Umgekehrt könnte man sagen, dass ihr Gegner einen Fehler gemacht hat (wobei sich darüber streiten lässt, denn A♣K♣ ist im Heads Up die achtbeste Hand). Wenn er die Hand gewinnt, hat er mit der falschen Entscheidung sehr viele Chips gewonnen (im Cashgame sehr viel Geld) und hat somit durch den Glücksfaktor im Poker das von ihm gewünschte Ergebnis mit der falschen Entscheidung erzielt.
Wie kann man überhaupt von richtigen oder falschen Entscheidungen im Poker sprechen? Hierzu lohnt sich die Lektüre des Meisterwerks des vermutlich bedeutendsten Pokerautors der Welt, David Sklansky, Namens „The Theory Of Poker“. In diesem Werk hat Sklansky den zentralen Lehrsatz der Pokerwissenschaft eingeführt. Dieser Lehrsatz verwendet eine Fiktion, nämlich die Annahme, dass alle mit offenen Karten spielen würden, sodass jeder die Karten des anderen sehen könnte. Sobald man im richtigen Spiel die gleiche Entscheidung getroffen hat, wie in dieser Fiktion, hat man richtig gespielt. Hätte man im fiktiven Spiel anders entschieden, als im echten, hat man gemäß dieser Theorie einen Fehler gemacht.
Sehr drastisch wirkt sich dieser Lehrsatz bei Entscheidungen auf Flop, Turn oder River aus. Stellen sie sich nochmal das vorherige Beispiel vor, diesmal entscheiden sie sich für eine 4-Bet und nur ihr Gegner, der am Button A♣K♣ hält, was sie natürlich nicht wissen, callt. Der Flop ist 2♣7♣J♣. Sie checken und ihr Gegner setzt sie All In. Würden sie seine Karten sehen können, würden sie sofort folden, denn dann sehen sie den Nutflush und nur durch entsprechende Runner-Runner-Karten verbessern sie ihre Hand noch zum Full House. Ich versichere ihnen, dass es in Echt deutlich schwerer ist, in dieser Situation zu folden. Vielleicht hat er ja nur das A♣ und damit den Nutflushdraw. Aber nicht nur ein Flush – auch das Set 2er, 7er oder Buben wäre ihr fast sicheres Todesurteil. Dazu kommt die Tatsache, dass ihr Gegner mehr Chips als sie hat. Sehr schnell sieht A♥A♦ nicht mehr ganz so stark aus und ein vernünftiger Spieler foldet in dieser Situation.
Seit vielen Jahren fragen sich Poker Spieler, wie hoch der Glücksfaktor im Poker ist. Das Pokerspiel hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Zahlreiche Pokerlehrbücher wurden geschrieben. Es gibt heutzutage viel mehr Pokerspieler als früher und Experten sind sich mittlerweile einig, dass der Skill-Level derart gestiegen ist, dass man bei Poker nicht länger von einem Glücksspiel reden kann. Der Glücksfaktor verändert sich während eines Pokerturniers ständig. Zum Beispiel ist in einem Hyper-Turbo-Online-Turnier mit kleinem Startstack (10-20 BB) und kurzen Levels (2 bis 5 Minuten pro Level) der Glücksfaktor extrem hoch. Man ist bald im Push-or-Fold-Modus und dadurch sind oft zwei oder mehr Spieler vor dem Flop All In.
Die Nachteile bei einem Preflop All In:
1. Egal wie gut man den Flop trifft, man kann seine Hand nicht mehr mit einer Bet schützen.
2. Man kann nicht mehr bluffen bzw. semibluffen.
3. Es gibt keine Fold Equity mehr.
Bei solchen Turnieren ist der Glücksfaktor weit über 50%. Im Endstadium vieler Turniere kommt man häufig in solche Situationen. Am Ende eines Turniers sind die Blinds schon sehr hoch und man ist oft gezwungen, zum Push-or-Fold-Modus umzuschalten. Es gibt sogar Situationen, wo der Glücksfaktor 100% ist. Nehmen wir an, man ist im BB extrem Short, man hat nur noch einen BB. Somit ist man automatisch All In. Nun ist der Glücksfaktor 100%, weil man automatisch All In ist, nichts mehr machen kann und nur noch auf einen glücklichen Ausgang des Showdowns hoffen kann. Nehmen wir eine andere (utopische) Situation an: Man hat in einem Turnier 100.000 BB erreicht. Der Average Stack liegt aber bei nur 20 BB. In einer solchen, theoretischen Situation wäre der Glücksfaktor extrem niedrig. Anders gesagt, das Können ist sogar im Bereich von 99%.
Am geringsten ist der Glücksfaktor bei Deep Stack Turnieren. So startet man beispielsweise bei einem Turnier wie dem WSOP Main Event mit 50.000 Chips. Die Leveldauer beträgt 120 Minuten und die Blinds starten mit 150/75 (somit verfügt jeder Spieler zu Beginn des Turniers über 333 Big Blinds). Bei einer so langsamen, deepen Struktur ist der Glücksfaktor nur zirka 20%. Man hat genug Zeit, auf gute Karten oder auf günstige Situationen zu warten. Dadurch kommen die Poker Skills mehr zur Geltung.
Wichtig ist dabei, die Preflop-All-In-Situationen zu vermeiden (außer mit A-A). Grob gesagt: Der Glücksfaktor im Poker ist eine variierende Zahl, meistens zwischen etwa 20 bis 50%.
Auch die verschiedenen Pokervarianten haben verschieden große Glücksfaktoren.
Dies veranschaulicht folgender Vergleich: Wie schneiden zwei sehr gute Starthände gegen einander in den drei Pokervarianten Holdem, Omaha und 7 Card Stud ab?
1) NL Holdem: AA gegen KK81,06% - 18,55%
2) PL OmahaAAJ10 gegen KKJ1071,03 % - 19,62%
3) 7 Card StudAA2 gegen KK267,46 % - 32,54%
Das ist die durch Computersimulationen mathematisch errechnete Gewinnwahrscheinlichkeit nach 1.000.000 Händen. Es ist deutlich zu sehen, dass bei Holdem der Vorteil der besseren Karten am größten ist. Das bedeutet, dass der Glücksfaktor in NL Holdem am kleinsten ist!Aus diesen Gründen ist deutlich zu verstehen, warum in Las Vegas jährlich die große Weltmeisterschaft im No Limit Holdem ausgetragen wird.
Am Anfang jedes Turniers ist der Glücksfaktor extrem klein, etwa 10-20%, weil alle Stacks Deep sind und die Blinds klein. Bei den meisten Turnieren steigt am Ende der Glücksfaktor enorm, sogar etwa um 50%, weil die Blinds oft so hoch sind, dass man keine Wahl hat: Fold oder All In sind Standard. Es gibt nichts Frustrierenderes im Turnierpoker, als Stunden lang geduldig gutes Poker zu spielen und kurz vor dem Geld oder sogar am Final Table wegen der Höhe der Blinds gambeln zu müssen.
In einem solchen Modus gibt es keinen Spielraum. Beim Preflop-All-In/Call sehen beide Seiten fünf Board Karten und keiner kann mehr setzen bzw. seine Karten schützen, egal ob er nach dem Flop/Turn vorne oder hinten liegt. Und genau in solch einer Turnierphase erkennen wir, dass bei dieser Spielweise der Bluff Faktor und die Fold Equity vom Spiel extrem reduziert wird!Turnier Poker ist ein harter Kampf zwischen Materie (den Chips) und der Zeit (den Levels)!
Während eines Pokerturniers ist ein All In früher oder später unvermeidbar. Was passiert aber, wenn man All In gegen einen gleich großen Stack ist?
a) Man kann gewinnen und ,,nur" seinen Stack verdoppeln
b) Man kann verlieren und vom Turnier ausscheiden
Darum ist ein Poker Turnier so schwer zu gewinnen: Wenn man All In ist, gewinnt man nur so viele Chips, wie man hat (aber man gewinnt nicht das Turnier) und wenn man das All In verliert, bedeutet es den Verlust des ganzen Turniers!
In einer frühen Turnierphase ist mein Stack etwa 1 Buy In wert ist, aber sobald man im Geld ist, steigert sich der Wert der eigenen Chips mit jedem Spieler der ausscheidet. Der Schlüssel bei einer flachen, guten Struktur ist die Höhe des Average Stacks und das entsprechende – M. Wenn die Struktur des Turniers dem Spieler keinen Spielraum gibt, führt dies oft zu Enttäuschung und Frustration der ausgeschiedenen Spieler und dieser sagt sich: Ich habe keine Zeit gehabt, mein Können zu zeigen. Die Blinds haben mein Stack aufgefressen bzw. ich war gezwungen, zu gambeln.
Wenn das M des Average Stacks unter 10 fällt, dann gibt es meistens den Push-Or-Fold-Modus. Und wie bereits oben erklärt, gibt es keinen Spielraum und das erhöht den Glücksfaktor enorm. Fast alle Poker Spieler wollen Gerechtigkeit am Tisch, was logischerweise bedeutet, in jeder Turnierphase den Glücksfaktor zu reduzieren.
Um die Struktur richtig zu bewerten, wurden folgende Faktoren unter die Lupe genommen:
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