K.P. Hand - Willenbrecher

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Um dem Kopf einer organisierten Sklavenhändlertruppe auf die Spur zu kommen, schleust sich der Ermittler Norman Koch als Drogendealer in eine Verbrecherorganisation ein. Während er, abgeschnitten von seinen Kollegen und Vorgesetzten, sein Leben in Gefahr bringt um die vielen Entführten zu retten, verschwindet erneut ein junges Mädchen, das gar nicht weit von Normans Reichweite entfernt festgehalten und gefoltert wird.
Um sie zu retten benötigt Norman die Hilfe eines alten Bekannten: dem Auftragskiller Alessandro.
Überraschend möchte sich Alessandro mit Norman verbünden um ihm bei dem Fall zu helfen.
Norman lässt sich darauf ein, doch merkt er schnell, das dieser Verbrecher gar nicht so skrupellos war, wie er sich einen Auftragsmörder vorstellte. Zu der Angst, bei diesem Fall zu versagen, drängten sich Norman nun auch noch Gefühle auf, die er gegenüber diesem Mann keinesfalls zulassen will…
*Warnung: Dieser Roman will keinesfalls Gewalt verherrlichen, jedoch tauchen Szenen und Darstellungen von physischer und psychischer Grausamkeit auf, die auf manche Menschen verstörend wirken können. Außerdem enthält diese Geschichte explizit geschilderte homoerotische Szenen, an denen sich einige Menschen stören könnten. Altersempfehlung: ab 18 Jahre

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»Ich weiß«, erklärte Mona, »ich habe gestern Abend angerufen und mich beworben, Ihr Kollege sagte, ich solle heute einfach vorbei kommen und meine Bewerbungsunterlagen mitbringen, man würde mich dann drannehmen, wenn die anderen Bewerber durch sind.«

Die Blonde lächelte erneut charmant. »Verstehe. Okay, dann kommen Sie doch einfach schon mal mit, so wie es aussieht, wird Ihre Vorgängerin heute nicht mehr auftauchen.«

Mona folgte der blonden Frau - die sie ohne Neid als Schönheit bezeichnen würde - durch einen langen Flur zu einem Raum voller Schriebtische und Computer.

Mona war kurz verwundert, denn sie hatte einen Konferenzraum mit mehreren Frauen und Männern erwartet, die sie verhören würden. Stattdessen wurde sie zu einem Mann an einem Schreibtisch geführt, der geschäftig auf seiner Tastatur herumklimperte.

Er war klein, bummelig und hatte sein mittelbraunes Haar zu einer schmierigen Frisur gestylt. Sein Anzug war schmutzig, sein Hemd wies Senfflecken auf und seine runde Brille saß schief auf seiner dicken Knollennase.

»Einen Moment«, sagte er abweisend ohne aufzusehen, als Mona neben ihm stehen blieb.

Die blonde Sekretärin drückte aufmunternd Monas Arm und flüsterte ihr freundlich zu: »Viel Glück.«

»Danke«, hauchte Mona zurück und strich sich schüchtern eine ihrer hasselnussbraunen Haarsträhnen, die sich aus ihrer Hochsteckfrisur gelöst hatte, hinter ihr Ohr.

»Setzten Sie sich«, brummte der Mann am Computer.

Mona kam dem geknurrten Befehl nach und fühlte sich reichlich unwohl, als sie sich auf dem Stuhl niederließ, der an der kurzen Seite des überfüllten Schreibtischs stand.

Sie warf einen unauffälligen Blick auf den Bildschirm des Mannes, konnte aber mit der aufgerufenen Website nichts anfangen. Sie erkannte Fotos von jungen Menschen. Frauen und Männer Anfang zwanzig, vielleicht auch jünger, dahinter las sie Namen ohne Nachnamen und Zahlen mit einem Eurozeichen.

Der Mann, der sich ihr nicht vorstellte, ließ von der Tastatur ab und sah sie an.

Erwischt !, dachte Mona und wurde rot.

Nun lachte der Mann auf. »Keine Sorge, ich mache kein großes Geheimnis daraus, das ich für Sex zahlen muss.«

Mona wünschte, er hätte eines daraus gemacht.

»Interessant, was man mittlerweile alles im Internet erwerben kann«, murmelte sie.

Er lachte erneut auf. »Sie ahnen ja gar nicht, was man noch so alles kaufen kann.«

Nun wandte er sich ab und ließ das Thema fallen. Er schnappte sich ein Blattpapier von einem unordentlichen Stapel und beugte sich mit einem Kugelschreiber darüber.

»So, Frau ... Hochhausen. Sie haben also bereits mehrere Ausbildungen angefangen aber wieder abgebrochen-«

»Ich bin nicht Frau Hochhausen«, unterbrach Mona schnell. »Ich ... Mein Name ist Mona Lorenz, ich wurde vorgezogen, weil Frau Hochhausen wohl nicht erscheint.«

Er brummte etwas Unverständliches und strich etwas auf dem Blatt aus. Dann legte er es auf einen anderen Stapel.

»Haben Sie das Formular ausgefüllt?«, fragte er genervt.

»Nein«, antwortete Mona. »Ich habe gestern Abend angerufen und wurde für heute eingeladen. Ich habe meine Bewerbungsmappe-«

»Lebenslauf?«

Mona stockte kurz, weil sie unterbrochen wurde, antwortete dann aber: »Ja. Natürlich!«

Er streckte den Arm aus und machte mit seinen Fingern eine auffordernde Geste.

Diese herablassende Art die er hier anstrebte, machte Mona langsam wirklich wütend. Am liebsten wäre sie gegangen, doch das würde ihren Vater nur wieder zornig machen, deshalb kramte sie aus ihren Unterlagen den Lebenslauf hervor und gab sie kommentarlos dem Mann.

Er sah sich das Blatt nicht einmal an, er legte es zur Seite und reichte ihr ein Formular.

»Ausfüllen«, befahl er im schroffen Ton und knallte einen Kugelschreiber auf das Formular.

Mona blinzelte ihn verwundert an, doch er würdigte sie keines Blickes.

Ausatmend nahm sie den Kugelschreiber an sich und beugte sich über das Formular. Die ersten Dinge waren leicht auszufüllen und standen bereits in ihrem Lebenslauf: ihr Name, ihr Geburtsdatum, Familienstand. Hatte sie Eltern? - Wenn ja: Name der Eltern, Tätigkeit der Eltern.

Aber dann wurde es kurios.

Sie wurde gefragt, ob sie Medikamente nahm, ob sie ansteckende Krankheiten hätte, ob sie schwanger sei, ob sie rauchte und ob sie schon einmal eine Suchterkrankung aufzuweisen hätte. Zudem wurde gefragt, ob sie zu einem Therapeuten ging.

Mona wusste, worauf das hinauslief.

Diese Firma nahm vielleicht mittelmäßige Schüler an, doch diese mussten voll und ganz gesund sein. Körperlich und psychisch.

Kurz war sie versucht, einzutragen, dass sie eine ehemalige Alkoholikerin wäre und abhängig von schwere Psychopharmaka war. Doch stattdessen kritzelte sie einfach irgendwelche Zeichen in die Spalten, damit es so aussah, als hätte sie etwas eingetragen. Säße sie nicht direkt neben diesem Typ, hätte sie sich die Mühe erspart.

Wie nicht anders erwartet, nahm er das Formular ohne einen Blick darauf geworfen zu haben an sich und legte es zu ihrem Lebenslauf.

»Danke. Warten Sie bitte draußen, wir geben Ihnen gleich bescheid.«

Mona hätte gerne abfällig geschnauft, doch sie verbiss es sich. Kommentarlos erhob sie sich und wandte sich ab.

Ekelhafter Lustmolch !, schimpfte sie in Gedanken. Da schaut er sich im Internet Prostituierte an, anstatt anständig seinen Job zu machen!

Aber ihr konnte es recht sein. Nun, da sie das Formular nicht richtig ausgefüllt hatte, waren ihre Chancen hier sowieso auf Null zurückgeschnellt.

Mona kam wieder im Wartebereich an, nun saß die blonde Frau hinter dem Anmeldetresen. Sie lächelten sich zu, als Mona sich setzte.

Kurz darauf klingelte ein Telefon. Die Sekretärin nahm den Hörer ab und ging ran. Sie horchte, legte auf und verließ den Raum.

Mona seufzte tief und lehnte sich gegen die Stuhllehne. Sie wollte hier raus und endlich nach Hause. Hier in dieser Firma würde sie nicht einmal arbeiten wollen, wenn man sie darum anbetteln würde. Ihr Vater sähe das bestimmt anders, aber Mona hatte ein schlechtes Gefühl. Und im Zweifelsfall verließ sie sich stets auf ihre Gefühle.

Mona musste noch eine volle Stunde warten, eher die blonde Frau wieder auftauchte und mit einem bedauerlichen Blick auf sie zukam. »Entschuldigen Sie, dass Sie warten mussten, aber manche Bewerber werden sofort überprüft, das erspart uns viele Telefonate.«

Mona erhob sich und zog den Riemen ihre Tasche über die Schulter. Sie wusste, was nun kam.

»Tut mir sehr Leid, Frau Lorenz, aber ... Sie sind nicht das, was wir suchen.«

»Schon gut. Verstehe schon.«

Die Sekretärin sah sie mitleidvoll an: »Tut mir wirklich leid.«

»Muss es nicht.« Mona lächelte und dachte bei sich, das sie noch einmal davon gekommen war.

Sie verabschiedete sich von der Frau und verließ den großen Bürokomplex.

Eisige Luft wehte ihr auf dem Parkplatz entgegen, weshalb sie ihren schwarzen Mantel enger zusammen zog. Es war Januar und tiefster Winter, deshalb war der Himmel der Stadt bereits stockdunkel, obwohl noch nicht einmal achtzehn Uhr sein konnte.

Mona hasste es, alleine bei Dunkelheit durch die Straßen zu laufen, egal wie früh am Abend es war. Aber sie hatte kein Auto, nicht einmal eine Fahrerlaubnis, und ihre Mutter hatte keine Zeit, sie abzuholen. Vielleicht wäre ihr Bruder zuhause, aber zu diesem hatte Mona kein gutes Verhältnis.

Sie holte ihr Handy hervor und sah auf die Uhr. - Es war gerade erst 17:48Uhr.

Zwar lag die nächste Bushaltestelle nur fünf Minuten entfernt ... trotzdem beschloss Mona, den langen Weg zum Fitnessstudio zu laufen, in dem ihr fester Freund arbeitete.

Dafür musste sie aber in die andere Richtung. Zum Glück wusste sie, das es hinter dem Gebäude einen weiteren Ausgang gab, von dort aus sie auf die Straße gelangte, die sie nehmen musste. - Eine willkommene Abkürzung!

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