COOPER: Ähm?
WALTHER: ...und dann haben Sie gesagt, ich wäre langweilig und haben sich mit der Frau unterhalten, die jetzt sehr tot erscheint, wobei ich mich frage, ob sie wohl jetzt einen Zustand des Glücks erreicht hat, oder ob es sich eher um einen Zustand der Leere handelt, falls das überhaupt ein Zustand ist oder ob sie einfach nur nicht mehr da ist, aber das...
COOPER: ...werden wir wohl heute nicht mehr klären, nein. (zu MARIA) Ist Ihre Frage damit beantwortet?
MARIA: Welche Frage?
COOPER: Ob sie schon tot war, als sie an Bord gekommen ist?
MARIA: Ja. Nein. Habe ich das gefragt?
JOSEF: Das heißt, wir haben einen Mörder an Bord!
DR. S: Was? Es war ein Unfall. Ein Kunstfehler. Es war kein Mord.
COOPER: Wollen Sie damit sagen, Sie haben an der Toten während des Fluges eine Operation durchgeführt?
DR. S: Bitte? Ach dieTote?! Nein, damit habe ich nichts zu tun. Ich habe sie ja nicht mal operiert.
LAMOUR (fängt laut an zu weinen)
COOPER: Diehaben Sie aber operiert, oder?
DR. S: Ja. Mit... es waren... ein ganz neues Design.
(Die Blicke aller Anwesenden wenden sich dem Comedy-Luder zu)
MARIA: Das wirkt irgendwie wie eine geschmacklose Parodie auf Picasso.
COOPER: Meinen Sie, das trägt man so in Zukunft?
DR. S: Es war nicht so geplant! Sie... sie... sie hat sie auch völlig falsch benutzt.
COOPER: Wie kann man sowas denn falsch benutzen?
DR. S: Ich habe ihr ausdrücklich gesagt, sie soll nicht fliegen.
LAMOUR: Die Operation war vor neun Monaten.
DR. S: Nie mehrfliegen! Die Dinger sind einfach... instabil.
COOPER: Ja, das haben wir alle gesehen. Gut, kommen wir zurück zu wichtigeren Dingen.
MARIA: Wann wird Frühstück serviert? Ich dachte, auf diesem Flug gibt es auch eine Mahlzeit.
COOPER: Meinen Sie nicht, es gibt im Moment wichtigere Dinge?
JOSEF: Er meint die Leiche.
MARIA: Ach so, ja, die hatte ich völlig vergessen. Sie wollen doch nicht etwa andeuten…
JOSEF: Andeuten?
MARIA: Nun, ich weiß, dass man so etwas tut, wenn die Maschine abgestürzt ist, irgendwo in den Bergen oder in Schnee und Eis, wo es keine Nahrungsmittel gibt und keinen Zimmerservice. Um zu überleben.
JOSEF: Häh?
MARIA: Nun, dass man sie isst. Seine Mitreisenden. Die dann natürlich schon tot sind. Jedenfalls hoffe ich das. Sonst muss eben abgestimmt werden. Dann muss sich halt jemand opfern, damit die anderen überleben können. Für die ist es ja auch keine rege Freude, das glauben Sie mal nicht.
JOSEF: Ich versteh nich…
MARIA: Obwohl ich gehört habe, dass der Geschmack ganz interessant sein soll. Einer meiner Bekannten flog angeblich nur, weil er hoffte, dass die Maschine abstürzen würde und er dann legal Menschenfleisch essen könnte. Er war wohl bei einem Aufenthalt in Afrika auf den Geschmack gekommen, sagt man.
JOSEF: Bei was?
MARIA: Bei einem Stamm. In Afrika. Oder war es eine Reitermiliz? Auch möglich. Jedenfalls gab es da das Gerücht, er hätte Menschenfleisch gegessen. Und er wäre auf den Geschmack gekommen.
JOSEF: Und dann?
MARIA: Dann ist er ständig mit dem Flugzeug geflogen in der Hoffnung abzustürzen, aber das habe ich ja schon erzählt.
JOSEF: Ja, das haben Sie. Und was ist mit ihm?
MARIA: Oh, er ist irgendwann mit einem Flugzeug abgestürzt. Man sagt, seine Mitreisenden haben ihn gegessen. Aber das bedeutet nicht, dass ich auch nur ein Flugzeug besteige in der Hoffnung, meine Mitreisenden verspeisen zu dürfen. Außerdem möchte ich hinzufügen, dass ich die Verstorbene nicht gemocht habe und deshalb davon ausgehe, dass ich Sie auch als Mahlzeit nicht mögen werde. Wenn sie also der Snack auf diesem Flug sein soll, dann passe ich.
COOPER: Der Snack auf diesem Flug?
MARIA: Das Frühstück. Auf das ich warte. Für das ich bezahlt habe. Das war es doch, das Sie andeuten wollten. Dass ich nur auf diesem Flug bin, um einen Menschen zu verspeisen und dass diese Verstorbene dort das Frühstück ist… oder nicht?
COOPER: Nein, nicht mal andeutungsweise.
MARIA: Oh.
JOSEF: Ich glaube, er wollte sagen, dass die Leiche an Bord wohl wichtiger wäre als das Frühstück.
MARIA: Ach so. Ja, jetzt verstehe ich. Ein Missverständnis. Das passt ja mal wieder ins Bild.
JOSEF: In welches?
MARIA: Manche Leute denken eben niemals an andere. Da verlangt man nicht mehr als ein harmloses kleines Frühstück, aber nein, irgendjemand hält sich für so wichtig, dass er sich umbringen lässt und alle anderen müssen darunter leiden.
JOSEF: Genau.
MARIA: Das gehört sich aber auch nicht. Sich einfach auf einem Flug umbringen zu lassen. Dafür gibt es doch Hotels oder Bars oder alte Schlösser in England. Das verdirbt uns allen die Reise, aber denken diese Leute daran? Nein, die denken mal wieder nur an sich.
JOSEF: Die Opfer?
MARIA: Die auch. Und natürlich die anderen.
JOSEF: Die anderen Passagiere?
MARIA: Die anderen, diese… Mörder.
JOSEF: Ach die.
MARIA: Mörder sind ja sowas von egoistisch!
COOPER: Ja, das sind schlimme Leute. Haben Sie noch weitere Ideen?
MARIA: Nun, wenn sich der Mörder vielleicht einfach melden könnte, damit wir alle Bescheid wissen?! Wenn ich ehrlich bin, möchte ich auch nicht gerne während des Fluges neben so jemandem sitzen. Wer weiß, vielleicht hat er sein Soll ja noch nicht erfüllt und dann will er mich auch noch umbringen...
COOPER: Verdenken könnte man es ihm nicht.
MARIA: Bitte?
COOPER: Nichts. Nun, das war ein Vorschlag zur Vorgehensweise. Möchte sich der Mörder bitte freiwillig melden, damit wir die Sache hinter uns haben?
COOPER: (sieht von einem zum anderen)
WALTHER: (scheint zu einer Erwiderung anzusetzen, überlegt es sich dann aber anders und schüttelt nur den Kopf)
DR. S: (starrt nur vor sich hin, als erwarte er, jeden Moment verklagt zu werden)
LAMOR (starrt Dr. SEBRETZKI an, als habe sie vor, ihn jeden Moment zu verklagen. Oder schlimmeres.)
MARIA: (sieht von einem zum anderen, ob sich denn wohl jemand melden würde)
JOSEF: (wirbelt mit einem Zahnstocher das Eis in seinem Whisky herum)
COOPER: Gut, da niemand spontan die Tat zugeben möchte, was machen wir?
JOSEF: Warum landen wir nicht einfach und lassen die Polizei die Sache klären?
COOPER: Das wäre natürlich eine Möglichkeit. Aber wir haben einen Mörder an Bord. Und solange wir in der Luft sind, kann er nicht verschwinden. Was sich aber ganz schnell ändern kann, wenn wir erstmal gelandet sind. Und außerdem: Was, wenn er einen Pilotenschein hat? Was, wenn er uns nach und nach alle umbringt und die Maschine dann selber landet? Ich habe ehrlich gesagt keine Lust, von hinten erstochen zu werden, während ich mich im Landeanflug befinde. Und wer kann mir garantieren, dass nicht einer von Ihnen genau das vorhat?
WALTHER: Aber, und ich frage das nur ungern, weil ich weiß, dass die Zeit knapp wird und wir bestimmt auch nicht ewig in der Luft bleiben können, da sich die Tanks der Maschine bestimmt auch langsam leeren, was bleibt uns denn sonst noch in einer solchen unangenehmen und sicher auch gefährlichen Situation an Möglichkeiten, was wir noch tun können, um weiteres Unheil abzuwenden.
COOPER: Gute Frage, Herr Walther. Nun, ich habe den Autopiloten eingeschaltet. Wir erreichen unser Ziel frühestens in (sieht auf seine Uhr) 90 Minuten. Ich werde jeden von Ihnen einzeln befragen, und dann... werden wir den Mörder hoffentlich finden.
MARIA: Eine Frage hätte ich da noch. (alle sehen sie an) Was ist mit dem Frühstück?
BLACKOUT
erste Szene
(Während der Verhöre befinden sich COOPER und die Person, die er verhört vor der Wand zum Cockpit. COOPER lehnt sich meist an die Wand, während die zu verhörende Person in der Sitzreihe davor Platz genommen hat. Der Rest der Passagiere befindet sich „am Heck“ der Maschine, also im hinteren Bereich.)
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