DS: Das ist... eher eine Grauzone. Aber wer wirklich rückfällig wird, landet auf jeden Fall sofort wieder im Knast – und bekommt seine eigene Serie, „Bück dich in der Dusche“ oder so.
JK: Sehr gut! Es gab doch mal diese Sendung, wo man im Fernsehen heiraten konnte. Warum machen wir nicht das Gegenteil? Viel mehr Paare lassen sich scheiden…
WW: Viel mehr Paare als heiraten?
JK: Äh… schon möglich! Da also so viele Ehen geschieden werden, warum machen wir nicht auch eine Show daraus?
DS: „Die Traumscheidung“, super, da kann jeder Partner dem anderen noch mal so richtig vorwerfen, warum seinetwegen die Beziehung gescheitert ist. Toll.
JK: Das bringt mich auf eine Idee. Viel zu viele Paare bekommen heute ungewollt Kinder. Warum helfen wir denen nicht?
WW: Indem wir Familien für diese Kinder suchen, in denen sie ein gutes Elternhaus und eine gute Erziehung bekommen?
JK: Nein, viel sinnvoller: Indem wir ihnen die Abtreibung bezahlen.
WW: Bitte?
JK: Das gibt’s auch noch nicht: „Die Traumabtreibung“!
DS: Dafür brauchen wir unbedingt eine holländische Moderatorin!
WW: Wieso das?
DS: Weil niemand den nichtwerdenden Eltern so charmant die Ultraschallaufnahmen zeigen kann: „Das wäre Ihr Kind gewesen!“
JK: Man könnte den goldenen Kleiderbügel gewinnen…
DS: …oder den Sturz auf der Showtreppe!
JK: Und wer weiß, vielleicht sorgen wir so sogar dafür, dass diese Paare zusammenbleiben. Wir tun tatsächlich noch ein gutes Werk!
DS: Obwohl das eigentlich gar nicht unsere Aufgabe ist. (denkt nach, hat Idee) Aber wir könnten damit werben! Gut, was kommt danach?
WW: Wie wäre es mit einer Sendung, bei der ein Sozialarbeiter den missbrauchten „Stars“ der Serien, aber auch den missbrauchten Zuschauern, klarmacht, warum diese Sendungen rein gesellschaftlich gesehen eigentlich für keinen von ihnen gut sind?
JK: Das würden wir machen, wenn wir glauben würden, wir hätten eine Verantwortung für unsere Zuschauer.
WW: Haben wir das nicht?
JK: Haben wir schon, ignorieren wir aber. Also ignorieren wir das und kommen zum Höhepunkt des Abends: Tittenboxen.
DS: Super! Wie wollen wir das umsetzen? Zwei aufgepumpte Blondinen, die sich gegenseitig die Implantate aus der Bluse schlagen?
JK: Möglich. Oder ein Ringkampf, in dem nur die Brüste als Waffen eingesetzt werden dürfen.
DS: Vielleicht ein Kleinwüchsiger, der in zwei überdimensionalen Möpsen die Sparringspartner seines Lebens gefunden hat?!
JK: Sie sehen, die Möglichkeiten sind endlos. Und natürlich werden wir um „Promi-Tittenboxen“ nicht herumkommen.
DS: Großartig!
JK: Immerhin hat noch nicht jeder dieser Pseudo-Promis versucht, gleichzeitig seine Brüste und seine Bekanntheit zu vergrößern. Das ist die Gelegenheit: Erst „Promi-Brustvergrößerung“ und dann die Bewährung der neuen Körbchengröße auf dem Schlachtfeld der Ehre.
DS: Phantastisch!
JK: Und zum finanziell krönenden Abschluss gibt es dann das Tittenboxen in DVD-Tittenboxen. Das wird der Renner!
BLACKOUT
fünfte Szene
(Das Licht verändert sich wieder, die Kabine wird dunkler, das Cockpit wird beleuchtet wie zuvor. COOPER sieht das Publikum an)
COOPER: Es ist ein Konzept, mit dem man nur Erfolg erleiden kann!
Aber dieses Comedy-Luder mit ihrer „verrückten“ Oberweite? Wie soll denn sowas während des Fluges passieren? Beim Start, okay, das wäre nachvollziehbar. Aber so? Außerdem habe ich gelesen, sie würde gerne mal in den Weltraum reisen. Na, da hätten sich die Astronauten aber gefreut, wenn ihnen nach einem geglückten Start die Implantate um die Ohren geflogen wären. Wenn die Dinger eine Reise im Düsenjet schon nicht aushalten, wie hätten die sich dann wohl auf dem Weg in den Weltraum verhalten? Oder in der Schwerelosigkeit? Oder gar beim Wiedereintritt? Wäre das Shuttle auseinander gebrochen und verglüht? Und das einzige, was man von den Insassen gefunden hätte, wären zwei Silikonkissen Größe Doppel-D gewesen? Bestimmt wird die mich jetzt verklagen, weil ich ihre Karriere zerstört habe. Dabei kann ich gar nichts dafür. Wahrscheinlich eher ein lausiger Schönheitschirurg.
LAMOUR: (schreit)
COOPER: Na toll. Wahrscheinlich hat sie endlich den Mut gefasst, aufzustehen und festgestellt, dass ihr Arschimplantat das gleiche Schicksal ereilt hat wie ihre Brustpolster. Vielleicht gibt es ja Dämonen der Lüfte, die sich einen Spaß daraus machten, unschuldige Silikonkissen zu verschieben?
LAMOUR: (schreit)
COOPER: Ja, ich komm ja schon. (geht in die Passagierkabine. Alle Passagiere haben sich erhoben starren in die gleiche Richtung: zu Gloria Wunder, die am Fenster sitzt) Was ist jetzt wieder?
LAMOUR: Sie... sie
COOPER: Sie? Sie? (sieht sich um, folgt der Blickrichtung der anderen... und erkennt) Oh!
LAMOUR: Ihre Brüste...
COOPER: Ich sehe es.
LAMOUR: ...sie sind so natürlich...
COOPER: Ja, das kommt vor.
LAMOUR: ...und wohlgeformt...
COOPER: Ja.
LAMOUR: ...und klein...
COOPER: Ja.
LAMOUR: ...aber etwas stimmt mit ihnen nicht...
COOPER: Ja.
LAMOUR: ...was... was kann das nur sein?
COOPER: (schaltet das Licht ein. Die Passagierkabine ist gut ausgeleuchtet) Ein Messer steckt in ihnen drin!
LAMOUR: Und... was machen wir jetzt?
COOPER: Das, was man in einem solchen Fall immer macht: Schreien!
LAMOUR: (schreit)
COOPER: (nach einiger Zeit) Gut, ich denke das reicht jetzt.
MARIA: (steht von ihrem Platz auf und sieht die Leiche) Meine Güte. (sie deutet auf die Leiche und beginnt zu schreien)
COOPER: (steht dabei, sieht auf die Uhr) Okay, genug.
MARIA: (verstummt)
COOPER: Sonst noch jemand?
LAMOUR: (will wieder anfangen)
DR. S: (kommt ihr zuvor und schreit)
COOPER: (sieht auf die Uhr) Gut, da das erledigt wäre...
MARIA: (deutet auf die Tote) Ist sie tot?
COOPER: Wovon sind Sie denn bitte ausgegangen, als Sie angefangen haben zu schreien?
MARIA: Aber vielleicht haben wir uns geirrt?
COOPER: Ein Messer steckt in ihrer Brust und sie hat sich nicht gerührt, als sie Ihr ohrenbetäubendes Gekreische gehört hat.
JOSEF: Die is hin. Das is der Beweis.
MARIA: Woran mag sie gestorben sein? (sieht sich die Leiche aufmerksam an)
COOPER: Gift?
MARIA: Woher wissen Sie das? Haben Sie an ihrem Atem gerochen?
COOPER: (seufzt) Sie hat ein Messer in der Brust, was meinen Sie, woran sie wohl gestorben ist?
MARIA: Oh! Sie meinen, sie wurde erstochen?
COOPER: Das wäre wohl meine erste Theorie.
MARIA: War es möglicherweise Selbstmord?
COOPER: (seufzt, diesmal ausgiebiger) Davon würde ich mal nicht ausgehen.
MARIA: Wovon würden Sie denn dann ausgehen?
COOPER: Dass sie irgendjemand umgebracht hat.
MARIA: Irgendjemand hier an Bord?
COOPER: Nein, jemand von außerhalb – natürlichirgendjemand hier an Bord. Oder hatten Sie das Gefühl, sie hatte das Messer schon der Brust, als sie an Bord gekommen ist?
MARIA: Kein Grund, ruppig zu werden. Ich versuche nur zu verstehen, was hier wohl passiert ist. Aber woher wollen wir denn wissen, dass sie noch nicht tot war, als sie das Flugzeug bestiegen hat?
WALTHER: (spricht sehr, sehr langsam und einschläfernd langweilig) Ich glaube, Sie haben sich mit ihr unterhalten. Es war, bevor Sie an Bord gekommen ist, da haben Sie mit mir gesprochen und haben mir die Frage gestellt, wie es mir geht, worauf ich geantwortet habe, es ginge mir so einigermaßen, nicht unbedingt gut, aber auch nicht schlecht, nichts besonderes halt, ein Zustand, in dem man durchaus leben kann, der aber nicht als sonderlich befriedigend zu bezeichnen wäre und der weit entfernt von wahrem Glück ist, aber wahres Glück zu finden erscheint mir in der heutigen Welt sowieso sehr schwierig...
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