Palastsammlungen
Die Schätze der Sultane sind in einzelnen Räumen untergebracht. Viel Geduld ist erforderlich, denn vor jedem Raum bilden sich Warteschlangen. Wer müde Beine hat, setzt sich auf eine Bank und beobachtet unauffällig die Menschenschlange – sehr interessant. Fotografieren ist in den Schatzkammern verboten. Präsentiert ist nur ein kleiner Teil der erhaltenen Kostbarkeiten. Ein zusätzliches Museum für die unermesslichen Schätze ist in Planung.
Die Sammlungen zeigen Diplomatengeschenke und in Auftrag gegebene Kunstwerke. In den einzelnen Räumen sind die unterschiedlichsten Alltagsgegenstände oder Bekleidung für festliche Anlässe zu bewundern. Gold und Edelsteine sowie kunstvolle handwerkliche Arbeiten stehen hier versammelt. Konstantinopel war reich und lag ob zu Wasser oder zu Land an den Handelsstraßen. Beim Durchschieben durch die Palastsammlungen sollte man sich weniger von den vielen Menschen stören lassen, sondern sich auf die Schätze konzentrieren. So schnell wird man so etwas nicht wieder sehen.
Weitere Informationen:
Internet: http://www.muze.gov.tr/topkapi-en, Öffnungszeiten: April bis Oktober von 9.00 bis 19.00 Uhr, November bis März von 9.00 bis 17.00 Uhr, Dienstag geschlossen, Eintritt: 30 Türkische Lire
Harem – leben und dienen
Die Besichtigung des Harems kostet Extra-Eintrittsgeld. Im Harem wohnten 300 Frauenund Kinder inklusive Diener. Dafür erscheint es sehr eng und nicht sonderlich erstrebenswert, sein Leben hier zu verbringen. Schwarze Eunuchenhielten Wache. Als „geraubte“ Jungfrauenkamen Mädchen in den Harem und erhielten Erziehung und Ausbildung. Für gute „Dienste“ oder einen Sohn bekamen die Frauen Schmuck geschenkt. Für damalige Verhältnisse war es ein gutes und sicheres Leben mit genügend Essen. Das war nicht selbstverständlich. Gut erzogene Harem-Mädchen und Sultan-Töchter wurden gerne von hohen Würdenträgern geheiratet. Reiche, osmanische Familien gaben allerdings ihre Töchter nicht in den Harem.
Die Söhne des Sultans lebten einige Jahre bei der Mutter im Harem. Es ist auch von einem Käfig zur Aufbewahrung der Sultan-Söhne zu lesen. Wurde ein neuer Sultan gebraucht, war Vorrat vorhanden. Waren die debil, übernahmen die Mutter oder Hofbeamte die nötigen Regierungsgeschäfte. Im Topkapi-Shop gibt es ein Buch zum Thema „Leben im Harem“ zu kaufen.
Die Räume des Harems sind aufwendig ausgestattet- Marmor, wertvolle, bunte Kacheln mit traumhaften Mustern, Teppiche, Vorhänge, Kissen und kunstvolle Holzarbeiten an Türen und Fenstern. Ein Besuch lohnt sich allemal. Wer will schon ins Flugzeug steigen, ohne im Topkapi gewesen zu sein.
Weitere Informationen:
Internet: http://www.muze.gov.tr/harem-en, Öffnungszeiten: April bis Oktober 9.00 bis 17.00 Uhr, November bis März 9.00 bis 16.00 Uhr, Dienstag geschlossen, Eintritt: 18 Türkische Lire
Mittagessen: Sultanahmet Köftecisi
So viele Eindrücke machen hungrig. Beim Topkapi-Ausgang Richtung Sultanahmet Parki an der Divanyolu Caddesi ist das „Sultanahmet Köftecisi“– ein Erlebnis. Die Spezialität sind Fleischbällchen oder Köfte. Nichts Besonderes in der Türkei, aber die sind nach einem hauseigenen Rezept zubereitet. Das Reihenhaus liegt seit 1920 an einer lebhaften Straße. Bis unter die Decke steckt es voller Tische, Stühle, bienenfleißigen Kellner und natürlich Gäste. Einen Tisch brauchen Hungrige nicht selber zu suchen. Gleich am Eingang wird der Gast in Empfang genommen und schnell weiter geleitet zu einem freien Platz. Der kann schon mal in der zweiten, dritten Etage oder im Anbau liegen. Dann heißt es, das enge Treppenhaus erklimmen. Groß ist die Auswahl auf der Speisekarte nicht, aber Besucher kommen wegen der Köfte her und das junge Leute, Familien und Touristen gleichermaßen. Die Gerichte sind preisgünstig und der Service ist mehr als flott und aufmerksam.
Weitere Informationen:
www.sultanahmetkoftesi.com
Istanbul und Hagia Sophia - UNESCO Weltkulturerbe - gehören zusammen. Der markante, monumentale Bau ragt über das Dächermeer der Stadt. Sehen die Moscheen mit ihren Minaretten eher zierlich aus, so ist die ehemalige Kirche ein Monstrum. Im 6. Jahrhundert in byzantinischer Zeit begann der Bau der mächtigen Kirche. Künstler schmückten Wände und Decken mit kleinteiligen Mosaiken. Schon fünf Jahre später konnte der römische Kaiser die Kirche einweihen. Verblüffend schnell! Die Erklärung: Arbeiter trugen brauchbares Baumaterial kurzerhand in Pergamon und Ephesus abund verbauten es im „Neubau“. So stammt zum Beispiel eine große Marmor-Amphore, früher zur Aufbewahrung von duftenden Ölen genutzt, aus Pergamon.
Die Ziegelsteine wurden an Ort und Stelle gebrannt. Die Marmor-Wandverkleidungen kamen aus nahegelegenen Steinbrüchen. Die lieferten unterschiedlichen Marmor. Das ist deutlich an den vielfältigen Farben und Maserungen der Platten an Wänden und Säulen zur erkennen. Die gute Organisation und das recyceln von vorhandenem Baumaterial sparte enorm Kosten und Zeit.
Hagia Sophia wurde osmanisch
Im 15. Jahrhundert im Osmanischen Reich wurde die Hagia Sophia in eine Moschee umgewandelt. Inzwischen drohte das Bauwerk einzustürzen. Zum Erhalt fügten die neuen Herrscher stabilisierende Mauern und Stützpfeiler ein. Zusätzlich bekam die Sophienkirche vier Minarette. Von der ursprünglichen Konstruktion ist heute nicht mehr viel zu erkennen.
Erstaunlicherweise hielt die Hagia Sophia bislang Erdbebengut stand. Das soll den winzigen Luftlöchern in den Ziegeln-Steinen zu verdankensein. Die gaben dem massigen Bauwerk eine gewisse Flexibilität und fingen Erschütterungen ab.
Im Islam sind gegenständliche Abbildungen verpönt, deshalb verputzten und übermalten die neuen Besitzer Malereien und Mosaike. Heute ist die Hagia Sophia ein Museum und die wunderschönen, funkelnden Mosaikewurden nach und nach freigelegt. Die sind besonders gut auf der Emporezu betrachten, zu der man über den seitlichen Treppenaufgang gelangt. Dort ist die wirkliche, goldene Pracht der christlichen Mosaike zu erleben. Zum Erhalt sind ständige Restaurationsarbeiten erforderlich. Deshalb steht im Innenraum ein Baugerüst, dass für gute Fotos verständlicherweise sehr ungünstig ist. Fachleute schätzen, dass etwa 10.000 stehende Menschen in der Hagia Sophia Platz finden.
Eintritt mit Wartezeit
Jeder Istanbul-Besucher muss in der grandiosen Kirche Hagia Sophia gewesen sein. Das ist schwerer als gedacht. Lange Schlangen, hohe Eintrittspreise und warten. Aber das Warten lohnt sich. Die Hagia Sophia, griechisch „Heilige Weisheit“, türkisch „Ayasofya“ oder Sophienkirche, ist einfach grandios. Empfindungen wie Ehrfurcht, Staunen, Dankbarkeit scheinen alle Besucher zu überkommen. Es ist ruhig, die Menschen gehen langsam umher, fühlen sich klein angesichts der Höhe und der Pracht, wollen jeden Winkel in sich aufnehmen und schaffen es vermutlich doch nicht. Mit einfachen Mitteln so etwas Gigantisches zu schaffen, erfordert Hochachtung. Die hatte wohl auch der bekannte Schriftsteller Dan Brown, denn die Hagia Sophia kommt in seinem Roman „Inferno“ vor.
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