Fuck OFF!
„Hey, Mann!“, erklang Nates Stimme hinter mir.
Er boxte mich in den Oberarm und setzte sich mir gegenüber. Beth setzte sich neben ihn. Ihrer Miene nach zu urteilen, war sie nicht in bester Stimmung. Ich hatte zwar Abby noch nicht zu sehen bekommen, doch ich hatte das Gerede um mich herum den ganzen Tag gehört. Während die meisten Kerle ganz scharf auf das ‚ heiße Frischfleisch ’ waren, bitchten die Mädels über das ‚ unmögliche Outfit ’ und die ‚ nicht vorhandenen Titten’ . Nun, in meinen Augen waren es ganz fantastische Titten. – Nicht, dass ich das zu jemanden sagen würde.
„Wir müssen etwas wegen dieser Schlange unternehmen“, jammerte Beth.
Ich warf meinem besten Freund einen Blick zu und er rollte mit den Augen. Ein Grinsen spielte um meine Mundwinkel. Mann, ich wollte so was von nicht mit ihm tauschen. Kein Fick – egal wie gut – konnte es wert sein, sich das gebitche den ganzen Tag anzuhören.
„Was soll ich deiner Meinung nach tun, huh?“, fragte Nate genervt.
„Ihr seid die KINGS. Ist es nicht eure Aufgabe, eine Schlampe wie sie in die Schranken zu weisen?“
„Nun, ich sehe nicht, warum sie es verdient hätte“, mischte sich Gregory ein. „Nur, weil die Kerle sie heiß finden? Werd erwachsen, Bethany!“
Bethany kam der Rauch förmlich aus den Ohren und Nüstern heraus, als sie Gregory mit einem tödlichen Blick bedachte, ehe sie sich an Nate wandte.
„Und du lässt zu, dass dieser Arsch so mit deiner Freundin spricht?“
Nate zuckte mit den Schultern.
„Er hat recht, Baby. Ihr seid beide keine Kinder mehr. Und soweit ich das sehen kann, hat sie nichts getan, was wir bestrafen müssten. Wir sorgen für Recht und Ordnung an der Schule, doch wir terrorisieren keine Unschuldigen.“
„Diese Irre ist alles andere als unschuldig“, erregte sich Beth mit wildem Blick. „Sie ist vollkommen verrückt. Sie war schon als Kind irre. Irgendetwas ist falsch mit ihr. Die tickt nicht richtig. Sie ist bösartig und gefährlich.“
„Nun, solange wir dafür keine Beweise sehen, werden wir nichts gegen sie unternehmen“, sagte ich ruhig.
Beth funkelte mich wütend an, ehe sie Nate fragend ansah.
„Kent hat recht, Baby. Deine Anschuldigen, sie wäre böse oder irre, reichen nicht. Jeder hier an Sinners High hat die Chance, sich zu beweisen. Wenn sie aus der Reihe tanzt, dann wird sie bestraft. Darauf hast du mein Wort.“
„Und meins“, sagten Gregory, Ian und ich gleichzeitig.
„Hey Guys“, erklang Seth’ Stimme. Er stellte sein Tablett auf den Tisch und pflanzte sich neben mich. „Was hab ich verpasst?“
„Du bist spät“, sagte Nate missbilligend.
Seth zuckte mit den Schultern.
„Candy hat mir einen BJ im Geräteraum gegeben. – Also, was hab ich verpasst?“
Seth Sex-kapaden nahmen langsam überhand. Nicht, dass wir anderen im Zölibat leben würden, doch Seth war geradezu sexsüchtig. Er vernachlässigte alles; Schule, Freunde, Familie; um seine Ladung in irgendein Mädel zu schießen. Nachdem seine große Liebe Lilian sein Herz gebrochen hatte und dann spurlos verschwand, war er in ein tiefes Loch gefallen. Für eine Weile hatten wir uns Sorgen gemacht, er würde sich etwas antun. Doch dann, von einem Tag auf den anderen, war er plötzlich wie verwandelt. Anstatt sich zu Hause mit einer Flasche Black Label zu verbunkern, wurde er zum Partytiger und Sex-Hengst, der alles besprang, was einen Ruck trug. Das war zwar besser als der depressive, selbstmordgefährdete Alkoholiker von zuvor, doch es machte mir dennoch Sorgen. Es war nur ein Akt. Seth konnte mich nicht veraschen. Er war noch lange nicht über Lilian hinweg. Er würde es wahrscheinlich niemals sein, wenn er nicht seine Antworten auf die Fragen bekam, warum Lilian sein Herz brach und wohin sie verschwunden war. Ich konnte es ja selbst nicht begreifen. Seth und Lilian waren das Traumpaar der Schule gewesen. Jeder hatte gedacht, die beiden würden nach der Schule sofort heiraten und Babys machen. Lilian war nicht der Typ Frau, einem Mann so das Herz zu brechen. Sie war warmherzig und sie war so verliebt in Seth gewesen. Da steckte mehr hinter dieser Geschichte. Und wenn diese Frage mich schon nicht losließ, wie musste es erst Seth gehen?
Abby
Meine erste Wochean der neuen Schule war um. Es war Freitag. Wochenende. Zweieinhalb Tage, in denen ich nicht wusste, was ich tun sollte. Zu allem Überfluss war Tante Claire dieses Wochenende kaum Zuhause. Sie arbeitete als Krankenschwester im Krankenhaus von Sinners Field und dieses Wochenende musste sie arbeiten. Ich musste aus dem Haus. Ich wollte nicht mit Beth in einem Haus sein. Erst recht nicht, wenn die Jungs auch hier sein würden. Nach einer Woche auf Sinners High hatte ich genug erfahren, um zu wissen, wie die Dinge an der Schule liefen. Beth’ Freund Nate war der Ober-King. Zusammen mit seinen Freunden Kent, Ian, Gregory und Seth bildeten sie die herrschende Oberschicht. Die KINGS. Jeder Typ an der Schule hatte Respekt vor den KINGS, fürchtete sie sogar. Und die Mädels fielen wie willenlose Puppen zu den Füßen der Jungs, nur um ihnen die Füße lecken zu können. – Oder besser: die Schwänze lutschen zu dürfen. Es war einfach lächerlich, wie die gesamte weibliche Schülerschaft die KINGS anhimmelte. Selbst die Lehrerschaft war von der Anbetung der KINGS nicht ausgeschlossen. Die Jungs hatten praktisch Narrenfreiheit an der Schule. Sie waren auch das Rechtssystem der Schule. Wenn jemand ein Problem hatte, dann bat er um eine Audienz mit den KINGS, anstatt sich an die Schulleitung zu wenden. Die KINGS hielten zwei Mal die Woche Audienz und Gericht in der Kantine. Die Strafen, die sie austeilten, waren hart. Es war besser, mit den Jungs nicht in Ungnade zu fallen. Nun, ich hatte nicht vor, jemals auf ihrem Radar zu landen. Ich machte mich unsichtbar, so gut es ging. Ich ging den KINGS und ihren Anhängern aus dem Weg, wenn immer ich konnte. Auch, weil Beth praktisch an der Hüfte mit Nate verbunden war. Sie klammerte sich an ihren Freund, als wäre sie ein verdammter Koala oder was. Wie armselig.
Ich war gerade dabei, aus meinen Klamotten zu schlüpfen, um unter die Dusche zu gehen, als meine Tür aufgerissen wurde und Beth in mein Zimmer stürmte.
„Schon mal was von Anklopfen gehört?“
„Dies ist MEIN Haus“, erwiderte sie, sich vor mir aufbauend. „Du bist nur Gast hier. Ich kann jeden Raum hier betreten, wenn ich das will!“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und hielt ihrem giftigen Blick stand. Ich mochte kleiner sein als sie, doch ich würde ihr nicht die Genugtuung geben, auf mich hinab zu blicken, als wäre ich der Dreck unter ihren Schuhen.
„Das mag sein. Doch dies ist MEIN Zimmer. Also, das nächste Mal, wenn du etwas von mir willst: KLOPF! AN!“
„Wenn du denkst, dass ich auf irgendetwas höre, was du zu sagen hast, dann hast du dich geschnitten. Du bist ein NICHTS! Du bist weniger als NICHTS!“
„Wenn ich ein NICHTS bin, warum fühlst du dich dann so von mir bedroht, huh?“
Für einen kurzen Augenblick starrte sie mich verdattert an, doch dann fasste sie sich und grinste höhnisch.
„Glaub mir, du hast nichts, weswegen ich mich bedroht fühlen müsste. Du bist nichts weiter als ein hässliches Entlein. Ein Aschenputtel.“
Jetzt war es an mir, zu grinsen.
„Wenn du deine Märchen so gut kennst, dann weißt du sicher auch, was aus dem hässlichen Entlein und dem Aschenputtel wurde. Aus dem einen wurde ein schöner Schwan, die andere bekam den Prinzen, während ihre bösartigen Stiefschwestern gedemütigt wurden.“
Erneut verschlug es Beth für einen kurzen Moment die Sprache und ich triumphierte innerlich. Sie mochte die Königin an der Schule sein, doch sie war nichts weiter als ein verunsichertes, wenig intelligentes Mädchen, das nichts mehr fürchtete, als dass jemand anderer sie von ihrem Thron stoßen könnte. Ich war nicht dumm, noch war ich taub. Ich hatte sehr wohl das Gerede an der Schule mitbekommen. Die Jungs wollten ein Stück von dem Frischfleisch. Und auch wenn ich nicht vorhatte, ihnen zu geben, was sie wollten, so wusste ich, dass es die anderen eingebildeten Mädchen, besonders Beth, eifersüchtig machte. Sie fühlten sich bedroht. Und alles Gift, das sie versprühten, würde das nicht ändern.
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