a) wie viele Tage haben die Organisatoren zur Verfügung
b) wie viele Teilnehmer sind im Turnier
c) wie viele Level werden pro Tag gespielt und wie langsam steigen die Blinds
In der Poker Welt gibt es eine ungeschriebenes Gesetz: Umso größer das Buy In ist, desto besser ist die Struktur und umgekehrt, umso kleiner das Buy In ist, desto schlechter ist die Struktur. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Eine der beliebtesten Pokerturnierformen sind sicher die Deep Stack Turniere, weshalb wir uns erlaubt haben, die Turnier Strukturen von drei populären Deep Stack Turnieren zu analysieren: Casino Austria Struktur, EPT und WPT. In der folgenden Tabelle sind nur die Summen bei jedem Level (M) eingegeben:
Auf Basis der Zahlen aus der Grafik auf Seite 10 ist nachfolgende Grafik entstanden:
Die unteren Zahlen zeigen die Levels, auf der linken Seite der Grafik geben die Zahlen die Summe SB+BB+Ante (M) an. Umso flacher die Kurve verläuft, umso langsamer steigt die Struktur. Zum Beispiel: Bei der EPT hat man die Level Dauer von 60 auf 75 Minuten erhöht, aber dafür sind in Level 11 und 18 die Blind Sprünge größer geworden.
Die Casinos Austria Struktur ist in den ersten 12-14 Level sehr angenehm zu spielen: Man startet unglaublich Deep mit M = 333, Langsam und flach, also an Tag 1 und fast den ganzen Tag 2 hat man genug Spielraum. Leider wird ab Tag 3 die Struktur immer steiler und schneller, wie das Diagramm (blaue Kurve) deutlich zeigt.
Klar die beste Struktur bietet die EPT. Aber dafür hat man dort sechs Spieltage und man bezahlt mehr als das Doppelte Buy In als bei Casinos Austria. Neutral betrachtet hat die WPT ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis. Für 3.500 € bekommt man ein fünf Tage Event mit einer beinahe so guten Struktur, wie bei der EPT.
Vorteile:
Die gute Turnier Struktur gibt den besseren Spielern mehr Spielraum und vermindernd die Chancen für die schlechteren Spieler bzw. Gambler.
Zum Schluss eine Hand von Ivo Donev beim CAPT Seefeld Main Event (die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt): Ursprünglich plante ich Tag 1A zu spielen, denn wenn man Tag 1A spielt, hat man vor Tag 2 eine Pause, was ich wichtig finde.
Aber ich konnte nur Tag 1B spielen, da ich am 22. Jänner in Paris war. Tag 1B hatte ich gut mit 141.000 überstanden und war optimistisch in den zweiten Tag gestartet. Irgendwann in Level 12, Blinds 1.600/800 + A500, hatte ich etwa 150.000 Chips, was etwa dem Average entsprach. UTG Alex Rettenbacher verlangte vom ganzen Tisch 6.000 um den Flop zu sehen. In mittlerer Position Matthias Bauer (relativ short) erhöhte den Preis auf 27.000, indem er All In ging und jetzt war ich am Button an der Reihe. Ich traute meinen Augen nicht A♦A♠! Was nun? Call oder reraise?
Hinter mir waren drei Spieler: Im SB Oliver Bösch - Chipleader der relativ loose spielte, im BB ein Nobody und der UTG Raiser Alex, der einen deutlich kleineren Stack als ich hatte.
In dieser Situation dachte ich, 27.000 wären ein hoch genuges Raise vom Shorty, um alle verdächtigen Hände zu verjagen. Besser ist nur flat zu callen, um die Stärke meiner Hand zu verbergen und dem loosen Spieler links von mir oder dem UTG Raiser die Möglichkeit zu geben, Fehler zu machen.
Nach meinem Call hat Oliver sofort einen großen Stapel Chips in die Mitte geschoben - etwa 70.000. Der BB und der UTG Raiser rochen den Braten und verschwanden vom Schlachtfeld. Ich wollte den Chipleader um weitere 80.000 erleichtern und bot ihm mit 150.000 mein All In an. Er nahm mit Freude mein Angebot an und sagte, als er meine Asse sah: „Ivo, ich wusste, dass du Asse hast, aber mein König kommt!“ und drehte sein Königspaar um. Ich musste weg vom Tisch, denn ich konnte nicht zusehen, wie mein Turnierleben von fünf Karten abhängig sein würde. Nach ein paar Sekunden rief Oliver: „Ivo, mein König ist am Turn gekommen!“
In diesem Moment lief in meinem Kopf das Ende des genialen Films ,,Sieben Leben" mit Will Smith ab. Die Frustration war so groß, dass ich am nächsten Morgen den ersten Zug nach Hause nahm und das geplante Deep Stack 500 € abgeschrieben habe.
,,Poker ist wie die Wellen im Meer - die Chips kommen und gehen..."
3. Spielertypen
3.1. Tighte Spieler
Tighte Spieler können in drei Kategorien aufgeteilt werden:
1. TAG – tight aggressive Spieler
2. Nit – tight passive Spieler
3. Rock – sehr tighte Spieler
Tight Aggressive Spieler (TAG)
Bevor computergenerierte Berechnungsprogramme aufgekommen sind, war diese Spielweise populär. Bei diesem Spielstil spielt man nur gute Hände aggressiv, d.h. es wird gefoldet oder geraist. Dadurch vermeidet man es, in schwierige Situationen zu kommen. Dieser Spielstil ist für Spieler mit wenig Erfahrung sehr empfehlenswert. Vor zirka 10 bis 20 Jahren war dieser Stil sehr populär. Heutzutage haben die Game Theory Optimal, kurz GTO1, Computerprogramme gezeigt, dass dieser Spielstil auf Dauer nicht erfolgreich ist. Ein Beispiel: Früher war das Handranking viel wichtiger, als darauf zu achten, ob die Karten suited sind. Q-10s haben Tight Aggressive Spieler in früher Position immer gefoldet. Heute werden große Suited Karten standardmäßig geraist, auch in früher Position. Tight Aggressive Spieler sind heute oft ältere Spieler von der alten Schule. Ihr Nachteil ist, dass sie leicht zu lesen sind.
Die gute Nachricht ist, dass tight aggressive Spieler leichter zu spielen sind als loose aggressive Spieler. Besonders nach dem Flop lässt sich leicht erkennen, wie gut ihre Hand noch ist. Es ist vorteilhaft, den entgegengesetzten Spielstil zum Gegner zu verwenden. Vor dem Flop wird der tighte Spieler vorne sein, aber nach dem Flop kann man bei guten Lesefähigkeiten in Position den tighten Gegner gut ausspielen. Ein Beispiel: Man hat den Raise eines tighten Gegners Preflop gecallt und bekommt einen Flush- oder Straightdraw. Falls der tighte Spieler von vorne checkt, sollte man immer anspielen, weil der Gegner in den meisten Fällen foldet und selbst, wenn er callt, immer noch die Chance besteht, den Flush oder die Straight auf Turn oder River zu bekommen.
Tight Passive Spieler (NIT)
Solchen Spielern begegnet man meistens in Turnieren mit niedrigem Buy In. Wie spielen solche Spieler? Ganz einfach geradlinig. Kurz gesagt: Wenn sie etwas haben, gehen sie mit, wenn sie nichts haben, folden sie. Solche Spieler sehen hauptsächlich die eigenen Karten und das Board und treffen aufgrund dieser Konstellation geradlinige Entscheidungen.
Deshalb ist gegen solche Spieler folgende Strategie anzuwenden:
1. Wenn ein tight eingeschätzter Spieler vor einem raist, sollte man nur mit Premiumhänden mitgehen bzw. reraisen.
2. Bei wichtigen Entscheidungen sollte man versuchen, diesen Spieler zu lesen und daher alle seine Tells zu beachten.
3. In der frühen Turnierphase sollte man gegen solche Spieler durch looses Spiel und limpen versuchen, günstig den Flop ansehen und bei einem Treffer zuschlagen zu können.
4. In der späten Turnierphase sollte man, wenn man Position auf einen tighten Spieler hat und er sitzt in den Blinds, versuchen, mit Any Two durch einen Raise die Blinds zu stehlen. Achtung: Natürlich sollte man dies nicht tun, wenn nur einer der beiden in den Blinds sitzenden Spieler tight ist, während der andere eher loose ist, da sonst ein Resteal zu befürchten ist.
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