Das Traurige ist, dass die Gemeinde in Pergamon geistlich Rückschritte machte, nachdem Antipas gestorben war. Antipas war wahrscheinlich der Bote der Gemeinde gewesen, als er am Leben war. Als er starb, übernahm jemand anders die Leitung und mit der Gemeinde ging es bergab. Das ist die traurige Geschichte vieler Kirchen.
Als Paulus Ephesus verließ, sagte er zu den dortigen Ältesten, dass er wusste, dass die Gemeinde nach seinem Weggang Kompromisse machen und rückfällig werden würde (Apostelgeschichte 20,28-31). Solange Paulus dort war, kämpfte er gegen Weltlichkeit und Sünde und hielt den Geist des Antichristen in Schach. Aber es gab niemanden in Ephesus, der stark genug war, das zu tun, nachdem Paulus weg war. Und daher drangen die Wölfe in die Herde ein und verschlangen ungehindert die Schafe, während die Ältesten untätig dabeistanden und zusahen!
Satan änderte seine Taktik in Pergamon, nachdem Antipas gestorben war. Die Tatsache, dass Satans Thron an einem Ort ist, bedeutet nicht unbedingt, dass er die Gemeinde immer mit Verfolgung angreifen wird.
Er wird in der Heiligen Schrift als ein brüllender Löwe (1. Petrus 5,8), aber auch als listige Schlange beschrieben, die sich in einen Engel des Lichts verwandelt (Offenbarung 12,9; 2. Korinther 11,14). Er hat über die Jahrhunderte festgestellt, dass er seinen Zweck viel besser erreicht, wenn er die Gemeinde von innen heraus mit Weltlichkeit verdirbt als sie von außen zu verfolgen.
Dies tat er schließlich in Pergamon durch die Lehre Bileams – und auf diese Weise hatte er Erfolg, während er mit Verfolgung keinen Erfolg hatte!
Der Herr sagt der Gemeinde hier: „Du hast Leute dort, die sich an die Lehre Bileams halten“ (Vers 14). Bileam war jemand, der von König Balak angeheuert wurde, um die Israeliten zu verfluchen. Er war der Erste der „angeheuerten Priester“, von denen wir in der Bibel lesen.
Das Christentum ist heute von diesen Mietlingen überflutet, für die Predigen ein Mittel geworden ist, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Gott ist gegen solche Mietlinge, die vorgeben, Hirten von Gottes Herde zu sein, die aber nur daran interessiert sind, die Schafe zu schröpfen.
Bileam ging zuerst nicht mit, als Balak ihn rief, weil ihm Gott spezifisch aufgetragen hatte, nicht mitzugehen. Aber als Balak ihm eine höhere Bezahlung und größere Ehre anbot, suchte Bileam „erneut Gottes Willen“ – genauso wie es heute viele in ähnlichen Umständen tun! Gott ließ zu, dass Bileam dem Geld nachlief und sich dadurch selbst zerstörte. Und Gott lässt zu, dass viele heutige christliche Prediger ebenfalls den Fußstapfen Bileams folgen und schließlich Bileams Ende erleiden.
Als Bileam sah, dass er Israel nicht verfluchen konnte, legte er Balak nahe, Israel zu verderben, indem er sie zu Unmoral und Götzendienst verführte (4. Mose 24 und 25). Auf diese Weise brachte Bileam Gott selbst dazu, sie zu bestrafen.
Auf diese Weise hatte Satan auch in Pergamon Erfolg. Er wusste, dass er die Gemeinde nicht überwinden konnte, bis die Gemeinde in irgendeiner Hinsicht weltlich wurde. Daher verdarb er die Gemeinde von innen heraus. Folglich wurde die Gemeinde in ihrem Zeugnis für den Herrn und auch in ihrem Kampf gegen Satan wirkungslos.
„Wenn du sie nicht besiegen kannst, dann schließ dich ihnen an“, war Satans Motto in Bezug auf die Gemeinde. Und auf diese Weise hat er es erfolgreich geschafft, in diesen 20 Jahrhunderten das Zeugnis vieler Gemeinden zu zerstören.
Götzendienst und Unmoral sind die zwei Sünden, die Gott im gesamten Alten Testament am meisten verurteilt hat. Und diese beiden Sünden verurteilt Gott auch heute noch. Nach neutestamentlichen Maßstäben stellt Habgier oder Geld oder einen Beruf oder eine Person oder irgendetwas Irdisches anzubeten Götzendienst dar. Und mit seinen Augen nach einer Frau zu gelüsten ist Unmoral. Deine Frau auf irgendeinem Gebiet unvorteilhaft mit der Frau eines anderen zu vergleichen bedeutet „die Frau deines Nächsten zu begehren“ . Auch das ist Unmoral.
Wo diese neutestamentlichen Wahrheiten nicht ständig in einer Gemeinde gepredigt werden, werden versteckter Götzendienst und Unmoral unter ihren Mitgliedern die Oberhand gewinnen und die Gemeinde wird bald der in Pergamon gleichen.
Das Traurige ist, dass der Bote der Gemeinde es einfach geschehen ließ und zusah, als Weltlichkeit in die Gemeinde in Pergamon eindrang. Viele Älteste sind heute genauso machtlos gegen Weltlichkeit, die wie eine Flut in ihre Gemeinden eingedrungen ist.
Der Bote in Pergamon selber war nicht der Lehre Bileams verfallen. Es gab nur „einige“ in Pergamon, die ihr zum Opfer gefallen waren. Aber der Bote war schuldig, weil er die Weltlichkeit, die in die Gemeinde gekommen war, nicht gerügt hatte. In diesem Punkt hatte er versagt.
Der Grund für sein Versagen muss der gewesen sein, dass er eine solche Weltlichkeit in seinen eigenen Gedanken nicht ernsthaft gerichtet hatte. Wir können in der Gemeinde nur über jene Dinge Autorität haben, die wir in unserem eigenen Fleisch gekreuzigt haben. Wenn wir Sünde und Weltlichkeit in unserem eigenen Leben auf die leichte Schulter nehmen, tolerieren wir es auch im Leben anderer in der Gemeinde. Was seitens eines Ältesten gegenüber einer weltlichen Person in seiner Gemeinde wie eine „barmherzige“ Einstellung aussieht, ist gewöhnlich von der Tatsache bestimmt, dass es im Herzen des Ältesten selbst nicht gerichtete Weltlichkeit gibt.
Der Bote in Pergamon war bezüglich weltlicher Lehren so lasch, dass er sogar zuließ, dass die Lehre der Nikolaiten in seiner Gemeinde florierte (Vers 15). Priesterzunft wurde von einigen in der Gemeinde in Pergamon als eine Doktrin gelehrt! Und der Bote hatte nichts dagegen getan. Das war etwas anderes, was der Herr ihm vorwarf.
Der Herr warnt ihn und die Gemeinde und ruft sie zur Buße auf. Wenn sie sich weigern, so sagt er, wird er sie mit dem Schwert seines Mundes richten (Vers 16). Gott richtet uns durch sein Wort. Jesus sagte, dass wir am Jüngsten Tage alle nach dem Wort, das er zu uns gesprochen hat, gerichtet werden (Johannes 12,48). Unser Leben wird mit den Worten Gottes, die wir gehört haben, verglichen werden, und wir werden danach gerichtet werden.
Dem Überwinder werden dann als Belohnung das verborgene Manna und ein weißer Stein mit einem neuen Namen darauf, verheißen (Vers 17).
Im Alten Testament wurde Mose befohlen, etwas vom Manna, das vom Himmel gefallen war, im Inneren der Bundeslade, im Allerheiligsten der Stiftshütte, aufzubewahren (2. Mose 16,32-33). Während das Manna, das die Israeliten in ihren Zelten aufbewahrten, innerhalb von 24 Stunden zu stinken begann (2. Mose 16,19-20), blieb das „verborgene Manna“ in der Bundeslade während all der 40 Jahre, in denen die Israeliten in der Wüste wanderten, frisch. Von solcher Art ist die Kraft von Gottes Gegenwart im Allerheiligsten, um uns frisch zu halten, wenn wir dort allezeit vor seinem Angesicht leben.
In das Allerheiligste kann man nur durch den zerrissenen Vorhang des Fleisches eintreten (Hebräer 10,20). Wenn wir auf diesem neuen und lebendigen Weg wandeln, können wir das verborgene Manna empfangen, das Gott gibt – Offenbarung aus seinem Wort und Gemeinschaft mit ihm. Unser Leben wird dann stets den Wohlgeruch der Frische des Herrn ausstrahlen.
Der verborgene, wertvolle Stein, mit dem Namen des Überwinders darauf geschrieben (Vers 17), verweist auf eine innige Beziehung mit dem Herrn, so wie eine Braut sie mit ihrem Bräutigam hat. Das ist das geistliche Äquivalent des Verlobungsringes (mit einem teuren, wertvollen Stein und einem Namen darauf eingraviert), den weltliche Männer ihren Verlobten geben.
Der Bräutigam ruft die Braut mit einem intimen Namen, den sonst niemand kennt (Vers 17). Bräutliche Intimität mit dem Herrn ist eine Belohnung, die allen Überwindern verheißen ist.
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