„Sieh dich vor!“, zischte Beth, die ihre Haltung wiedergefunden hatte. „Du willst mir nicht in die Quere kommen, glaube mir. Ich werde dafür sorgen, dass du es bitter bereust, wenn du es versuchen solltest!“
„Ich wüsste nicht, wie ich dir in die Quere kommen sollte“, erwiderte ich ungerührt. „Ich flirte nicht, kümmre mich nur um meine eigenen Angelegenheiten. Was ist es, dass du so eine Angst davor hast, ich könnte dir etwas wegnehmen? Wenn es um deinen Freund geht, so kann ich dir versichern, dass ich keinerlei Interesse an ihm habe. Oder an irgendeinem anderen Jungen. Alles, was ich will, ist, meinen Abschluss machen und dann aufs College zu gehen. Und glaub mir, ich würde nichts lieber haben, als hier auszuziehen und auf mich allein gestellt zu leben. Doch ich bin noch nicht volljährig. Ich kann dir versichern, sobald ich eine Gelegenheit habe, aus diesem Haus zu kommen, werde ich sie ergreifen.“
„Weil du undankbar bist, du... du...“
Ich lachte.
„Jetzt bin ich also undankbar, huh? Ich hier dachte ich, es würde dich freuen, mich los zu sein!“
„Oh“, zischte sie bösartig. „Ich WERDE mich freuen, wenn ich dich los bin. Das kann ich dir versichern. Doch für den Anfang reicht es mir, wenn du dich unsichtbar machst. Nate und die Jungs kommen in einer halben Stunde. Bleib auf deinem Zimmer!“
„Oder was?“
„Oder du wirst es bitter bereuen!“
„Ich zittere vor Angst“, sagte ich voller Hohn. „Und jetzt, würde ich es begrüßen, wenn du deinen hochwohlgeborenen Arsch aus meinem Zimmer bewegen würdest!“
„Ich werde dich zerquetschen wie ein Insekt!“, fauchte Beth, dann wandte sie sich um und stürmte aus meinem Zimmer, die Tür hinter sich zu schlagend.
Ich ließ mich auf mein Bett sinken. Ich war innerlich mehr erschüttert, als ich vor Beth gezeigt hatte. Doch ich war stolz, dass ich es geschafft hatte, stark zu sein und ihr Paroli zu bieten. Sie würde nie erfahren, wie instabil ich wirklich war. Das würde ihr nur mehr Munition geben. Zum Glück hatte sie die Narben an meinen Armen nicht bemerkt. Das war der wahre Grund gewesen, warum ich meine Arme verschränkt hatte. Um die Narben zu verbergen. Ich trug noch immer meine Hose, also waren auch die Narben an den Innenseiten meiner Schenkel verborgen gewesen. Ich wusste ohne Zweifel, dass Beth das Wissen, dass ich psychisch instabil war, für ihre bösartigen Zwecke nutzen würde. Ich musste vorsichtiger sein. Von nun an würde ich mein Zimmer stets abschließen, damit niemand mehr einfach so hinein platzen konnte. Ich hatte zuvor nicht gedacht, dass dies notwendig sein würde. Jeder normale Mensch klopfte an, ehe er das Zimmer eines anderen betrat, oder nicht? Nun, offenbar nicht hochnäsige, gehässige Queen Bs.
Kent
Ich nahm nichtwirklich an der Unterhaltung teil, als wir in Beth’ Lounge saßen. Meine Gedanken waren bei dem Mädchen im Obergeschoss. Abby. Ich glaubte nicht, dass sie so verrückt und bösartig war, wie Beth vorgab. Wenn Beth sie nicht mochte, dann war das eher ein Indikator für das Gegenteil. Meine Vermutung war, dass unsere Queen B sich von der kleinen Schönheit bedroht fühlte.
„Willst du noch einen?“, riss mich Nates Stimme aus meinen Gedanken.
Er stand mit einer Flasche Black Label vor mir. Ich hielt ihm mein leeres Glas entgegen und nickte. Er schenkte mir einen Doppelten ein und ging weiter zu Ian. Seth hatte seine eigene Flasche neben sich stehen. Es war ein Wunder, dass er sich noch die Mühe machte, den Alkohol in sein Glas zu schenken, anstatt das Zeug direkt aus der Flasche zu trinken. Ich wünschte, Lilian würde zurückkommen und erklären, warum sie ihm das Herz gebrochen hatte, nur um dann zu verschwinden. Ich wollte meinen Freund wieder glücklich sehen. Ich nahm einen Schluck von meinem Drink, als ich Seth aus den Augenwinkeln beobachtete. Er hatte ein Mädel auf dem Schoss. Sue oder Susan oder so ähnlich. Sie hatte rote Locken. Seth fickte alles, was nicht blond war. Blond wie Lilian. Er fickte Rothaarige, Brünette, Schwarzhaarige. Doch er machte einen weiten Bogen um Blondinen. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass er nicht über den Verlust hinweg war.
„Wir müssen etwas unternehmen. Die Schlange denkt...“
Beth verstummte und ich wandte den Blick zu ihr, ehe ich ihrem Blick folgte. Abby trat in den Raum. Sie trug enge Jeans, die ihren kleinen festen Hintern betonten. Ihr langärmeliges Shirt schmiegte sich wie eine zweite Haut an ihre sexy Formen. Ich fragte mich, warum sie stets langärmelige Kleidung trug. Warum versteckte sie sich so?
„Was denkst du, was du hier tust?“, zischte Beth, die sich von ihrem Schock erholt zu haben schien. „Wir haben etwas zu bereden. – Ohne dich!“
Abby zuckte mit den Schultern, ehe sie näher trat.
„Soweit ich weiß, ist dies ein Raum, der allen hier offen steht“, erklärte Abby unbeeindruckt. „Und wenn du etwas Privates besprechen willst, dann schlage ich vor, dass du deine kleine Sitzung in deinem eigenen Zimmer abhältst.“
Ian lachte leise und Beth schenkte ihm einen vernichtenden Blick. Ich konnte mir selbst ein Grinsen nicht verkneifen. Abby faszinierte mich. Nicht nur wegen ihrer Schönheit. Sie hatte etwas an sich, das ich nicht beschreiben konnte. Auf der einen Seite wirkte sie zerbrechlich, gebrochen sogar, doch dann wieder zeigte sie so viel Stärke und Haltung, dass ich sie nur dafür bewundern konnte.
„Komm, setz dich zu mir“, sagte ich. Tatsächlich war der Platz auf dem Zweisitzer neben mir der einzige freie Sitzplatz. Was war ich doch für ein Glückspilz.
„NEIN!“, kreischte Beth und stampfte mit dem Fuß auf wie ein bockiges Kleinkind. „Sie hat hier nichts zu suchen. Wir haben etwas zu bereden und ihr wisst alle, dass sie nicht dabei sein kann!“
Abby ignorierte ihren Wutausbruch und setzte sich neben mich. Da war eine Handbreit Platz zwischen uns, doch ich konnte die Hitze spüren, die von ihr ausging, und die mich zu verbrennen drohte. Der Geruch von Vanille stieg mir in die Nase. Es war nicht aufdringlich. Eher eine leichte Unternote, die einen unauffällig in den Bann zog. Ich war versucht, mich näher zu lehnen, um dem schwachen Duft zu folgen. Mein Schwanz regte sich, mehr als nur ein wenig interessiert.
Benimm dich, Mister D. Jetzt ist nicht die richtige Zeit.
„TUT DOCH WAS!“, keifte Beth, mich aus meiner privaten Unterhaltung mit Mister D reißend. Sie sah Nate und dann die anderen Jungs an.
„Sie hat recht, Baby“, sagte Nate ruhig. „Sie hat ein Recht darauf, sich in der Lounge aufzuhalten. Wenn du willst, dass wir die Unterhaltung privat fortsetzen, dann müssen wir woanders hingehen.“
„Ich lasse mich nicht von einer daher gelaufenen Irren aus meiner Lounge jagen!“, sagte Beth wütend.
„Dann setz dich und hör auf, dich wie ein bockiges Kind aufzuführen, das seinen Willen nicht bekommt“, sagte ich ruhig. Mann, ich hatte echt keine Geduld für Queen B Drama. Wie Nate ihre Nähe ertragen konnte, ohne ihr den Hals umzudrehen, war mir unverständlich. An Nates Stelle hätte ich die Braut schon längst... Nee, ich wäre gar nicht erst mit ihr zusammen gekommen.
Nate grinste bei meinen Worten. Zu seinem Glück hatte Beth den Rücken zu ihm gedreht, sodass sie es nicht sehen konnte. Sie würde ausrasten, wenn sie sah, dass meine Worte ihn amüsierten.
Abby
Nach außen hingab ich mich ruhig, doch innerlich bebte ich. Es hatte mich eine Menge Mut gekostet, hier her zu kommen und mich damit absichtlich gegen Beth Worte von zuvor zu stellen. Doch ich musste ihr beweisen, dass sie mich nicht herum kommandieren konnte und dass ich keine Angst vor ihr hatte. Meine Beine drohten unter mir nachzugeben, als ich den Raum durchquerte. Doch ich schaffte es irgendwie bis zu der Zweisitzer-Couch, auf der Kent saß, und ich setzte mich neben ihn. Ich setzte mich so weit wie möglich von Kent weg, doch es war noch immer viel zu nah für meinen Geschmack. Da war kaum eine Handbreit zwischen unseren Körpern und ich war mir seiner Nähe nur allzu bewusst. Er roch nach einer Mischung aus Zitrus, Whisky und Marihuana mit einer dunklen Unternote, die ich nur als Mann beschreiben könnte. Ein aufgeregtes Flattern regte sich in meinem Magen und mein Herz schlug so laut, dass ich befürchtete, Kent würde es hören. Ich wollte nicht, dass er bemerkte, was für eine Wirkung er auf mich hatte. Er war so schon arrogant und selbstbewusst genug.
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