DR. S: (geht nervös auf und ab) Ich habe die Brüste dieser Frau nicht berührt!
MARIA: Ach, das sagen sie doch alle.
COOPER: Bitte?
MARIA: Niemals hat einer von denen die Brüste berührt. Jedenfalls nie absichtlich. 'Huch, ich bin gestolpert.' 'Tut mir leid, ich bin aus dem Gleichgewicht gekommen.' 'Sind das Ihre Brüste, ich dachte, das wäre der Nachtisch?' Ich habe schon jede dumme Ausrede gehört, die sich Männer so einfallen lassen.
COOPER: Es geht hier nicht um sexuelle Belästigung.
MARIA: Ach nein?
COOPER: Nein. (sieht DR. SEBRETZKI an) Oder vielleicht doch?
DR. S: Nein.
COOPER: Sehen Sie! Hier geht es nur um... schlechte Handarbeit.
MARIA: Wohl eher Kopfarbeit.
COOPER: Sagen wir Brustarbeit.
MARIA: Pff!
COOPER: Und außerdem komme ich zu Ihnen später.
MARIA: Ach ja? Wollen Sie sich ein gutes Zeugnis für Ihre Dienste auf diesem Flug abholen?
COOPER: Das wohl nicht gerade.
MARIA: Schön, dass Sie das auch so sehen. Bisher haben Sie mich nämlich wohl kaum überzeugt.
COOPER: Und an der Leiche bin ich vielleicht auch noch schuld, was?
MARIA: Vielleicht? Liegt vielleicht an Ihren Flugkünsten. Vielleicht wollte sie sich nur ein Brötchen schmieren und dann sind Sie in ein Luftloch geflogen und sie hat sich selbst erstochen?!
COOPER: Und wo wäre dann das Brötchen?
MARIA: Das haben Sie gegessen um die Beweise verschwinden zu lassen.
COOPER: Sie meinen, ich habe einen Unfall gegen einen Mord ausgetauscht?
MARIA: Ich habe nie gesagt, dass Sie logisch gehandelt haben.
COOPER: Müsste es dann nicht noch mehr geben?
MARIA: Noch mehr Tote?
COOPER: Noch mehr Besteck. Einen Teller? Butter? Marmelade?
MARIA: Das wäre sehr nett.
COOPER: Bitte?
MARIA: Und dazu etwas Kaffee bitte.
COOPER: Ich nehme hier nicht Ihre Bestellung auf, ich frage mich, wo diese Dinge in Ihrer Theorie betreffend des Ablebens der Toten wären.
MARIA: Ach, das ist wieder so typisch. Ihr Männer denkt doch immer nur an das Eine!
COOPER: Sie meinen eine Leiche im Flugzeug?
MARIA: Ja, aber mich und meine Bedürfnisse ignorieren. Typisch. Deshalb ziehe ich auch die Gesellschaft von Hunden vor.
COOPER: Und ich nehme an, die hören Ihnen auch immer brav zu.
MARIA: Natürlich tun sie das. Worauf wollen Sie hinaus? Dass ich nichts zu sagen habe, dem sich zuzuhören lohnen würde?
COOPER: Das wäre die höfliche Formulierung.
MARIA: Dann will ich die unhöfliche gar nicht hören.
COOPER: Können wir uns also darauf einigen, dass der Toten für Ihre Theorie die nötigen Utensilien wie das restliche Besteck fehlen?
MARIA: Bitte sehr, meinetwegen. Das wäre aber auch nicht fair gewesen.
COOPER: Was?
MARIA: Na, dass sie Frühstück bekommt und wir nicht.
COOPER: (seufzt) Darf ich mich jetzt wieder diesem Fall zuwenden?
MARIA: Wenn Ihnen das wichtiger ist als meine Zufriedenheit.
COOPER: Das ist es. (wendet sich wieder DR. SEBRETZKI zu) Wo waren wir?
DR. S: Ich habe die Brüste dieser Frau nicht berührt!
COOPER: Den Satz sollten Sie sich merken. Fürs Gericht!
DR. S: Gericht?
COOPER: Ja. Sie sollten verdammt froh sein, dass wir nicht mit Überschall fliegen. Möglicherweise hätte sie uns dann alle umgebracht. (deutet auf LAMOUR) Durch Ihre Arbeit! Was Sie zu einem Mitschuldigen machen würde!
(hat eine Idee – zum Publikum) Moment. Das wäre doch dieneue Methode für Terroristen...
ÜBERBLENDE
zweite Szene
(Das Licht verändert sich wie in Erster Akt, dritte Szene. Traumstimmung, d.h. man merkt, dass sich die Szene nur in seinem Kopf abspielt. Aus der Kabine treten nun WALTER WALTHER (WW), STEFFI LAMOUR (SL) und JOSEF KRIST (JK), die aber nicht „sich selbst“ spielen, sondern hier die Rollen von Terrorismus-Vorstandsmitgliedern übernehmen)
JK: Liebe Vorstandsmitglieder, wir sind heute hier zusammengekommen, um über den Terrorismus in der Welt zu sprechen. Es ist erschreckend.
SL: Der Terrorismus ist erschreckend? Dann hatten unsere Marketingstrategen also Recht. Terrorismus erschreckt die Menschen. Nur gut, dass wir damit nicht an die Börse gegangen sind.
WW: Die Börse erschreckt die Menschen auch.
SL: Aber hat sie genau so viele Menschen getötet wie der Terrorismus?
WW: In den Ruin getrieben vielleicht…
SL: Aber nicht getötet. Damit liegt der Terrorismus in seinem Kompetenzbereich noch immer an erster Stelle.
WW: An zweiter Stelle.
SL: Wieso, was liegt denn an erster?
WW: Krieg.
SL: Ach Krieg, den vergess ich immer. Sind wir damit schon an die Börse gegangen?
JK: Ich glaube, das ist heute nicht unser Thema. Herr Kollege, Sie wollten uns über die Probleme mit dem Terrorismus unterrichten.
WW: Das ist richtig. Wir haben ein Problem. Terrorismus stößt weltweit auf wenig Akzeptanz.
SL: Außer... in gewissen Kreisen.
WW: Und selbst da gibt es keine guten Neuigkeiten.
SL: Was ist mit den Hasspredigern? Die leisten doch sehr gute Arbeit.
WW: Das reicht leider noch nicht. Wir steuern auf eine weltweite Krise zu.
JK: Inwiefern?
WW: Die Zahlen im Bereich Terrorismus sind rückläufig.
JK: Aber... das kann doch nicht sein! Wir bekommen doch immer wieder Zulauf…
WW: ...den wir direkt wieder verlieren. Selbstmordattentate, gut für die Unmoral, schlecht für den Nachwuchs.
JK: Meine Güte, in dieser Branche ist es mit dem Wegsterben der Kundschaft ja noch schlimmer als in der Tabakindustrie.
SL: Lässt sich nichts dagegen machen?
JK: Ich fürchte nein. Das Selbstmordattentat hat sich inzwischen als Standard in vielen Bereichen durchgesetzt. Es ist zu einer Art Markenzeichen geworden…
SL: …und ein gutes Markenzeichen verändert man nicht.
WW: Ja, doch das ist nur eins unserer Probleme. Was noch schlimmer ist, die Attentate werden immer einfallsloser. Auch dadurch lässt sich die mangelnde Begeisterung der Bevölkerung für Terroristische Aktionen erklären.
SL: Das stimmt leider. Von Autobomben haben die Leute die Nase inzwischen gestrichen voll.
JK: Wie unangenehm. Haben wir irgendwelche neuen Ideen in diesem Bereich? Irgendwas, das den Terrorismus wieder ankurbeln könnte?
WW: Ja, die haben wir. Und zwar: Explodierende Brustimplantate.
SL: Bitte?
WW: Stellen Sie es sich vor: Sie sind unauffällig, sehen gut aus und werden trotzdem nicht entdeckt. Und dann, wenn die Maschine in der Luft ist: Bumm!
JK: Ja, ich verstehe, was Sie meinen. Vielversprechend.
WW: Aber nicht nur in Flugzeugen. Das gesamte Konzept hat ungeahntes Potential. Warum denn nicht die Ungläubigen da treffen, wo es ihnen besonders weh tut.
SL: In der Kirche?
WW: In Stripclubs!
JK: Stripclubs?
WW: Ganz genau. Gibt es denn einen Ort, der noch mehr besudelt ist, der noch mehr für die Unreinheit und Dekadenz der Feinde steht? Hier kann man sie kalt erwischen. Oder vielmehr: heiß! Als heiße Stripperin getarnt macht die Attentäterin ihre Opfer scharf und dann – sprengt sie die Show.
JK: Und alle anderen mit ihr. Genial!
WW: Der Nachteil ist natürlich, dass man für diese Art Anschläge Frauen braucht, denn eine Horde bärtiger Männer mit Brustimplantaten würde hier einfach nicht funktionieren, so sehr sie auch an ihre Sache glauben.
SL: Frauen? Das ist schlecht. Wenn wir jetzt auch noch Frauenarbeit in den Terrorismus einbringen, dann bekommen wir direkt Ärger mit den Frauenrechtlerinnen.
WW: Die sind doch immer für Gleichberechtigung. Warum nicht auch im Terrorismus?
JK: Genau. Wenn Männer so dumm sind, sich selbst in die Luft zu jagen, warum sollten Frauen nicht das Recht haben, genau so dumm zu sein?
SL: Haben Sie sich mal das Schönheitsideal angesehen, das in Zeitschriften propagiert wird? Da steht explodiert ganz weit unten auf der Liste.
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