! Er kommt einfach nicht mehr! Manchmal, habe ich zwar das Gefühl, dass es ihm durchaus gefällt und dass er auch davon erregt ist und er wird auch hart, aber dann liegt er nur noch wie ein Brett unter mir und rührt sich überhaupt nicht mehr! Außer, dass er sich im Bett festkrallt und in die Kissen beißt, einmal, hat er sich sogar selbst in die Hand gebissen, dass es fast geblutet hat“, berichtete er und lehnte sich ebenfalls sehr genervt zurück.
Gregorius sah ihn weiterhin mit gehobenen Augenbrauen an und Falco wäre am liebsten im Erdboden versunken. Er wagte es nicht, sich zu rühren, obwohl im fürchterlich die Nase juckte, doch er starrte nur betreten vor sich hin.
„Und?“, fragte Henry nun ungeduldig.
„Aaaah“, machte Gregorius wissend.
„Was, aaah?“
„Aha! Ich habe mich schon gewundert, dass es nachts so ruhig ist“, erwiderte da Gregorius schmunzelnd, „und das ist nicht nur mir aufgefallen!“
„Was soll das heißen?“, brummte Henry empört.
„Verzeiht, Eure Majestät, aber wenn Ihr sonst mit Amanoue intim wart, hat das, das halbe Lager mitbekommen! Es war einfach nicht, zu überhören“, meinte der Heiler fast grinsend und blickte dabei zu Falco hinüber, der sich auf die Lippe biss und tatsächlich leicht nickte.
Der König erhob sich, ging um den Tisch herum und wandte sich wieder zu ihnen um. Er hatte die Arme hinter dem Rücken und hielt sich die Hände. „So laut?“
„Oh ja, Eure Majestät“, antwortete Gregorius frei heraus und wurde von Falcos Nicken noch unterstützt. Beide standen ebenfalls und während der Hauptmann eher sehr betreten wirkte, blickte der Heiler ihm offen entgegen.
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