COOPER: Sie zeigen…
LAMOUR: …meine Schönheit.
COOPER: Sie zeigen… in verschiedene Richtungen!
LAMOUR: Ja. (nickt) Sie waren wegweisend.
COOPER: Das sind sie noch… weg weisend.
LAMOUR: Sie sind rund…
COOPER: Das sind sie noch.
LAMOUR: …10.000 Euro wert.
COOPER: Das sind sie nicht.
LAMOUR: Sie sind…
COOPER: …irgendwie verdreht.
LAMOUR: Sie sehen…
COOPER: …irgendwie merkwürdig aus.
LAMOUR: Sie können…
COOPER: …mich nicht dafür haftbar machen!
LAMOUR: Sie schauen…
COOPER: …nur auf Ihre Brüste, ich weiß. Es tut mir leid.
LAMOUR: Meine Karriere ist beendet.
COOPER: Sie meinen… wegen Ihrer Brüste?
LAMOUR: Sind das überhaupt noch meine Brüste?
COOPER: Nun, Sie haben sie mit an Bord gebracht.
LAMOUR: Waren das wirklich diese Brüste?
COOPER: Haben Sie denn noch andere?
LAMOUR: Ich glaube, ich habe nicht mal mehr diese.
COOPER: Da sind sie ja noch, nur… anders.
LAMOUR: Sie waren einmal mein ganzer Stolz.
COOPER: Nun, sie sind ja nicht verschwunden.
LAMOUR: Ihre Schönheit ist dahin.
COOPER: Vielleicht sind sie mehr was für… Liebhaber?!
LAMOUR: Für Liebhaber? Von was?
COOPER: Tjaaaa…
LAMOUR: Ich habe alles verloren.
COOPER: Wie gesagt, da sind sie ja noch!
LAMOUR: Aber sie sehen nicht mehr so aus.
COOPER: Vielleicht haben sie nur einen schlechten Tag?
LAMOUR: Ja, den habe ich.
COOPER: Ich meinte Ihre… Brüste.
LAMOUR: Ich erkenne sie nicht wieder.
COOPER: Sie sehen… anders aus.
LAMOUR: Als wären es nicht meine.
COOPER: Aber wessen sollten es denn sonst sein?
LAMOUR: Ja… und doch. Ich habe alles in sie gesteckt.
COOPER: Hm?
LAMOUR: All mein Talent.
COOPER: Ach so.
LAMOUR: All meine Liebe.
COOPER: Ach ja?
LAMOUR: All mein Geld.
COOPER: Das schon eher.
LAMOUR: Und jetzt…
COOPER: Ja. Was genau ist hier eigentlich passiert?
LAMOUR: Ich weiß es nicht. Aber… es geht um meine Brüste.
COOPER: Soweit habe ich die Situation im Griff… verstanden!
LAMOUR: Es sind meine Brüste... sie sind verrutscht!
COOPER: Ja.
LAMOUR: Es ist schrecklich!
COOPER: Ja… Und deswegen haben Sie so geschrieen?
LAMOUR: Diese Brüste bedeuten meine Karriere. Aber jetzt ist alles vorbei!
COOPER: Dann seien Sie doch froh.
LAMOUR: Worüber?
COOPER: Dass Sie sich nicht auch noch den Hintern haben machen lassen.
LAMOUR: Oh nein!
COOPER: Oh!
LAMOUR: Und… was soll ich jetzt tun? Kann man da denn gar nichts machen?
COOPER: Bessere Texte? (seufzt und geht zurück ins Cockpit)
(Die Kabine ist dunkel, nur das Cockpit ist beleuchtet)
COOPER: (nimmt Platz, zum Publikum)
Warum muss ich mich immer mit den Bekloppten herumärgern? Warum gibt es nicht einfach mal einen ruhigen Flug, auf dem nichts passiert, auf dem nicht irgendjemand durchdreht?
(seufzt) Haben die denn keinen Respekt vor anderen? Da hat man einen undankbaren, unterbezahlten Job und dann werden einem nicht mal die wenigen Augenblicke gegönnt, die einen für die miesen Arbeitszeiten und die nervigen Passagiere entschädigen.
(deutet auf das Fenster vor ihm) Wenn nämlich hoch über den Wolken die Sonne aufgeht. Dieser eine seltene Moment der Ruhe und der Schönheit. Ist das denn zuviel verlangt? Haben Sie das schon mal erlebt? Es ist wundervoll. Ein Moment der Ruhe und des Friedens. Die Schönheit der Natur, wie sie sonst nur die Vögel genießen können. Etwas, das einem zeigt, warum man Pilot geworden ist. Man will es einfach nur genießen…
Stattdessen muss ich mich mit verrutschten Brüsten herumschlagen. Zum Glück nur im übertragenen Sinne. Meine Güte, wenn man das wörtlich nehmen würde mit dem „Herumschlagen mit Brüsten“, das wäre ja was. Dann landet man ja unweigerlich beim... „Tittenboxen“.
(hat eine Idee) Und das klingt nach einem Konzept, von dem kein Idiot beim Fernsehen jemals erfahren darf. Denn sonst...
vierte Szene
(Das Licht verändert sich. Traumstimmung, d.h. man merkt, dass sich die Szene nur in seinem Kopf abspielt. Aus der Kabine treten nun WALTER WALTHER (WW), DR. SEBRETZKI (DS) und JOSEF KRIST (JK), die aber nicht „sich selbst“ spielen, sondern hier die Rollen von Fernsehproduzenten übernehmen)
JK: „Tittenboxen“, das ist ein Format mit Zukunft!
WW: Ich weiß ja nicht...
JK: Nein, Kollegen, das ist nicht nur ein Format mit Zukunft, das istdie Zukunft!
WW: Wir haben doch schon genug Sendungen...
JK: Das ist keine einfache Sendung, meine Freunde, das ist Event-Fernsehen! Das hat das Potential zu einem ganzen Thementag!
DS: Thementag?
JK: Ja.
DS: Sie meinen so etwas wie den „Schlampen Freitag“?
JK: Ist der nicht super gelaufen? Unsere Mega-Nannie! War das nicht eine tolle Vorführung?
WW: Sie hat die Leute vorgeführt, das stimmt.
JK: Und mehr noch: Die Kinder aus diesen armen Familien...
WW: Hat man denen geholfen, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern?
JK: Viel besser! Die bleiben uns erhalten denn sie werden mit Sicherheit die Stars bei: „Schlampen Freitag – die nächste Generation“!
WW: Oh.
JK: Es bleibt eben in der Familie. (denkt nach) Was ist eigentlich aus unserer Sendung über Pädophile geworden?
WW: Wir wollten nicht mehr darüber reden!
JK: Jedenfalls war der „Schlampen Freitag“ ein großer Erfolg! Hey, wir sind der erste Sender, der Prostitution live im Fernsehen gezeigt hat.
WW: Wir werden auch immer noch dafür verklagt. Von einigen Politikern, die „Gast“ in der Sendung waren.
JK: Die haben doch selber Schuld. Wenn die sich ihre Nutten nicht vom Steuerzahler hätten bezahlen lassen, hätte niemand was gesagt.
DS: Toll war auch die Sendung, in der die Frauen ihre Freunde betrogen haben. Was für ein Spaß.
JK: Und ist es denn zu fassen, wieviele Leute im Fernsehen noch immer sagen: „Ich hoffe, dass niemand was davon erfährt.“ Ich meine: Im Fernsehen?!!!
DS: Ach, der „Schlampen Freitag“, das waren noch Zeiten. Oder der „Intellektuellen Mittwoch“, das war...
JK: Ein Desaster!
DS: Ja, ein absolutes Desaster. Niemand will intelligente Unterhaltung. Niemand.
JK: Jedenfalls nicht im Fernsehen. Und deshalb präsentiere ich Ihnen: den „Asi Dienstag“!
WW: Klingt das nicht etwas negativ?
JK: Nein, denn wir sprechen den Zuschauer jetzt da an, wo er sitzt. Auf seiner Couch. Und machen wir uns nichts vor, die meisten unserer Zuschauer sindAsis. Also warum sollen wir sie nicht direkt ansprechen?
WW: Vielleicht, weil sie sich nicht gerne selbst als Asi sehen?
JK: Und genau da liegt die Schönheit des Projekts. Wir werden dafür sorgen, dass sie stolzdarauf sein werden, Asis zu sein.
DS: Wie soll das gehen?
JK: Ganz einfach: Sendungen für die Zielgruppe! Kann denn ein Abend, der mit „Frauentausch“ anfängt und mit „Tittenboxen“ aufhört wirklich erfolglos sein? Nein. Niveaulos, geschmacklos, phantasielos – aber keinesfalls erfolglos.
DS: Ja, ich seh es direkt vor mir. Da bieten sich ja ungeahnte Möglichkeiten. Nach dem Frauentausch könnte man „den Bewährungshelfer“ ins Rennen schicken.
WW: Worum geht es dabei?
DS: Echte Knackis werden von echten Bewährungshelfern betreut. Man begleitet sie auf dem Weg in die Ehrlichkeit oder kann sie bei neuen Straftaten beobachten. Wer sauber bleibt, bekommt einen Job – wahrscheinlich nachts als Anbiederer bei irgendeiner unserer Call-in-Abzocke-Sendungen.
WW: Kann man das dann nicht wieder als Abrutschen in die Kriminalität ansehen?
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