Klassisches Beispiel für die Steuerung über Kanban: Aufträge können über Kanban-Karten mit einem Vorlauf von z.B. 4 Tagen eingesteuert werden. Sind keine Kanban-Karten gesteckt, wird nicht produziert.
Merke:
Sollten Sie auf Grund von Betriebsvereinbarungen im Falle des Produktionsstopps (wenn alle Kanbankarten abgearbeitet sind) keinen kurzfristigen Stundenabbau beim Personal erreichen können, dann setzten Sie Ihre Mitarbeiter sinnvoll ein, in dem diese z.B. die Autonome Instandhaltung durchführen, oder sich in Sachen „5S“ nützlich machen.
Bei Kanban kann der Bestand des Lagers durch visuelles Management gekennzeichnet werden. Leicht zu überschauen und ohne EDV zu ermöglichen……!!! Sind Sicherheitsbestände angebrochen, wird wieder produziert.
Kennen Sie das: „Wir haben mehr produziert, weil es heute mal so gut gelaufen ist“. Klasse, oder? Natürlich nicht!!! Durch die Überproduktion wurde eventuell Material verbraucht, das für andere Produkte benötigt wurde. Und schon wieder wird im System nachgeschaut, ob noch genügend Material für die nächste Fertigung eines weiteren Teils, das benötigt wird vorhanden ist. Immer und immer wieder: prüfen, prüfen, prüfen.
Zusätzlich wurde Lagerplatz belegt, der anders hätte genutzt werden können. Bei Kanban ist die Anzahl der Lagerplätze fest definiert. Eine reguläre Lagerung der Überproduktion ist nicht möglich.
Funktioniert ihr EDV-System wirklich?
Ich vermute, Sie stehen hinter Ihrem System, vielleicht haben Sie als Mitarbeiter, Abteilungsleiter oder auch als Chef die Anschaffung Ihres Systems unterstützt bzw. vorangetrieben. Sicher wurde dies mit besten Gedanken an die Zukunft Ihrer Firma durchgeführt.
Sie werden mir jetzt dennoch Recht geben müssen, dass es nach der Implementierung eines solchen Systems Kontrollen geben muss, ob die Erwartungen auch erfüllt wurden.
Schauen Sie doch mal auf Ihre Sicherheitsbestände, sind gemäß Ihren Internen Vorgaben die Sicherheitsbestände aller Produkte vorhanden. Auch im Rohstoff und Zukaufteile-Sektor? Wie sieht es nach Inventuren aus? Passen die Bestände oder haben Sie plötzlich Mengendifferenzen – positiver oder negativer Art – beides ist nicht zufriedenstellen. Also werfen Sie ein Auge drauf!
…
Was kann Ihnen Schlimmeres passieren, als ein vorgegaukelter Sicherheits-/Lagerbestand, der in Wirklichkeit nicht vorhanden ist und auch nicht so schnell nach zu produzieren sein wird.
Kommt eine sofortige Kundenbestellung, dann sehen Sie auf Deutsch „Alt“ aus…. und das kann mächtig Ärger und Kosten verursachen… wenn nicht sogar Schlimmeres!
Im Mittelpunkt: Die Mitarbeiter und der KVP-Prozess
Die Mitarbeiter sind es, die den ständigen Verbesserungsprozess mit vorantreiben. Die Leute an der Maschine, die Mitarbeiter/in der Logistik aber auch Mitarbeiter aus den verwaltenden Bereichen. Sie alle tragen dazu bei, wenn es heißt Verluste an den Kragen zu gehen.
Das Ganze hat nur einen kleinen Haken: Was versteht man denn unter Verluste? Wenn man nicht weiß, an was man arbeiten muss, wird man auch keinen sichtbaren Erfolg erkennen können. Und glauben Sie mir, die Leute machen ihre Arbeit so gut wie es nur geht und dennoch fahren sie Verluste ein ohne Ende – weil sie es nicht anders wissen. Und das wollen wir doch ändern, oder? Verluste sind Tätigkeiten, für die der Kunde nicht bezahlt. Keine Wertschöpfung in dem Sinn, dass dem Teil ein höherer Wert beigefügt wird.
Also, wenn wir über Verluste reden, dann sind es in erster Linie die sieben Hauptverschwendungsarten:
Transport
Lagerbestand
Bewegung
Wartezeiten
Überproduktion
Herstellungsprozess
Defekte, Ausschuss
Daneben gibt es noch eine andere Art von Verschwendung, und zwar den falschen Einsatz von personellen Ressourcen. Gemeint ist hier, dass Mitarbeiter, die richtig was draufhaben, mit Aufgaben betraut werden, die völlig unter den Fähigkeiten dieser Mitarbeiter liegen.
Geben Sie den Mitarbeitern die Chance sich einzubringen, entdecken Sie die Fähigkeiten der Mitarbeiter. Was glauben Sie was für ein Potential sie freilegen können. Mitarbeiter wachsen an Ihren Aufgaben, sie blühen förmlich auf, wenn man ihnen die Chance gibt. Mag sein nicht alle, aber dabei sind immer welche, auf denen Sie in Zukunft bauen können…. Kommen Sie mit den Leuten ins Gespräch, finden Sie die Talente Ihrer Mitarbeiter heraus. Fangen Sie an, lieber heute als Morgen!
Im Folgenden wollen wir nun die sieben Verlustarten kurz beschreiben. Sie werden sehen, an die eine oder andere Verlustart haben Sie auch nicht gedacht!
Die sieben Verschwendungsarten
I. Transport
Als Beispiel wollen wir hier nur die Leerfahrten eines Staplers aufführen.
Der Mitarbeiter holt etwas aus dem Lager – fährt also leer (ohne Ladung) dahin. Oder auch umgekehrt – bringt was ins Lager und fährt wieder leer zurück. Schenken wir dieser Tatsache keine Aufmerksamkeit, so behaupte ich, dass mindestens ein Drittel aller Fahrten Verluste bedeuten. Sie glauben es nicht, prüfen Sie bei sich nach. Sie werden überrascht sein, wie viele Leerfahren Sie haben. Gerechtfertigt oder nicht, Verluste sind es auf jeden Fall. Ein Verbesserungspotential birgt das auf jeden Fall.
II. Lagerbestand
Was meinen Sie, sind Lagerbestände gut oder schlecht für den Unternehmenserfolg? So einfach kann man diese Frage sicherlich nicht beantworten. Aber, wir reden hier über Lagerbestände, die weit über die Abrufe des Kunden hinausgehen. Lagerbestände, die eine Reichweite von mehreren Monaten haben, sind sicherlich nicht förderlich für den Unternehmenserfolg. Natürlich muss die gesamte Lieferkette berücksichtigt werden, Lieferzeiten für das Rohmaterial, eventuelle schlechte Lieferungen, ect.
Aber glauben Sie mir, es lässt sich alles regeln, um einen Lagerbestand zu erreichen, der attraktiv für das Unternehmensergebnis ist.
Also, warum sollten wir uns ein übertrieben großes Lager einrichten? Teile, die nicht innerhalb von – wir nehmen hier nur mal eine Zahl an – vier Wochen abgerufen werden, stellen einen immensen Verlust dar.
Warum? Weil wir in Vorleistung gehen in:
Rohmaterial
Energie für die Herstellung
Personelle Ressourcen
Ect.
Vorleistungen, die uns der Kunde in der Regel nicht bezahlt.
Vertraglich vereinbarte Sicherheitsbestände sind hier natürlich ausgenommen.
Berechnen Sie mal die gesamte Durchlaufzeit, begonnen vom Eingang des Materials bis zum Verkauf dieser Teile, dann geht Ihnen mit Sicherheit ein Licht auf. Das Verhältnis „Durchlaufzeit zur wertschöpfenden Zeit“ ist, wenn wir mit übertriebenen Lagerbeständen arbeiten gigantisch schlecht.
Achtung:
Übertrieben hohe Lagerbestände verdecken Verbesserungs-potentiale: Warum? Wir leben in einer Art Komfortzone:
Schlechte Lieferanten? Na und, wir haben ja noch Lager
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